Stand: 27.01.2020 von Hannes Zipfel 2 Kommentare

Die Kurse für Palladium stiegen zuletzt fahnenstangenartig an. Doch wie weit können die preistreibenden Faktoren die Notierungen des Edelmetalls noch nach oben treiben?

Palladium verteuert sich in einem Monat um 30 Prozent

Zu Beginn dieses Jahres durchbrach der Palladiumpreis die Schallmauer von 2.000 US-Dollar pro Unze. Seitdem hat sich der Preis in nur drei Wochen um weitere 425 US-Dollar oder 21 Prozent verteuert.

In den letzten vier Wochen stieg der Preis pro Unze um knapp 30 Prozent an. In den letzten 12 Monaten betrug der Anstieg über 80 Prozent. Seit dem letzten Tiefpunkt während der Finanzkrise im Dezember 2008 hat sich der Preis von Palladium sogar verfünfzehnfacht.

Das Metall ist nach dem exponentiellen Preisanstieg der letzten Monate mittlerweile mehr als doppelt so teuer wie sein Schwestermetall Platin.

Beide Industriemetalle werden hauptsächlich in Katalysatoren für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren eingesetzt. Mit den nun erreichten historischen Rekordpreisen ist das silberweiße Metall das mit Abstand teuerste der vier Haupt-Edelmetalle Gold, Silber, Platin und Palladium.

Lediglich das ebenfalls als Katalysator in der Industrie verwendete Rhodium ist mit fast 10.000 US-Dollar pro Unze noch teurer.

Palladium Preis Kurs Chart

Mit einem Relativen Stärke Index (RSI) von über 90 (14 Tage) ist der Markt rein technisch so stark überkauft wie seit dem 22. Januar 2001 nicht mehr. Der Bereich mit Werten über 70 signalisiert eine extreme Überkauftheit und erhöht die Wahrscheinlichkeit einer ausgeprägten Preiskorrektur.

Dennoch heben immer mehr Analysten ihre Preisziele nach oben an. Jeffrey Currie von Goldman Sachs erhöhte sein Kursziel für Palladium Anfang letzter Woche auf 3.000 USD pro Unze.

Auch andere Banken und Metallhändler erhöhten ihre Kursziele für Palladium, so z. B. die HSBC, die UBS oder der Raffinerie- und Edelmetallhändler MKS PAMP Group.

Der Analysten von Goldman Sachs warnen jedoch gleichzeitig davor, dass die jetzt erreichten Preisniveaus nicht nachhaltig seien, da die Automobilindustrie, die mit fast 90 Prozent der Hauptabnehmer des Katalysatormetalls ist, Palladium durch das nur halb so teure Schwestermetall Platin ersetzen könne.

Das Gleiche gelte auch für die chemische Industrie, die ca. 4 Prozent des weltweiten Angebots an Palladium absorbiert.

Warum ist Palladium so begehrt?

Palladium ist neben Rhodium und Platin eines der katalytisch aktivsten Metalle und gehört der Gruppe der Platinmetalle an (PGMs). Es wird auf die Keramikkerne von Drei-Wege-Katalysatoren aufgebracht um Schadstoffe wie Kohlenstoffmonoxid, Stickoxide und unverbrannte Kohlenwasserstoffe zu fast 90 Prozent in ungiftiges Kohlenstoffdioxid, Stickstoff und Wasser durch Oxidation beziehungsweise Reduktion umzuwandeln

Aus der gleichzeitigen Umwandlung der drei Luftschadstoffe resultiert die Namensgebung „Drei-Wege-Katalysator.

Aber auch in der Zukunftstechnologie Brennstoffzellen kommt Palladium zum Einsatz. Darüber hinaus wird es in der chemischen Industrie, der Elektronik, der Zahnmedizin sowie in der Schmuckindustrie verarbeitet, wo es als Legierungsmetall zusammen mit Gold zur Herstellung von Weißgold benötigt wird.

Seit dem Bekanntwerden des Dieselskandals schwenkten zudem die Autokäufer weltweit auf Benzinmotoren um, in denen anders als bei platinbeschichteten Dieselkatalysatoren primär Palladium zum Einsatz kommt.

Außerdem boomt die Nachfrage nach Palladium in Ländern und Regionen wie China, Indien Nordamerika und Europa wegen sich permanent verschärfender Emissionsgesetzte für Automobile. Der exponentielle Anstieg des Palladiumpreises in den letzten Wochen ist aber vor allem die Folge von Panikkäufen aus der Industrie. Die Zinsen für das Verleihen des Metalls haben sich zuletzt signifikant erhöht, was auf sehr niedrige Lagerbestände hinweist

Da auch immer mehr Investoren auf den dynamischen Preistrend aufspringen, erhöhen Fonds (ETFs), die physisches Metall akkumulieren, zusätzlich die Nachfrage nach dem für die Industrie essentiellen Edelmetall.

