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Zum Ende des vierten Quartals 2024 (31.12.2024) betrug die Staatsverschuldung Deutschlands rund 2,509 Billionen Euro. Bei einer Bevölkerung von etwa 84,7 Millionen (Stand: 31.12.2024) entspricht das einer Pro-Kopf-Verschuldung von rund 29.650 Euro.
Diese Zahlen stammen vom Statistischen Bundesamt. Dabei werden die Schulden des öffentlichen Gesamthaushalts erfasst – ohne die Pensionsansprüche der Beamten. Der „nicht-öffentliche Bereich“ umfasst private Geldgeber, die dem Staat Kapital leihen. Hierzu zählen vor allem Banken, Unternehmen, Pensionsfonds und institutionelle Investoren im In- und Ausland. Auch Privatanleger, die deutsche Staatsanleihen halten, gehören zu den Gläubigern.
Nach mehreren Jahren des Schuldenabbaus kehrte sich der Trend 2020 um, und die Staatsverschuldung stieg erneut an. Im Vergleich zum Jahresende 2023, als die Verschuldung bei etwa 2,45 Billionen Euro lag, ist ein Anstieg von rund 50 Milliarden Euro zu verzeichnen.
Die Hauptursachen für das Wachstum der Schulden sind die weiterhin hohen Ausgaben für Rüstung und Sozialleistungen. Allein die Kreditaufnahme für das „Sondervermögen“ der Bundeswehr erhöhte die Verschuldung im Juni 2024 um 1,1 Milliarden Euro auf insgesamt 11,2 Milliarden Euro. Dadurch erreicht die Staatsverschuldung einen neuen historischen Höchststand:
Zum Vergleich: Im Jahre 1990 belief sich die Schuldenhöhe noch auf rund 540 Milliarden Euro, die Pro-Kopf-Verschuldung auf 8.500 Euro.
Zum Stichtag 31. Dezember 2024 betrug die Gesamtverschuldung des öffentlichen Gesamthaushalts in Deutschland laut Statistischem Bundesamt in Wiesbaden 2.509 Milliarden Euro.
Die Aufteilung dieser Schulden auf die verschiedenen Ebenen war wie folgt:
Diese Zahlen verdeutlichen, dass der Bund den größten Anteil an der öffentlichen Verschuldung trägt, gefolgt von den Ländern und den Gemeinden.
Bis zum Ultimo des vierten Quartals 2024 war es erneut der Bund, der vor allem für das Schuldenwachstum verantwortlich war.
Auch auf Länderebene stiegen die Schulden in der Summe um 8,1 Mrd. Euro im Vergleich zum Jahresultimo 2023.
Die Gemeinden und Gemeindeverbände wiesen ebenfalls einen Schuldenzuwachs auf. Allerdings ist deren Anteil in absolut betrachtet verglichen mit dem gesamten Schuldenstand gering. In Zahlen ausgedrückt:
Verschuldung nach Körperschaftsgruppen (in Milliarden EUR) | ||
|---|---|---|
| Körperschaft | 31. Dezember 2024 | Veränderung zum Jahresultimo'2023 |
| Bund | 1.732,7 | + 2,1 % |
| Länder | 606,9 | + 2,1 % |
| Gemeinden | 169,4 | + 9,5 % |
| Sozialversicherung | 39,5 | + 3,5 % |
| GESAMT | 2.509,0 | + 2,6 % |
Nachfolgend die Schulden der Länder bis Ultimo Q2'24 beim nicht-öffentlichen Bereich im Detail. Nordrhein-Westfalen hatte mit knapp 239 Milliarden Euro die meisten Schulden, Sachsen mit 9,6 Milliarden Euro die wenigsten.
Den größten prozentualen Schuldenanstieg verzeichnete Bayern mit +125,9 Prozent, dicht gefolgt von Sachsen mit +68,4 Prozent.
