Stand: 10.10.2018 0 Kommentare

Die Royal Mint ist die älteste und eine der produktionsstärksten Münzprägeanstalten der Welt mit Firmensitz in Llantrisant, Wales. Sie prägt alle britischen Umlaufmünzen, Kursmünzen für andere Staaten, Sammler- und Gedenkmünzen, Medaillen sowie Gold- und Silbermünzen für Anleger. Seit dem 31. Dezember 2009 hat die Royal Mint die Rechtsform einer Kapitalgesellschaft und befindet sich im Besitz des britischen Wirtschafts- und Finanzministeriums HM Treasury.

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Geschichte der Royal Mint

Die frühen Jahre (ab 886)

Die Existenz einer Münzprägestätte, aus der sich die heutige Royal Mint entwickelte, ist in London erstmals während der Regierungszeit des angelsächsischen Königs Alfred der Große um das Jahr 886 nachweisbar. Die ersten Münzen zeigen den Namen Londons in Form eines Monogramms. London war damals nur einer von rund 30 Orten in England, an denen Münzen hergestellt wurden. Bis zur Jahrtausendwende stieg diese Zahl noch auf rund 70.

Im Zuge der normannischen Eroberung Englands ab 1066 stellten viele lokale Prägestätten die Münzproduktion jedoch wieder ein. Mit der Ernennung von William de Turnemire zum Master Moneyer (oberster Münzmeister) für ganz England im Jahr 1279 wurden die verbleibenden englischen Prägestätten London formal untergeordnet. Im selben Jahr erfolgte der Umzug der Prägeanstalt in den Tower of London, wo die Münzprägung dann für mehr als 500 Jahre stattfand.

Von der Hammerprägung zur maschinellen Münzprägung (1560 - 1662)

Um 1540 wurden die noch bestehenden und im Wesentlichen kirchlichen Prägestätten mit Ausnahme von London geschlossen. Die Royal Mint ist seither meist die einzige aktive Münzprägeanstalt des Landes gewesen. Eloy Mestrell aus Paris prägte in den 1560er in London erstmals Münzen mittels einer Spindelpresse.

Trotz der hohen Qualität der Münzen und vermutlich aufgrund scharfer Opposition der Münzmeister wurde die Umstellung der Produktion jedoch wieder rückgängig gemacht. Die Royal Mint kehrte zur traditionellen Hammerprägung zurück. Es dauerte noch ein Jahrhundert, bis im Jahr 1662 mit der Einführung von Pferden angetriebener Walzwerke in London die Zeit der durchgehend maschinellen Münzprägung begann.

Isaac Newton als Warden und Master of the Mint (1696 - 1727)

Im Jahr 1696 wurde Sir Isaac Newton zum Warden of the Mint ernannt. Newton leitete eine drei Jahre in Anspruch nehmende Ummünzung alter Silbermünzen. Die Aufgabe war so umfangreich, das im ganzen Land Hilfsprägeanstalteten errichtet werden mussten. 1699 wechselte Newton von der offiziell höchsten Position des Wardens zu der des Masters of the Mint. Formal war der Positionswechsel eine Herabsetzung Newtons. Allerdings war der Master of the Mint zugleich der Hauptkontraktor für die Münzprägung und der Posten, den Newton bis zu seinem Tod im Jahr 1727 bekleidete, war deutlich lukrativer.

Neben einem entschlossenen Vorgehen gegen Münzfälschungen und einem Fokus auf die genaue Einhaltung der vorgeschriebenen Münzgewichte, Maße und Metallkompositionen war Newtons folgenreichster Beitrag für das britische Geldwesen eine Festsetzung der der Gold-Silber-Ratio auf 1:15 in Jahr 1717. Gemessen an den Bewertungsverhältnissen in anderen europäischen Ländern führte diese Ratio zu einer Überbewertung von Gold in Großbritannien. Silber verließ in großen Mengen das Land und in Großbritannien etablierte sich, eher unbeabsichtigt, eine frühe Form des Goldstandards.

