Gold: 1.729,53 € +2,04 %
Silber: 21,08 € +8,53 %
Stand: 09.02.2022
Mehrwertsteuer, Differenzbesteuerung, Abgeltungssteuer, Versteuerung von Gewinnen, Spekulationssteuer? Hier alles zur Besteuerung von Gold, Silber und anderen Edelmetallen. Dazu sechs Tipps, mit denen Sie ganz legal Steuern sparen!
Ratgeber Steuer und Edelmetalle
Das Wichtigste in Kürze
  • Kauf von physischem Anlagegold mehrwertsteuerfrei
  • Kauf von anderen physischen Edelmetallen steuerpflichtig
  • Gewinne aus dem Verkauf von Münzen & Barren nach 1 Jahr steuerfrei
  • Goldminenaktien Gewinne unterliegen der Abgeltungsteuer
  • Xetra-Gold steuerlich Münzen und Barren gleichgestellt
Hinweis: Die nachfolgenden Informationen sind nur eine allgemeinen Einführung und gelten nur für Deutschland. Sie ersetzen nicht den Gang zum Steuerberater. Stand: Dezember 2021

Überblick: Steuern bei Edelmetallen

Wer Edelmetalle unter dem Aspekt der Geldanlage betrachtet, muss auch steuerliche Regelungen in seine Renditeberechnung einbeziehen. Hier ist zu unterscheiden zwischen Besteuerung beim Kauf und Besteuerung beim Verkauf.

  • Beim Kauf gilt: Anlagegold ist immer steuerfrei. Bei allen anderen Edelmetallen kommt entweder die reguläre Mehrwertsteuer dazu (auch Umsatzsteuer genannt) oder alternativ die Differenzbesteuerung. Aus Käufersicht ist die Differenzbesteuerung wesentlich günstiger. Sie kommt aber in der Regel nur bei Münzen und sogenannten Münzbarren zum Tragen, nicht bei normalen Barren
  • Beim Verkauf ist relevant ob Gewinne versteuert werden müssen. Gewinne lassen sich aber grundsätzlich verrechnen mit Verlusten. Für Details empfiehlt sich der Gang zum Steuerberater. Außerdem macht hier eine Unterscheidung Sinn zwischen physischen Edelmetallen und Aktien von Unternehmen der Edelmetallbranche wie etwa Goldminenaktien. Bei Aktien ist die Besteuerung von Gewinnen grundlegend anders geregelt als bei Münzen und Barren

Steuern beim Kauf

Edelmetall Kauf vom Händler Zollfreilager
Goldmünzen steuerfrei (Anlagegold) steuerfrei
Goldbarren steuerfrei (Anlagegold) steuerfrei
Silbermünzen zzgl. Differenzbesteuerung oder 19 % MwSt steuerfrei
Silberbarren zzgl. 19 % MwSt steuerfrei
Münzbarren aus Silber meist zzgl. Differenzbesteuerung, sonst 19 % MwSt steuerfrei
Platinmünzen zzgl. 19 % MwSt oder Differenzbesteuerung steuerfrei
Platinbarren zzgl. 19 % MwSt steuerfrei
Palladiummünzen zzgl. 19 % MwSt oder Differenzbesteuerung steuerfrei
Palladiumbarren zzgl. 19 % MwSt steuerfrei
Rhodium zzgl. 19 % MwSt (Münzen, Barren, Pulver) steuerfrei
Aktien, ETCs, ETFs, Fonds Erwerb über depotführendes Institut steuerfrei - entfällt -

Beim Kauf von Edelmetallen von einer Privatperson fallen grundsätzlich keine Steuern an.

Steuern beim Verkauf

  • Alle physischen Edelmetalle: Gewinne aus dem Verkauf von Münzen und Barren sind grundsätzlich steuerfrei nach einer Haltefrist von mindestens einem Jahr. Bei Verkauf vor dieser Haltefrist müssen Gewinne zum persönlichen Steuersatz versteuert werden. Hierbei gibt es aber eine Freigrenze bis 600.- Euro. Diese Regelung gilt unabhängig davon, ob an einen Edelmetallhändler verkauft wird oder an eine Privatperson.

    Bei Entnahme aus dem Zollfreilager muss Mehrwertsteuer nachentrichtet werden. Ansonsten gelten für Gewinne beim Verkauf aus einem Zolllager dieselben Regelungen

  • Aktien & Fonds: Gewinne unterliegen der Kapitalertragssteuer, auch Abgeltungssteuer genannt. Mehr: Abgeltungssteuer einfach erklärt

  • Xetra-Gold, Euwax Gold II: Gewinne aus dem Verkauf solcher ETCs müssen nach höchstrichterlichem Urteil steuerlich wie Münzen und Barren behandelt werden. Gewinne sind nach einem Jahr Haltefrist also steuerfrei

Gold

Beim Kauf von Anlagegold fällt grundsätzlich keine Umsatzsteuer beziehungsweise Mehrwertsteuer an. Was steuerrechtlich als Anlagegold zählt, siehe unten.