Verschuldung nach Bundesländer (in Milliarden EUR)* | ||
|---|---|---|
| Land | 2024 | 2023 |
| Baden-Württemberg | 57,4 | 40,1 |
| Bayern | 39,3 | 17,4 |
| Brandenburg | 22,8 | 19,6 |
| Hessen | 63,4 | 41,1 |
| Mecklenburg-Vorpommern | 10,2 | 7,2 |
| Niedersachsen | 75,6 | 58,7 |
| NRW | 238,6 | 177,2 |
| Rheinland-Pfalz | 39,1 | 28,4 |
| Saarland | 16,7 | 13,1 |
| Sachsen | 9,6 | 5,7 |
| Sachsen-Anhalt | 25,4 | 22,0 |
| Schleswig-Holstein | 38,2 | 31,8 |
| Thüringen | 16,8 | 15,3 |
| Berlin | 66,7 | 62,6 |
| Bremen | 23,8 | 23,4 |
| Hamburg | 32,6 | 32,5 |
* Schulden auf Länderebene (im nicht-öffentlichen Bereich). Stand: 31. Dezember 2024. Werte gerundet. Quelle: Destatis
Spannend ist auch der Blick auf die pro Kopf Verschuldung in den einzelnen Bundesländern. Wie die folgende Grafik zum Stichtag 31.12.2024 zeigt, haben die Bürger Bremens mit über 34.000 EUR pro Kopf die größte Schuldenlast zu tragen. Sachsen weist mit 2.400 EUR Schulden pro Einwohner die geringste pro Kopf Verschuldung auf:

Aufgrund ihrer Doppelfunktion als Stadt und Bundesland weisen die Bremen, Hamburg und Berlin höhere Pro-Kopf-Verschuldungen auf:
Pro-Kopf-Verschuldung pro Bundesland | ||
|---|---|---|
| Land | in Euro* | |
| Baden-Württemberg | 5.109 | |
| Bayern | 2.976 | |
| Brandenburg | 8.925 | |
| Hessen | 10.103 | |
| Mecklenburg-Vorpommern | 6.479 | |
| Niedersachsen | 9.437 | |
| NRW | 13.241 | |
| Rheinland-Pfalz | 9.457 | |
| Saarland | 16.484 | |
| Sachsen | 2.373 | |
| Sachsen-Anhalt | 11.855 | |
| Schleswig-Holstein | 12.899 | |
| Thüringen | 7.970 | |
| Berlin | 18.173 | |
| Bremen | 33.875 | |
| Hamburg | 17.574 | |
Schulden und Vermögen sind zwei Seiten derselben Medaille, denn jeder Schuld steht immer 1:1 dieselbe Forderung gegenüber. Aussagen, die einseitig Schulden als gefährlich darstellen, sind daher verkürzt. Denn genauso gut könnte man sagen: "Die Vermögen sind gefährlich hoch".
Gleichwohl sind Schulden zum Zwecke von Zukunftsinvestitionen in Bildung, Forschung, Infrastruktur und die Aufrechterhaltung des "Geschäftsmodells" einer Volkswirtschaft nachhaltiger als rein konsumtive Ausgaben, die lediglich ein kurzfristiges Konjunkturstrohfeuer auslösen, aber langfristige Zins- und Tilgungszahlungen zur Folge haben.
Hinzu kommt, dass sich die Forderungen in den Händen weniger superreicher Anleger oder staatlicher Akteure (Zentralbanken, Staats-Fonds etc.) befinden.
Die Gesamtschulden, also die Summe aller privaten und öffentlichen Haushalte, verteilen sich hingegen auf die Mehrheit der Bevölkerung. Somit geht die Wohlstandsschere bei steigenden Gesamtschulden weiter auseinander.
Zurzeit ist die Erwartung eines „Crashs” als Folge hoher Staatsverschuldung reine Spekulation. Obwohl er seit Jahren von einigen Meinungsmachern prophezeit wird, ist er in Deutschland bisher nicht eingetreten.
Dennoch birgt die weltweite Rekord-Verschuldung Risiken, da sie die Gefahr von Inflation und Vertrauensverlusten an den Kapitalmärkten, einhergehend mit höheren Kreditkosten bis hin zum Staatsbankrott erhöht.
So stand bspw. Griechenland im Jahr 2010 faktisch vor einem Staatsbankrott, der nur durch Rettungspakete der Europäischen Union, der Europäischen Zentralbank (EZB) und des Internationalen Währungsfonds (IWF) knapp abgewendet werden konnte.
Die Schulden-Krise begann 2010 und führte zu drastischen Sparmaßnahmen, umfangreichen Reformen und einer langen Rezession. Griechenland konnte erst 2018 den letzten Rettungsschirm verlassen.
