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Silber: 19,04 € +0,01 %
Stand: 08.06.2022
Früher noch als exotisch belächelt, sind Rohstoffinvestments heute bei Privatanlegern längst etabliert. Dafür gibt es Gründe. GOLD.DE informiert: Welche Anlageformen es gibt, was sich für wen eignet, was Anleger wissen müssen.
Ratgeber: In Rohstoffe investieren
Das Wichtigste in Kürze
  • Interessant als Diversifikation im Vermögensportfolio
  • Viele börsenhandelbare Finanzprodukte erhältlich
  • Gute Renditechancen, Schutz vor Inflation möglich
  • Risikobereitschaft nötig, da oft hohe Volatiliäten
  • Vorteil Edelmetalle: Hier bietet sich Direktanlage an
In Rohstoffe investieren In Rohstoffe investieren: Interessant zur Diversifikation im Vermögensportfolio

Was sind Rohstoffe?

Rohstoffe sind Grundstoffe, die durch Abbau oder Anbau aus der Natur gewonnen werden. Man unterscheidet nach Agrarrohstoffen, Energierohstoffen und Rohstoffen für die Metall-, Bau- und chemische Industrie. Edelmetalle wie Gold und Silber zählen auch zu Rohstoffen.

Warum in Rohstoffe investieren?

In Zeiten von Niedrigzins oder Inflation suchen Anleger verstärkt nach Alternativen. Hier rücken Sachwerte in den Vordergrund. Dazu zählen auch Rohstoffe. Sie bieten als Geldanlage gute Chancen auf Rendite und können auch vor Inflation schützen. Die Funktion als Sachwert gilt aber nur für Investments, die entweder in physischer Form vorliegen oder wenigstens physisch besichert sind, also "dinglich" existieren. Bei vielen börsenhandelbaren Papieren ist das nicht der Fall.

Spätestens mit dem Krieg in der Ukraine und den damit verbundenen Preisexplosionen bei manchen Rohstoffen hat sich auch das Bewusstsein für die Knappheit von Ressourcen geschärft.

Im Trend sind Rohstoffe aus nachhaltiger Förderung. Auch wird der Wechsel zur E-Mobilität sich auf die Nachfrage nach entsprechenden Rohstoffen auswirken, Stichworte Lithium, Kupfer oder Kobalt.

Ethisch fragwürdig gilt vielen die Spekulation auf Agrarrohstoffe, also Lebensmittel.

Tipps für Anleger

Ein Rohstoffinvestment empfiehlt sich zur Diversifikation im persönlichen Vermögensportfolio. Hier können Rohstoffe die Rolle eines "Rendite-Bringer" übernehmen. Interessant ist auch die Wechselwirkung mit anderen Vermögensassets. So stehen Rohstoffe nicht selten in negativer Korrelation zu Aktien oder Anleihen.

Anleger sollten aber Risikobereitschaft mitbringen, denn fast alle Rohstoffe gelten als volatil. Naturkatastrophen, politische oder ökonomische Krisen können schnell zu deutlichen Kursverlusten führen, da sich Anbau oder Förderkapazitäten meist nur langsam an veränderte Rahmenbedingungen anpassen lassen.

Eine erwähnenswerte Ausnahme ist Gold. Kursschwankungen sind weniger ausgeprägt; daher eignet sich Gold relativ gut als defensiver Wertanker.

Wer in Fonds investiert (mehrere Branchen oder mehrere Unternehmen), mindert ebenfalls das Risiko großer Kursverluste, muss aber dafür bei den Renditechancen Abstriche machen.

Vorteile Nachteile
Interessante Renditechancen Hohe Volatilität möglich (Ausnahme: Gold)
Oft negative Korrelation zu anderen Vermögensklassen Spekulativ
Kann Schutz vor Inflation bieten Märkte teils intransparent
Viele börsenhandelbare Finanzprodukte, schnelle Handelbarkeit Manche Börsen-Finanzprodukte nur für erfahrene Anleger geeignet

Rohstoffe handeln: Wie und wo?

