Gold: 1.684,75 € -0,45 %
Silber: 21,22 € +0,07 %
Stand: 04.10.2022 von Hannes Zipfel
Wie stark sich die Situation im Finanzsystem zuspitzt, weil die Zentral- und Notenbanken ihre Zinsen anheben und die Liquidität verknappen, lässt sich nur erahnen. Das außerordentliche Treffen des Gouverneursrates der US-Notenbank Fed am Montag lässt Raum für Spekulationen. Derweil explodieren die Erzeugerpreise in der Euro-Zone auf ein neues Rekordhoch.
Banken-Stress, Eurozone-Erzeugerpreisschock & US-Arbeitsmarktdaten

Weitere relevante Datentermine für Edelmetallanleger in der 40. Börsenwoche:

  • Montag: Einkaufsmanagerindex Deutschland Industrie für Sept. (akt.: 47,8 | Aug.: 49,1| Sep.'21: 58,5), ISM Einkaufsmanagerindex USA Industrie für Sept. (akt.: 50,9 | Aug.: 52,8| Sep.'21: 61,1)
  • Dienstag: Erzeugerpreisindex Euro-Zone für Aug. auf Jahresbasis (akt.: +43,3 % | Juli: +38,0 % | Aug.'21: +13,4 %)
  • Mittwoch: Einkaufsmanager Index Deutschland Dienstleistungen für Sept. (e: 45,4 | Aug.: 45,4), Einkaufsmanagerindex USA Dienstleistungen für Sept. (e: 48,4 | Aug.: 49,2)
  • Donnerstag: Einzelhandelsumsätze Euro-Zone August im Jahresvergleich (e: -1,7 % | Juli: -0,9 %)
  • Freitag: Einzelhandelsumsätze Deutschland August ggü. Vorjahresmonat (e: -4,3 % | Juli: -2,6 %), Beschäftigte außerhalb der Landwirtschaft USA im Sept. (e: 250k | Aug.: 315k), Terminmarktreports (COT) der US-Aufsichtsbehörde CFTC für Gold und Silber (ab 21:30 Uhr MESZ verfügbar)

Deutlicher Preisanstieg bei Gold und Silber nach Fed-Meeting

Eine außerordentliche Sitzung der US-Notenbank Fed in Washington (Closed Board Meeting) nur 12 Tage nach ihrem turnusmäßigen Offenmarktausschuss-Meeting mit der dritten massiven Leitzinserhöhung um 0,75 Prozentpunkte in Folge lässt die Anleger aufhorchen, da erst in der letzten Woche die Bank of England zur Rettung von in Schieflage geratenen Pensionsfonds ihre Geldpolitik ad hoc um 180 Grad wenden musste.

Offiziell ging es in dem Treffen des Verwaltungsrats der Fed nicht um die Finanzmarktstabilität.

Was tatsächlich hinter verschlossenen Türen besprochen wurde, bleibt der Öffentlichkeit jedoch verbogen. Da kurz zuvor die Bank of England auf Risiken für das globale Finanzsystem ausgehend von den sich zuspitzenden Problemen bei der Großbank Credit Suisse hinwies und die Entwicklungen bei dem Kreditinstitut sorgfältig beobachten will, gingen viele Finanzmarktakteure davon aus, dass in Anbetracht des sich abzeichnenden Stresses im gesamten Bankensystem wegen der Zinserhöhungen der Notenbanken und dem Entzug von Marktliquidität auch die US-Notenbank ihren geldpolitischen Pfad schnell verlassen muss.

Die Aktien der Credit Suisse verloren am Montag zeitweise 12 Prozent ihres Wertes bzw. 95,5 Prozent seit April 2007.

Die Kreditausfallversicherungen (Credit Default Swaps) für Verbindlichkeiten der Bank stiegen auf den höchsten Stand seit 2009, also seit der Weltfinanzkrise. Der Finanzvorstand der Bank, David Mather, sprach am Montag gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg von einem „kritischen Moment“ für die Bank.

Der Goldpreis und vor allem der Silberpreis reagierten auf die Möglichkeit, dass die Fed kurzfristig gezwungen sein könnte, Gelddruckprogramme wieder aufzunehmen und den Zinserhöhungszyklus zu beenden, um einen Kollaps des Bankensystems zu vermeiden mit deutlichen Kursanstiegen:

Der Goldpreis verteuerte sich seit Beginn der Woche in Euro um 1,94 Prozent auf aktuell 1.730 Euro pro Feinunze (Spotpreis). Die Notierungen für Silber erhöhten sich sogar um 8,4 Prozent auf 21,10 Euro pro Feinunze (31,1 Gramm).

Auf Jahressicht beträgt der Wertzuwachs des Goldes in der Gemeinschaftswährung aktuell 14,6 Prozent und der des Silbers 7,5 Prozent.