Umzug der Royal Mint auf den Tower Hill (1810)

Mit Beginn der 19. Jahrhunderts standen der Royal Mint dampfbetriebene Maschinen für die Münzprägung zur Verfügung, deren Einsatz allerdings in den Räumlichkeiten im Londoner Tower nicht möglich war. 1804 wurde die Errichtung eines neuen zweckmäßigen Gebäudes in unmittelbarer Nähe auf dem Tower Hill beschlossen. Die Produktion in der neuen Royal Mint begann im Jahr 1810.

Zweigstellen der Royal Mint in den Kolonien (1855 - 1970)

Im Zeitraum zwischen 1815 und 1914 vergrößerte sich das Britische Weltreich um rund 22. Millionen Quadratkilometer und erreichte seine größte Ausdehnung von 33,7 Millionen Quadratkilometer schließlich 1922. Die Praxis, Münzen für die Kolonien ausschließlich in London zu prägen, erwies sich ab der Mitte des 19. Jahrhunderts als kaum noch praktikabel. Als Konsequenz eröffnete die Royal Mint zwischen 1855 bis 1923 insgesamt sechs Dependancen in den Kolonien des Weltreichs, die teilweise bis 1970 unter britischer Verwaltung blieben:

  • Sydney, Australien (1855 - 1926)
  • Melbourne, Australien (1872 - 1968)
  • Perth (1899 - 1970)
  • Ottawa (1908-1931)
  • Bombay, Indien  (1918 - 1919)
  • Pretoria, Südafrika  (1923 - 1941)

Aus den Zweigstellen in Perth, Ottawa und Pretoria gingen einige der heute renommiertesten eigenständigen Münzprägeanstalten hervor: die Perth Mint, die Royal Canadian Mint und die South African Mint, die vor allem für die Prägung der Krügerrand Goldmünzen bekannt ist.

Auftragsarbeiten der Royal Mint für andere Länder (ab 1920)

Expertise, Erfahrung und Kapazität der britischen Royal Mint führten ab 1920 dazu, dass auch andere Länder Münzen von der britischen Prägeanstalt herstellen ließen. Sogar Staaten, die vom Vereinigten Königreich durch einen tiefen politischen und ideologischen Graben getrennt waren, nahmen die Dienste der Royal Mint in Anspruch. Die Sowjetunion ließ beispielsweise in den 20er Jahren Münzen in London herstellen. 1964 stieg der Output der Prägeanstalt erstmals auf über 1 Milliarde Münzen pro Jahr. Heute ist die Royal Mint nach eigener Aussage die führende exportierende Münzprägeanstalt der Welt, die Münzen für insgesamt 60 verschiedene Länder herstellt.

Die Royal Mint in Llantrisant, Wales (ab 1968)

Im Jahr 1966 wurde im Vereinigten Königreich die Dezimalisierung der britischen Währung beschlossen. Zuvor hatte eine Variante des noch aus mittelalterlicher Zeit stammenden Karolingischen Münzsystems gegolten, in dem 1 Pound jeweils 20 Shillings oder 240 Pence entsprachen. Die Aufgabe, hunderte Millionen neuer britischer Münzen zusätzlich zu den laufenden Auslandsaufträgen zu prägen, machte die Errichtung einer neuer Produktionsstätte für die Royal Mint erforderlich. Zum ersten Mal wurde als Standort nicht London gewählt, sondern das kleine Städtchen Llantrisant im Süden von Wales.

Royal Mint Ltd. (ab 2010)

Am 31. Dezember 2009 erhielt die Royal Mint eine neue Rechtform als Kapitalgesellschaft im Besitz des britischen Finanz- und Wirtschaftsministeriums. Die Royal Mint Ltd. hat einen exklusiven Vertrag für die Prägung aller Münzen des britischen Königreichs.

Bullionmünzen der Royal Mint

Neben britischen Umlaufmünzen, Gedenkmünzen, Medaillen und einer großen Anzahl ausländischer Münzen prägt die Royal Mint auch drei Goldmünzen und drei Silbermünzen für Anleger, die zu einem sehr niedrigem bis moderatem Aufgeld verkauft werden und auch in Deutschland zu fairen Preisen problemlos handelbar sind. Die aktuellen Sammlerversionen dieser Münzen sind auf der Webseite der Royal Mint gelistet. Im Folgenden sind die Bullionausgaben in der Prägequalität "Brillant Uncirculated" oder "Stempelglanz" aufgeführt.

