Stand: 25.07.2017 0 Kommentare

In steuerlicher Hinsicht bietet ein Investment in physische Edelmetalle und insbesondere in Gold zahlreiche Vorteile. Dazu zählen der teilweise vollständige Wegfall der Mehrwertsteuer, die Befreiung von der Abgeltungssteuer sowie die Steuerfreiheit von erzielten Gewinnen beim Verkauf der Edelmetalle nach einer Haltefrist von nur einem Jahr.

Das Wichtigste in Kürze

  • Gewinne auf Gold und Silber sind nach 1 Jahr Haltedauer steuerfrei!
  • Unterjährig realisierte Gewinne (ab 600 €) nach persönlichem Steuersatz
  • Anlagegold ist Mehrwertsteuer frei
  • Silbermünzen sind oft nach der günstigen Differenzbesteuerung besteuert
  • Silberbarren werden mit 19% besteuert
  • Xetra-Gold ist Anlagegold steuerrechtlich gleichgestellt

Steuern auf Gold

Mehrwertsteuer für Goldmünzen und Goldbarren

Beim Kauf von Gold fällt keine Umsatzsteuer beziehungsweise Mehrwertsteuer an. Das gilt  allerdings nur, wenn es sich um Anlagegold handelt! Als Anlagegold bezeichnet man Goldbarren oder Goldmünzen, die alle in der EU-Richtlinie 98/80/EG1 festgelegten Kriterien erfüllen:

  • Steuer auf Goldmünzen: Goldmünzen gelten als Anlagegold, wenn sie einen Feingehalt (Goldanteil) von mindesten 900 / 1000 aufweisen und im Herkunftsland gesetzliches Zahlungsmittel sind oder waren. Der Preis für die Münze darf nicht mehr als 80 Prozent über dem Offenmarktwert des enthaltenen Goldes liegen.
  • Alle gängigen Anlagemünzen wie der “Krügerrand”, der “Maple Leaf”, der “Wiener Philharmoniker”, das “Känguru” oder der “China Panda” erfüllen diese Voraussetzungen.
  • Bei deutschen Gedenkmünzen aus Gold wie dem Goldeuro handelt es sich in der Regel ebenfalls um Anlagegold.
  • Im Fall ausländischer Goldmünzen lässt sich anhand des jährlich vom Bundesfinanzministerium veröffentlichten Verzeichnisses der befreiten Goldmünzen prüfen, ob Sie als Anlagegold klassifiziert sind oder nicht. Stimmen Ausgabeland und Nennwert mit einer in der Liste aufgeführten Münzen überein, ist keine Mehrwertsteuer zu zahlen.
  • Die Liste ist in der aktuellen Fassung auf der Webseite des Berufsverbands des deutschen Münzenfachhandels  einsehbar.

  • Steuer auf Goldbarren: Gold in Form von Barren oder Plättchen gilt als Anlagegold, wenn es einen Feingehalt von mindestens 995/1000 aufweist. Die im Handel erhältlichen Goldbarren aller bekannten deutschen und internationalen Hersteller wie Heraeus, Umicore, Argor Heraeus, Valcambi oder Metalor erfüllen dieses Voraussetzung und werden folglich ohne Mehrwertsteuer verkauft.

Mehrwertsteuer auf Altgold

Altgold wie Zahngold, Bruchgold oder Goldschmuck gilt nicht als Anlagegold. Beim Kauf wird der volle Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent fällig. Dasselbe gilt für Goldmünzen, die nicht sämtliche Kriterien für Anlagegold erfüllen, in der Regel, weil der Verkaufspreis aufgrund des Sammlerwerts über der Grenze von 180 Prozent des Goldwerts liegt.

Steuern auf Gewinne beim Gold Verkauf

Die Finanzbehörden behandeln Gewinne aus dem Verkauf von physischem Gold als ein privates Veräußerungsgeschäft nach § 23 EstG. Innerhalb einer Haltefrist von einem Jahr fällt Einkommensteuer nach dem persönlichen Steuersatz des Verkäufers an.

