Stand: 03.03.2015 von Jörg Bernhard 0 Kommentare

Die Marke von 1.200 Dollar war in der vergangenen Woche heiß umkämpft. Seit Mitte 2013 drehte der Goldpreis in diesem Kursbereich des Öfteren wieder nach oben. Für charttechnische Spannung ist somit auf jeden Fall gesorgt.

Manipulierte Edelmetallpreise?

Wieder einmal stehen internationale Großbanken am Pranger: Medienberichten zufolge soll die amerikanische Justiz und die US-Aufsichtsbehörde Commodity Futures Trading Commission (CFTC ) wegen des Verdachts der Manipulation von Edelmetallpreisen Ermittlungen gegen zehn Großbanken aufgenommen haben.

Vorwürfe dieser Art sind keineswegs neu und wurden im Bereich Devisenhandel und Libor-Zinssätze bereits nachgewiesen und führten bei diversen Finanzinstituten zu Geldbußen in Milliardenhöhe. Betroffen von den aktuellen Ermittlungen seien die Banken von UBS, Credit Suisse, HSBC, Barclays, Goldman Sachs, JP Morgan, Société Générale, Deutsche Bank, Bank of Nova Scotia und Standard Bank.

Europäische Aufsichtsbehörden wie die britische FCA und die deutsche Bafin waren diesbezüglich bereits aktiv - allerdings ohne Erfolg. Beweise für ein großangelegtes Fehlverhalten wurden zwar nicht gefunden, für die fehlerhafte Kontrolle der Mitarbeiter bei der Ermittlung des Goldpreises musste Barclays dennoch eine Strafe von 26 Mio. Pfund zahlen. Für die Manipulation der Libor-Sätze bekamen die Briten mit 450 Millionen Dollar einen deutlich höheren "Strafzettel" aufgebrummt.

Beim Gold sollte die Manipulationsgefahr ab dem 20. März endgültig gebannt sein. Ab diesem Zeitpunkt sollen nämlich die Gold-Fixings, die beim physischen Goldhandel rund um die Welt als Referenzpreise fungieren, zweimal pro Tag (11.30 und 16.00 Uhr MEZ) in den drei Währungen Dollar, Euro und Pfund elektronisch festgestellt werden. Zuletzt wurden die Preise von lediglich vier Banken in einer wenig transparenten Telefonauktion festgelegt. Bei den Edelmetallen Silber, Platin und Palladium wird das Verfahren zur Feststellung der Referenzpreise bereits angewendet, allmählich wurde es Zeit, dass auch beim weltweit wichtigsten Edelmetall faire Referenzpreise Einzug halten.

Chinesische Nachfrage bleibt robust

Der Goldhandel der vergangenen Handelswoche war von zwei Aspekten stark geprägt: der Rückkehr chinesischer Anleger nach der mehrtägigen Feiertagspause und den Statements von Fed-Chefin Janet Yellen vor dem US-Kongress. Letztere wurden von den Marktakteuren dahingehend interpretiert, dass die Erhöhung der US-Leitzinsen eher später als früher erfolgen dürfte. Dies wurde an den Goldmärkten begrüßt, da sich dadurch das Problem der Goldkäufer, auf Zinsen verzichten zu müssen (Opportunitätskosten), in die Zukunft verschiebt. Außerdem profitierte das gelbe Edelmetall von der soliden Nachfrage aus China.

Von Mittwoch bis Freitag wurden pro Tag durchschnittlich 22.427 kg der besonders liquide gehandelten Ein-Kilogramm-Barren umgesetzt. Da Gold vor allem im Vorfeld der chinesischen Neujahrsfeiern besonders rege gehandelt wird, stellten die jüngsten Umsätze eine positive Überraschung dar. Aus Indien kamen über das Wochenende positive wie negative Meldungen. So kündigte der indische Finanzminister am Samstag die Einführung von Goldkonten und -anleihen an, die erhoffte Senkung der Importzölle blieb allerdings aus. Diese soll weiterhin zehn Prozent betragen.

Bundesbank-Film über Goldreserven

Über die Goldreserven der Bundesbank wird seit Jahren viel diskutiert. Nun haben sich die Frankfurter Währungshüter die Mühe gemacht, einen achtminütigen Image-Film ("Die deutschen Goldreserven") über die Entstehung, die Lagerung und die Funktion von Gold als Währungsreserve anzufertigen. Dabei informieren die Bundesbanker auch über die geplanten Goldverlagerungen nach Deutschland, schließlich soll ab 2020 die Hälfte der deutschen Goldreserven in heimischen Tresoren gelagert werden:

Goldreserven Deutschland
Verlagerung der Goldreserven Deutschlands bis 2020

In den kommenden fünf Jahren ist daher die Rückführung von 300 Tonnen Gold aus New York und 374 Tonnen aus Paris geplant. Sollte alles nach Plan laufen, würde sich dann in französischen Tresoren kein deutsches Gold mehr befinden.

Wochenausblick: EZB auf der Watchlist

Seit Längerem steht fest: Die Europäische Zentralbank will ab März die Finanzmärkte mit Liquidität fluten. Pro Monat stellte sie für Anleihekäufe ein Volumen von 60 Milliarden Euro in Aussicht. Nun darf man gespannt sein, ob ein Teil dieses Kapitals auch in Gold fließen wird. Am Donnerstag dürften die Investoren daher mit großem Interesse die Bekanntgabe des Sitzungsergebnisses der EZB verfolgen.

Die konjunkturellen Perspektiven in Europa und China sehen derzeit nicht gerade glänzend aus. Auch im Reich der Mitte versucht die Zentralbank dem gegenzusteuern. Die Rezepte sind nach wie vor dieselben: So wurden am Samstag innerhalb von weniger als vier Monaten zum zweiten Mal in Folge die Leizinsen gesenkt. Deflationäre Risiken spielten dabei eine große Rolle. Das Kaufargument Inflation zieht bei Gold angesichts von jährlichen Teuerungsraten von minus 0,2 Prozent (USA), minus 0,6 Prozent (Eurozone) und plus 0,8 Prozent (China) derzeit eher nicht, als Vermögensschutz scheint das gelbe Edelmetall dennoch relativ gefragt zu sein.

Goldpreis behauptet sich über 1200 Dollar
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt.
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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"