Zum Glück braucht man heute weder einen Öltanker noch eine Lagerhalle, um auf Rohstoffe zu spekulieren. Mit einem Broker Konto, das auch viele Online-Banken bieten, kann jeder Privatanleger schnell und einfach in Rohstoffe investieren ohne sie physisch besitzen zu müssen. Zahllose börsenhandelbare Finanzprodukte eröffnen viele Möglichkeiten zum Rohstoffhandel an der Börse:

  • Rohstoffaktien: Man kauft Aktien von Unternehmen, die in der Rohstoffbranche tätig sind. Bei Aktien eines einzelnen Unternehmens hohes Risiko möglich, Stichwort Unternehmenspleite
  • Rohstoff-Fonds: Man kauft Anteile von Fonds, die in die Rohstoffbranche investiert sind. Geringeres Risiko aufgrund breiterer Streuung. Bei aktiv gemanagten Fonds zusätzlich Gebühren üblich. Anteile gelten als Sondervermögen, bleiben also bei Insolvenz der Fondsgesellschaft unangetastet
  • ETF (=Exchange Traded Fonds) : Wie Fonds, nur dass die Anteile nicht über die Fondsgesellschaft, sondern über die Börse handelbar sind (engl.: exchange traded). Im engeren Sinne werden darunter meist Indexfonds verstanden. Hier wird automatisiert ein Index nachgebildet, was die Managamentgebühr deutlich verringert
  • ETC (=Exchange Traded Commodities) : Schuldverschreibungen auf einen bestimmten Rohstoff (engl.: commodities=Rohstoffe). Anteile gelten nicht als Sondervermögen, daher bei Insolvenz des Emittenten theoretisch Totalverlust möglich. Manche ETCs sind jedoch mit realen Rohstoffwerten besichert. Siehe auch: Gold-ETFs & Gold-ETC einfach erklärt
  • Zertifikate (Terminkontrakte, Futures, Optionen): Mit Zertifikaten können Anleger an Termingeschäften teilhaben. Darunter versteht man Wetten auf die Zukunft. Die Vertragspartner vereinbaren, zu welchem Preis ein Rohstoff zu einem zukünftigen Termin gehandelt wird. Die Ausgestaltung kann im Detail sehr unterschiedlich und kompliziert sein. Zertifikate sind Schuldverschreibungen; bei Insolvenz des Emittenten theoretisch Totalverlust möglich. Gelten als riskant.
  • Direktanlage: Man erwirbt physischen Besitz. Hier bieten sich Edelmetalle an. Insbesondere Gold hat den Vorteil einer vergleichsweisen geringen Volatilität verbunden mit hoher Wertdichte. Ein Goldbarren benötigt wenig Platz. Zudem ist der Erwerb von Anlagegold, im Gegensatz zu allen anderen Edelmetallen, mehrwertsteuerfrei.
Art Renditechance >< Risiko Geeignet für
Rohstoffaktie hoch >< hoch Anleger, die sich informiert haben zum Unternehmen
Rohstofffonds mittel >< mittel Alle Anleger
ETF mittel >< mittel Alle Anleger
ETC hoch >< hoch Erfahrene Anleger
Zertifikate hoch >< riskant Erfahrene Anleger
Physisches Investment: Gold mäßig >< mäßig Alle Anleger
Physisches Investment: Alle anderen Edelmetalle hoch >< mittel Alle Anleger. Kauf aber mehrwertsteuerpflichtig bzw. Differenzbesteuerung

Warum werden Rohstoffe in Dollar gehandelt?

Auf dem Weltmarkt erfolgt die Notierung der meisten Rohstoffkurse in Dollar. Rohstoffpreise hierzulande sind also nichts anderes als eine Umrechnung in die Heimatwährung zum aktuellen Währungskurs.

Dies ist vor allem historisch begründet. Mit Ende des 1. Weltkrieges stiegen die USA zur führenden Wirtschaftsmacht auf. 1944 folgte das Bretton Woods System, welches bis in die 70er Jahre den US-Dollar als Weltleitwährung zementierte. Als Resultat haben die USA noch heute in vielen wirtschaftlichen Bereichen eine Vormachtstellung.

Entsprechend erfolgte die weltweite Förderung vieler Rohstoffe oft unter direkter Federführung amerikanischer Weltkonzerne oder es wurden, Stichwort Petrodollar, Abkommen gemacht, dass der Handel in Dollar zu fakturieren sei.