Die Besteuerung entfällt, wenn der Gewinn die Freigrenze von 600 Euro nicht erreicht.

Nach Ablauf der Haltefrist von einem jahr ist der Verkauf steuerfrei. Die Regelung gilt sowohl für Anlagegold als auch für Altgold. Die Abgeltungssteuer in Höhe von 25 % plus Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer fällt beim Goldverkauf nicht an.

Steuern auf Silber

Mehrwertsteuer auf Silbermünzen und Silberbarren

  • Der ermäßigte Steuersatz für Silbermünzen von 7 Prozent wurde 2014 gestrichen. Es gibt jedoch ein - völlig legales - steuerrechtliches Schlupfloch, mit dem Händler die volle Umsatzsteuer / Mehrwertsteuer für Silbermünzen umgehen können: die Differenzbesteuerung.
  • Die Differenzbesteuerung kann für Silbermünzen angewendet werden, die aus dem Nicht-EU-Ausland importiert wurden.Sie funktioniert wie folgt: Der Händler oder dessen Lieferant zahlt für die Einfuhr der Münzen die Einfuhrumsatzsteuer von 7 Prozent. Lediglich die Differenz zwischen dem Ankaufspreis und dem Bruttoverkaufspreis, also die Gewinnmarge des Händlers, wird mit 19 Prozent besteuert, daher der Name Differenzbesteuerung.

    Im Effekt bedeutet die Anwendung der Differenzbesteuerung, dass der Käufer etwa ein Prozent mehr für Silbermünzen zahlt, als es nach dem ermäßigten Steuersatz von 7 Prozent bis 2013 der Fall gewesen wäre.

    Da die ebenfalls mögliche Anwendung der normalen Umsatzsteuer / Mehrwertsteuer auf den vollen Verkaufspreis einen erheblichen Wettbewerbsnachteil gegenüber der Konkurrenz bedeuten würde, ist die Differenzbesteuerung heute das vorherrschende Modell beim Verkauf von Silbermünzen.

  • Silberbarren: Für Silberbarren findet die Differenzbesteuerung keine Anwendung. Beim Kauf wird der vollen Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent fällig.

Mehrwertsteuer auf Altsilber

Für den Kauf von Altsilber wie Silberschmuck oder Silberbesteck existieren keine steuerrechtlichen Sonderregelungen, sodass der volle Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent zu zahlen ist.

Zollfreilager: Silber ohne Mehrwertsteuer kaufen

Der Kauf von Silbermünzen und Silberbarren ist mehrwertsteuerfrei möglich, wenn der Kauf in einem Zollfreilager stattfindet und das SIlber dort auch gelagert wird. Für die Lagerung fallen je nach Menge Kosten zwischen 1 und 2 Prozent an. Die Produktauswahl ist meist auf gängige Silbermünzen wie den “Maple Leaf” oder den “Wiener Philharmoniker” und Silberbarren in größeren Stückelungen ab 1 kg beschränkt.

Steuern auf Gewinne beim Silber Verkauf

Gewinne, die beim Verkauf von physischem Silber anfallen gelten wie der Goldverkauf als privates Veräußerungsgeschäft, egal ob es sich um Münzen, Barren oder Altsilber handelt. Innerhalb einer Haltefrist von einem Jahr gilt die Einkommensteuer nach dem persönlichen Steuersatz ab einer Freigrenze von 600 Euro. Abgeltungssteuer fällt nicht an.

Steuern auf Platin, Palladium und Rhodium

Mehrwertsteuer beim Kauf

Für den Erwerb von Barren oder Münzen aus den Edelmetallen Platin, Palladium und Rhodium oder anderen Metallen wie Kupfer ist der volle Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent zu zahlen. Dasselbe gilt für alle andere Produkte aus edlen oder unedlen Metallen (mit Ausnahme von Gold und Silber).

