Stand: 27.06.2020 von Egmond Haidt
Die Sorge vor den Folgen einer zweiten Corona-Welle haben zu einem Kursrutsch an den Börsen geführt. Für zusätzlichen Abwärtsdruck sorgt der Handelskrieg zwischen den USA und Europa. Im Gegenzug ist der sichere Hafen Gold gefragt.
Zweite Corona-Welle treibt Gold nahe Acht-Jahres-Hoch

Nach der kräftigen Erholung der vergangenen Monate sind S&P500 und DAX zuletzt eingebrochen. Für Verkaufsdruck hat vor allem die zweite Corona-Welle in den USA gesorgt, womit sich die Perspektiven für die US- und damit die Weltwirtschaft deutlich eintrüben.

So waren in etlichen US-Bundesstaaten, wie Kalifornien, Texas und Florida, die Infizierten-Zahlen kräftig gestiegen, womit sie für die USA am 24. Juni ein Rekordhoch erreicht haben.

Daraufhin hat Apple 7 weitere Läden vorübergehend geschlossen, diesmal in Houston (Texas). 

Zusätzlich belastet wurden die weltweiten Aktienmärkte von der Verschärfung des Handelskriegs zwischen den USA und Europa. Der US-Handelsbeauftragte Robert Lighthizer plant, Strafzölle auf Güter im Wert von 3,1 Mrd. Dollar aus Europa zu verhängen. So sollen neue Strafzölle auf europäische Exporte, wie Bier, Oliven oder Lkws verhängt werden, während die Zölle auf Güter, wie Flugzeuge, Käse und Joghurt erhöht werden sollen.

In dem Umfeld sind Investoren in den sicheren Hafen Gold geflüchtet, woraufhin er mit Kursen von rund 1.765 Dollar je Unze in die Nähe des höchsten Niveaus seit September 2012 gestiegen ist. Damit geht die Klettertour in Richtung des Spitzenwerts vom August 2011 bei rund 1.920 Dollar weiter.

Fed macht Gold „great again“

Denn viele Investoren erwarten, dass Fed-Chef Jay Powell bei einem durch die zweite Corona-Welle ausgelösten größeren Einbruch des US-Aktienmarkts nicht lange warten, sondern die Geldpressen noch schneller laufen lassen dürfte als ohnehin schon. Derzeit kauft die US-Notenbank für 80 Mrd. Dollar pro Monat Staats- und für 40 Mrd. Hypothekenanleihen.

Das sind herbe 1,44 Billionen aufs Jahr hochgerechnet.

Die Folge dieser Politik: die Bilanzsumme der Fed ist seit Ende Februar um herbe 3 Billionen auf den Rekord von 7,1 Billionen nach oben geschossen. Daher ist die Geldmenge zuletzt um 33,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr explodiert. Das ist die stärkste Entwertung der Fiat-Währung Dollar aller Zeiten. Im Gegenzug müssen Investoren immer mehr Dollar für eine Unze Gold auf den Tisch legen.

Die Fed macht also ungewollt Gold „great again.“

Weiteres Billionen Dollar schweres US-Konjunkturprogramm ist in Arbeit

Viele Experten gehen davon aus, dass der Kongress nach den bisherigen Billionen Dollar schweren Rettungsprogrammen Ende Juli ein weiteres Konjunkturprogramm verabschieden dürfte, diesmal im Volumen von rund eine Billion Dollar. Denn die Erhöhung des Arbeitslosengeldes um 600 Dollar pro Woche läuft Ende Juli aus.

Viele Amerikaner sind anschließend allerdings weiter auf Zuwendungen vom Staat angewiesen, liegt doch die Zahl der Beschäftigten derzeit um knapp 20 Mio. unter dem Rekordhoch vom Ende Februar.

Eine zweite Corona-Welle würde dazu führen, dass die Konjunkturerholung in den USA viel langsamer verlaufen dürfte als Experten erwarten. Je mehr Programme die Regierung von US-Präsident Donald Trump allerdings auflegt, umso mehr Geld muss die Fed drucken, um einen deutlichen Zinsanstieg zu verhindern.

Damit finanziert die Fed – trotz gegenteiliger Beteuerungen – immer mehr Staatsschulden mit der Notenpresse, womit der Dollar immer schneller entwertet wird. Es sollte niemanden überraschen, wenn die Bilanzsumme der Fed zügig in Richtung 10 Billionen Dollar laufen sollte.

In dem Umfeld wird sich zeigen, wie sich der Goldpreis weiter entwickeln wird.
Autor: Egmond Haidt
Finanzjournalist
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von Fleischesser | 28.06.2020, 11:14 Antworten

Gold ist für mich erstmal abgehakt,mein Augenmerk ist jetzt auf Silber gerichtet !

2 Antworten an Fleischesser anzeigen
von Commander C | 27.06.2020, 17:52 Antworten

Je höher der Goldpreis steigt desto weniger traue ich den (systemabhängigen) Gold-ETFs und Derivaten. Das ist eine Zwickmühle, denn diese zu liquidieren ist auch nicht aussichtsreich und in Physisches zu gehen entsprechend teurer und umständlicher.

3 Antworten an Commander C anzeigen

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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"