Stand: 27.04.2021 von Jörg Bernhard
Mitte April meldete die Deutsche Bundesbank rekordhohe Zahlen zum Geldvermögen deutscher Privathaushalte. Für Ende Dezember sind Beträge von 6.950 Milliarden (insgesamt) bzw. 4.990 Milliarden Euro (netto) registriert worden.
Gold: Vermögen deutscher Privathaushalte auf Rekordniveau

Massive Vermögenszuwächse im Corona-Jahr

Trotz oder gerade wegen der Corona-Krise stellte sich auf Jahressicht ein Zuwachs beim Geldvermögen in Höhe von 438 Milliarden Euro bzw. 6,7 Prozent ein. Bei den Verbindlichkeiten war ein deutlich geringerer Anstieg von 1.877 auf 1.960 Milliarden Euro (plus 83,0 Milliarden Euro) registriert worden. Summa summarum ging es mit dem Nettogeldvermögen von 4.634 auf 4.990 Milliarden Euro bergauf (siehe Tabelle).

Das Geldvermögen deutscher Privathaushalte

Bestände in Mrd. Euro 31.12.2019 31.12.2020 Differenz
Bargeld und Einlagen 2.599,80 2.809,00 209,20
Schuldverschreibungen 121,40 113,70 - 7,70
Aktien und sonstige Anteilsrechte 706,10 804,50 98,40
Anteile an Investmentfonds 680,20 734,50 54,30
Versicherungs-, Alterssicherungs- und Standardgarantie-Systeme 2.374,30 2.457,90 83,60
Sonstige Forderungen 29,60 30,50 0,90
Geldvermögen insgesamt 6.511,40 6.950,10 438,70
Verbindlichkeiten insgesamt 1.877,00 1.960,00 83,00
Nettogeldvermögen insgesamt 4.634,40 4.990,10 355,70

Quelle: Deutsche Bundesbank

Dabei fiel auf, dass Bargeld und Einlagen im Jahr 2020 besonders starke Zuflüsse von über 209 Milliarden auf 2.809 Milliarden Euro verzeichnet haben. Müsste hierfür der von der EZB verlangte Einlagenzins von minus 0,5 Prozent p.a. bezahlt werden, entspräche dies einer Geldvernichtung von immerhin 14 Milliarden Euro. Starke Zuwächse gab es auch bei Ansprüchen gegenüber Versicherungen zu vermelden, die sich um 83,6 Milliarden auf 2.458 Milliarden Euro erhöht haben.

Um einiges geringer fiel das Vermögen an Aktien und sonstiger Anteilsrechte sowie das Investmentfondsvermögen aus. Deren Zuwachsraten von 98,4 Milliarden auf 804,5 Milliarden Euro (Aktien) bzw. 54,3 Milliarden auf 734,5 Milliarden Euro (Fonds) waren vor allem auf Bewertungsgewinne zurückzuführen.

Trotz extrem niedriger Zinsen gab es bei den Verbindlichkeiten privater Haushalte (Schulden) lediglich einen Anstieg um 83 Milliarden auf 1.960 Milliarden Euro zu vermelden.

Fazit: Die Positionen Bargeld und Einlagen sowie Versicherungen stellen ein großes Klumpenrisiko dar. Sie wären im Falle einer beschleunigten Inflation besonders stark betroffen.

Interpretation der Vermögensstatistik

Das Zahlenwerk sollte allerdings nicht zu dem Schluss führen, dass deutsche Bundesbürger im Zuge der Corona-Krise vermögender geworden sind. Über die Verteilung des Vermögens lassen sich durch die Statistik nämlich keinerlei Rückschlüsse ziehen.

Es ist aber davon auszugehen, dass viele Privathaushalte im vergangenen Jahr corona-bedingt deutlich ärmer geworden sind. Zum einen haben die Sorgen um den Arbeitsplatz die Sparquote der Bundesbürger markant erhöht.

Zum anderen dürften zudem die beschlossenen Corona-Restriktionen zu einem beträchtlichen Konsumstau geführt haben, schließlich konnte man die Waren und Dienstleistungen des stationären Einzelhandels, der Gastronomie und der Touristik-Unternehmen gar nicht bzw. nur stark eingeschränkt konsumieren.

Nun darf man gespannt sein, wie stark der Nachholeffekt bei einer Rückkehr zur Normalität ausfallen wird und wie die Konsumentenpreise darauf reagieren werden.

Eine Erkenntnis hat die aktuelle Vermögensstatistik der Deutschen Bundesbank gezeigt: Nach wie vor sollte ein Teil des Vermögens in Krisenwährungen investiert werden, die sich nicht unbegrenzt vermehren lassen. Gold und Silber gehören zweifellos dieser Kategorie an – und das bereits seit über tausend Jahren.

Ausblick für die laufende Woche

Das Motto für diese Woche könnte lauten: Nach der EZB-Sitzung ist vor der Fed-Sitzung. Beide Notenbanken werden an den Finanzmärkten mit Argusaugen beobachtet, schließlich gelten sie als wichtigste Garanten für geldpolitische Unterstützung und die damit verbundene gute Laune an den Finanzmärkten. Selbst die corona-bedingten Verwerfungen in wichtigen Wirtschaftsregionen waren von rekordhohen Preisen bei Aktien und Immobilien begleitet worden.

Krisenwährungen wie Gold oder Bitcoins, die sich nicht unbegrenzt in Umlauf bringen lassen, waren ebenfalls stark gefragt und markierten seit dem Ausbruch der Pandemie neue Allzeithochs. In diesem Zusammenhang ist häufig der Begriff "Everything-Bubble" zu hören.

Da diesseits wie jenseits des Atlantiks die konjunkturelle Erholung über Schulden erkauft wird, hat diese Entwicklung durchaus ungesunde Züge. Ein gesundes Maß an Vorsicht scheint somit auf lange Sicht angebracht zu sein. Wer Gold oder Silber in Form von Barren oder Münzen besitzt, dürfte sowohl für die aktuelle als auch für künftige Krisen bestens gewappnet sein – und in den vergangenen beiden Jahrzehnten gab es davon reichlich.

Autor: Jörg Bernhard
Freier Wirtschaftsjournalist
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von meerettich | 06.05.2021, 00:28 Antworten

Kein Wunder, da man doch schon lange vor Corona die EKSt von 53 auf 43 % reduziert und die Vermögensteuer ganz abgeschafft hatte. Dann noch Agenda 2010, und jetzt trifft die Corona unsere „armen Investoren“ mit voller Wucht.
Der Mittelschicht geht´s einfach noch zu gut. Da bleibt gar nichts anderes über, als die Kosten über PEPPige Geld-Verwässerung von Sparern und Konsumenten zu holen. Schließlich hängen da unsere Arbeits-Plätze dran.
Also, hier wird wohl konservativ-nachhaltig übertrieben. Am Ende ist dann eine solche „Nachhaltige“ auch noch Favoritin der Deutschen Finanz-Elite?
Na ja, Geld ist ja politisch unabhängig… was immer es kostet.

2 Antworten an meerettich anzeigen
von Sylvi_1964 | 02.05.2021, 22:48 Antworten

...dann frage ich mich, WER mein Geld hat??

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