Viele wichtige Handelsbörsen für Rohstoffe liegen daher in den USA. Dazu zählen die ehemals selbstständige Commodity Exchange (=COMEX), die heute zur New York Mercantile Exchange (=NYMEX) gehört, oder die CME Group, die wohl größte Options- und Terminbörse der Welt. Die CME Group ist ein Zusammenschluss aus dem Chicago Board of Trade (CBOT) und der Chicago Mercantile Exchange (CME).

Andere wichtige Handelsbörsen notieren ebenfalls die Preise in Dollar. Dazu zählt die London Metal Exchange (LME) oder der London Bullion Market, beides wichtige Handelsplätze für Metalle bzw. Edelmetalle.

Rohstoffkurse in Dollar beinhalten in der Theorie ein Wechselkursrisiko, da ein Anleger im Euroraum beim Rohstoffkauf theoretisch erst seine Euro in Dollar umtauscht, um dann mit diesem Dollarbetrag den Rohstoff zu kaufen. In der Praxis ist das aber irrelevant, da Privatanleger beim Kauf wie Verkauf von Rohstoffen meist in der Heimatwährung bleiben. Mehr: Wechselkurs Euro-Dollar.

Edelmetalle

Für Rohstoff Anleger sind Edelmetalle besonders interessant, da sie aufgrund ihrer hohen Wertdichte wenig Platz zur Lagerung benötigen und nicht rosten. Sie eignen sich daher gut zur Direktanlage. Einzig Silber benötigt bei vergleichbarer Wertsumme deutlich mehr Platz.

Bei Gold und Silber ist das Angebot an Barren und Bullionmünzen sehr groß. Aber auch bei Platin und Palladium ist das Angebot an Münzen und Barren interessant. Weitere Edelmetalle wie Rhodium, Ruthenium oder Iridium gelten als exotisch, auch wenn der Markt einige Produkte zur Geldanlage bietet. Aufgrund des hohen Wertes werden Edelmetallpreise pro Feinunze notiert, das sind rund 31,1 Gramm. 

Von den Edelmetallen unterschieden werden unedle Metalle. Salopp formuliert besteht der Unterschied vor allem darin, dass Edelmetalle korrosionsbeständig sind, während unedle Metalle eine mehr oder weniger starke Neigung haben mit Luft oder Wasser zu reagieren. Für Privatinvestoren sind unedle Metalle nicht interessant, da das Preisniveau sehr niedrig ist. Ihr Preis wird daher in der Regel je Tonne festgesetzt.

Eine Sonderstellung nimmt Kupfer ein. Es gilt als Halbedelmetall.

Liste edle und unedle Metalle

Einordnung Element
Edle Metalle: Gold, Silber, Platin, Palladium, Rhodium, Ruthenium, Iridium, Osmium, Quecksilber
Bekannte unedle Metalle (Auswahl): Eisen, Blei, Zink, Zinn, Cobalt, Lithium, Aluminium
Bekanntestes Halbedelmetall: Kupfer

Bekannte Großunternehmen aus Bergbau und Metallurgie:

Unternehmen Firmensitz Tätigkeit / Wichtigste Metalle
BHP Billiton Australien Diverse Industriemetalle, dazu Kohle, Öl, Gas
Glencore Schweiz Rohstoffhandel
Rio Tinto London & Melbourne Eisenerz, Aluminium, Kupfer
Norilsk Nickel Russland Nickel, Palladium, Platin, Kupfer, Silber, Gold, Kobalt und andere Buntmetalle
Vale Brasilien Eisenerz, Nickel, Kupfer, Platin, Gold, Silber, Kohle, Bauxit
Alcoa USA Aluminium
Jiangxi Copper China Kupfer

Auswahl ohne Wertung und ohne Anspruch auf Vollständigkeit

Unternehmen, die im Schwerpunkt Gold, Silber oder Edelmetalle fördern siehe hier:
Goldminen-Aktien

Steuer

Bei der Besteuerung von Aktien, Fonds und sonstigen börsenhandelbaren Finanzprodukten gelten für Rohstoffe dieselben steuerliche Regelungen wie sonst auch.

Beim Investment in physische Edelmetalle informiert ausführlich der GOLD.DE Ratgeber "Steuer & Edelmetalle": Besteuerung von physischen Edelmetallen.

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