Stand: 10.07.2019 von Dr. Jürgen Müller 6 Kommentare

Ich habe bereits mehrfach über die Endlichkeit der Ressourcen geschrieben. Ein endlich großer Planet kann nur endliche Ressourcen zur Verfügung stellen, auch wenn Wirtschaftler immer wieder behaupten, dass das Angebot theoretisch nur eine Funktion des Preises wäre. Für natürliche Ressourcen kann dies nicht gelten, speziell für chemisch reine Elemente.

Nun haben die Vereinten Nationen eine sehr schöne Studie vorgelegt, die diese These erneut bestätigt: Die Ressource Sand wird immer knapper [1].

Man mag es kaum glauben, aber weite Bereiche unseres Lebens sind sozusagen auf Sand gebaut. Er ist Grundstoff von Beton, Asphalt, Mörtel, Glas oder Halbleitern (Quarzsand). Der ZDF-Wissenschaftler Harald Lesch soll schon einmal vom "Peak Sand" gesprochen haben.

Billion Metric tones Cement Peak Sand

Abb. 1: Entwicklung des globalen Verbrauchs von Beton - (Datenquelle: USGS, Bildquelle [1])

In den letzten 25 Jahren hat sich der weltweite Verbrauch von Beton nahezu verdreifacht. Ein Effekt, der sich - nebenbei bemerkt - vermutlich auch auf die manipulierten Zinsen und den dadurch angefachten Bauboom zurückführen läßt. In den letzten Jahren verharrt die Kurve jedoch auf einem Niveau von ca. 4,2 Milliarden Tonnen und bildet hier eine Art Plateau. "Peak Sand"?

Auch von den Edelmetallen wissen wir, dass viele Insider von einem nahen Peak der Förderung ausgehen. Ian Telfer, früherer CEO von Goldcorp (die kürzlich von Newmont gekauft wurden) meinte 2018 z. B.:

"In my life, gold produced from mines has gone up pretty steadily for 40 years. Well, either this year it starts to go down, or next year it starts to go down, or it’s already going down… We’re right at peak gold here." [2]

Frei übersetzt: Während meines ganzen Berufslebens ist die Goldförderung stetig gestiegen. Entweder wird die Förderung dieses Jahr, oder nächstes Jahr beginnen zu fallen, oder sie ist schon jetzt im Sinken. Wir sind bei 'Peak Gold' angelangt.

Nur nochmals zur Klärung: "Peak Gold" heisst nicht, dass plötzlich kein Gold mehr gefördert wird, so wie es Kritiker immer wieder gerne implizieren bzw. ins Lächerliche zu ziehen versuchen.

Dieser Förderhochpunkt bedeutet lediglich, dass ca. die Hälfte der förderbaren Vorkommen auch tatsächlich gefördert wurde (Annahme: Man geht von einer nahezu symmetrischen Förderkurve aus, d.h. die abfallende Flanke der Kurve verhält sich genauso wie die ansteigende). 

 Top 5 Gold Miners Prodction 2017 - 2018

Abb. 2: Vergleich der Goldförderung der fünf größten Minenbetreiber in den jeweils ersten drei Quartalen des Jahres 2017 und 2018 [3].

Auch andere Marktbeobachter äußerten sich bzgl. dem zukünftigen Goldangebot wie folgt. Der Analyst Ryan Hanley von der Laurentian Bank Securities in Toronto meinte: 

"We really haven’t seen that much exploration in the past few years. It’s hard to say we’re running out of deposits, but it’s starting to look that way." (Wir haben in den letzten Jahren nicht sehr viel exploriert. Es ist schwer zu sagen, ob uns die Goldlagerstätten aus gehen, aber es beginnt so auszusehen).

Der Vorsitzende des World Gold Council, einer Vertretung der Goldindustrie (!) meinte 2017, dass die Goldförderung ihren Hochpunkt erreicht hätte: 

" The time may come soon when the supply is not expected to meet the demand. The price of gold usually rises during times of economic slowdowns. How will the global financial market react when the supply of gold is running low and gold becomes an even rarer commodity?" (Die Zeit wird vielleicht bald kommen, wenn das Angebot die Nachfrage nicht mehr wird befriedigen können. Der Goldpreis steigt normal in Rezessionszeiten. Wie wird der Markt reagieren, wenn das Angebot von Gold sinkt und Gold ein noch seltenerer Rohstoff wird?).

Peak Gold - Goldfördermenge der gesamten weltweiten Goldminen gerechnet von 2015 - 2025

Abb. 3: Vorhersage der jährlichen Goldförderung [4]

Nach einer Vorhersage von BMO Capital Markets (siehe Abb. 3) könnte sich die Goldförderung innerhalb weniger Jahre auf 2.000 Tonnen p.a. reduzieren.

In meiner Dissertation aus dem Jahr 2012 habe ich selbst die Mathematik der "Peak Oil" Systematik von Marion King Hubbert auf Gold angewendet und kam auf folgende Prognosemodelle.

