Gold: 2.171,79 € 0,09 %
Silber: 25,51 € -0,04 %
Stand: 27.02.2024 von Hannes Zipfel
Obwohl die Aktienmärkte von einem Rekordhoch zum nächsten klettern, bleibt die Stimmung sowohl der Verbraucher als auch der Industrie in großen Teilen im Keller. Gleichzeitig sind sich die Zentralbanker so uneins wie selten über das Timing einer geldpolitischen Lockerung. Die Bedeutung der aktuellen Daten nimmt damit weiter zu.
KI-Euphorie, Verbrauchervertrauen & Inflation

Besonders im Fokus stehen dabei die Inflationszahlen am Donnerstag aus den USA und Deutschland.

Ausgesuchte kursrelevante Termine für Gold, Silber & Co. in der neunten Börsenwoche 2024:

  • Montag: US-Baugenehmigungen im Januar in Mio. gegenüber Vormonat (akt.: 1,489 | Dez.: 1,493), US-Verkauf neuer Häuser im Januar ggü. Vorjahresmonat (661k | 651k), Rede von Christine Lagarde zur Einschätzung der EZB (Inflation, Konjunktur, Finanzkonditionen).
  • Dienstag: GfK-Konsumklima Deutschland für März ggü. Feb. (akt.: -29 | -29,6), Auftragseingang für langlebige Wirtschaftsgüter im Januar ggü. Vormonat (14:30 Uhr MEZ | e: +4,9 % | Dez.: 0,0 %), US-Verbrauchervertrauen Febr. ggü. Januar (16:00 Uhr MEZ | akt.: 114,8 | Jan.: 114,8), Schätzung der Veränderungsrate des US-BIP Q1’24 durch die Atlanta Fed (17:30 MEZ | e: 2,9 % | Q4’24: 3,3 %).
  • Mittwoch: Verbrauchervertrauen Euro-Zone im Februar ggü. Jan. (11:00 Uhr | -15,5 | -16,1), Stimmung im Dienstleistungssektor Euro-Zone im Februar ggü. Vormonat (11:00 Uhr | 9,0 | 8,8), Stimmung der Industrie der Euro-Zone im Feb. ggü. Vormonat (11:00 Uhr | -9,2 | -9,4), Bruttoinlandsprodukt USA im Q1’25 erste Schätzung (14:30 Uhr MEZ | Q4’24: +3,3 % | Q3’23: 4,09).
  • Donnerstag: Veränderung der Arbeitslosigkeit in Deutschland im Februar ggü. Vormonat (9:55 Uhr | e: +7k | Jan.: -2k); Arbeitslosenquote (e: 5,8 % | Jan.: 5,8 %), vorl. Verbraucherpreisveränderung (VPI) Deutschland im Feb. ggü. Vorjahresmonat (14:00 Uhr | e: 2,6 % | Jan.: 2,9 %), USA-PCE-Preisindex (Kernrate) für Jan. ggü. Vorjahresmonat (14:30 Uhr MEZ | e: 2,8 % | Jan.’23: 2,9 %).
  • Freitag: Einkaufsmanagerindex Industrie China im Feb. ggü. Vormonat (2:30 MEZ | e: 49,1 | Jan.: 49,2), Einkaufsmanagerindex Service-Sektor China im Feb. ggü. Vormonat (2:30 MEZ | e: 50,8 | Jan.: 50,7), Einkaufsmanager Deutschland Fertigung für Feb. ggü. Vormonat (9:55 Uhr | 42,3 | Jan.: 45,5), US-Einkaufsmanager-Index Industrie für Februar ggü. Vormonat (15:45 Uhr MEZ | e: 51,5 | Jan.: 50,7), Terminmarktdaten der US-Aufsichtsbehörde CFTC für Gold und Silber („COT-Report“ | 22:30 Uhr MEZ).

Details zu den Daten, Prognosen sowie historische Zeitreihen finden Sie hier.

„KI“ beherrscht alles – auch die Edelmetalle

Seitdem am 22. Februar der US-Halbleiterproduzent für Spezialchips und einer der Hauptprofiteure des KI-Booms, die Nvidia Corporation aus Santa Clara, USA, ihre Zahlen vorgelegt hat, ist der Markt erneut KI-euphorisiert.

Wobei der Kursverlauf der Nvidia-Aktien langsam ein wenig an die Tulpenzwiebelmanie aus den 1630er-Jahren oder den New-Economy-Boom zur Jahrtausendwende erinnert:

Nvidia Chart

Gedanken an Konkurrenz oder Fragen zu Plausibilitäten in den Zahlen werden ignoriert.

Nvidia und generell einige wenige ausgesuchte Tech-Aktien, wie Microsoft, Meta, Google etc. treiben die Stimmung und damit den gesamten Aktienmarkt nach oben, wo diese wenige Werte aufgrund ihrer enormen Marktkapitalisierung die Index-Richtung bestimmen.

