Stand: 29.04.2020 von Hannes Zipfel
Gold steht aktuell als sicherer Hafen im Fokus der Anleger. Doch schaut man sich den Verlauf früherer Krisen an, so bietet Silber deutlich bessere Chancen und mindert sogar ein entscheidendes Risiko.
Fünf Vorteile von Silber gegenüber Gold

Silber ist historisch preiswert

Für eine Unze Feingold mit einem Reinheitsgrad von 99,99 Prozent und einem Gewicht von 31,1 Gramm muss man aktuell 112 Unzen Feinsilber am Spotmarkt aufwenden. Damit ist Gold im Verhältnis zu Silber so teuer wie nie zuvor in der Geschichte der Menschheit.

Einen rationalen Grund dafür gibt es nicht.

Lediglich die intuitive Spontanreaktion der Anleger bei Eintritt einer Krise erklärt den präferierten Griff zum gelben Edelmetall. Dabei genügt schon ein Blick auf die letzte Krise, um zu erkennen, mit welchem Edelmetall man in der Krise besser gefahren wäre. 

Doch in dem aktuell relativ großen Preisvorteil des Silbers liegt auch eine Chance für Investoren. In der Weltfinanzkrise von 2008 ff. schoss das Preisverhältnis von Gold zu Silber ebenfalls zunächst von 1:50 im Juli 2008 auf 1:83 im Oktober 2008. Ab dann drehte sich das Preisverhältnis jedoch radikal um und stand am 18. April 2011 bei nur noch 1:32. 

Silber ist historisch preiswert

Eine ähnliche Entwicklung ist auch jetzt möglich, denn die Ursachen für die Preisverzerrung sind identisch. Zunächst wurde zu Beginn der Krise Silber stark abverkauft, da Liquiditätsmangel herrschte. Da der Silbermarkt deutlich kleiner ist als der Goldmarkt, schlug sich der Mittelabzug vor allem am US-Terminmarkt überproportional negativ auf die Silberpreise nieder. 

Gold Silber in der Finanzkrise

Parallel dazu explodierte aber die Nachfrage nach Silbermünzen und Silberbarren, was zu enormen Aufschlägen bei Anlagesilber führte. Diese Entwicklung ist auch jetzt in der aktuellen Situation zu beobachten und durch Gold.de mit nachfolgender Grafik gut dokumentiert. In der Spitze waren die Aufgelder für den Kauf von Silbermünzen teils auf über 50% angestiegen.

Silber Aufgeld Entwicklung

Die großen Münzprägeanstalten der Welt in den USA, Kanada, Australien, Österreich, Südafrika und Deutschland meldeten Rekordabsätze bei Silbermünzen. Zudem gab es starke Zuflüsse in Investmentfonds, die mit Silber hinterlegt sind (Silber ETPs).

Ähnliche Entwicklungen waren bereits während der Weltfinanzkrise ab 2008 zu beobachten: am Terminmarkt wurden ungedeckte Lieferkontrakte massenhaft liquidiert, was zu fallenden Silberpreisen führte und auf der anderen Seite explodierte die Nachfrage nach physischem Silber.

Nachdem sich die Situation am Terminmarkt nun bereinigt hat, setzt sich die physische Nachfrage in ihrer Bedeutung immer mehr durch und die Silberpreise beginnen wieder zu steigen. Wobei 50 Prozent der Kursverluste von Ende Februar schon wieder aufgeholt werden konnten.

Der Interessensverband der Silberproduzenten und Verarbeiter „The Silver Institute“ erwartet für dieses Jahr einen Anstieg der Investmentnachfrage um 16 Prozent. Allein bei den mit Silber gedeckten Anlageprodukten (ETPs) sogar um 47 Prozent.

Damit ist eine Aufholjagd des Silberpreises so wie während der Weltfinanzkrise sehr wahrscheinlich. Vor allem deswegen, weil die Notenbanken noch stärker als damals die Zinsen senken und Geld drucken, was per se positiv für das knappe monetäre Edelmetall Silber ist. 

Leistbarkeit und Fungibilität 

Abgesehen davon, dass Silber relativ zu Gold günstig ist, so ist es auch in absoluten Beträgen deutlich preiswerter. Während man für die billigste Unze Gold aktuell 1.630 Euro bei Edelmetallhändlern bezahlen muss, beträgt der günstigste Preis für eine Unze Silber inkl. Steuer lediglich 20,40 Euro. 

Dies entspricht einem Preisverhältnis (Ratio) bei geprägten Gold- und Silber-Münzen von ca. 1:80. Bedenkt man, dass Silber in der Erdkruste nur 15,5 Mal häufiger vorkommt als Gold und Silber überirdisch in Tonnen sogar seltener ist als das gelbe Edelmetall, da es im Vergleich zu Gold in der Industrie verbraucht aber kaum recycelt wird, dann macht ein Investment in Silber mehr Sinn.