Steuern auf Gewinne beim Verkauf

Auch Gewinne aus dem Verkauf von Platin, Palladium, Rhodium oder unedle Metall gelten als private Veräußerungsgeschäfte, bei denen keine Abgeltungssteuer anfällt und die Besteuerung nach dem persönlichen Steuersatz ab einer Freigrenze von 600 Euro erfolgt. Nach der einjährigen Haltefrist bleiben Gewinnen steuerfrei. Abgeltungssteuer ist nicht zu zahlen.

Steuern auf Edelmetalle beim Kauf & Verkauf von privat

Beim Kauf oder Verkauf von Edelmetallen von oder an eine Privatperson fallen grundsätzlich keine Steuern an. Verkaufsgewinne gelten wie beim Verkauf an einen Händler als Gewinne aus einem privaten Veräußerungsgeschäft und werden innerhalb des Haltefrist von einem Jahr sowie ab einer Freigrenze von 600 Euro nach dem persönlichen Einkommensteuersatz besteuert. Verkaufsgewinne nach Ablauf dieser Spekulationsfrist werden nicht besteuert. Abgeltungssteuer fällt nicht an.

Steuern für Edelmetalle im Überblick

Edelmetall Kauf von Händler Kauf privat
Goldmünzen steuerfrei (Anlagegold) steuerfrei
Goldbarren steuerfrei (Anlagegold) steuerfrei
Silbermünzen Differenzbesteuerung (steuerfrei im Zollfreilager) steuerfrei
Silberbarren 19 % (steuerfrei im Zollfreilager) steuerfrei
Platin 19 % (steuerfrei im Zollfreilager) steuerfrei
Palladium 19 % (steuerfrei im Zollfreilager steuerfrei
Rhodium 19 % (steuerfrei im Zollfreilager) steuerfrei

Besteuerung Verkaufsgewinn

  • steuerfrei nach einjähriger Haltefrist
  • Einkommenssteuer nach persönlichem Steuersatz innerhalb der Haltefrist
  • Freigrenze von 600 Euro
  • keine Abgeltungssteuer

Abgeltungssteuer bei Xetra-Gold

Die Abgeltungssteuer für Gold in Form von börsengehandelten Rohstoffen (ETCs) war lange Zeit nicht eindeutig geregelt. Im Mai 2015 hat der Bundesfinanzhof allerdings für den ETC Xetra-Gold eine wichtige Grundsatzentscheidung getroffen. Nach dieser Entscheidung sind Gewinne aus Xetra Gold nach einer Haltefrist von einem Jahr von der Abgeltungssteuer befreit und damit physischen Goldprodukten wie Barren und Münzen gleichgestellt.

Gewinne aus dem Verkauf von Xetra Gold werden ebenfalls so behandelt wie Gewinne aus dem Verkauf von Goldmünzen und Goldbarren.

Die steuerliche Gleichstellung von Xetra-Gold wurde nur für diesen einen ETC erreicht. Sie ist deshalb nicht zu verwechseln mit einer generellen Abschaffung der Abgeltungssteuer für börsengehandelte Goldprodukte.

Steuern für Goldminenaktien

Gewinne aus der Geldanlage in Goldminenaktien unterliegen wie alle anderen Aktiengewinne der Abgeltungssteuer, die direkt von der depotführenden Bank an das Finanzamt überwiesen wird. Die Steuerfreiheit der Gewinne nach zwölfmonatiger Haltefrist wurde im Jahr 2009 abgeschafft.

Die Abgeltungssteuer beträgt 25 Prozent beziehungsweise 26,375 Prozent inklusive Solidaritätszuschlag. Für Mitglieder einer Kirche wird zusätzlich Kirchensteuer fällig, sodass sich die Gesamtsteuerbelastung abhängig vom Bundesland auf 27,82 Prozent (Bayern, Baden-Württemberg) beziehungsweise 27,99 Prozent (alle anderen Bundesländer) beläuft.

Jedem steuerpflichtigen Bürger steht pro Jahr allerdings ein Freibetrag von 801 für Gewinne aus Kapitalerträgen zu. Um diesen Freibetrag geltend zu machen, muss ein Freistellungsauftrag bei der depotführenden Bank beziehungsweise dem depotführenden Broker erteilt werden.

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