Einzig der Kauf von Altgold sowie Goldmünzen, die steuerrechtlich nicht als Anlagegold definiert sind, unterliegen der Mehrwertsteuer.

Als Anlagegold sind steuerrechtlich jene Goldbarren oder Goldmünzen definiert, die alle in der EU-Richtlinie 98/80/EG1 festgelegten Kriterien erfüllen:

  • Goldmünzen: Goldmünzen gelten als Anlagegold, wenn sie einen Feingehalt (Goldanteil) von mindestens 900 / 1000 aufweisen und im Herkunftsland gesetzliches Zahlungsmittel sind oder waren. Der Preis für die Münze darf nicht mehr als 80 Prozent über dem Offenmarktwert (Materialwert) des enthaltenen Goldes liegen.

    Alle gängigen Anlagemünzen wie "Krügerrand”, “Maple Leaf” oder “Wiener Philharmoniker” erfüllen diese Voraussetzungen – abgesehen von besonderen Sammlereditionen oder bestimmten seltenen Jahrgängen. Bei deutschen Gedenkmünzen aus Gold wie dem Goldeuro handelt es sich in der Regel ebenfalls um Anlagegold.

    Bei anderen ausländischen Goldmünzen lässt sich anhand dieses jährlich vom Bundesfinanzministerium veröffentlichten Verzeichnisses der befreiten Goldmünzen für 2022 (inkl. der Berichtigung vom 15.12.2021) prüfen, ob sie als Anlagegold klassifiziert sind oder nicht. Stimmen Ausgabeland und Nennwert mit einer in der Liste aufgeführten Münzen überein, sind diese mehrwertsteuerfrei.

  • Übersicht der befreiten Münzen der letzten Jahre
    Beim Berufsverband des deutschen Münzenfachhandels finden Sie die regelmäßig aktualisierten fürs aktuelle Jahr geltenden Regelungen des Bundesfinanzministeriums als PDFs: https://www.muenzenverband.de/downloads/
  • Goldbarren: Gold in Form von Barren oder Plättchen gilt als Anlagegold, wenn es einen Feingehalt von mindestens 995/1000 aufweist. Goldbarren erfüllen in der Regel dieses Voraussetzung und werden folglich ohne Mehrwertsteuer verkauft.

Gewinne aus dem Verkauf von Gold sind grundsätzlich steuerfrei, wenn die Haltefrist mindestens ein Jahr beträgt. Ansonsten gelten diese Regelungen.

Silber

  • Silbermünzen und Münzbarren aus Silber: Beim Kauf kommen 19% Umsatzsteuer hinzu. Es gibt jedoch eine legale steuerrechtliche Regelung, die für Käufer deutlich günstiger ist: Die Differenzbesteuerung. Diese kann für Münzen aus Silber angewendet werden, die aus dem Nicht-EU-Ausland importiert werden, wie etwa Maple Leaf Silber (Kanada), Kookaburra Silber (Australien), Panda Silber (China), oder American Eagle Silber (USA). Als Münzbarren bezeichnet man Produkte in Barrenform, die formal aber als Münze gelten.

    Das funktioniert wie folgt: Der Händler oder dessen Lieferant zahlt für die Einfuhr der Münzen aus solchen Ländern nur 7 Prozent Einfuhrumsatzsteuer. Beim Verkauf wird dann lediglich die Differenz zwischen dem Ankaufspreis und dem Bruttoverkaufspreis mit 19 Prozent besteuert. Daher der Name Differenzbesteuerung.

    Da die ebenfalls mögliche Anwendung der normalen Umsatzsteuer / Mehrwertsteuer auf den vollen Verkaufspreis einen erheblichen Wettbewerbsnachteil gegenüber der Konkurrenz bedeuten würde, ist die Differenzbesteuerung heute das vorherrschende Modell beim Verkauf von Silbermünzen.

  • Silberbarren: Für Silberbarren findet die Differenzbesteuerung keine Anwendung. Beim Kauf wird der vollen Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent fällig.

Gewinne aus dem Verkauf von Silber sind grundsätzlich steuerfrei, wenn die Haltefrist mindestens ein Jahr beträgt. Ansonsten gelten diese Regelungen.

Platin, Palladium, Rhodium und weitere Edelmetalle

Bei Platinmünzen gibt es gelegentlich Angebote mit der günstigen Differenzbesteuerung. Ansonsten gilt bei Münzen wie bei allen Barren der übliche Mehrwertsteuersatz von 19 %.

Gewinne aus dem Verkauf von Platin, Palladium, Rhodium und weiteren Edelmetallen sind grundsätzlich steuerfrei, wenn die Haltefrist mindestens ein Jahr beträgt. Ansonsten gelten diese Regelungen.

Abgeltungssteuer bei Aktien

Aktien von Unternehmen aus der Gold- oder Bergbaubranche werden steuerlich genauso behandelt wie jede andere Aktie. Das heißt: Der Kauf ist steuerfrei; Gewinne aus dem Verkauf unterliegen grundsätzlich der Abgeltungssteuer.

