Stand: 04.08.2020
Was sind Gold-ETFs, was sind Gold-ETCs? Worin liegt der Unterschied, für wen eignet sich so eine Investition? Was heißt "mit physischem Gold besichert", und auf was müssen Anleger achten? Alles zu Exchange Traded Funds und Exchange Traded Commodities hier!
Gold-ETFs und ETCs - Physische Goldfonds Übersicht
Das Wichtigste in Kürze
  • ETF = Exchange Traded Funds: Investment gilt als Sondervermögen
  • ETC = Exchange Traded Commodities: Investment ist Schuldverschreibung
  • Beides börsenhandelbare Finanzprodukte auf Gold (= "Papiergold")
  • Nur für risikobereite Anleger
  • Wer mehr Wert legt auf Sicherheit, sollte Münzen und Barren kaufen
Lies hier:

Wichtigste Goldfonds

Der mit Abstand größte Goldfonds ist der SPDR Gold Trust, ein ETF aus den USA.

Interessant aus deutscher Sicht sind die beiden ETCs Xetra-Gold und Euwax Gold, da beide hier in Deutschland aufgelegt sind.

Gold ETF und ETC: Rohstoff Gold als Wertpapier
Produkt Internationale Wertpapierkennnummer
(International Securities Identification Number)
Deutsche Wertpapierkennnummer
SPDR Gold Trust ISIN: US78463V1070 WKN: A0Q27V
Xetra Gold ISIN: DE000A0S9GB0 WKN: A0S9GB
Euwax Gold ISIN: DE000EWG0LD1 WKN: EWG0LD
iShares Physical Gold ETC ISIN: IE00B4ND3602 WKN: A1KWPQ
db Physical Gold ETC (EUR) ISIN: DE000A1E0HR8 WKN: A1E0HR
ETFS Physical Gold ISIN: DE000A0N62G0 WKN: A0N62G
db Physical Gold Euro Hedged ETC ISIN: DE000A1EK0G3 WKN: A1EK0G
iShares Gold Trust ISIN: US4642851053 WKN: A0ERSN
(Stand: April 2020)
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Top 10 Gold-ETFs und Gold-ETCs

Einfach erklärt: Gold-ETFs und Gold-ETCs

Sowohl Gold-ETFs (=Exchange Traded Funds) wie auch Gold-ETCs (=Exchange Traded Commodities) sind börsengehandelte Finanzprodukte auf Gold. Man nennt sie daher auch Papiergold, denn beim Börsenhandel wird natürlich kein echtes Gold zwischen Käufer und Verkäufer übergeben. Anlegern bieten Sie daher die Möglichkeit, schnell und leicht auf die Entwicklung des Goldpreises zu spekulieren, ohne zwingend selber physisches Gold besitzen zu müssen. Man kann börsentäglich Anteilscheine kaufen und verkaufen. Auch börsenübliche Handelsmechanismen wie Limits und Stopp-Loss-Orders sind möglich.

Es gibt allerdings wichtige Unterschiede zwischen ETCs und ETFs.

Exchange Traded Funds

Exchange Traded Funds, also börsenhandelbare Fondsanteile, gibt es für nahezu alle Anlageformen. Es gibt sie für Aktien, Renten, Immobilien oder Rohstoffe. Die Wertentwicklung folgt dabei einem bestimmten Index als Basiswert. Bei einem Gold-ETF ist es der Goldpreis.

Ein Gold-ETF nutzt das Geld der Anleger, um damit Goldbarren zu kaufen. Diese werden bei einer als Custodian (Verwahrer) bezeichneten Bank gelagert. Der Bestand an gelagerten Barren ist eindeutig identifizierbar, dem ETF zugeordnet und in Form einer detaillierten Barrenliste des Custodian öffentlich einsehbar. (Beispiel). Das für den ETF verwahrte Gold darf vom Custodian nicht verliehen oder anderweitig gehandelt werden. Es zählt als Sondervermögen, das heißt im Falle einer Insolvenz bleibt dieses Gold unangetastet.

Wie funktionieren physische Goldfonds?

Bei den Goldbarren handelt es sich in der Regel um London Good Delivery Goldbarren mit einem Gewicht von rund 400 Feinunzen (siehe 400 oz Goldbarren) oder ca. 12,4 kg. Ein einzelner Anteil an einem ETF entspricht typischerweise 1/10 oz Gold.