Anders sieht es in Deutschland aus, wo in Relation zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) die Verschuldung zum Stichtag 31.12.2024 bei lediglich 62,5 Prozent (Staatsschuldenquote) befand. Das liegt zwar mehr als zwei Prozentpunkte über den Maastricht-Kriterien (EU-Stabilitätspakt), gilt aber als unproblematisch in Sachen Schuldentragfähigkeit.
Auch die Empirie belegt keinen monokausalen Zusammenhang zwischen hoher Staatsverschuldung und einem Crash. Japan hat seit 30 Jahren die weltweit höchste Verschuldung, ohne dass hier je etwas passiert wäre.
Allerdings wertet der Japanische Yen immer weiter ab, was die o. g. Schulden-Risiken erhöht und den zunehmenden Vertrauensverlust der Anleger in die japanische Schuldentragfähigkeit offenbart.
Entscheidend sind die Kreditkosten, also die Zinsen. Diese bewegen sich nach wie vor real (nach Abzug der Inflation) auf historisch niedrigem Niveau, sind aber zuletzt in Frankreich und den USA v. a. wegen Kreditrisiken (Frankreich) und Inflationsängsten (USA) deutlich auf die Niveaus der Weltfinanzkrise von 2008 angestiegen.
Die Krise im Jahr 2008 wurde primär durch zu hohe private Schulden und einer geplatzten Immobilienblase ausgehend von den USA verursacht und kann als Warnung dienen. In der Folge kam es zu einer Kettenreaktion, die auch zur Euro-Krise führte, die bis heute nachhallt (italienische Bankenkrise und ganz aktuell die französische Schuldenkrise).
Hohe Schulden (="Geld drucken") allein führen nicht automatisch zu hoher Inflation. Eine steigende Geldmenge, sofern sie nachfragewirksam wird (steigende Geldumlaufgeschwindigkeit), kann jedoch sowohl die Produzenten- als auch die Konsumentenpreise in die Höhe treiben.
Seit der Weltfinanzkrise waren die Inflationswerte in Deutschland und in vielen anderen wichtigen Industriestaaten niedrig - trotz hoher Staatsverschuldung. In weiten Phasen sogar niedriger als zu D-Mark Zeiten, wo die Staatsverschuldung weitaus geringer war.
Erst in jüngster Zeit schnellte die Inflation nach oben. Gründe waren zunächst die Folgen der Corona-Pandemie und dann der Ukrainekrieg sowie die verfehlte Energiepolitik der geplatzten Ampelkoalition.
Hier wurden zum einen Lieferketten gestört, was das Angebot verknappte und gleichzeitig wirkte das massenhaft "gedruckte" Geld durch Rettungspakete, explodierende Energiepreise und hohe Rüstungsausgaben preistreibend.
Letztendlich hängt die Frage, ob die Schulden zu hoch sind, von den Kreditkosten, der wirtschaftlichen Stärke eines Landes und dem Vertrauen der Gläubiger ab.
Kritisiert wird die aktuelle Schuldenpolitik vor allem von Ökonomen aus dem konservativen Lager wie Monetaristen, neoliberalen Vertretern marktradikaler Wirtschaftstheorien oder Anhängern der Österreichischen Schule.
Demgegenüber stehen Meinungen, welche den Schuldenstand als unproblematisch erachten und sogar davor warnen, dass man sich auch totsparen könne.
Mehr noch, diese Schulden seien Resultat eines Umbaus der Gesellschaft zugunsten besitzender Gesellschaftsschichten. Deren Vermögen wurde immer größer. Dieses Geld wollte angelegt werden. Somit stieg auch die Nachfrage nach Staatsanleihen. Das beschleunigt das Auseinanderdriften des Wohlstandsgefüges.
Diesbezüglich aufschlussreich sind die Zahlen zum privaten Vermögen: So betrug das Geldvermögen der privaten Haushalte in Deutschland Ende des vierten Quartals 2024 rund 9,05 Billionen Euro 6. Eine Studie des WZB belegt, dass zehn Prozent der Haushalte über 56 Prozent des Gesamtvermögens verfügen.7
In fast keinem anderen Land in Europa sind Vermögen so ungleich verteilt wie in Deutschland.
Dass das Thema so kontrovers diskutiert wird, liegt auch daran, dass die Schulden eines Staates nicht vergleichbar sind mit den Schulden eines Unternehmens oder Bürgers. Ein Staat kann - in der Theorie - niemals pleite gehen, da er souverän ist und beliebig Geld digital "drucken" kann.