Das Peak der Förderung sollte demnach erst in den Jahren 2027 bis 2044 eintreten, allerdings bei einer Förderquote von unter 3.000 Tonnen im Jahr. Nach Berichten des USGS [5] lag die Förderung in 2018 jedoch bereits bei 3.260 Tonnen, sodass das Peak durchaus nun auch früher eintreten kann, so wie es auch anhand der südafrikanischen Goldförderkurve ersehen werden kann.

Einem steilen Anstieg auf 1.000 Tonnen Gold pro Jahr im Jahr 1970, erfolgt dann ein ebenso schnellerer Abfall der Förderraten.

Globale Goldförderung

Abb. 4: Jährliche Goldfördermenge (schwarze Kurve) mit verschiedenen mathematischen Modellen für den zukünftigen Verlauf. Quelle: Eigene Berechnungen.

Zusammen mit allen anderen aktuellen volkswirtschaftlichen und geldpolitischen Gründen, die hinlänglich in der Literatur diskutiert wurden, macht dieser geologische Gesichtspunkt Gold (und natürlich auch die anderen Edelmetalle) zu einem langfristig sehr sinnvollen Investment.

Dr. Jürgen Müller
Einkaufsgemeinschaft für Sachwerte GmbH
www.goldsilber.org

Quellen:

[1] UNEP 2019: "Sand and Sustainability: Finding new solutions for environmental governance of global sand resources", https://unepgrid.ch/en/resource/2AD54533

[2] https://business.financialpost.com/commodities/mining/were-right-at-peak-gold-all-the-major-deposits-have-been-discovered-declares-goldcorp-chairman

[3] http://www.miningstockeducation.com/2018/11/analysts-totally-wrong-about-gold-top-gold-miners-production-cost-still-provides-floor-in-the-market-price-srsrocco-report/

[4] https://www.zerohedge.com/news/2018-03-14/peak-gold-has-arrived

[5] https://www.usgs.gov/centers/nmic/gold-statistics-and-information

Peak Gold: Über die Endlichkeit der Ressourcen
Dr. Jürgen Müller (Einkaufsgemeinschaft für Sachwerte GmbH) - Herr Dr. Müller ist Geschäftsführer der Einkaufsgemeinschaft für Sachwerte GmbH, die Edelmetalle physisch bankenunabhängig für Kunden handelt und in der Schweiz lagert. Er ist Autor von mehreren Fachbüchern wie der "Drei Speichen Regel" und "Gold: 10.000 Dollar?".
Webseite des Autors:
www.goldsilber.org
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Kommentare [6]
  • von Reinhart | 11.07.2019, 11:15 Antworten

    zum "Glück" wird Gold und andere seltene Metalle ja mit Sicherheit langfristig nicht nur global, sondern auch durch das anlaufende Asteorid Mining, in das zur Zeit Unmengen an Investitionen fliesst, gefördert. Luxenburg, Japan, die USA, Indien, Russland und China sind da ganz vorne. Nicht zu vergessen die vielen Start ups und Privatinvestoren

    • von Maximilian von Mustermann | 11.07.2019, 14:26 Antworten

      Ich bin der Meinung, dass Asteorid Mining auch nur für zukünftige Generationen interessant ist, um das "Leben" in der Schwerelosigkeit bzw. im All zu ermöglichen. Sprich Habitate aufzubauen. Ein Materieaustausch mit der Erde ist ab diesem Zeitpunkt nicht mehr rentabel. Ein zweiter unabhängiger Markt entsteht außerhalb der Erde, weil dort andere Materialien wertvoller sind, als hier. Vielleicht gibt es dann wieder "findige" Geschäftsmänner/-frauen/-Diverses, welche "Zertifikate" handeln, aber das Material bleibt im All. Das ist jedoch pure Science Fiction und weit in der Zukunft. Wenn überhaupt.

    • von Maximilian von Mustermann | 11.07.2019, 14:15 Antworten

      Wenn man einmal davon absieht, dass bei dem genannten Asteroiden nicht von Edelmetallen als Abbauprodukt gesprochen wurde, sind wir davon noch Meilen entfernt. Wir schaffen es heute gerade einmal wieder zum Mond. Einen Asteroiden besuchen oder im Vorbeiflug schnell "abernten"... das ist Propaganda um den Goldpreis kostengünstig zu drücken bzw. unattraktiver für Langzeitanleger erscheinen zu lassen. Gerade wenn man die Grafik im Beitrag genauer ansieht, wird die "Ernte" der Minen längere Zeit nicht unter 500 Tonnen fallen. Man darf nicht vergessen, in der Weltraumfahrt werden Massen in der Einheit kg berechnet. Da fallen ein paar hundert kg im Jahr durch Asteroiden (wenn es denn funktionieren würde) nicht auf und würde die Energiekosten nicht tragen.

  • von Fritzthecat | 10.07.2019, 19:38 Antworten

    Das Peak Gold wurde schon vor Jahren in dieser Zeit prognostiziert. Ähnlich verhielt es sich mit dem Peak Oil.
    Man darf skeptisch sein

  • von der deutsche Michel | 10.07.2019, 18:00 Antworten

    Peak Silber würde mich auch interessieren . wie sieht es da aus ?

  • von Der Besserwisser | 10.07.2019, 17:57 Antworten

    sehr guter Beitrag. Danke

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