Gold: 2.203,09 € 0,00 %
Silber: 26,21 € 0,00 %
Stand: 14.08.2023 von Hannes Zipfel
An den Märkten droht in dieser Woche ein weiterer Abverkauf. Für Edelmetallanleger könnte die Verbilligung vor den saisonal starken Monaten bis zum Jahresultimo und darüber hinaus interessant werden. Vor allem extrem schlechte Konjunkturdaten aus China, gepaart mit steigenden Kapitalmarktzinsen und einer sich verschlechternden Stimmung der Profianleger belasten aktuell noch die Kurse.
Turbulente Woche voraus – Fed-Protokoll im Fokus

Für Gold und Silber relevante Daten-Termine sind in der aktuellen Börsenwoche 33 die Folgenden:

  • Montag: Bereits am Freitag vergangener Woche veröffentlichte die Zentralbank China (PBOC) das Kreditvergabevolumen in der Volksrepublik, das von Juni auf Juli um 90 Prozent kollabierte. Ein großer Immobilienfinanzierer konnte zudem am Sonntag seine Zinsen nicht bedienen.
  • Dienstag: Einzelhandelsumsatz China Juli auf Jahresbasis (e: 4,8 % | Juni: 8,15 %), Industrieproduktion China im Juli ggü. Vorjahresmonat (e: 4,5 % | Juni: 4,4), ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland im August (e: -16,0 | Juli: -14,7), Einzelhandelsumsatz USA im Juli (e: 1,5 % | Juni: 1,49 %)
  • Mittwoch: Japanischer Wirtschaftsbericht „Tankan-Index“ in Punkten für August (e: 3 | Juni 8), Bruttoinlandsprodukt Euro-Zone Q2’23 ggü. Vorjahresquartal (e: 0,6 % | Q1’23: 1,1 %), Sitzungsprotokoll („FOMC-Minutes“) vom 26. Juli mit Hinweisen zur weiteren Geldpolitik der US-Notenbank (20:00 MESZ)!!!
  • Donnerstag: Erstanträge auf US-Arbeitslosenanträge für die KW 32 (e: 240k | KW 31: 248k), US-Wirtschaftsfrühindikatoren für Juli (e: -0,4 | -0,7)
  • Freitag: Direktinvestitionen im Ausland Chinas gemäß FDI-Statistik im Juli (-4,9 % | Juni: 2,7%), Terminmarktdaten der US-Aufsichtsbehörde CFTC für Gold und Silber (COT-Reports; 22:30 Uhr MESZ)

Weitere Daten-Termine, Details zu den Prognosen sowie historische Zeitreihen finden Sie hier.

Turbulente Zeiten bergen Chancen – wenn das Gesamtbild stimmt

Die Gründe für mangelnde Aufwärtsimpulse für die zinslosen Edelmetalle sind im Wesentlichen klar:

  • Schwache konjunkturelle Nachfrage bei den Weißmetallen (bis auf Silber, das vom Solarboom profitiert oder im Gegensatz dazu Palladium, das besonders unter der Abhängigkeit von der schwachen Nachfrage in der Verbrennerindustrie leidet)
  • Kapitalmarktzinsen auf dem Niveau der letzten Weltfinanzkrise (bei dem Doppelten der Gesamtverschuldung).
  • Der unbeirrbare Glaube, dass Schulden dieses Mal keine Rolle spielen werden (Ab September laufen wichtige Schuldenmoratorien im Zuge der Corona-Pandemie aus in den USA aus).

Doch wie bereits in der Vergangenheit ist dieser Cocktail genau die Mischung, aus der Schuldenkrisen und eine förmlich explodierende Nachfrage nach Vermögenswerten ohne Gegenparteirisiko bestehen (Gold kann z. B. anders als ein Staat nicht pleitegehen).

Natürlich können Kreditlaufzeiten, staatliche Subventionen und andere Sondereffekte diese unvermeidbare Konsequenz hinauszögern – verhindern konnten sie diese gleichwohl noch nie (Schuldenkrise).

Für Gold in US-Dollar pro Feinunze (31,1g) wäre ein nochmaliger Preisrückgang, wie der Aktuelle, durchaus für Engagements in das gelbe Edelmetall geignet – in Anbetracht der Gesamtgemengelage in der bedeutendsten Volkswirtschaft der Welt (USA), in der das Verhältnis zwischen Schuldenexplosion, Kreditkosten und Wirtschaftswachstum komplett in Schieflage gerät.

US-Schulden vs. US-Zinsen

In Anbetracht dieser fundamentalen Gemengelage lohnt sich auch ein Blick auf den Saisonchart des gelben Edelmetalls über ein ganzes Jahr hinweg:

30 Jahre Gold-Saisonalität

Butter bei die Fische

Am Dienstag dieser Woche wird sich erneut zeigen, wie robust sich die größte Volkswirtschaft (USA) und damit die Geldpolitik der großen Notenbanken Federal Reserve (Fed) und Europäische Zentralbank (EZB) tatsächlich präsentieren – abseits ihrer politischen Rhetorik.

Ihre Geldpolitik ist für die weitere Entwicklung der Edelmetallpreise wegweisend!

Zuletzt hatten die Vertreter beider Institutionen (Fed, EZB) ihr weiteres geldpolitisches Vorgehen von den einlaufenden Konjunkturdaten abhängig gemacht, was deren Bedeutung stark vergrößert.

Für die US-Wirtschaft enorm wichtige Einzelhandelsumsätze werden z. B. am Dienstag um 14:30 Uhr MESZ für den Monat Juli veröffentlicht. Bereits im Vormonat war die „Wachstumsrate“ trotz Schuldenexplosion im privaten und öffentlichen Sektor mit -1,51 Prozent (bei 3 Prozent offizieller Teuerungsrate) real negativ. Wobei der Abwärtstrend diagonal entgegengesetzt zur Verschuldung verläuft – gesund ist das nicht.

Auch dieses Mal wird wieder mit einem realen Rückgang auf Jahresbasis gerechnet.

Der Stress der US-Konsumenten nimmt mit deutlich abnehmender Sparquote und auslaufenden Schuldenmoratorien signifikant zu. In diesem Herbst wird es daher spannend an der US-Konsum- und Konjunkturfront:

US-EH-Umsatz im Jahresvergleich

Die Frühindikatoren zeigen bereits seit 15 Monate in Folge negative Werte auf. Frische Daten werden am kommenden Donnerstag um 16:00 Uhr MESZ veröffentlicht und dürften den kontraktiven Gesamttrend bestätigen:

US-Frühindikatoren

Silber an wichtiger Unterstützung

Nun konkret zu den Edelmetallen und hier v. a. zum Silber, das momentan genau an einer charttechnisch wichtigen Unterstützungslinie klebt: Es ist die obere Begrenzungslinie des seit Februar 2021 laufenden Konsolidierungskorridors, aus dem das weiße Edelmetall schon mehrfach nach oben ausgebrochen war.

Silberpreis in US-Dollar

Aber es fehlt eben die Initialzündung: entweder von den massiven Solarsubventionen (die Werke zur Herstellung der Solar-Panels müssen größtenteils erst gebaut werden) oder eben von der konjunktur- und schuldenbedingt wieder ultralaxen Geldpolitik der großen Zentralbanken (was vermutlich früher eintritt).

Auf jeden Fall bleibt es auch in dieser Woche sehr spannend.

Autor: Hannes Zipfel
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