Warum ist das Metall so knapp?

Weltweit gibt es nur sehr wenige Palladium produzierende Regionen und nur wenige bekannte wirtschaftlich ausbeutbare Erzkörper. Russland und Südafrika sind mit zusammen ca. 80 Prozent Produktionsanteil die größten Förderregionen der Welt. Die geringe Anzahl an Explorationsprojekten in den vergangenen Jahren trug ebenfalls zum wachsenden Angebotsdefizit bei. Da Palladium hauptsächlich als Nebenprodukt gefördert wird, ist das Angebot selbst auf den jetzt erreichten Kursniveaus relativ preisunelastisch.

Momentan ist die Produktion von Palladium im Verhältnis zur Nachfrage so unzureichend und die weltweiten Lagerbestände so stark abgeschmolzen, dass das Metall sogar rationiert werden muss. Bei Palladium herrscht seit 2012 permanent ein Angebotsdefizit. Im Jahr 2019 fehlten dem Markt über 600.000 Unzen, dies entspricht einem aktuellen Gegenwert von 1,5 Mrd. US-Dollar.

Allein im November 2019 lag die Produktion der sogenannten PGMs, zu denen auch Palladium gehört, in Südafrika um 13,5 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Das Land steht für mehr als ein Drittel der gesamten Weltjahresproduktion von Palladium (36 Prozent).

Grund für den Produktionsrückgang sind die andauernden Probleme bei der landesweiten Stromversorgung durch den staatlichen Anbieter Eskom. Der Konzern ist der größte Stromerzeuger in Afrika und der siebtgrößte Stromversorger der Welt. Dennoch gilt die Infrastruktur in Südafrika als marode und sehr störanfällig.

So kam es seit November immer wieder zu landesweiten Stromausfällen, die auch die Produktion der Minen stark beeinträchtigten. Darüber hinaus reduzierten schwere Buschfeuer und Streiks der Bergleute den Ausstoß der Minen.

Der zuletzt exponentielle Anstieg des Palladiumpreises scheint auch die Folge von Panikkäufen der Industrie zu sein. Ein Indiz dafür sind die parallel zu den Preisen stark angestiegenen Zinsen für die Metallleihe.

Alles weist also auf eine akute physische Knappheit des Rohstoffs hin. Dies ist auch eine Folge von kaum vorhandenen Lagerbeständen, sodass Lieferengpässe nicht abgepuffert werden können. Diese Gemengelage hat zuletzt auch Investoren angelockt, die mit physisch gedeckten Palladium-ETFs (Exchange Traded Funds) dem Markt zusätzlich Metall entziehen und es in der Hoffnung auf höhere Verkaufspreise bis auf Weiteres in den Tresoren der Fonds horten.

Die Substitution durch Platin benötigt Zeit

Zwar ist es möglich, Palladium in Auto-Katalysatoren durch Platin zu ersetzen, dieser Prozess erfordert jedoch eine Umstellung der Produktion und eine Neuzertifizierung der Katalysatoren bei den Automobilzulieferern. Dies gilt auch für die komplett montierten Fahrzeuge bei den Fahrzeugherstellern. Dieser Prozess kann drei bis sechs Jahre in Anspruch nehmen, weshalb sich der Markt kurzfristig nicht ausreichend durch den Austausch von Palladium durch Platin entspannen kann. 

Außerdem haben Otto-Motoren eine niedrigere Verbrennungstemperatur als die den Kraftstoff stark komprimierenden Dieselaggregate. Da Palladium katalytisch deutlich aktiver ist als Platin, ist die Umstellung auf das aktuell gut 1.420 US-Dollar pro Unze günstigere Platin auch rein technisch nicht ohne Weiteres möglich, ohne dass die Effizienz der Katalysatoren leidet.

In Anbetracht der permanent steigenden Abgasanforderungen ist dies eine große technische Herausforderung für die Zulieferindustrie, die den Fahrzeugherstellern die Katalysatoren zur Verfügung stellt.

Fazit und Ausblick

Da es keine Aussicht auf eine zeitnahe Verbesserung der Versorgungslage bei Palladium gibt und auf der anderen Seite wegen regulatorischer Vorgaben bezüglich der Schadstoffemissionen die Nachfrage weiter tendenziell ansteigt, ist eine Entspannung des Marktes kurzfristig unwahrscheinlich.

Gleichwohl ist ein Aufspringen auf diesen sehr volatilen Preistrend hochriskant. Die fahnenstangenartig ansteigenden Notierungen bedeuten eine extreme Volatilität – in beide Richtungen. Dies gilt sowohl für die Kurse der größten Palladium-Minenbetreiber wie:

  • Impala Platinum (ZA)

  • Nornickel (RU)

  • Sibanye Stillwater (ZA) 

  • Anglo Planitum (UK)

sowie für das Edelmetall selbst.

