Gold: 2.203,09 € 0,00 %
Silber: 26,21 € 0,00 %
Stand: 18.12.2023 von Hannes Zipfel
In der Woche vor den Weihnachtsfeiertagen werden für Edelmetallanleger noch einmal wichtige Daten zur Konjunktur und vor allem zur Preisentwicklung in der Euro-Zone und in den USA vermeldet.
Ifo-Enttäuschung, GFK-Konsumklima & wichtige Inflationsdaten

Zuletzt hatte die US-Notenbank Fed die Edelmetallpreise mit überraschend deutlichen Zinssenkungsankündigungen beflügelt. Doch diese stehen unter Inflationsvorbehalt, weshalb besonders die aktuellen Preisdaten für den November aus den USA am Freitag im Fokus stehen.

Weitere kursrelevante Termine für Gold, Silber & Co. in der Börsenwoche 51/2023:

  • Montag: Ifo-Geschäftsklimaindex Deutschland für Dezember (akt.: 86,4 | e: 87,8 | Nov.: 87,2), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank (BuBa) zur Konjunktur- und Inflationsentwicklung (12:00 Uhr).
  • Dienstag: Zinsentscheidung der Bank of Japan (4:00 Uhr MEZ |e: -0,1 % | akt.: -0,1 %), endgültige Verbraucherpreis-Inflation (VPI-Kernrate) in der Euro-Zone im November auf Jahresbasis (11:00 Uhr | e: 3,6 % | Okt.: 4,2 %).
  • Mittwoch: GfK-Konsumklima-Index Deutschland für Januar 2024 (8:00 Uhr | e: -27,0 | Dez.: -27,8), Verkäufe bestehender Häuser USA im Nov. in Mio. Einheiten (16:00 Uhr MEZ | e: 3,78 | Okt.: 3,79).
  • Donnerstag: Wöchentliche Anträge auf US-Arbeitslosenunterstützung KW 50 (14:30 Uhr MEZ |e: 218k | KW 49: 202k), US-Konjunkturfrüh-Indikatoren (CB) für November (16:00 Uhr MEZ | e: -0,4 | Okt.: -0,8).
  • Freitag: US-Preisindex für Konsumentenausgaben (PCE-Kernrate) auf Jahresbasis für November (14:30 Uhr MEZ | e: 3,4 % | Okt.: 3,5 %), Terminmarktdaten der US-Aufsichtsbehörde CFTC für Gold und Silber („COT-Report“ | 22:30 Uhr MEZ).

Details zu den Daten-Prognosen sowie historische Zeitreihen finden Sie hier.

US-Notenbank auf dem Weg zur „Japanisierung“?

Noch immer rätseln die Anleger über die Aussagen des US-Notenbankchefs Jerome Powell anlässlich der Pressekonferenz im Nachgang an die Zinssitzung am vergangenen Mittwoch. Überraschend vollzog er eine verbale Trendwende und deutete entgegen noch kürzlich getätigter Aussagen bereits ab dem Frühjahr wieder sinkende Leitzinsen an. Dies ließ den Goldpreis in US-Dollar pro Feinunze (31,1 g) wieder über die 2.000er Marke ansteigen (aktuell: 2.025 US-Dollar pro Unze).

Die plausibelsten Erklärungen für die verbale Kehrtwende Powells bieten die Rekordsumme von 18 Billionen US-Dollar, die das US-Finanzministerium im kommenden Jahr neu finanzieren muss, sowie die Tatsache, dass US-Präsident Joe Biden im November 2024 seine Wiederwahl anstrebt – wofür er zumindest eine stabile Konjunktur benötigt.

Die ehemalige Notenbankchefin und jetzige Finanzministerin der USA, Janet Yellen, hat bereits mehrfach vor der ausufernden Staatsverschuldung und deren Kosten gewarnt.