Dennoch können Staaten auch Pleite gehen, wenn das "Weginflationieren" der Schulden zu einem Währungskollaps führt.
Allein Griechenland hat seit dem neunzehnten Jahrhundert bereits fünf Staatspleiten erlebt, Venezuela ging in dieser Zeit sogar elf Mal bankrott.
Wer seriös einschätzen will, ob Schulden zu hoch sind, muss auch die Einnahmen und Vermögen betrachten. So standen Ende 2023 den 2,62 Billionen Staatsschulden rund 1,90 Billionen Euro an deutschen Staatseinnahmen gegenüber. Als Staatseinnahmen gelten Steuern, Gebühren, Beiträge, Verkaufserlöse oder Erträge aus Vermögen.
Ebenfalls relativierend ist der Blick auf das Finanzvermögen von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialversicherungen: Es belief sich zum Jahresende 2023 auf über 1,14 Billionen Euro5.
Für viele Ökonomen ist daher die Staatsschuldenquote eines Landes viel aussagekräftiger als die absolute Verschuldung, gemessen in einer nominalen Zahl. Denn bei der Staatsschuldenquote werden die Schulden ins Verhältnis zur gesamten Wirtschaftskraft gesetzt, dem Bruttoinlandsprodukt (=BIP).
Das ist nachvollziehbar, denn beispielsweise sind 10.000 Euro Schulden viel Geld für jemanden, der monatlich nur 2.000 Euro verdient. Für jemanden, der hingegen im Monat 20.000 Euro verdient, ist diese Schuldensumme ein "Klacks".
Die aktuelle deutsche Staatsschuldenquote liegt Stand 30.09.2024 bei ca. 64,0 Prozent (63,8 %). Dies war sogar ein moderater Rückgang zum Ultimo des Jahres 2023 (65 Prozent). Im weltweiten Vergleich belegt Deutschland damit einen Platz im Mittelfeld:
Deutsche Staatsschuldenquote 2024 im internationalen Vergleich (4)Die Liste der G20-Länder mit der höchsten Schuldenquote weltweit führt seit Jahrzehnten Japan an, aktuell mit einer Schuldenquote von 237 Prozent. Mit Italien, Frankreich und Spanien befinden sich auch dreu EU-Staaten unter den Top 10 der am höchsten verschuldeten Länder.
In der EU ist die Schuldenquote geregelt. 1992 wurden als zulässige Obergrenze 60 Prozent definiert (= EU-Konvergenzkriterien, Maastricht-Vertrag). Dieser Wert wurde in den Folgejahren allerdings von nahezu allen Ländern deutlich überschritten. In Deutschland erreichte die Staatsschuldenquote ihren Höchststand mit über 80 Prozent im Jahr 2010 im Zuge der Weltfinanz- und Euro-Krise.
| Jahr | Staatsschuldenquote | |
|---|---|---|
| 2002 | 59,4 % | |
| 2003 | 63,1 % | |
| 2004 | 64,8 % | |
| 2005 | 67,0 % | |
| 2006 | 66,5 % | |
| 2007 | 63,7 % | |
| 2008 | 65,2 % | |
| 2009 | 72,6 % | |
| 2010 | 81,0 % | |
| 2011 | 78,6 % | |
| 2012 | 79,9 % | |
| 2013 | 77,4 % | |
| 2014 | 74,5 % | |
| 2015 | 70,8 % | |
| 2016 | 67,9 % | |
| 2017 | 63,9 % | |
| 2018 | 60,9 % | |
| 2019 | 59,8 % | |
| 2020 | 69,8 % | |
| 2021 | 72,5 % | |
| 2022 | 66,3 % | |
| 2023 | 68,8 % | |
| 2024 | 63,8 % | |
Bei hoher Staatsverschuldung besteht ein gewisses politisches Interesse, das allgemeine Zinsniveau niedrig zu halten. Warum? Niedrige Zinsen begünstigen Schuldner, weil auch die Kosten für geliehenes Geld niedrig sind (= Kredit-Zins).
