Stand: 20.08.2012  0 Kommentare

Was auf den Finanzmärkten geschieht und wer dabei gewinnt

Finanzkrisen sind ein Dauerbrenner in den Nachrichten. Da wird munter „gehebelt“ und von „den Märkten“ schwadroniert, die man nicht verärgern dürfe. Es geht um Tausende Milliarden Euro. Aber wo kommen sie her, wo verschwinden sie hin? Wer die „Tagesschau“ wirklich verstehen und sich nicht mit Worthülsen abspeisen lassen will, der wird in diesem Buch fündig: Hier geht es um die Macht des Finanzkapitals, das die Politik vor sich hertreibt, um Derivate, Zertifikate, Hedgefonds und „Heuschrecken“-Plagen, um Kredite und die Jagd nach Extraprofiten. Hermannus Pfeiffer zeigt, wer die Krise schürt und dann kräftig absahnt. Und am Ende skizziert er die Alternative zum profitablen Irrsinn: den „demokratischen Markt“.

Der Autor:

Jahrgang 1956, Dr. rer. pol., Soziologe und Wirtschaftswissenschaftler, Spezialgebiet Banken – Versicherungen – Finanzmärkte, freier Mitarbeiter verschiedener Zeitungen und Zeitschriften.
Zahlreiche Buchveröffentlichungen, u.a. „Das Imperium der Deutschen Bank“, Frankfurt/M. 1987, „Die Macht der Banken“, Frankfurt/M. 1993, „Der Kapitalismus frisst seine Kinder. Der Standort Deutschland, seine Gegner und seine glorreiche Zukunft“, Köln 1997, „Die Zähmung des Geldes. Finanzplatz Deutschland gegen den globalen Crash“, Reinbek bei Hamburg 2000, „Deutschland AG“, in: „Schwarzbuch Deutschland“ (Reinbek bei Hamburg 2009).

Quelle: Ch.Links Verlag
Der profitable Irrsinn
Eckdaten zum Buch
Genre: Sachbuch (256 Seiten)
Autor: Hermannus Pfeiffer
Sprache: Deutsch
Verlag: Ch.Links Verlag
ISBN-10: 386 153 662 5
ISBN-13: 978-386-153-662-8
Auflage: 1. Auflage (03/2012)
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Gold.de Rezension:

Bereits der Titel von Hermannus Pfeiffer´s Vorwort spricht Bände: „Da draußen herrscht Krieg“ – und genau das ist auch im Grunde genommen das Thema des Buches, bezogen auf den Kapitalmarkt.

Das Titelbild veranschaulicht ebenso deutlich wie simpel, dass die Zahnräder im Getriebe des Finanzmotors angeschlagen sind und zu bersten drohen. Ein Zahnrad beinhaltet eine Euromünze und symbolisiert damit Europa. Es wird von einem größeren Zahnrad, welches durch eine Viertel Dollar-Münze der USA dargestellt wird, „angetrieben“ und befindet sich inmitten des größten Zahnrades - das bereits wenige Ritzel weiter gebrochen ist. „Der Motor läuft nicht rund“ war gestern, heute steht die Welt vor einem kapitalen Motorschaden.

Auf den ersten Seiten erklärt Autor Hermannus Pfeiffer die Macht der Banken, wie sie im Hintergrund agieren und die Welt regieren. Laut dem Autor handelt es sich um 29 globale Akteure – Finanzzentren der Macht und allen Möglichkeiten dieser Erde. Geld regiert die Welt...oder sind es doch eher die Banken?

Ein zugegebenermaßen desillusionierendes Kapitel, allerdings relativiert der Autor einige der Vorurteile über das Bankensystem und seinen Angestellten. Wodurch wohl ein gemäßigtes Bild des Finanzsektors geschaffen werden soll; denn das eine Reinigungsfrau oder ein Sachbearbeiter – deren Stellen der Finanzbranche zugerechnet werden – nichts mit den asozialen und absolut desolaten Zuständen in einigen der mächtigen Schaltzentralen zu tun haben, dürfte jedem einleuchten.

