Gold: 2.236,50 € 0,67 %
Silber: 29,41 € 1,55 %
Stand: 30.01.2023 von Hannes Zipfel
Neben wichtigen Zinsentscheidungen durch die US-Notenbank am Mittwoch sowie die Europäische Zentralbank und die Bank of England am Donnerstag stehen wichtige Konjunkturzahlen auf der Datenagenda dieser Woche.
Ausnahmewoche mit hohem Preisänderungspotenzial

Folgende Termine haben in den kommenden Tagen das Potenzial, die Edelmetallpreise signifikant zu bewegen, da diese aktuell an wichtigen charttechnischen Marken notieren:

  • Montag: Bruttoinlandsprodukt Deutschland Q4’22 ggü. Vorquartal (akt: -0,2 % | 1. Schätzung: 0,0 %), ggü. Vorjahresquartal Q4’21 (akt.: 0,5 % | 1. Schätzung: 0,8 %)
  • Dienstag: Inflationsrate Deutschland (VPI) Januar 2023 ggü. Vorjahresmonat (e: 9,2 % | Dez.’22: 8,6 %)
  • Mittwoch: Leitzinsentscheidung der US-Notenbank Fed (e: 4,5 - 4,75 % | akt.: 4,25 - 4,5 %) mit anschließender Pressekonferenz
  • Donnerstag: Leitzinsentscheidung der Europäischen Zentralbank (e: 3,0 % |akt.: 2,5 %) mit anschließender Pressekonferenz, Leitzinsentscheidung der Bank of England (e: 4,0 % |akt.: 3,5 %) mit anschließender Pressekonferenz
  • Freitag: Einkaufsmanager-Gesamt-Index Deutschland Januar (e: 49,7 | Dez.: 49,7), US-Einkaufsmanager-Gesamt-Index für Januar (e: 47,2 | 46,4)

Woche der Entscheidungen

Zuletzt hat der Goldpreis an Momentum verloren und konsolidiert oberhalb des kurzfristigen Aufwärtstrends bei einem Spot-Preis pro Feinunze von aktuell 1.925,76 US-Dollar.

Die in dieser Woche anstehenden Zinsentscheidungen, Statements hochrangiger Geldpolitiker zum weiteren Vorgehen der Zentral- und Notenbanken sowie wichtige Konjunkturdaten (u. a. Inflationsdaten für Deutschland am Dienstag) stellen den Aufwärtstrend auf eine harte Probe (gelber Kreis im Chart).

Positiv zu bewerten ist, dass sich die Oszillatoren (Stochastik & RSI) aus dem stark „überkauften“ Bereich im Zuge der Seitwärtskonsolidierung bereits deutlich abgekühlt haben (grüner Pfeil):

Goldpreis in US-Dollar

Ebenfalls positiv zu bewerten ist der Strömungswechsel bei den beiden größten Edelmetall-ETFs (Exchange-Traded-Funds). Seit Jahresbeginn fließen den Edelmetallfonds wieder Gold- aber auch Silberbestände zu:

Gold- & Silber-ETFs Bestände

Gold in Euro kurzfristig auf der Kippe

Auf Euro-Basis hat der Goldpreis am Spot-Markt seinen kurzfristigen Aufwärtstrend bereits leicht nach unten gebrochen und notiert leicht unter dem Niveau von Anfang vergangener Woche bei aktuell 1.766,5 Euro pro Unze (31,1 Gramm):

Goldpreis in Euro

Verantwortlich für die leicht schlechtere Entwicklung des Goldes in der Gemeinschaftswährung ist in erster Linie die Euro-Stärke, die den Preisauftrieb des gelben Edelmetalls in der Gemeinschaftswährung seit Ende September 2022 bremst. Der Euro konnte von seinem tiefsten Stand zum US-Dollar seit zwanzig Jahren bei 0,9536 US-Dollar pro Euro über 13 Prozent aufwerten.

Euro vs. Us-Dollar

Zu den Hintergründen der Euro-Aufwertung gleich mehr.