Aktuell betragen allein die ausstehenden Verbindlichkeiten der US-Bundesregierung in Washington knapp 34 Billionen US-Dollar, aus denen bis zum Ultimo des dritten Quartals 2023 Rekordzinszahlungen von fast 1 Billion US-Dollar resultierten:

Zinsausgaben der US-Bundesregierung

Es droht in den USA ein Muster, das bereits aus Japan bekannt ist: Die Geldpolitik wird massiv von der Fiskalpolitik unter Druck gesetzt, die Staatsverschuldung zu möglichst niedrigen Zinsen zu finanzieren – unabhängig von der Wahrung der Preisstabilität, die möglicherweise eine gegenteilige Zinspolitik erfordert.

Bereits im laufenden Fiskaljahr 2023/2024 könnte der Haushaltsposten für Zinszahlungen den des gesamten Verteidigungsbudgets der USA (das größte der Welt) übersteigen. Zum einen wegen der rasanten Neuverschuldung und zum anderen wegen der deutlich gestiegenen Refinanzierungskosten.

Eine Notenbank, die wegen zu hoher Schulden keine Rücksicht mehr auf die Inflation nehmen kann, so wie dies in Japan bereits der Fall ist, wo die Leitzinsen während der gesamten jüngsten Inflationsphase im negativen Terrain verharrte, kann die Kaufkraftstabilität ihrer Währung nicht mehr garantieren.

Die USA scheinen dem Schulden-Muster Japans zu folgen – mit entsprechenden Konsequenzen für die Kaufkraftstabilität des US-Dollars. So engt sich der Spielraum zur Inflationsbekämpfung für die Fed sukzessive ein, was in Zukunft ihren Zinsspielraum á la Bank of Japan ebenfalls stark einschränkt – mit zu erwartenden Auswirkungen auf den zins- und inflationssensiblen Goldpreis:

Goldpreis in US-Dollar vs. Goldpreis in Japanischen Yen

Ifo-Konjunkturindex für Deutschland preist Haushaltsdesaster ein

Bei der letzten Veröffentlichung des für Deutschland wichtigsten Konjunktur-Frühindikators, bei dem mehr als 9.000 Unternehmen aus den vier bedeutendsten Wirtschaftssektoren befragt werden (Industrie, Dienstleistungen, Handel, Bau), hatte das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München e.V. (ifo-Institut) bereits darauf hingewiesen, dass die Causa „Sondervermögen“ im Bundeshaushalt im damaligen Erfassungszeitraum noch nicht in vollem Umfang berücksichtigt worden war.

Investitionsunsicherheiten und der sinkende Auftragsbestand belasten die Aussichten der deutschen Unternehmen nun merklich.

Daher verwundert es kaum, dass die aktuellen Daten nach drei leichten Anstiegen in Folge in allen drei Komponenten wieder rückläufig sind:

ifo Geschäftsklima Deutschland Saisonbereinigt

Die Erläuterungen zu den Details der am Montagmorgen veröffentlichten Umfrageergebnisse lassen vermuten, dass es sich nicht um einen einmaligen Ausrutscher nach unten handelt:

„Im verarbeitenden Gewerbe ist der Geschäftsklimaindex merklich gefallen. Die Unternehmen beurteilten ihre aktuelle Geschäftslage deutlich schlechter. Auch bei den Erwartungen nahm der Pessimismus wieder zu. Der Auftragsbestand ist insgesamt weiter rückläufig.“

Nicht viel besser sieht es im Service-Sektor aus, der bereits knapp 70 Prozent der Bruttowertschöpfung in Deutschland ausmacht (Quelle: Destatis). Das ifo-Institut dazu:

„Im Dienstleistungssektor hat sich das Geschäftsklima leicht verbessert. Die Dienstleister zeigten sich zufriedener mit den laufenden Geschäften… Die Erwartungen sind jedoch abgestürzt.“

Zum Handel und speziell zum Weihnachtsgeschäft äußern sich die Wirtschaftsforscher aus München wie folgt:

„Im Handel hat das Geschäftsklima einen Rückschlag erlitten. Die Unternehmen beurteilten die aktuelle Lage merklich schlechter. Auch ihre Erwartungen trübten sich ein. Das Weihnachtsgeschäft im Einzelhandel verläuft enttäuschend.“