Sovereign

Der britische Sovereign wurde erstmals 1817 geprägt und ist nach dem älteren englischen Sovereign (1489 - 1604) benannt. Die Spezifikationen wurden im Zuge der britischen Münzreform von 1816 festgelegt und gelten, von einer minimalen Gewichtsaufrundung im Jahr 1971 abgesehen, bis heute. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert war der Gold Sovereign die weltweit meistgeprägt Handelsgoldmünze. Die Prägung fand nicht nur in Großbritannien, sondern auch in den Zweigstellen der Royal Mint in den britischen Kolonien statt (siehe oben). Seit 1957 erscheint der Sovereign als Bullionmünze für Anleger.

Auf der Motivseite der Sovereign-Goldmünzen ist meist die Darstellung des Heiligen Georg im Kampf mit dem Drachen des italienischen Graveurs Benedetto Pistrucci oder das Wappenschild des Vereinigten Königreiches zu sehen. Als einzige britische Anlagemünze wird der Sovereign nicht in der Stückelung 1 oz (Feingewicht = 31,103 g) geprägt. Der Sovereign hat ein Feingewicht von 7,32 g und ein Münz- oder Raugewicht von 7,99 g. Der Half Sovereign hat ein Feingewicht von 3,66 g und ein Raugewicht von 3,99 g.

Die lange und geographisch diverse Prägegeschichte des Sovereigns sorgt für sehr unterschiedliche Preise im Handel, die von der einzelne Ausgabe abhängen. Ohne besondere Ansprüche an Jahrgang, Prägestätte und Motiv sind auch ältere Sovereigns zu einem niedrigen, modernen Bullionmünzen vergleichbaren Aufgeld erhältlich.

Einheit Durchmesser Dicke Nennwert Zeitraum Feinheit
Sovereign 22,05 mm 1,52 mm 1 GBP seit 1817 916,7/1000
Half Sovereign 14 mm 1,52 mm 1/2 GBP
Royal Mint Bullion

Britannia Gold

Die Goldmünze Britannia wird seit 1987 geprägt und wies bis 2012 eine Feinheit von 916,7/1000 auf. Im Jahr2013 wurde die Feinheit auf den bei modernen Bullionmünzen üblichen Goldanteil von 999,9/1000 angehoben. Auf der Motivseite ist die namensgebende Britannia zu sehen, eine weibliche Personifizierung der britischen Inseln. Die häufigste der (allerdings nicht im regelmäßigen Jahresrhythmus) wechselnden Darstellung Britannias ist die von Philip Nathan gestaltete "Standing Britannia" oder "Stehende Britannia". Die Variationen in der Gestaltung der Motivseite verleihen den Goldmünzen einen zusätzlichen Sammelcharakter.

Stückelung Durchmesser Dicke Nennwert Zeitraum Feinheit (ab 2013)
1 oz 32,69 mm 2,78 mm 100 GBP

seit 1987

1987 bis 2012:
916,67/1000
ab 2013:
999,9/1000
1/2 oz 27 mm 2,08 mm 50 GBP
1/4 oz 22 mm 1,63 mm 25 GBP
1/10 oz 16,5 mm 1,17 mm 10 GBP

Britannia Silber

Die Silbermünze Britannia erscheint seit 1997 und bestand bis 2012 aus Silber 958/1000. Im Jahr 2013 wurde der Silbergehalt auf 999/1000 angehoben. Die Gestaltung der Motivseiten ist identisch mit dem Design der Goldversion (siehe oben). Ältere Ausgaben der Britannia Silber haben teilweise Sammlerwert gegenüber dem jeweils aktuellen Jahrgang entwickelt.