Silberpreis und Goldpreis in Euro pro OZ

Sollten die Zentral- und Notenbanken wegen unkontrollierbarerer Risiken im Finanzsystem ihre Maßnahmen zur Inflationsbekämpfung abbrechen müssen, wäre dies ein extrem konstruktives Umfeld für die Wertentwicklung der Edelmetalle.

Preisschock für die Euro-Zone

Wie problematisch die Gemengelage vor allem für die Europäische Zentralbank (EZB) ist, zeigen neueste Daten zur Entwicklung der Erzeugerpreise im Euroraum, die am Dienstagvormittag mit einem Anstieg auf Jahresbasis von 43,3 Prozent im August 2022 einen neuen Rekordanstieg auswiesen.

Jahresveränderungsrate Erzeugerpreise Euro-Zone

Der ehemalige Präsident des Münchener ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung, Prof. Dr. Hans-Werner Sinn, wies kürzlich in einem Interview mit „Mission Money“, das ausschnittsweise auch auf Focus.de veröffentlicht wurde, darauf hin, dass ca. ein Drittel der Preisanstiege bei den Produzenten und Erzeugern von Waren und Dienstleistungen erfahrungsgemäß nach drei Monaten auf die Endverbraucherpreise durchschlagen.

Dies würde bedeuten, dass die Inflationsrate im Euroraum zum Jahresultimo von aktuell 10,0 Prozent auf 14,4 Prozent ansteigen würde.

Bereits jetzt klafft zwischen der Inflation und dem Leitzins der EZB eine extreme Lücke, die den realen Leitzins (Leitzins abzüglich der Inflation) auf ein Rekordtief von -8,75 Prozent p. a. drückt:

Inflation vs EZB-Leitzins vs. realer EZB-Leitzins

Die EZB hält den Leitzins trotz zweistelliger Preisanstiege im Euroraum mit Rücksicht auf die Schuldentragfähigkeit v. a. der Südstaaten niedrig, obwohl das Inflationsziel der EZB eigentlich bei 2,0 Prozent p. a. liegt und somit sehr weit von der Zent-Prozent-Marke entfernt ist.

Käme es nun zu „Unfällen“ im Bankensystem, müsste die EZB ebenso wie die Bank of England mitten in eine hohe Inflationsdynamik hinein wieder anfangen Geld für Rettungsprogramme zu drucken (digital). Das wäre der absolute geldpolitische Super-GAU für die EZB und fatal für die Entwicklung des Außenwertes der Gemeinschaftswährung Euro, die bereits auf ein 20-Jahrestief gegenüber der Weltleitwährung US-Dollar gefallen ist.

Wichtige Daten vom US-Arbeitsmarkt

Da die US-Notenbank Fed ein Doppelmandat hat, nämlich Geldwertstabilität und Vollbeschäftigung, schauen die Marktteilnehmer gespannt auf die Veröffentlichung der US-Arbeitsmarktdaten am kommenden Freitag.

Erwartet wird eine Anzahl neu geschaffener Stellen außerhalb der Landwirtschaft von 250.000 im September nach 315.000 im August (Grafik zeigt Daten bis August 2022).

USA: Beschäftigung außerhalb der Agra

Neben der Dynamik des Stellenaufbaus ist auch die Lohnentwicklung für die Geldpolitik der Fed sehr wichtig. Hier wird mit einem erneuten Anstieg der Stundenlöhne um 5,1 Prozent nach 5,2 Prozent im August gegenüber dem Vorjahresmonat gerechnet.

Sollten die Daten wie erwartet schwächer als im Vormonat publiziert werden, würde die These von einer schnell näher rückenden Wende der US-Geldpolitik neue Nahrung erhalten und sich positiv auf die Kurse der Edelmetalle auswirken. Bei deutlich stärkeren Zahlen ist hingegen von einem Rücksetzer bei den Edelmetallpreisen auszugehen.

Weitere wichtige Daten-Termine inklusive Prognosen und historischen Zeitreihen finden Sie hier.

Autor: Hannes Zipfel
Ökonom
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von Viktor Zeller | 05.10.2022, 16:28 Antworten

Die Situation mit der Verschuldung ist kritisch, die jetzige Regierung Plan und Machtlos . Die Zeit der billigen Ressourcen ist für BRD endgültig Vergangenheit. Die Privathaushalte sind auch hoch verschuldet . Der einzige Ausweg aus meiner Sicht, EU Auflösung, und eine komplette Sanierung der Stattlichen Strukturen, Umbau der Wirtschaft. Der Mittelstand muss wieder gestärkt werden . Zuerst das eigene Land und dann kommen die anderen.

1 Antwort an Viktor Zeller anzeigen
von Schlandballsystem | 05.10.2022, 15:00 Antworten

Die Grenzen zwischen Utopie und Dystopie sind ungefähr so klar wie die zwischen Russland und der Ukraine. Hoffentlich bleibt Gold auf atomarer Ebene stabil.

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