Am schwierigsten gestaltet sich die Lage laut ifo-Institut im deutschen Bausektor:

„Im Bauhauptgewerbe ist der Geschäftsklimaindikator auf den niedrigsten Wert seit September 2005 gefallen. Die Firmen beurteilten ihre aktuelle Lage schlechter. Zudem geht etwa jedes zweite Unternehmen von einer weiteren Eintrübung der Geschäfte in den kommenden Monaten aus.“

GfK-Konsumklima noch ohne Maut-, E-Auto- und CO2-Preisschock

Ein ähnliches Phänomen wie beim ifo-Index könnte sich beim GfK-Konsumklima-Index ergeben. Denn hier sind die zu erwartenden signifikanten Preissteigerungen durch die massive Erhöhung der PKW-Maut ab Dezember 2023 um 86 Prozent, den sofortigen Wegfall der 4.000 Euro pro Fahrzeug umfassenden E-Auto-Prämie ab 17. Dezember sowie die ab Januar 2024 steigenden CO2-Abgaben in den am kommenden Mittwoch um 8:00 Uhr zur Veröffentlichung anstehenden GfK-Daten noch nicht vollumfänglich enthalten (Schätzung für die aktuellen Indexstand: -27,0 Punkte):

Deutschland: GfK-Konsumklima-lndex

Die jüngsten beiden leichten Aufhellungen der Verbraucherstimmung könnten sich somit ebenfalls als temporär in einem ansonsten intakten Abwärtstrend erweisen. Der Konsumklima-Index notiert mit aktuell -27,8 Punkten ohnehin auf einem fast depressiven Niveau (Indexstand vor der Pandemie war nie tiefer als -3,5 Punkte).

Highlight der Woche: US-Inflationsdaten

Die für Edelmetallanleger wichtigsten Daten kommen in dieser Woche wie so oft aus der nach wie vor größten Volkswirtschaft der Welt – den USA.

Im Rahmen des Doppelmandats der US-Notenbank Fed (Geldwertstabilität und Vollbeschäftigung) orientieren sich die weltweit einflussreichsten Geldpolitiker jenseits des Atlantiks bei der Ausrichtung ihrer Zinspolitik stark an den sogenannten „PCE“-Daten (Personal Cosumtion Expenditure).

Wobei es hier nicht um die Höhe der Ausgaben der Verbraucher, sondern um die Preisveränderungen im statistischen Warenkorb geht. Und hier schaut die Fed besonders auf den Warenkorb ohne die schwankungsbreiten Energie- und Nahrungsmittelpreise (Kernrate).

Inwiefern diese Herangehensweise der Ausgabenrealität der Verbraucher gerecht wird oder nicht, spielt dabei für die Fed keine Rolle. Sie möchte durch die PCE-Kerndaten den grundsätzlichen Inflationstrend herausfiltern.

Erfahrungsgemäß ist die Fed bereit, die Zinsen im Rahmen ihres Doppelmandats zu senken, wenn die Kern-PCE-Teuerungsrate unter die offizielle Arbeitslosenquote sinkt. Letztere liegt aktuell bei saisonbereinigten 3,7 Prozent.

Die Schätzungen für die PCE-Kernrate, die am kommenden Freitag um 14:30 Uhr MEZ veröffentlicht wird, liegt bei 3,4 Prozent für November nach 3,5 Prozent für Oktober. Damit wäre eine wichtige Voraussetzung für Zinssenkungen erfüllt.

USA: PCE-Kernrate Preisindex

Dennoch verharrt die Rate über dem Inflationsziel der Fed von 2 Prozent p.a. Aber wie oben bereits ausgeführt, spielen im Jahr 2024 neben der Teuerung für die Zinspolitik der US-Notenbank auch die zunehmend problematische Schuldentragfähigkeit sowie die US-Präsidentschaftswahlen eine gewichtige Rolle.

Autor: Hannes Zipfel
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