Das Interesse an Edelmetallen hat zum Teil sicher auch deshalb nachgelassen, obwohl sich der Silberverbrauch nahe Rekordniveau und in der Industrie sogar auf Allzeithöchstständen befindet.

Auch angetrieben durch die KI-Hardware und die fortschreitende Elektrifizierung und Digitalisierung.

Im Vergleich zu den aktuellen Anlegerlieblingen tun sich die Preise für Gold und Silber eher schwer. An dieser Stelle darf man die Psychologie an den Börsen nicht unterschätzen (nach dem Motto: „Lieber mit der Masse scheitern, als allein richtig zu liegen“). Naja, die Zukunft wird es wie so oft weisen.

Der Goldpreis versucht nun jedenfalls schon zum vierten Mal den seit Ende November letzten Jahres unterbrochenen Aufwärtstrend wieder aufzunehmen. Aber noch fehlt der Schwung bzw. die Impulse von der Nachrichtenseite:

Goldpreis in US-Dollar cmc Markets

Positiv zu werten ist, dass der Goldpreis mit aktuell 2.036,70 US-Dollar pro Feinunze (31,1g) am Spot-Markt sogar knapp oberhalb der einfachen 50-Tage gleitenden Durchschnittslinie (SMA 50) notiert und einen neuen Anlauf auf die horizontale Widerstandslinie bei ca. 2.063,60 unternimmt.


Beim Silber sieht es charttechnisch ähnlich aus, auch hier setzt sich die Konsolidierung zäh fort.

Zentralbanken, Zinsen und Inflation

Es ist ein offenes Geheimnis, dass sich die Zentral- und Notenbanken dies- und jenseits des Atlantiks primär auf die Inflations- und Arbeitsmarktdaten fokussieren.

Vor allem an wichtigen Wendepunkten, wie sie jetzt bei den Zinsen wieder bevorstehen. Die EZB-Ratsmitglieder könnten, zumindest im Meinungsdurchschnitt, die Kreditkosten in Form ihres Refinanzierungssatzes für Banken (Leitzins) ab Juni wieder senken. Wobei hier die Meinungsbandbreite innerhalb der EZB von einer Zinssenkung bereits in der kommenden Woche bis zum Abwarten nach einer Zinswende in den USA reicht.

Letztere wird sich wohl noch hinziehen, da die US-Notenbank bereits darauf hinwies, dass sowohl die Aktienmärkte und damit die allgemeinen Finanzierungskonditionen (Vermögenseffekt + Eigenkapitalbeschaffung) wieder lockerer geworden sind, was eine rasche Zinssenkung unnötiger erscheinen lasse.

Obwohl die Inflationsraten, die in dieser Woche sowohl aus den USA als auch aus Deutschland jeweils am Donnerstag vermeldet werden, Entspannung signalisieren und Spielraum für Zinssenkungen eröffnen (Werte im Säulendiagramm in Prozent):

Deutschland Verbrauerpreis Index

Für Deutschland soll der Jahresteuerungswert (Preisinflation) laut Statistischem Bundesamt in Wiesbaden im Februar 2024 auf 2,6 Prozent nach 2,9 Prozent im Januar gesunken sein.

Auch in den USA soll sich der Rückzug der Inflation moderat fortsetzen: auf 2,8 Prozent im Jahresvergleich von noch 2,9 Prozent im Dezember (PCE-Preisindex - Kernrate):

USA: PCE Preisindex Kernrate

Für die zinslosen Edelmetalle wären das gute Nachrichten.

Verbraucherstimmung weiter schwach

Die Preisentwicklung hat neben dem vorläufigen Ende der Energiepreisexplosion sicher auch mit der verhaltenen Nachfrage der Verbraucher und ihrer Stimmung zu tun. Ablesbar in Deutschland am GfK-Konsumklima-Index, der nach wie vor deutlich auf negativem Terrain notiert (Säulendiagramm mit Indexwerten in Punkten):

Deutschland GFK Konsumklima

Aktuelle Daten zum GfK-Konsumklima für den Monat März werden am Dienstag um 8:00 Uhr aus Nürnberg vermeldet.

Bleiben die Wirtschaftsdaten in der Euro-Zone allgemein so schwach wie in Deutschland, für das im Konsens für 2024 nur mit einer Stagnation gerechnet wird, könnten Zinssenkungsfantasien der Impuls werden, auf den die Edelmetallanleger gewartet haben.

Autor: Hannes Zipfel
Ökonom
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von solider Anleger | 27.02.2024, 23:15 Uhr Antworten

Die Blasen … Gähn Neuer Markt, Immobilien und nun KI? Die Folgen beim Erwachen nach dem Rausch sind immer dieselben. Die Welt wird sich auch morgen noch drehen.

4 Antworten an solider Anleger anzeigen

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