An der Börse werden die Anteile entsprechend Angebot und Nachfrage gehandelt und folgen dabei ziemlich genau der Entwicklung des Spot-Preises für Gold. Käufe und Verkäufe von Anteilen werden durch Käufe und Verkäufe von Goldbarren nachvollzogen. Dies geschieht nicht einzeln, sondern in Form Blockkäufen und -verkäufen, beim SPDR Gold Trust zum Beispiel mit einem Volumen von jeweils 100.000 ETF-Anteilen, also 10.000 Feinunzen Gold. Ein Verkauf von physischem Gold an Privatanleger durch die Fondsverwaltung ist in der Regel nicht vorgesehen. Wer das Edelmetall physisch besitzen möchte, sollte deshalb statt ETF-Anteilen besser Goldbarren oderGoldmünzen kaufen.

Kann man Gold-ETFs in Deutschland handeln?

In der EU und somit auch in Deutschland ist es nicht erlaubt, reine Gold-ETFs aufzulegen. Gemäß den hier gültigen Richtlinien darf ein ETF nicht ausschließlich in einen einzigen Rohstoff investieren, sondern muss breiter streuen. Wer in einen Gold-ETF investieren will, dem bleiben also nur ausländische Gold-ETFs. Diese können über ihre Heimatbörsen gehandelt werden, zum Teil aber auch an deutschen Börsen.

Welche Kosten entstehen dem Anleger beim ETF-Handel?

Die reinen Spreads, also die Differenzen zwischen den An- und Verkaufskursen sind bei ETFs geringer als beim Kauf von physischem Gold. Der SPDR Gold Trust wird zum Beispiel an der US-Börse NASDAQ mit einem Spread von weniger als 0,1 Prozent gehandelt. Allerdings entstehen dem Anleger weitere Kosten. Für Verwaltung des Fonds und die Lagerung des Goldes werden Gebühren von rund 0,4 Prozent pro Jahr fällig. Hinzu kommen Kosten für den Broker sowie Börsengebühren. (Beispiele).

Gold-ETFs und Steuer

Investmentfonds und Steuern sind ein komplexes Thema, das hier in Kürze nicht abgewickelt werden kann. Hier empfiehlt sich der Gang zum Steuerberater. Falls der ETF die zur steuerlichen Veranlagung notwendigen Informationen nicht oder nur teilweise im Bundesanzeiger veröffentlicht, können erhebliche Nachteile bei der Besteuerung von Gewinnen entstehen. Es gibt zwar inzwischen gerichtliche Urteile, die hier einen Verstoß gegen die Kapitalverkehrsfreiheit sehen, doch bis auf weiteres sollten Anleger vor dem Erwerb ausländischer ETF-Anteile zur Sicherheit einen Steuerberater konsultieren.

Exchange Traded Commodities

Der englische Begriff commodities bezeichnet allgemein eine standardisierte Handelsware. Im engeren Sinne sind damit Rohstoffe gemeint. Mit ETCs können Anleger also in börsenhandelbare Finanzprodukte auf nur einen einzelnen Rohstoff investieren. Im Gegensatz zu Gold-ETFs dürfen Gold-ETCs nämlich auch in Deutschland aufgelegt werden. Bekanntestes Beispiel: Xetra-Gold.

Wie funktionieren Gold-ETCs?

Wichtiger Unterschied zu ETFs: Rechtlich gesehen handelt es sich bei ETCs um kein Sondervermögen, sondern um eine Schuldverschreibung des Emittenten. Im Falle einer Insolvenz ist also das angelegte Geld nicht geschützt. Anleger sind hier nicht Eigentümer, sondern nur Gläubiger mit allen Konsequenzen, die eine Insolvenz für Gläubiger bedeuten kann. Es kann passieren, dass Ansprüche nur teilweise oder auch gar nicht aus der Insolvenzmasse befriedigt werden können.

Viele Edelmetall-ETCs sind aber physisch besichert dadurch, dass als Sicherheit Goldbarren im Tresor eines Treuhänders hinterlegt sind. Das Emittentenrisiko wird dadurch minimiert. Zudem bieten Emittenten weitere Methoden der Besicherung an, man muss sich aber dann als Anleger darüber informieren.