Palladium kann in Form von Münzen, Barren, Schmuck oder ETFs physisch erworben werden. Da es sich bei Palladium um ein Industriemetall handelt, müssen Investoren beim Kauf die Mehrwertsteuer mitberücksichtigen.

Perspektivisch wird Palladium durch das aktuell deutlich preiswertere Platin substituiert werden können. Der Preis des günstigeren Metalls der Platin-Metall-Gruppe hat bereits auf den Höhenflug des Schwestermetalls reagiert und notiert in US-Dollar mittlerweile (Stand: 27.01.2020) wieder knapp vierstellig.

Mittelfristig ist daher dem potenziellen Substitutionsmetall Platin mehr Kurssteigerungspotenzial zuzutrauen, als dem bereits extrem teuren Palladium, zumal sich auch bei Platin ein Produktionsdefizit anbahnt.

Langfristig spricht der Trend der Elektrifizierung der Automobile aber gegen die PGMs und für Silber, das als ultimativer elektrischer Leiter das zukunftsträchtigere Metall in Bezug auf die mannigfaltigen Verwendungen in Elektrofahrzeugen und modernen Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren ist (siehe Video unten).

Da der technologische Zenit der PGM-Metalle, deren Haupteinsatzgebiet die Katalysatoren für Verbrennungsmotoren sind, bereits überschritten ist, erscheint ein Platzen der Preisblase nur eine Frage der Zeit zu sein. Wohingegen das Metall mit der höchsten elektrischen Leitfähigkeit, Silber, in Anbetracht der zunehmenden Elektrifizierung und Automatisierung der Fahrzeuge von einem langjährigen Nachfrageanstieg aus der Automobilindustrie profitiert.

Quelle: AUSIS Gold & Silber Minen wikifolio

Hannes Zipfel
Finanzjournalist

Palladium – wann wird die Blase platzen?
Hannes Zipfel - Seit über 20 Jahren ist Hannes Zipfel an den Finanzmärkten in unterschiedlicher Funktion aktiv. Nach dem Studium der Volks­wirtschafts­lehre arbeitete er als Aktien­analyst, Anlage­stratege, Portfolio­manager, Chef­ökonom und Vorstands­mitglied eines Finanz­­dienst­leisters, zu dem auch ein führender deutscher Edel­metall­­händler gehört. Sein Spezial­­gebiet ist die Geld­­­politik sowie die Analyse der monetären Edel­­metalle Gold und Silber.
Ihre Meinung zum Thema?
Sicherheitsfrage: Wie viele Münzen sehen Sie?
Fragen über Fragen
Ich stimme zu, dass mein Kommentar und Name zur Veröffentlichung auf GOLD.DE gespeichert wird. Die Netiquette für Kommentare hab ich gelesen. Sie können Ihre Einwilligung jederzeit per Mail an info@gold.de widerrufen. Unsere Datenschutzerklärung.
von Mr.Silver | 03.02.2020, 10:41 Antworten

Märkte übertreiben . Wenn etwas teuer geworden ist, gibt es immer Leute, die etwas noch teurer reden. Wie damals bei Silber. Es ging bis knapp 50 Dollar. Man sprach von Knappheit und nannte 200 Dollar pro Unze. Doch jetzt kostet es 18 Dollar. Auch Platin stand bei 2300 Dollar pro Unze. Jetzt ist es bei 950 Dollar. Kaufen Sie das was billig ist, Platin und Silber, und nicht das was teuer ist.

von Cold Fusion | 28.01.2020, 08:56 Antworten

Was noch interessant ist, Palladium wird im großen teil als Nebenprodukt beim fördern von Platin gewonnen, jedenfalls war das mal so. Es gibt hier auch keinen Papiermarkt, also Lehrverkäufe, wie auch bei Rhodium.
Trotzdem glaube Ich, das Palladium um mindestens 50% überteuert ist, natürlich jetzt nur Industrie-technisch. Den Grund suche Ich beim Militär, bei Ländern mit Weitblick und natürlich Spekulanten und Zockern. Auch Herr Vladimir könnte versuchen wollen so dem Westen die Wahrheit zu zeigen, also schmerzlich.
Jemand wird stark auf die Nase fahlen, manche werden aber darüber lachen...

Copyright © 2009-2020 by GOLD.DE – Alle Rechte vorbehalten

Konzept, Gestaltung und Struktur sowie insbesondere alle Grafiken, Bilder und Texte dieser Webseite sind urheberrechtlich geschützt. Missbrauch wird ohne Vorwarnung abgemahnt. Alle angezeigten Preise in Euro inklusive MwSt. (mit Ausnahme von Gold), zzgl. Versandkosten, sofern diese anfallen. Verfügbarkeit, Abholpreise, Goldankauf und nähere Informationen über einzelne Artikel sind direkt beim jeweiligen Händler zu erfragen. Alle Angaben ohne Gewähr.

Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"