Erfahrungsgemäß investiert zuerst das sogenannte „Smart Money“, zu denen auch Großinvestoren gehören, zu Beginn eines säkularen Zyklus in Edelmetalle. 

Diese Investoren bevorzugen Gold und können es sich aufgrund ihrer Kapitalbasis auch leisten.

Umso weiter ein Edelmetallzyklus jedoch voranschreitet, umso mehr Investoren mit kleineren Budgets engagieren sich in Edelmetallen. Gerade zum regelmäßigen Sparen eignet sich Silber aufgrund der niedrigeren Preise besser als das teure Gold. Denn umso kleiner die gekauften Einheiten bei Gold, umso größer ist der Aufschlag zum Spottpreis.

Zu berücksichtigen ist auch, dass Gold und Silber als Krisenwährungen gelten. Sollten tatsächlich eines Tages Alltagsgegenstände oder gar Lebensmittel wieder gegen Gold und Silber getauscht werden, so ist das deutlich günstigere Silber im Vergleich zu Gold besser geeignet, weil fungibler. Man möchte beim Bäcker schließlich nur ein paar Brote erwerben und nicht gleich den ganzen Betrieb.

Hightech vs. Hortung

Gold ist nach wie vor offizielles Zahlungsmittel und daher von der Mehrwertsteuer befreit. Das bedeutet aber auch, dass es zu über 90 Prozent in Form von Münzen und Barren in Tresoren gehortet und nur zu 10 Prozent in der Industrie verarbeitet wird. Dieser Goldanteil wird zudem aufgrund des hohen Preises zu über 86 Prozent wieder aus den Produkten recycelt. 

Silber wurde gemessen am Gesamtangebot im Jahr 2019 zu fast 58 Prozent in der Industrie verarbeitet. Die Recyclingquote lag mit 151 Millionen Unzen bei lediglich 26 Prozent. Der Rest wurde wegen des geringen Metallpreises einfach weggeschmissen und liegt auf den Müllhalden dieser Welt.

Selbst mit dem aktuellen Covid-19-Shutdown bewegt sich der Silbermarkt in einem Angebotsdefizit, da die wegbrechende Industrienachfrage von den Investoren überkompensiert wird.

Auch nach einer Lockerung des Shutdowns bleibt die globale Verschuldung nebst desperater Notenbankpolitik erhalten und damit auch das Absicherungsbedürfnis der Investoren mit Edelmetallen. 

Auf der anderen Seite ist Silber essenzieller Bestandteil von Produkten wie:

  • Medizinbesteck

  • Funktionskleidung

  • Automobilen

  • Smartphones

  • RFID-Funkchips

  • Solaranlagen

  • elektronischen Kontaktstellen. 

Kein anderes Metall der Welt leitet elektrischen Strom und thermische Energie besser als Silber. Das Gleiche gilt für die Reflexion von Licht, weshalb alle Arten von hochwertigen Spiegeln mit Silber beschichtet sind. Darüber hinaus ist Silber antiseptisch und wir seit über 5.000 Jahren als Münzgeld verwendet. 

Ein echtes Multitalent also, auch im Vergleich zu Gold.

Angebotsdefizit statt Überschuss

Das The Silver Institute rechnet mit einem erneuten Angebotsdefizit bei Silber im Jahr 2020 - das elfte Jahr in Folge. Im vergangenen Jahr betrug das Angebotsdefizit 50,4 Millionen Unzen Silber. Die Silberproduktion ist bereits seit vier Jahren rückläufig und wird für 2020 auch wegen der Eindämmungsmaßnahmen im Zuge der Covid-19-Seuche nochmals um 4 Prozent geringer erwartet. 

Die Fundamentaldaten bleiben also positiv.

Bei Gold ist die Fördermenge zwar auch rückläufig, aber es existierte seit 2014 ein Angebotsüberschuss. Dies kann sich zwar in diesem Jahr bedingt durch die geringere Minenproduktion im Zuge der Corona-Krise ändern. Am Silbermarkt ist das Defizit jedoch seit Jahren struktureller Natur. 

Wenn jetzt die Investoren, wie in den Jahren 2008 bis 2011, wieder verstärkt zu Silber als Alternativwährung, sicherem Hafen und günstiger Alternative zu Gold greifen, so wie es sich bereits abzeichnet, dann wird die deutlich größere Marktenge den Silberpreis zukünftig erneut stärker steigen lassen als den Goldpreis.