Ein weiterer kritischer Punkt ist bei vielen ETCs die Eigentumsstruktur der Emittenten. So ist zum Beispiel die Deutsche Börse Commodities GmbH, die den in Deutschland umsatzstärksten Gold-ETC Xetra Gold auflegt, ein Gemeinschaftsunternehmen, das aus der Deutschen Börse AG und fünf Banken besteht. Das Insolvenzrisiko selbst einer einzelnen Bank ist für einen gewöhnlichen Privatanleger nicht einzuschätzen. Darüber hinaus handelt es sich bei dem zur Besicherung verwendeten Gold oft gar nicht ausschließlich um physische Goldbarren im Eigentum des Emittenten, sondern teilweise um "Buchgold", also um Lieferansprüche auf Gold.

Die genannten Risiken der ETCs sollten nicht als generelle Empfehlung verstanden werden, diese Produkte zu meiden. Der Anleger muss sich aber bewusst sein, dass die grundsätzliche Sicherheit, die der physische Besitz von Goldbarren oder Goldmünzen bietet, bei den börsengehandelten Produkten eben nicht gegeben ist. Wer in ETCs investiert oder mit ETCs handelt, trägt immer ein zwar geringes, prinzipiell aber eben vorhandenes Ausfallrisiko des Emittenten.

Handel mit ETCs, Kosten und Währungsrisiko

Gold-ETCs werden in Deutschland mit hohen Volumen und sehr geringen Spreads vor allem an den Handelsplätzen Xetra und Stuttgart gehandelt. Ein ETC-Anteil entspricht meist 1 g Gold. Die erhobenen Depotgebühren sind günstig und betragen zum Beispiel bei Xetra Gold 0,025 Prozent pro Monat. Eine Order mit einem Volumen von 2.500 Euro kostet über Xetra 2,25 Euro und beim ETC-Handel in Stuttgart 4,48 Euro. Hinzu kommen die Gebühren des Brokers.

Da Gold am Weltmarkt in US-Dollar gehandelt wird, trägt der Anleger beim Kauf von ETCs in Euro ein Währungsrisiko, das allerdings auch bei ETFs oder beim physischen Goldkauf vorhanden ist. Wer sich gegen dieses Risiko absichern möchte, kann zu währungsbesicherten Produkten greifen. Das Ausschalten des Währungsrisikos muss allerdings nicht immer zum Vorteil des Anlegers sein. Fällt der Euro gegenüber dem Dollar, wirkt sich dies tendenziell nämlich wertsteigernd auf ein Goldinvestment in Euro aus. Gibt der Euro gegenüber dem Dollar nach, ist der Effekt bei einem nicht währungsbesicherten ETC allerdings wertsenkend.

ETC: Steuervorteil gegenüber ETF

Ein Vorteil von ETCs wie Xetra Gold oder Euwax Gold II gegenüber ETFs aus den USA oder der Schweiz besteht in der Möglichkeit der physischen Inbesitznahme des Edelmetalls. Die Auslieferung ist allerdings mit erheblichen Kosten verbunden, die insbesondere bei kleinen Goldmengen unverhältnismäßig zu Buche schlagen.

Die Auslieferungsoption wurde in einem Urteil des vom Bundesfinanzhof im Mai 2015 als Begründung dafür herangezogen, dass ETCs steuerlich mit physischem Edelmetall gleichzusetzen sind. Die steuerliche Behandlung bei ETCs ist also so einfach und vorteilhaft wie bei Münzen und Barren: Ein Gewinn ist steuerfrei, wenn die Haltefrist mindestens ein Jahr beträgt. Wird vor dieser Jahresfrist verkauft, muss der Gewinn zum persönlichen Steuersatz versteuert werden. Es gibt aber eine Freigrenze von 600 Euro. Mehr: Edelmetalle und Steuern

Die höchstrichterliche Entscheidung bezog sich zwar zunächst nur auf Xetra-Gold, hatte aber Signalwirkung für andere ETCs.

Doch das könnte ab 2021 anders werden. Es gibt ernsthafte Planungen, für Gold-ETCs die Abgeltungssteuer wieder einzuführen. Dann würden pauschal 25 % Steuer fällig, dazu kämen noch der Solidaritätszuschlag sowie Kirchensteuer. Ein Gesetzentwurf ist bereits auf den Weg gebracht. Mehr hierzu: Kommt die Abgeltungssteuer für GOLD-ETCs?

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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"