Stand: 04.09.2020 von © Gold.de Redaktion AB
Kommt sie oder nicht? Die Abgeltungssteuer für Xetra-Gold und ähnliche Gold-ETCs scheint eine unendliche Geschichte zu werden. Jüngste Entwicklung: Ein Gesetzentwurf im Sommer 2020, der die Abgeltungsteuer (wieder) einführen wollte. Und keine zwei Monate später wieder vom Tisch ist. GOLD.DE dokumentiert hier den Stand der Dinge.
Abgeltungssteuer für Xetra-Gold diskutiert

Chronologie: Worum gehts?

Seit Mai 2015 sind mit physischem Gold hinterlegte ETCs, die eine Option auf Auslieferung (Lieferanspruch) des Goldes haben, steuerlich gleichgestellt mit Anlagegold, also Münzen und Barren. Für Anleger eine günstige steuerliche Regelung, denn sämtliche Gewinne, die sich aus einem Verkauf ergeben, gelten als privates Veräußerungsgeschäft und sind somit steuerfrei, wenn zwischen Kauf und Verkauf mindestens ein Jahr Haltefrist liegt. Die hierzulande bekanntesten ETCs mit Anspruch auf Auslieferung sind Xetra-Gold und EUWAX Gold II.

Das war nicht immer so. Zuvor unterlagen nämlich Gewinne aus dem Verkauf derartiger Gold-Zertifikate, so sie den Sparerfreibetrag überstiegen, der Abgeltungssteuer. Das bedeutete, dass die depotführende Bank 25 % des Gewinns einbehielt und diesen Betrag als Steuer direkt an das Finanzamt abführte. Dazu kamen noch Solidaritätszuschlag sowie gegebenenfalls Kirchensteuer.

Im Sommer 2020, also gerade mal fünf Jahre später, kam das Thema wieder auf die Agenda. Ein im Bundesfinanzministerium (BMF) ausgearbeiteter und am 17. Juli vorgestellter Referentenentwurf des Jahressteuergesetzes (JStG 2020) sah die Wiedereinführung der Abgeltungssteuer vor. Kaum zwei Monate später war die Idee aber wieder begraben. Für wie lange?

Da das Hin und Her viele Anleger, die sich für Xetra-Gold interessieren, eher verunsichern dürfte, dokumentiert GOLD.DE hier an dieser Stelle die Diskussion.
  • 03.09.2020

    Doch keine Abgeltungssteuer für Xetra Gold und EUWAX Gold II

    Die Pläne sind (vorerst?) vom Tisch. Im entsprechenden Regierungsentwurf, den das Bundesfinanzministerium am 2. September veröffentlicht hat, sind die entsprechenden Passagen nicht mehr enthalten. Offenbar konnte sich Bundesfinanzminister Olaf Scholz mit seinen Steuerplänen für Investment-Gold in der Koalition nicht durchsetzen.
    Hier nachlesen: Gesetzentwurf der Bundesregierung

  • 24.07.2020

    Erste Reaktion Deutsche Börse Commodities

    „Die Deutsche Börse Commodities GmbH spricht sich gegen ein Gesetzesvorhaben aus, das ein transparentes, geregeltes und effizientes Investment in physisches Gold, wie Xetra-Gold es ermöglicht, mit der Abgeltungssteuer belegt. Die Abwanderung in intransparente Bereiche des Marktes wäre die Folge und entsprechend kontraproduktiv “

  • 17.07.2020

    Referenten-Entwurf vorgestellt

    Der bisher geltende § 20 Absatz 1 Nummer 7 des Einkommensteuergesetz (EStG) soll geändert werden. Demzufolge würden zukünftig als Kapitaleinkünfte gelten - Zitat:

    „Erträge aus sonstigen Kapitalforderungen jeder Art, wenn a) die Rückzahlung des Kapitalvermögens oder ein Entgelt für die Überlassung des Kapitalvermögens zur Nutzung zugesagt oder geleistet worden ist oder b) anstelle der Rückzahlung oder des Entgelts eine Sachleistung zugesagt oder geleistet worden ist; dies gilt auch wenn die Höhe der Rückzahlung, des Entgelts oder der Sachleistung von einem ungewissen Ereignis abhängt.“
    Hier nachlesen: Referentenentwurf, Seite 8