Die Aufgelder für Goldmünzen und Barren haben sich im Vergleich zu Silbermünzen und Barren bereits stärker zurückgebildet, was ein Indiz für die neu erwachte Präferenz der Anleger für Silber ist. Diese Entwicklung ist gut an folgender Grafik von Gold.de zu erkennen.

Gold Aufgeld Entwicklung

Risiko Besitzverbot

Ein wichtiger Punkt bei Kriseninvestments wie Gold und Silber ist auch deren Sicherheit vor dem Zugriff Dritter – auch vonseiten des Staates. 
Die Themen: Vermögensabgabe allgemein, Lastenausgleich, das Verbot des Handels oder des Besitzes bestimmter Vermögenswerte spielt dabei eine große Rolle. 

Da Gold nach wie vor im internationalen Geldsystem als Reservewährung der Staaten und Notenbanken eine große Bedeutung hat, ist das Risiko eines möglichen Goldbesitz- oder Goldhandelsverbots höher einzusufen als bei Silber. 

Silber wurde bereits im Jahr 1873 demonetarisiert und spielt damit für das Währungssystem oder als Reservewährung keine relevante Rolle mehr. Zudem ist es unwahrscheinlicher, dass ein essenzielles Industriemetall verboten wird.

Fazit und Ausblick

Einer deutlich höheren Renditechance bei Silber steht ein höheres Schwankungsrisiko gegenüber. Durch die Außerkraftsetzung der Geltung des Silbers als Geld ist ein Verbot des Handels oder Besitzes des Hightech-Metalls jedoch deutlich geringer, als dies beim Gold der Fall ist.

Darüber hinaus sprechen die für die Industrie essentiellen physikalischen Eigenschaften des Silbers sowie das strukturelle Angebotsdefizit mittelfristig eher für den Rohstoff Silber.

Bereits in früheren Krisen hatte sich zunächst das Verhältnis von Gold zu Silber zulasten des Silbers verschlechtert, bevor dann im Zuge der massiven Reflation durch die Notenbanken der Silberpreis den Goldpreis signifikant outperformte und sich das Gold-Silber-Ratio stark zurückbildete. 

Da Silber in der jetzigen Frühphase der heraufziehenden Schulden- und Finanzkrise im Vergleich zu Gold sehr preiswert ist, lohnt sich ein Blick auf Silber.

Die aktuell hohen Aufschläge auf Silbermünzen und Barren lassen es jedoch als sinnvoll erscheinen, die Rückbildung dieser Verfügbarkeitsprämien im Zuge einer wieder besseren Versorgungslage mit Silber nach der Lockerung der Eindämmungsmaßnahmen im Sommer abzuwarten.

Autor: Hannes Zipfel
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von Helge Zabelt | 13.05.2020, 16:49 Antworten

Ich denke mal, das die Roheit der Menschheit so angestiegen ist und die Unfähigkeit der Regierung uns zu schützen, obwohl ich Edelmetall Fan bin, die beste Wertanlage leider Waffen sind! Was nützt mir ein Silberling um ein Brot zu kaufen, wenn der gute Mann geplündert wurde!

von PontifexDoe | 08.05.2020, 20:11 Antworten

Wieder mal ein toller Artikel!
Herr Zipfel und Markus Blaschzok haben die Vogelperspektive. Sie sind zwar nicht die einzigen, aber gehören zu den wenigen die nicht nur "ihre Produkte" mit Verkaufsargumenten an die Leute bringen. Man zieht immer Mehrwert für sich selbst aus den Beiträgen und lernt was

von Tobias Fiktiv | 09.05.2020, 16:50 Antworten

Dass das Gold-Silber-Preisverhältnis von derzeit run 1:115 so hoch wie nie zuvor ist, stimmt nicht. 1933 hatte es sogar 1:134 erreicht.

von Peter S. | 03.05.2020, 11:51 Antworten

Kaum bewegt sich der Aufpreis für Gold so langsam wieder in normale Bahnen müssen jetzt noch schnell die überteuerten Aufpreise fürSilber an den Mann/Frau gebracht werden.
Dabei lässt der Autor auch wieder nichtr aus.Silberknappheit,Goldverbot und wenn das noch nicht gereicht hat Hyperinflation. Soll ich jetzt meine Gold gegen Silber tauschen?
Mein Fazit: Ich bleib bei Gold und Silber kann mir gestohlen bleiben!!

1 Antwort an Peter S. anzeigen
von Goldie | 30.04.2020, 00:24 Antworten

Ich habe mein Silber komplett abgestoßen und in Gold getauscht. Mir kommt kein Silber mehr in den Safe.

14 Antworten an Goldie anzeigen

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