Wie oft werden Nachrichten als Fakten präsentiert, Abläufe als selbstverständlich akzeptiert und mögliche Änderungen als „alternativlos“ deklariert – ohne dies in Frage zu stellen, weil die Fragen nicht in den Sinn kommen oder schlicht die fachliche Expertise fehlt?! Dr. Pfeiffer kennt einige der wichtigen Fragen, die scheinbar niemand offen stellt. Beispielsweise: Wie unabhängig sind denn nun die seit Monaten medial präsenten Ratingagenturen eigentlich? Was tragen eigentlich unsere Bürgermeister zur Situation bei? Woran kann man den Beginn einer Krise erkennen? Und woher bekommen eigentlich Banken ihr Geld?

So arbeitet sich der Autor gut strukturiert und hervorragend informiert zu den weiteren Themenbereichen vor.

Gegliedert ist das Buch in insgesamt 4 große Kapitel und jeweils einigen Unterkapiteln:

  • Die Akteure
    • Zu groß, zu mächtig – Die Banken
    • Schöpfer des Geldes – Die Zentralbank
    • Systemrelevant in der Krise – Die Versicherer
    • Risikoliebhaber – Die Fondgesellschaften
    • Nervenkitzel und Gier – Kleines Panoptikum der Zocker
    • Vom Gutachter zum Akteur – Die Ratingagenturen
  • Werkzeuge
    • Orte der geregelten Spekulation – Die Börse
    • Die bunte Welt der Finanzprodukte – Die Derivate
    • Versuchungen der öffentlichen Hand – Swaps und Cross-Border-Leasing
    • Spekulation auf doppeltem Boden – Wetten auf Lebensmittelpreise
    • Die Idee zum Finanzkapitalismus – Die Neoklassik
  • Die große Krise
    • Missachtete Warnsignale – Die Vorgeschichte
    • Als die Blase platzte – Die Immobilien-, Banken- und Finanzkrise
    • Unterschiedliche Reaktionen – Rettungspakete und Wirtschaftsboom
    • Kein Ende in Sicht – Staatsschuldenkrise und Euro-Krise
    • Normalität oder Ausnahme? – Kapitalismus in der Krise
  • Die Alternative
    • Der demokratische Markt Europas

In einigen Unterkapiteln erfolgt unter dem Titel „Was bleibt?“ eine kurze Zusammenfassung der letzten Seiten inkl. eigenem Statement von Dr. Pfeiffer.

Im Anhang des Buches befinden sich schließlich ein Glossar sowie eine Kurzvita des Autors.

Der Schreibstil von Dr. Pfeiffer ist durchweg flüssig, was das trockene – wenngleich spannende – Thema verständlicher werden läßt. Die Schlußfolgerungen des Autors sind in mehrerer Hinsicht interessant: Der Autor trägt den Titel Dr. rer. Pol. und zählt damit zu den Staats- und Wirtschaftswissenschaftlern. Darüber hinaus ist er Soziologe, was durchaus eine außergewöhnliche Mischung darstellt. Insbesondere im letzten Kapitel „Die Alternative“ zeigt er – ohne zu viel verraten zu wollen – einige gute Ansätze, die selbstverständlich vorrangig einen Wink in Richtung Politik darstellen sollen. Anhand der nachweislichen Resistivität der Regierenden in der bisherigen Krisenbewältigung darf jedoch davon ausgegangen werden, dass die Rufe ungehört verhallen werden.

Fazit: Bei dem Sachbuch „Der profitable Irrsinn“ handelt es sich um eine brillante Analyse der Finanzmärkte und dem „Irrsinn“ der politischen Machthaber. Wobei die gezogenen Schlussfolgerungen einen Irrsinn im klassischen Sinne ausschließen, da die Schuldfähigkeit der Hauptakteure sicherlich nicht in Frage gestellt werden kann.

© Gold.de Redaktion Der profitable Irrsinn
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