So führte die jahrelange Niedrigzins-Politik der EZB dazu, dass bundesdeutsche Staatspapiere lange Zeit teils negativ verzinst waren. Das bedeutete, dass der Staat als Schuldner nicht nur keine Zinsen bezahlen musste dafür, dass er sich Geld lieh, im Gegenteil: Er verdiente sogar damit. Es profitierte also das Gemeinwohl, somit wir alle. Aber auch private Kreditnehmer profitieren von niedrigen Schuldzinsen.
Auf der anderen Seiten benachteiligen niedrige Zinsen Gläubiger, Sparer oder allgemein Anleger in Zinsprodukten. Dies allerdings nur unter der Voraussetzung, dass die Inflation höher ist als der Zins. Was in der Zeit von 2010 bis 2023 der Fall war (Quelle: Statista).
Man spricht von realem Kaufkraftverlust, wenn die Lohn-, Gehalts-, Pensions-, Renten-, Zins- und sonstigen Einkünfte sowie Transferleistungen des Staates weniger stark steigen als die allgemeine Teuerungsrate.
Daher bei negativen Realzinsen auch Versicherungen, Krankenkassen (Kapitalrückstellungen), Rententräger und Pensionsfonds zu den Verlierern zählen, da sie gesetzlich verpflichtet sind, einen Teil ihres Kapitals in verzinste Finanzprodukte anzulegen.
Die Antwort auf die Frage, ob eine hohe Staatsverschuldung von Vorteil oder von Nachteil ist, lautet also: Es kommt darauf an, ob die Schulden verkonsumiert oder nachhaltig in die Zukunft eines Landes investiert werden.
Nach dem Motto "Wer hat, der gibt, wer nicht hat, der bekommt" versteht man unter einem Schuldenschnitt allgemein eine Vereinbarung zwischen Schuldner und Gläubiger, dass Schulden ersatzlos gestrichen werden, teilweise oder vollständig.
Ausgehend von der Erkenntnis, dass ein bestehendes Ungleichgewicht durch Wirtschaftskraft allein nicht mehr aufgelöst werden kann, soll so eine Situation herbeigeführt werden, die hinterher für beide Seiten besser und vor allem wieder tragbar ist.
Ob ein Schuldenerlass sinnvoll ist, wird daher genauso kontrovers diskutiert wie die Frage, ob die Staatsschulden zu hoch sind.
Auch hier geht es letztlich um Interessenspolitik. Gläubiger haben ein ureigenes Interesse daran, dass sie nicht auf ihren Forderungen sitzen bleiben. Im Euroraum berührt ein Schuldenerlass zudem viele (wirtschafts-) politische und rechtliche Fragen.
Die deutsche Staatsverschuldung meint die Gesamtverschuldung aller öffentlichen Haushalte. Sie setzt sich zusammen aus der Verschuldung von Bund, Länder, Gemeinden/Gemeindeverbänden und der Sozialversicherung einschließlich aller Extrahaushalte.
Bei der sogenannten "Impliziten Staatsverschuldung" werden zusätzlich finanzielle Verpflichtungen des Staates resultierend aus der Sozialversicherung, Pensionen, Renten oder Gesundheitsversorgung hinzugerechnet.
Per Definition sind Staatsschulden, welche öffentlichen Haushalte beim "nicht-öffentlichen Bereich" haben, also bei Banken, Privatunternehmen oder sonstigen privaten Geldgebern im In-und Ausland.
Dass Schulden und Wohlstand zusammen gehören, darüber herrscht unter Ökonomen Einigkeit. Kein Staat, kein Unternehmen, kein Privatmensch kann größere Investitionen immer aus eigener Tasche tätigen. Ohne Schulden gäbe es keine Investitionen und somit keine Zukunft.
Eine Alternative und die Grundlage der Industrialisierung, beginnend im späten neunzehnten Jahrhundert, bildet die Aktiengesellschaft, bei der sich viele Einzelinvestoren zusammenschließen, um große Investitionsprojekte zu bewältigen.
Der Staat hat aber weitaus mehr Aufgaben zu erfüllen als ein erwerbswirtschaftlich orientiertes Unternehmen.
Er muss für Sicherheit, Verteidigung, Infrastruktur, sozialen Ausgleich und ordnungspolitische Aufgaben aufkommen.
Reichen die üblichen Haushaltsmittel wie Steuereinnahmen nicht aus, dann borgt sich der Staat das Geld von Dritten aus. Er verschuldet sich also.