Stückelung Durchmesser Dicke Nennwert Zeitraum Feinheit (ab 2013)
1 oz 38,61 mm 3 mm 2 GBP seit 1997 999/1000

Lunar Serie UK Gold (Shengxiào Collection Gold)

Die Lunar Serie UK Gold oder Shengxiào Collection Gold erscheint seit 2014 mit einer Feinheit von 999.9/1000 und zeigt in jedem Jahr ein Tier oder Fabelwesen aus dem zwölfjährigen Tierkreis (Shengxiào) im chinesischen Lunarkalender. Der Zyklus mit reizvollen Motiven verleiht den Ausgaben dieser Serie auch in der Version als Anlagemünzen einen zusätzlichen Sammelcharakter.

Stückelung Durchmesser Dicke Nennwert Zeitraum Feinheit
1 oz 32,69 mm 2,78 mm 100 GBP seit 2014 999/1000
1/10 oz 16,5 mm 1,17 mm 10 GBP seit 2014

Lunar Serie UK Silber (Shengxiào Collection Silber)

Die Lunar Serie UK Silber oder Shengxiào Collection Silber wird parallel zu der Goldversion (siehe oben) verausgabt, zeigt dieselben Motiven und ist ebenfalls als Anlagemünze mit Sammlerwert einzustufen. Im ersten Jahr der Prägung kam es zu einigen Fehlprägungen, bei der die Wertseite eine Britannia-Silbermünze und die Motivseite eine Lunar-Silbermünze (und umgekehrt) zeigt. Diese Fehlprägungen oder "Mules" werden mit einem deutlichen Aufgeld gegenüber den Normalprägungen beider Münzen gehandelt. Der Feingehalt für diese Münzen liegt bei 999/1000.

Stückelung Durchmesser Dicke Nennwert Zeitraum Feinheit
1 oz 38,61 mm 3 mm 2 GBP seit 2014 999/1000

Die Münzportraits von Elizabeth II

Der Avers (Vorderseite) britischer Münzen zeigt traditionell ein Portrait des amtierenden Monarchen im Profil. Dabei wechselt seit der Regentschaft von Karl II. mit dem Wechsel des Monarchen die auf dem Portrait dargestellte Kopfseite, die beim Betrachten der Münze als Blickrichtung nach rechts oder links erscheint. Seit 1952 ist die nach rechts blickende Elizabeth II auf den britischen Münzen zu sehen. Während ihrer langen Regentschaft verwendete die Royal Mint die folgenden fünf königlichen Portraits:

Designer Erster Jahrgang
Mary Gillick 1953
Arnold Machin 1968
Raphael Maklouf 1985
Ian Rank Broadley 1998
Jody Clark 2015 (aktuelles Portrait)

Trial of the Pyx

Als Trial of the Pyx wird der seit 1282 im Wesentlichen unveränderte Prozess bezeichnet, in dem die Übereinstimmung der Münzen mit den vorgeschriebenen Metallzusammensetzungen, Gewichten und Maßen überprüft wird. Das Wort "Pyx" bezeichnet die Kisten, in denen die zu prüfenden Münzen transportiert werden. Die Kennzeichnung der Überprüfung als "Trial", also "Prozess" ist in formaler Hinsicht durchaus juristisch zu verstehen.

Eine Jury, bestehend aus sechs Münzprüfern und einigen Vertretern der Finanzwelt, erhält in der Hall of the Worshipful Company of Goldsmiths versiegelte Säckchen mit je 50 Münzen, die nach dem Zufallsprinzip aus den einzelnen Chargen der Prägung ausgewählt wurden. Die Prüfung wird anhand von Vergleichen mit Plättchen, sogenannten Trial Plates, statt. Die Mitglieder der Jury haben zwei Monate für die Überprüfung der Münzen Zeit. Bei einer zweiten Zusammenkunft verkünden sie dem Richter dann das Urteil (Beispiel: Trial of the Pyx 2014: verdict of the jury).

Der Richter ist der Queen's Remembrancer of the Royal Courts of Justice, Inhaber des ältesten Amts der Rechtspflege im Vereinigten Königreich. Trotz des formal prozesshaften Charakters ist der Trial of the Pyx in der heutigen Zeit hochmoderner maschineller Münzproduktion vor allem als traditionelle Zeremonie von Bedeutung.

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