Stand: 06.12.2018 4 Kommentare

Mehrwertsteuer, Differenzbesteuerung, Versteuerung von Gewinnen? Alles zur Besteuerung von Gold, Silber oder anderen Edelmetall-Investments. Dazu Tipps, wie Du auf ganz legale Weise dem Finanzamt ein Schnippchen schlägst!

Das Wichtigste in Kürze:

  • Einzig der Kauf von Anlagegold ist Mehrwertsteuer frei
  • Als Anlagegold gelten Barren und typische Anlagemünzen wie Krügerrand
  • Kauf von historischen Goldmünzen oder Altgold mehrwertsteuerpflichtig
  • Kauf von Silber- und anderen Edelmetallbarren mit 19% besteuert
  • Silber- und Platinmünzen oft mit günstiger Differenzbesteuerung
  • Tipp: Edelmetalle 1 Jahr behalten, dann sind Gewinne immer steuerfrei!
Hinweis
Die nachfolgenden Informationen dienen nur der allgemeinen Einführung ins Thema "Edelmetalle und Steuern". Sie ersetzen nicht den Gang zum Steuerberater.

Steuern auf Gold

Mehrwertsteuer für Goldmünzen und Goldbarren

Beim Kauf von Gold fällt keine Umsatzsteuer beziehungsweise Mehrwertsteuer an. Das gilt allerdings nur, wenn es sich um Anlagegold handelt. Als Anlagegold bezeichnet man Goldbarren oder Goldmünzen, die alle in der EU-Richtlinie 98/80/EG1 festgelegten Kriterien erfüllen:

  • Goldmünzen: Goldmünzen gelten als Anlagegold, wenn sie einen Feingehalt (Goldanteil) von mindesten 900 / 1000 aufweisen und im Herkunftsland gesetzliches Zahlungsmittel sind oder waren. Der Preis für die Münze darf nicht mehr als 80 Prozent über dem Offenmarktwert des enthaltenen Goldes liegen.

    Alle gängigen Anlagemünzen wie der "Krügerrand”, der “Maple Leaf”, der “Wiener Philharmoniker”, das “Känguru” oder der “China Panda” erfüllen diese Voraussetzungen. Bei deutschen Gedenkmünzen aus Gold wie dem Goldeuro handelt es sich in der Regel ebenfalls um Anlagegold.

    Bei anderen ausländischer Goldmünzen lässt sich anhand des jährlich vom Bundesfinanzministerium veröffentlichten Verzeichnisses der befreiten Goldmünzen prüfen, ob sie als Anlagegold klassifiziert sind oder nicht. Stimmen Ausgabeland und Nennwert mit einer in der Liste aufgeführten Münzen überein, ist keine Mehrwertsteuer zu zahlen.


  • Goldbarren: Gold in Form von Barren oder Plättchen gilt als Anlagegold, wenn es einen Feingehalt von mindestens 995/1000 aufweist. Die im Handel erhältlichen Goldbarren aller bekannten deutschen und internationalen Hersteller wie Heraeus, Umicore, Argor Heraeus, Valcambi oder Metalor erfüllen dieses Voraussetzung und werden folglich ohne Mehrwertsteuer verkauft.

Steuern auf Gewinne beim Gold Verkauf

Die Finanzbehörden behandeln Gewinne aus dem Verkauf von physischem Gold als ein privates Veräußerungsgeschäft nach § 23 EstG. Innerhalb einer Haltefrist von einem Jahr fällt Einkommensteuer nach dem persönlichen Steuersatz des Verkäufers an. Die Besteuerung entfällt, wenn der Gewinn die Freigrenze von 600 Euro nicht erreicht. Allerdings empfiehlt sich hier der Gang zum Steuerberater.

Nach Ablauf der Haltefrist von einem Jahr ist der Gewinn aus einem Verkauf steuerfrei. Die Regelung gilt sowohl für Anlagegold als auch für Altgold.

Steuern auf Silber

Mehrwertsteuer auf Silbermünzen und Silberbarren

  • Silbermünzen: Der ermäßigte Steuersatz für Silbermünzen von 7 Prozent wurde 2014 gestrichen. Es gibt jedoch ein - völlig legales - steuerrechtliches Schlupfloch, mit dem Händler die volle Umsatzsteuer / Mehrwertsteuer für Silbermünzen umgehen können: Die Differenzbesteuerung. Diese kann für Silbermünzen angewendet werden, die aus dem Nicht-EU-Ausland importiert wurden. Das funktioniert wie folgt: Der Händler oder dessen Lieferant zahlt für die Einfuhr der Münzen die Einfuhrumsatzsteuer von 7 Prozent. Lediglich die Differenz zwischen dem Ankaufspreis und dem Bruttoverkaufspreis, also die Gewinnmarge des Händlers, wird mit 19 Prozent besteuert. Daher der Name Differenzbesteuerung.

