Stand: 08.02.2021 von Jörg Bernhard
Seit Jahren veröffentlicht die London Bullion Market Association zum Jahresstart die Ergebnisse einer umfangreichen Analystenumfrage hinsichtlich der Aussichten von Gold, Silber, Platin und Palladium. Am vergangenen Donnerstag war es wieder einmal so weit.
LBMA-Umfrage über Edelmetallprognosen für 2021

Edelmetalle: Optimismus bleibt ungebrochen

Ziel der Umfrage ist es, für jedes der vier Edelmetalle den treffsichersten Analysten zu ermitteln und diesen dann im nächsten Jahr mit einem Unzen-Barren Gold des Sponsors MKS PAMP Group zu belohnen.

In diesem Jahr haben insgesamt 38 Analysten an dem Wettbewerb teilgenommen.

Jeder Analyst muss zum einen eine Schätzung für den durchschnittlichen Preis des jeweiligen Edelmetalls für das Jahr 2021 abgeben und zum anderen dessen Tradingrange prognostizieren. Auf mehr als 30 Seiten wurden die detaillierten Ergebnisse der Befragung aufgeführt – mit interessanten Erkenntnissen.

Das Wichtigste vorweg: Unter den Umfrageteilnehmern herrscht ein hohes Maß an Optimismus.

Beim Goldpreis und Palladiumpreis wird zum Beispiel mit einem Anstieg des Durchschnittspreises um 11,5 Prozent auf 1.973,80 Dollar bzw. 11,2 Prozent auf 2.439,80 Dollar gerechnet.

Noch zuversichtlich sehen sie die Perspektiven vom Silberpreis und dem Platinpreis aus. Hier wird nämlich ein Zuwachs in Höhe von 38,7 Prozent auf 28,50 Dollar bzw. ein Plus von 28,2 Prozent auf 1.131,50 Dollar prognostiziert (siehe Tabelle).

LBMA-Edelmetallprognosen 2021

Edelmetall progn. Durchschnittspreis 2021 progn. Jahrestiefs 2021 progn. Jahreshochs 2021
Gold 1.973,80 USD 1.488 bis 1.850 USD 1.840 bis 2.680 USD
Silber 28,50 USD 16,51 bis 24,68 USD 26,00 bis 55,00 USD
Platin 1.131,50 USD 774 bis 1.100 USD 1.100,00 bis 1.827,00 USD
Palladium 2.439,10 USD 1.500 bis 2.500 USD 2.500 bis 3.000 USD
Quelle: London Bullion Market Association

Doch die Befragung bringt nicht nur einen gestiegenen Optimismus, sondern auch die Erwartung einer erhöhten Volatilität zum Ausdruck. So bewegen sich zum Beispiel die prognostizierten Extremwerte (Jahreshoch und Jahrestief) in einer Bandbreite von 1.192 Dollar, während sich bei Silber ein Wert von 38 Dollar errechnet.

Bei Platin und Palladium liegen zwischen niedrigster und höchster Schätzung 1.053 bzw. 1.500 Dollar. Bei Gold wurden drei Einflussfaktoren von den Analysten als wichtige Preistreiber am häufigsten genannt:

  • negative bzw. fallende US-Zinsen (25 Prozent),

  • ein schwacher Dollar (21 Prozent)

  • sowie die US-Fiskal- bzw. Geldpolitik (16 Prozent).

Beim gelben Edelmetall reichten die abgegebenen Prognosen zum Durchschnittspreis von 1.650 bis 2.300 Dollar.

Die pessimistischste Schätzung wurde von René Hochreiter (Noah Capital Markets /Sieberana Research) abgegeben, die optimistischste stammt von Thorsten Polleit (Degussa).

Besonders optimistische Prognosen bei Silber 

Beim prognostizierten Durchschnittspreis für Silber für das Jahr 2020 reichten die Analystenschätzungen von 19,00 Dollar (René Hochreiter von Noah Capital Markets /Sieberana Research) bis 47,00 Dollar (Thorsten Polleit von Degussa).

Bei den prognostizierten Jahrestiefs reichten die extremsten Schätzungen von 16,51 bis 24,68 Dollar, während nach oben hin eine Bandbreite von 26,00 bis 55,00 Dollar registriert worden war.

Eines bringen die Prognosen auf jeden Fall zum Ausdruck: Für ein Investment in Silber benötigen Anleger in diesem Jahr wie gewohnt besonders starke Nerven, schließlich liegen zwischen niedrigstem Jahrestief und optimistischstem Jahreshoch 233 Prozent.

Beim Goldpreis fällt dieser Wert mit 80 Prozent deutlich geringer aus.

Die Ergebnisse der LBMA-Analystenumfrage zum nachlesen

Ausblick für die laufende Woche

Ein starker Dollar, steigende US-Renditen und freundliche Aktienmärkte haben den Goldpreis in Richtung 1.800 Dollar fallen lassen. Zur Wochenmitte erfahren die Investoren aktuelle Zahlen zur Geldentwertung in China, Deutschland und den USA.

Analysten erwarten unisono steigende Inflationsraten. Laut von Trading Economics veröffentlichten Umfragen unter Analysten soll sich im Januar

  • die chinesische Inflationsrate auf 0,5 Prozent p.a. (Dezember: 0,2 Prozent),

  • die deutsche Teuerungsrate auf 1,0 Prozent p.a. (-0,3 Prozent) und

  • die US-Inflation auf 1,5 Prozent p.a. (Dezember: 1,4 Prozent) beschleunigt haben.

Von Charles Evans (Präsident Chicago Fed) war in der vergangenen Woche folgendes zu hören: eine Inflation von 2,5 Prozent wäre willkommen und drei Prozent würden kein Problem darstellen.

Für den Goldpreis wäre dies sicherlich auch kein Problem, schließlich genießt er traditionell einen guten Ruf als Inflationsschutz. Problematisch wären allerdings positive Realzinsen (inflationsbereinigte Zinsen) anzusehen. Hierfür müssten allerdings die Zinsen die Inflation möglichst deutlich übertreffen.

Diesen „Luxus“ könnten sich viele hochverschuldete Staaten allerdings gar nicht leisten.

Fazit: Gold verkauft man nicht, man vererbt es.
Autor: Jörg Bernhard
Freier Wirtschaftsjournalist
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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"