Was ist die Abgeltungssteuer?

Die Abgeltungssteuer, auch Kapitalertragssteuer genannt, wird fällig bei Kapitaleinkünften. Dazu zählen etwa Zinserträge, Kursgewinne aus Aktienverkäufen oder Dividenden. Die depotführende Bank erhebt hierauf einen pauschalen Abzug von 25 % und führt diesen automatisch ab an das Finanzamt. Dazu kommen noch der Solidaritätszuschlag sowie Kirchensteuer.

Von der Abgeltungsteuer befreit sind Kapitaleinkünfte, die unterhalb der Grenze des Sparerfreibetrages liegen. Diese Grenze liegt, Stand Dezember 2021, bei 801 Euro für Ledige und 1602 Euro bei Verheirateten. Voraussetzung: Man muss seiner Bank hierfür einen sogenannten Freistellungsauftrag erteilen. Auch können Gewinne mit Verlusten verrechnet werden.

In der Summe ist die Abgeltungsteuer leicht unterschiedlich je nach Kirchenmitgliedschaft und in welchem Bundesland. Auch steht der Soli-Zuschlag in der Diskussion. Generell liegt die Abgeltungsteuer derzeit aber unter 28 %. Für ausländische Aktien oder Fonds gelten möglicherweise andere Steuerregelungen.

Xetra-Gold, Euwax Gold II

Hierbei handelt es sich um Gold-ETCs, also börenshandelbare Finanzprodukte, die einen verbrieften Lieferanspruch auf Gold darstellen. Daher auch oft als Papiergold bezeichnet.

Da sie mit physischem Gold hinterlegt sind, verfügte der Bundesfinanzhof im Mai 2015, dass sie steuerlich wie Münzen und Barren behandelt werden müssen. Gewinne sind also steuerfrei, wenn die Haltefrist mindestens ein Jahr beträgt. Das Urteil beendete jahrelange Diskussionen und galt zunächst nur für Xetra Gold, fand aber auch bald Anwendung für EUWAX Gold II.

Ein weiteres Urteil mit Signalwirkung markierte eine Entscheidung des Bundesfinanzhofes (BFH) vom Juni 2020. Demzufolge unterliegt auch der ETC Gold Bullion Securities von „Wisdom Tree“ (ISIN: DE000A0LP781, WKN A0LP78) nicht der Abgeltungssteuer. Dieses Urteil ist insofern bemerkenswert, da die Befreiung von der Abgeltungssteuer erstmalig auch für einen ausländischen Gold-ETC festgestellt wurde.

Dennoch flammen immer mal wieder Diskussionen um eine Abgeltungssteuer für Gold-ETCs auf. Anleger sollten daher die Entwicklung verfolgen. GOLD.DE dokumentiert den laufenden Stand der Diskussion hier:

Kommt sie oder kommt sie nicht? Die Abgeltungssteuer für ETCs

Zollfreilager

Die Lagerung von Edelmetallen in einem Zollfreilager ist eine legale Möglichkeit, die hierzulande beim Kauf anfallende Mehrwertsteuer zu sparen. Bei Anlagemünzen oder Barren aus Gold entfällt aber dieser Vorteil, da Anlagegold sowieso mehrwertsteuerfrei ist. Steuerrechtlich interessant sind solche Zolllager daher vor allem für Silber, Platin oder Palladium. Mehr: Zollfreilager

6 Steuerspartipps, die bares Geld bedeuten!
  • Beim Kauf von Anlagegold fällt im Gegensatz zu anderen Edelmetallen keinerlei Steuer an
  • Bei Silber und Platin: Beim Kauf auf Angebote achten mit der günstigeren Differenzbesteuerung
  • Zollfreilager: Hier entfällt die Mehrwertsteuer beim Kauf komplett
  • Münzen und Barren mindestens 1 Jahr halten. Damit entfällt die Besteuerung von Verkaufsgewinnen (= "Spekulationssteuer")
  • Goldminenaktien: Freistellungsauftrag bei der Bank nicht vergessen
  • Wer "Papiergold" bevorzugt: Gold-ETCs "Xetra-Gold" oder "EUWAX Gold II" sind steuerlich Münzen oder Barren gleichgestellt
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von Franz Döring | 25.09.2022, 17:22 Antworten

Nur eine Frage: Gilt die einjährige Haltefrist auch für Körperschaften, z.B. eine GmbH?

von Richard | 09.10.2021, 14:02 Antworten

Wenn man für manche Münzen keine Kaufbelege mehr hat, akzeptiert das Finanzamt bei Anfrage auch selbstgeschriebene Tabellen mit Kaufdatum? Wenn ja, wie viel prozentualer Anteil an Edelmetallen ohne Nachweis wird dann toleriert?

von Heinrich Jung | 15.05.2021, 16:57 Antworten

Vielen Dank. Das ist alles sehr hilfreich .Habe viel dazu gelernt

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