    Die entscheidende Überlegung dahinter findet sich auf Seite 87:

    „Die Änderung in § 20 Absatz 1 Nummer 7 EStG erweitert den Begriff der Kapitalforderungen und erfasst zukünftig auch Erträge aus Forderungen, wenn anstatt der Rückzahlung des geleisteten Geldbetrages eine Sachleistung gewährt wird oder eine Sachleistung gewährt werden kann. Mit der Erweiterung des Tatbestandes werden somit auch Kapitalanlagen erfasst, die auf die Lieferung von Gold oder anderen Edelmetallen gerichtet sind und wirtschaftlich mit Zertifikaten vergleichbar sind.“
    Hier nachlesen: Referentenentwurf BMF, Seite 87

  • 12.05.2015

    BFH urteilt: Keine Abgeltungssteuer für Gold-ETCs mit Lieferanspruch

    Das Urteil des Bundesfinanzhofes (BFH) gilt zunächst nur für Xetra-Gold, hat aber Signalwirkung

Mögliche Folgen

Zunächst sollten Anleger, die in ETCs wie Xetra-Gold investiert sind oder dies vorhaben, wissen, dass der Fiskus hier offenbar Begehrlichkeiten hat. Dies gilt insbesondere, wenn der Goldpreis eine starke Performance zeigt und der Staat hier eine mögliche attraktive Einnahmequelle sieht. Man sollte sich also auf dem Laufenden zu halten.

Sollte die Abgeltungssteuer für Gold-ETCs (wieder) kommen, dann wären zumindest teilweise Umschichtungen weg von Gold-ETCs hin zu physischem Anlagegold wahrscheinlich. Die Gesamtnachfrage nach physischen Gold dürfte dies jedoch nur wenig beeinflussen. Die wachsende Nachfrage bei Münzen und Barren dürfte weitgehend kompensiert werden durch Goldverkäufe der ETCs.

Weiter darf man durchaus spekulieren, ob der Staat angesichts klammer Kassen irgendwann sogar auf die Idee kommt, auch physisches Gold mit der Abgeltungssteuer zu belegen.

Drohende Abgeltungssteuer vermeiden?

Angesichts der Diskussionen um die Abgeltungssteuer mag sich mancher Anleger die Frage stellen, was man tun kann, sollte diese Steuerregelung tatsächlich wieder eingeführt werden. Hier sind grundsätzlich zwei Möglichkeiten denkbar. Darüberhinaus ist der Gang zum Steuerberater empfehlenswert.

  1. Wer Xetra-Gold Papiere länger als ein Jahr im Besitz hat, könnte diese über die Börse verkaufen, bevor die Abgeltungssteuer in Kraft tritt. So könnte man den Steuervorteil der bisherigen Regelung nutzen.
  2. Anleger, welche die Jahresfrist noch nicht erreicht haben, könnten sich überlegen, das Gold ausliefern zu lassen. Nähere Information zu möglicherweise anfallenden Lieferkosten können beim Emittenten in Erfahrung gebracht werden: www.xetra-gold.com, www.euwax-gold.de

Einfach erklärt: Abgeltungssteuer

Kennt jeder, der Kapitaleinkünfte hat wie Zinsen, Dividenden oder realisierte Aktiengewinne. Die depotführende Bank behält einen pauschalen Abzug in Höhe von 25 % ein und führt den ab an das Finanzamt. Dazu kommt noch der Solidaritätszuschlag sowie Kirchensteuer. Gewinne können mit Verlusten gegengerechnet werden.

Von der Abgeltungsteuer befreit sind Kapitaleinkünfte, die unterhalb der Grenze des Sparerfreibetrages liegen. Diese Grenze liegt, Stand Juli 2020, bei 801 Euro für Ledige und 1602 Euro bei Verheirateten. Voraussetzung: Man muss seiner Bank hierfür einen sogenannten Freistellungsauftrag erteilen.