    Im Effekt bedeutet die Anwendung der Differenzbesteuerung, dass der Käufer etwa ein Prozent mehr für Silbermünzen zahlt, als es nach dem ermäßigten Steuersatz von 7 Prozent bis 2013 der Fall gewesen wäre.

    Da die ebenfalls mögliche Anwendung der normalen Umsatzsteuer / Mehrwertsteuer auf den vollen Verkaufspreis einen erheblichen Wettbewerbsnachteil gegenüber der Konkurrenz bedeuten würde, ist die Differenzbesteuerung heute das vorherrschende Modell beim Verkauf von Silbermünzen.


  • Silberbarren: Für Silberbarren findet die Differenzbesteuerung keine Anwendung. Beim Kauf wird der vollen Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent fällig.

  • Münzbarren aus Silber: Bei Silbermünzbarren dagegen kann die Differenzbesteuerung Anwendung finden.

Zollfreilager: Silber ohne Mehrwertsteuer kaufen

Der Kauf von Silbermünzen und Silberbarren ist mehrwertsteuerfrei möglich, wenn der Kauf in einem Zollfreilager stattfindet und das Silber dort auch gelagert wird. Für die Lagerung fallen je nach Menge Kosten zwischen 1 und 2 Prozent an.

Steuern auf Gewinne beim Silber Verkauf

Gewinne, die beim Verkauf von physischem Silber anfallen gelten wie der Goldverkauf als privates Veräußerungsgeschäft, egal ob es sich um Münzen, Barren oder Altsilber handelt. Innerhalb einer Haltefrist von einem Jahr gilt die Einkommensteuer nach dem persönlichen Steuersatz ab einer Freigrenze von 600 Euro.

Weitere Edelmetalle: Platin, Palladium, Rhodium

Mehrwertsteuer beim Kauf

Bei Platinmünzen gibt es gelegentlich Angebote mit der günstigen Differenzbesteuerung. Ansonsten gilt bei Münzen oder Barren aus Platin, Palladium oder anderen Edelmetallen der übliche Mehrwertsteuersatz von 19 %.

Auch hier bieten Zollfreilager die Möglichkeit, beim Kauf die Mehrwertsteuer komplett zu umgehen.

Steuern auf Gewinne beim Verkauf

Auch bei Gewinnen aus dem Verkauf von Platin, Palladium, Rhodium oder anderen Edelmetallen greift die Besteuerung nach dem persönlichen Steuersatz erst ab einer Freigrenze von 600 Euro. Nach der einjährigen Haltefrist bleiben Gewinne komplett steuerfrei.

Steuern bei Kauf & Verkauf von privat

Beim Kauf von Edelmetallen von einer Privatperson fallen grundsätzlich keine Steuern an. Verkaufsgewinne gelten wie beim Verkauf an einen Händler als Gewinne aus einem privaten Veräußerungsgeschäft und werden innerhalb des Haltefrist von einem Jahr sowie ab einer Freigrenze von 600 Euro nach dem persönlichen Einkommensteuersatz besteuert. Verkaufsgewinne nach Ablauf dieser Spekulationsfrist werden nicht besteuert.

Besteuerung von Xetra-Gold

Die Abgeltungssteuer für Gold in Form von börsengehandelten Rohstoffen (ETCs) war lange Zeit nicht eindeutig geregelt. Im Mai 2015 hat der Bundesfinanzhof allerdings für den ETC Xetra-Gold eine wichtige Grundsatzentscheidung getroffen. Demnach sind Gewinne aus Xetra Gold nach einer Haltefrist von einem Jahr von der Abgeltungssteuer befreit und damit physischen Goldprodukten wie Barren und Münzen gleichgestellt.

Gewinne aus dem Verkauf von Xetra Gold werden ebenfalls so behandelt wie Gewinne aus dem Verkauf von Goldmünzen und Goldbarren.

Die steuerliche Gleichstellung von Xetra-Gold wurde nur für diesen einen ETC erreicht. Sie ist deshalb nicht zu verwechseln mit einer generellen Abschaffung der Abgeltungssteuer für börsengehandelte Goldprodukte.

