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Stand: 17.06.2022 von Hannes Zipfel
Wann immer das Vertrauen in die gesetzlichen Zahlungsmittel zu schwinden droht, oder Krisen das Vertrauen der Anleger erschüttern, erscheinen Schlagzeilen zu spektakulären Goldfunden, die das Metall als Massenware darstellen. Aber wurden nun wirklich 31 Millionen Tonnen Gold in Uganda gefunden?
Angeblich Unmengen Gold gefunden

Der 31 Millionen Tonnen Gold-Fund in Uganda

Das im Südosten Afrikas gelegene Uganda zählte bislang nicht zu den großen Goldproduzenten der Welt. Die mit Abstand bedeutendsten Abbaugebiete befinden sich in China, Russland, Westafrika, Nordamerika, Australien und Südafrika.

Hier ein Überblick über die größten Goldminen und deren geografische Lage im dritten Quartal 2020.

Top 10 größte Goldminen der Welt

Ergänzend noch ein detaillierterer Blick auf die Goldförderung der zehn größten Minen weltweit im Jahr 2020:

Gold-Produktion der 10 größten Minen weltweit (2020)

Umso mehr verwundern die jüngsten Aussagen von Solomon Muita vom Ministerium für Rohstofferschließung und Energie Ugandas gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (DPA), dass in „verschiedenen Regionen“ des Landes Vorkommen im Gesamtumfang von geschätzten 31 Millionen Tonnen Gold gefunden worden seien.

Das wäre eine Sensation. Denn nach bisherigen Schätzung der US-Behörde United States Geological Survey (USGS) existieren weltweit Goldreserven von rund 54.000 Tonnen.

Auf den Seiten eines großen deutschen Internetportals ist Beitrag vom 16. Juni folgende spektakuläre Meldung zu lesen:

"31 Millionen Tonnen - Unmengen an Gold in Uganda gefunden“.

Damit würde Uganda auf einen Schlag zum größten Goldproduzenten der Welt aufsteigen.

Für den Laien klingt das so, als ob es Gold in Kürze im Überfluss gäbe, wenn man bedenkt, dass der Minenausstoß im gesamten Jahr 2020 nur 3.300 Tonnen betrug.

Seit Anbeginn der Menschheit wurden bis Jahresultimo 2021 insgesamt nur geschätzte 205.238 Tonnen ans Tageslicht befördert (Quellen: Refinitiv GFMS, Metals Focus).

Das angebliche jährliche Förderpotenzial Ugandas wäre ergo zehn Mal größer – pro Jahr wohlgemerkt. Gold wäre also nicht mehr knapp. Was für eine Botschaft an alle, die sich für Gold als Kapitalanlage interessieren.

Statt 31 Millionen Tonnen wohl nur 31 Tonnen

Doch so spektakulär solche Schlagzeilen auch daherkommen und die Leserschaft anlocken, so steckt der Teufel wie immer Detail: Denn Gold kommt in der Natur in verschiedenen Formen vor: gediegen oder in Erzgestein gebunden. In Uganda ist Letzteres der Fall, und das ist der Haken an der Sensationsmeldung, die in den Medien nicht konsequent korrekt wiedergegeben wird.

Da es sich also nicht um 31 Millionen Tonnen Gold handelt, sondern um Gold-Erz, haben Experten sehr große Zweifel an den genannten Goldmengen. Die ugandische Regierung geht hier nicht von den üblichen 0,5 bis 1,5 Gramm pro Tonne aus, sondern gemäß einer Studie von unwahrscheinlichen 10 Gramm pro Tonne Gestein. Das hieße, neben hochgradigem Erzgestein sollen in den verschiedenen Regionen Ugandas noch gigantische Goldadern vorkommen.

Fakt ist: Aus dem Erz-Gestein einer Goldmine lassen sich pro Tonne abgebautem Gold-Erz ca. 0,5 bis 1,5 Gramm Gold gewinnen.

Der Wirtschaftsgeologe Philip Schütte von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) rechnet basierend auf dem von Uganda angegebenen Goldanteil im Gestein von ungewöhnlich hohen 10 Gramm pro Tonne mit folgendem Ergebnis:

"31 Millionen Tonnen Erz mit diesem Goldgehalt hätten damit höchstens 310 Tonnen Goldinhalt"

Bei den üblichen durchschnittlichen 1 Gramm pro Tonne Gestein wären dies lediglich 31 Tonnen reines Gold. Somit schrumpft der Goldschatz Ugandas signifikant und entspricht nur einem Bruchteil der förderbaren Vorkommen von weltweit 54.000 Tonnen und der jährlichen Fördermenge von ca. 3.400 Tonnen.

Goldpreis wird nicht tangiert

Damit ist und bleibt Uganda ein Zwerg unter Staaten mit den größten Goldvorkommen und der Goldpreis droht nicht unter einer ugandischen Gold-Schwemme zusammenzubrechen.

Im Gegenteil ist aufgrund der hohen Inflation, der desperaten Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) sowie der geopolitischen Unsicherheiten davon auszugehen, dass der mittel- und langfristig positive Goldpreistrend anhält.

Gold nähert sich seinem Allzeithoch

Es ist sogar zu vermuten, dass die attraktiven Goldrenditen (allein in diesem Jahr aktuell in Euro gerechnet bereits über 10 Prozent) noch mehr Interesse an Goldanlagen wecken.

Wertentwicklung in Euro seit Jahresbeginn 2022

Fazit

Gold-Anleger sollten sich von Sensationsmeldungen, die eine Goldschwemme suggerieren, nicht verunsichern lassen. Die Menge des zu aktuellen Preisen wirtschaftlich förderbaren Edelmetalls bleibt stark limitiert.

In diesem Jahr sollen es laut Prognose des World Gold Council (WGC) nur ca. 3.640 Tonnen Gold sein. Im ersten Quartal 2022 waren es 856,5 Tonnen (Quelle: Metals Focus).

Das entspricht einem Gegenwert 46,3 Mrd. von Euro. Allein im Rahmen des APP (Asset Purchase Programme) der EZB wurde in dem gleichen Zeitraum 60 Mrd. Euro neues Geld aus dem nichts und ohne nennenswerten Arbeitsaufwand oder Kosten digital „geschaffen“.

Autor: Hannes Zipfel
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von Edelmetallsoziologe | 18.06.2022, 02:55 Antworten

Das Volk wird so unterschwellig dazu animiert, sich doch von Werten jeder Art zu befreien und mit dem Geld einen schönen Urlaub, oder was Essen gehen. Dann stehen wieder in den Städten , die Aufsteller "Gold-und Silberaufkauf" Der letzte soll noch seiner Sicherheiten mit Papiergeld belohnt werden..."Machst du das was alle tun, dann bekommst du das, was alle haben"

von Franz | 17.06.2022, 16:01 Antworten

Hallo Herr Zipfel, nach meiner Berechnung ergeben 1gr. Gold auf 1t Erz bei
31000000t Erz lediglich 31t Gold.

1 Antwort an Franz anzeigen
von Goldsucher | 17.06.2022, 16:58 Antworten

Mein erster Eindruck war, dass Putin dort russisches Gold waschen will, deswegen so übertriebene Fördemengen.
Die berühmte Gruppe Wagner treibt in Uganda und anderen Winkel Afrikas schon lange ihr Unwesen.

1 Antwort an Goldsucher anzeigen

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