Einfach erklärt: Privates Veräußerungsgeschäft

Im Gegensatz zu Kapitaleinkünften gilt bei privaten Veräußerungsgeschäften, dass Gewinne in unbegrenzter Höhe steuerfrei sind, wenn die Haltefrist mindestens ein Jahr beträgt. Unter diese Regel fallen Gewinne aus dem Verkauf physischer Edelmetalle. Wer also Münzen oder Barren verkauft, zahlt keine Steuer, egal wie hoch der Gewinn ist. Vorausgesetzt, zwischen Kauf und Verkauf liegt mindestens ein Jahr. Wird vor dieser Jahresfrist verkauft, muss der Gewinn, so er die Freigrenze von 600 Euro übersteigt, zum persönlichen Steuersatz versteuert werden.

Zum Nachlesen: § 23 EStG "privates Veräußerungsgeschäft"

Einfach erklärt: Gold-ETCs

ETC steht allgemein für Exchange Traded Commodities, also börsenhandelbare Finanzprodukte auf Rohstoffe. Man nennt sie auch Zertifikate. Rechtlich betrachtet handelt es sich um Inhaberschuldverschreibungen. Das bedeutet, dass Anleger - im Gegensatz zu einem Fonds - nicht Eigentümer sind, sondern Gläubiger. Man unterliegt somit grundsätzlich einem Emittentenrisiko, da ETCs kein Sondervermögen darstellen. Im Falle einer Insolvenz ist das angelegte Geld nicht geschützt.

Bei einem Gold-ETC ist der zugrundeliegende Rohstoff natürlich Gold. Die beiden hierzulande bekanntesten Gold-ETCs sind Xetra-Gold und Euwax-Gold II. Eine Besonderheit hierbei ist, dass beide ETCs mit physischem Gold besichert sind. Dies verringert das Kreditrisiko gegenüber dem Emittenten, da im Insolvenzfall der Anleger Anspruch hat auf die Herausgabe des hinterlegten Goldes. Unabhängig davon können sich Anleger auch jederzeit das verbriefte Gold physisch ausliefern lassen.

Man nennt diese Finanzprodukte auch Papiergold, denn beim Börsenhandel wird natürlich kein echtes Gold zwischen Käufer und Verkäufer übergeben. Hierin liegt der Vorteil dieser Produkte für Institutionelle- und Großanleger: Man kann in Gold investieren und dabei alle Vorteile nutzen, die der Börsenhandel bietet. Orders sind in Sekundenschnelle ausgeführt, Transport und Lagerung entfallen, die Gebühren sind gering.

Mehr: Ratgeber ETCs und ETFs

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von Klaus Habicht | 02.09.2020, 11:15 Antworten

Guten Tag,

die Abgeltungssteuer auf Gold ETC's ist nicht's anderes wie eine erneute Doppelbesteuerung des sauer verdienten Geldes und fördert zudem die Altersarmut. Wie sonst soll der Otto-Normalo sonst noch etwas für's Alter zurücklegen wenn einem bei allen Anlagen in die "Tasche gegriffen" wird.

von Corbinian | 05.08.2020, 14:26 Antworten

"Die wachsende Nachfrage bei Münzen und Barren dürfte weitgehend kompensiert werden durch Goldverkäufe der ETCs"

Kann mir den Satz mal jemand erklären?

Ich denke die Xetra Gold Anleger lassen sich Ihr Anlagevermögen in physischer Form ausliefern?

1 Antwort an Corbinian anzeigen
von GoldJammer | 04.08.2020, 19:51 Antworten

Ich habe keine Ahnung wer es letztes Jahr gewesen ist auf Gold für das Jahr 2021 auf 4.000 USD zu wetten. Was hat er oder sie Gewußt?

von Giovanni Olivier | 03.08.2020, 22:37 Antworten

Wer Geld als ultimative Absicherung wählt, sollte tunlichst kein Papiergold wählen, sondern nur physisches; denn sollte der Katastrophenfall mal eintreten und alle die Auslieferung beantragen, möchte ich sehen, wer dann überhaupt etwas von seinem Gold zu sehen bekommt

von Commander C | 03.08.2020, 14:21 Antworten

Es sollte heißen "Refernt*innen-Entwurf" solange nichts anderes bewiesen ist.
Über Freibeträge kann man auch nur noch lachen. Sie sollten entsprechend der Lohnentwicklung / Inflation steigen. Wahrscheinlich werden sie in diesem Zusammenhang aber eher sinken, um nicht zu sagen wegfallen.

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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"