Schulden für den Bau neuer Verkehrswege, Schulen oder Kommunikationsinfrastruktur gelten als gute Schulden, da sie eine Investition in die Zukunft sind. Sie machen - in der Theorie - nachfolgende Generationen sozusagen noch reicher und können später um ein Vielfaches wieder zurückgezahlt werden.
Heikel gelten Schulden, die nur für Konsumzwecke gemacht werden. Ebenfalls als heikel gilt, wenn Schulden nur deshalb aufgenommen werden, um alte Schulden zu tilgen oder zu begleichen. Ein Zeichen für Überschuldung ist die Kreditaufnahme des Staates zur Zahlung von Kreditzinsen. Ab diesem Punkt kann eine unkontrollierbare Schuldenspirale beginnen.
Das wichtigste Instrument hierfür sind Staatsanleihen. So nennt man Schuldverschreibungen, die ein Staat ausgibt. Dabei handelt es sich um Wertpapiere (auch Rentenpapiere genannt), die von Dritten gekauft werden.
Das spült Geld in die Kasse des Staates. Diejenigen, die Anleihen kaufen, werden also Kreditgeber. Umgekehrt wird der Staat Kreditnehmer. Er hat also nun Schulden.
Die Verschuldung des deutschen Staates läuft vor allem über Bundesanleihen, Kommunalanleihen oder Bundesschatzbriefe.
Der Unterschied zwischen Anleihen und Schatzbriefen besteht darin, dass Anleihen auch vor Fälligkeit über die Börse gehandelt werden können. Sie unterliegen also einem Kursrisiko während der Kreditlaufzeit.
Wie bei einem Kredit üblich, muss der Staat für das geliehene Geld einen Preis an den Geldgeber zahlen. Das ist der Zins. Deshalb nennt man Anleihen auch verzinste Wertpapiere.
Der Staat ist verpflichtet, das Geld nach Ablauf der vereinbarten Laufzeit an die Gläubiger zurückzuzahlen inklusive dieser Zinsen. Die Zinsen sind umso höher, je schlechter die Bonität, also die Zahlungsfähigkeit des betreffenden Staates eingeschätzt wird.
Als Gläubiger hat man natürlich ein Interesse, nach Ende der Laufzeit das eingesetzte Geld inklusive Zinsen zurückzubekommen, also dass der Staat nicht zahlungsunfähig wird.
Um die Bonität einzuschätzen, gibt es die sogenannten Ratings. Weltweit führend sind dabei die drei US-amerikanischen Rating-Agenturen Standard & Poor‘s (USA), Moody’s (USA) und Fitch (USA/GB).
Deutschland erhält nach wie vor im abgestuften Bewertungssystem der Ausfallwahrscheinlichkeit von allen drei Agenturen die Bestbewertung „AAA“, meist gesprochen als „Triple A“.
Daher pochen viel Politiker in Deutschland auf die Schuldenbremse, da diese sicherstellt, dass Deutschland nicht in die gleiche Schuldenfalle tappt wie Frankreich.
Aktuell wird eine Aufweichung oder Abschaffung der Schuldenbremse diskutiert. Dies könnte in Zukunft das Top-Rating Deutschland gefährden. Frankreich wurde im Dezember 2024 von der Agentur Fitch Ratings auf AA abgestuft und muss am Kapitalmarkt deutlich höhere Zinsen für seine Staatsschulden bezahlen als Deutschland.
Jeder, der eine Bundesanleihe oder einen Bundesschatzbrief besitzt, gewährt im Prinzip einen Kredit und wird somit Gläubiger des deutschen Staates. Gläubiger kann jeder sein, Privatpersonen wie Banken oder institutionelle Anleger im Ausland wie im Inland.
Ein großer Teil der deutschen Schulden steht bei Banken zu Buche. Aber auch Zentralbanken, Lebensversicherer oder Pensionskassen halten große Positionen. Jeder dieser Gläubiger finanziert mit seinem Teil die deutsche Staatsverschuldung.