Steuern für Goldminenaktien

Gewinne aus der Geldanlage in Goldminenaktien unterliegen wie alle anderen Aktiengewinne der Abgeltungssteuer. Diese kann mit Verlusten verrechnet werden und wird direkt von der depotführenden Bank an das Finanzamt überwiesen. Die Steuerfreiheit der Gewinne nach zwölfmonatiger Haltefrist wurde im Jahr 2009 abgeschafft.

Die Abgeltungssteuer beträgt 25 Prozent beziehungsweise 26,375 Prozent inklusive Solidaritätszuschlag. Für Mitglieder einer Kirche wird zusätzlich Kirchensteuer fällig, sodass sich die Gesamtsteuerbelastung abhängig vom Bundesland auf 27,82 Prozent (Bayern, Baden-Württemberg) beziehungsweise 27,99 Prozent (alle anderen Bundesländer) beläuft.

Jedem steuerpflichtigen Bürger steht pro Jahr allerdings ein Freibetrag von 801 für Gewinne aus Kapitalerträgen zu. Um diesen Freibetrag geltend zu machen, muss ein Freistellungsauftrag bei der depotführenden Bank beziehungsweise dem depotführenden Broker erteilt werden.

Gold.de Tipps: Steuern vermeiden ganz legal

  • Beim Kauf von Anlagegold fällt, im Gegensatz zu anderen Edelmetallen, keine Mehrwersteuer an
  • Willst Du Silber oder andere Edelmetalle kaufen, dann achte auf Angebote mit der günstigeren Differenzbesteuerung
  • Wer beim Kauf von Silber oder anderen Edelmetallen die Mehrwertsteuer komplett umgehen will, für den empfehlen sich Zollfreilager. Nachteil: Die Edelmetalle liegen im Ausland
  • Um die Besteuerung von Verkaufsgewinnen zu vermeiden (umgangssprachlich auch: "Spekulationssteuer"), dann halte Dein Edelmetall-Investment mindestens 1 Jahr
  • Willst Du vor dieser Jahresfrist verkaufen, dann hast Du eine Freigrenze von 600 Euro. Für Details Steuerberater konsultieren.
  • Wer "Papiergold" bevorzugt, der sollte sich Xetra-Gold genauer anschauen. Xetra-Gold hat gegenüber Goldminenaktien den Vorteil, dass es steuerlich wie physisches Gold behandelt wird

Überblick: Steuern für Edelmetalle beim Kauf

Edelmetall Kauf vom Händler Zollfreilager
Goldmünzen steuerfrei
(Anlagegold)
steuerfrei
Goldbarren steuerfrei
(Anlagegold)
steuerfrei
Silbermünzen zzgl. 19 % MwSt oder
Differenzbesteuerung
steuerfrei
Silberbarren zzgl. 19 % MwSt steuerfrei
Münzbarren aus Silber zzgl. 19 % MwSt oder
Differenzbesteuerung
steuerfrei
Platinmünzen zzgl. 19 % MwSt oder
Differenzbesteuerung
steuerfrei
Platinbarren zzgl. 19 % MwSt steuerfrei
Palladium zzgl. 19 % MwSt
(Münzen und Barren)
steuerfrei
Rhodium zzgl. 19 % MwSt
(Münzen und Barren)
steuerfrei

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Kommentare [4]
  • von Juwelier Schmuck kaba | 26.09.2018, 14:26 Antworten

    Frage ich habe in mein Schmuck Laden ca.10Kg. Goldschmuck das ist zwar neu aber ausser mode geraten weil teilweise 5-12 Jahre im Laden so genante Laden hütter wenn ich diese schmuck kaputt mache Edelsteine heraus nehme und zum schmelzen an scheide anstallt gebe muss ich mit MwSt. Verkaufen oder mit Differenz Steuer §13a. Verkaufen.

    • von Erna Meyerdierks | 26.09.2018, 16:40 Antworten

      Nur das ich das richtig verstehe ... Sie haben Schmuck im Wert von ca. 180 000,- EUR herumliegen aber Sie können sich keinen Steuerberater leisten? Sie müssen also hier fragen, ja?

      • von Gurkensohn | 13.11.2018, 08:46 Antworten

        diese antwort finde ich wundervoll

        • von Hrdlicka | 28.11.2018, 14:44 Antworten

          Naja, von weniger bemittelten Personen lernt man es nicht zu sparen !

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