Wichtig zu wissen: Im März 2025 hat die neue Bundesregierung umfassende Maßnahmen beschlossen, um die Finanzierung von Verteidigung und Infrastruktur zu erleichtern. Dazu wurden Änderungen am Grundgesetz vorgenommen, um die Schuldenbremse gezielt zu lockern und ein neues Sondervermögen zu schaffen. Künftig werden Verteidigungsausgaben des Bundes, die über ein Prozent des nominalen Bruttoinlandsprodukts (BIP) hinausgehen, nicht mehr auf die Schuldenbremse angerechnet. Dies betrifft auch Ausgaben für Zivil- und Bevölkerungsschutz, Nachrichtendienste, den Schutz informationstechnischer Systeme sowie Hilfen für völkerrechtswidrig angegriffene Staaten. Diese Regelung ermöglicht es, zusätzliche Mittel für sicherheitspolitische Aufgaben bereitzustellen, ohne die bisherigen Verschuldungsgrenzen zu verletzen.
Außerdem wurde ein neues „Sondervermögen“ mit einem Volumen von bis zu 500 Milliarden Euro geschaffen, um bis 2045 zusätzliche Investitionen in die Infrastruktur und zur Erreichung der Klimaneutralität zu finanzieren. Dieses Sondervermögen ist im neu eingefügten Artikel 143h des Grundgesetzes verankert und erstreckt sich über einen Zeitraum von zwölf Jahren. Die Mittel sollen zusätzlich zum regulären Bundeshaushalt eingesetzt werden und sind von der Schuldenbremse ausgenommen.
So unterschiedlich die Positionen sind bei der Frage, wie viel Schulden der Staat machen soll, so unterschiedlich sind auch die Meinungen zur Schuldenbremse. Vor allem seit Corona und dem Russland-Ukraine-Krieg gibt es wieder verstärkt Diskussionen, ob die Schuldenbremse zu hoch, zu niedrig oder ganz entbehrlich sei.
Die veröffentlichte explizite Verschuldung beschreibt den tatsächlich aufgelaufenen Schuldenstand. Die implizite Verschuldung, auch verdeckte Staatsverschuldung genannt, stellt künftige mögliche Zahlungsverpflichtungen des Staates in Rechnung.
Langfristige Projektionen sind allerdings problematisch, weil Faktoren wie Zinsbelastungen, Bevölkerungsverteilung oder die Zusammensetzung der Sozialsysteme nur geschätzt werden können.
*Schuldenuhr Deutschland: Hinweis zur Berechnung
Grundsätzlich gibt es keine „richtige“ Schuldenuhr, die exakt auf die Sekunde tickt. Das sagt einem schon der gesunde Menschenverstand. Das gilt für alle Schuldenuhren – natürlich auch für die von GOLD.DE. Schuldenuhren sind lediglich eine Veranschaulichung auf Basis mathematischer Näherungswerte. Auch diese Werte unterscheiden sich abhängig von der Art der gewählten Berechnung.
Unschärfen ergeben sich dadurch, dass bei der Berechnung ein aktueller Wert auf einen zurückliegenden Wert in der Vergangenheit extrapoliert werden muss. Denn bei einer Schuldenuhr handelt es sich um einen dynamischen Wert, der laufend ausgegeben wird.
Im Gegensatz hierzu stehen fixe Werte, die zu bestimmten Terminen wie etwa Haushaltsbeschlüssen oder Veröffentlichungen des Statistischen Bundesamts periodisch veröffentlicht werden.
Deshalb kann ein kurzfristiger Trend von einem langfristigen Trend abweichen, was auch gelegentliche „Hüpfer” und „Sprünge” erklärt. So können die Schulden in einem Quartal durchaus vorübergehend anwachsen und am Jahresende steht trotzdem ein Schuldenabbau zu Buche – und umgekehrt.
Ein sehr interessanter, lehrreicher und informativer Artikel....Danke.
MfG
Für Politiker muss ein Sondergesetz geschaffen werden. Jeder von diesen Menschen muss wissen, wenn diese neue Billion Schulden wieder im Politikersumpf versickert , dann gibt es Knast bis zu 10 Jahren! Politiker sind die schlechtesten Wirtschafter weil sie keine Verantwortung tragen!
Wenn man sich vorstellt, dass aktuell eine bereits abgewählte Regierung neue Schulden von fast 1 Bio € durchpeitscht und dafür sogar das Grundgesetz ändert so ist dies mit keiner der angeführten Begründungen zu vertreten, im Gegenteil, Deutschland hätte die Möglichleit bei seinen hohen Steuereinnahmen und entsprechenden Sparmassnahmen ohne weitere Schulden auszukommen. Es ist höchst fraglich, ob dies noch als " demokratisch" zu bezeichnen ist!
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