Silberpreis konsolidiert aktuell seitwärts

Zunächst noch ein Blick auf den Preischart des kleinen Bruders des Goldes – das Silber: Auch hier vollzieht sich momentan eine Konsolidierung der zuvor dynamischen Aufwärtsbewegung durch eine Seitwärtskonsolidierung.

Diese hat zwar dazu geführt, dass der kurzfristige Aufwärtstrend (rot gestrichelt) nach rechts verlassen wurde, aber wie beim Gold haben sich die Oszillatoren (Stochastik und RSI) dadurch deutlich abgekühlt und signalisieren kurzfristig bereits wieder eine „Überverkauftheit“ des Marktes, was kontra indikativ positiv zu werten ist.


Silberpreis in Us-Dollar

Unterschiedlicher geldpolitischer Rhytmus hilft dem Euro

Zurück zur aktuellen Euro-Stärke, wobei sich der Wechselkurs zum US-Dollar immer noch auf dem Niveau von April 2003 bewegt.

Die Hauptgründe dafür sind die asynchronen Verläufe der Zinszyklen bzw. der geldpolitischen Straffungszyklen von Europäischer Zentralbank (EZB) und US-Notenbank (FED) und zunehmende Kapitalströme aus den USA nach Europa:

Zinsanhebungserwartungen

EZB – zu wenig und zu spät

Während die EZB mit Rücksichtnahme auf die "Südländer" die Inflationsdynamik lange leugnete und als „temporär“ klassifizierte“, zwang US-Präsident Joe Biden den US-Notenbankchef Jerome Powell im Oktober 2021 zu einer radikalen Zinswende, um seinen Vertrag als „Chairman“ der wohl mächtigsten Notenbank der Welt ab Januar 2022 um weitere vier Jahre zu verlängern.

Ab März 2022 läutete die Fed den Zinswechsel dann operativ ein und erhöhte den Hauptrefinanzierungssatz für Banken seitdem um 400 Basispunkte (4,0 Prozent).

Das ist der schnellste Zinsanstieg seit 40 Jahren. Der Grund für die Intervention Bidens in Sachen Geldpolitik waren die Zwischenwahlen im November 2022, für die das Thema Inflation immer wichtiger wurde.

Bis zu der Anweisung von Biden hatte auch Jerome Powell die Inflation und deren Nachhaltigkeit geleugnet und wollte die Zinsen nicht anheben und die auf 9 Billionen US-Dollar aufgeblähte US-Notenbankbilanz unangetastet lassen.

Als die Fed dann mit immer größeren Zinsschritten bis hin zu Dreiviertelprozentpunkten im Juni, Juli, September und November 2022 sowie dem Abbau der Notenbankbilanz begann, startete auch der Run auf den nun attraktiver verzinsten US-Dollar.

Doch nun dreht sich das Momentum in dem Währungspaar wieder um.

Die ersten Zentralbanken, wie die Bank of China, die Bank of Japan und die Bank of Canada geben geldpolitisch entweder Vollgas oder erklärten, im Falle der Bank of Canada, ihren Zinserhöhungszyklus bereits für beendet.

In den USA werden noch zwei kleine Zinsschritte á 25 Basispunkte (0,25 Prozentpunkte) am 1. Februar und am 22. März durch die Fed auf dann in der Spitze 4,75 – 5,0 Prozent erwartet.

Ab dem zweiten Börsensemester gelten sogar wieder Zinssenkungen als wahrscheinlich.

Die EZB will die Zinsen hingegen noch in größeren Schritten (50 Basispunkte) und zeitlich noch ausgedehnter anheben, was der Gemeinschaftswährung zuletzt Auftrieb gegenüber dem US-Dollar verlieh, da sich die Zinsdifferenz und damit der Zinsvorteil verringert.

In Anbetracht dieser chaotischen Währungsentwicklung konnte sich der Goldpreis bislang sehr stabil halten, gilt er doch als Kontrahent zum US-Dollar und zum Euro als Währungsreserve und Alternative zum Fiat-Geld.

Auch die Bank of England will trotz scharfer Rezession die Zinsen in dieser Woche weiter zur Inflationsbekämpfung anheben. Gleichzeitig hat der neue Premierminister Rishi Sunak Großbritannien einen rigiden fiskalpolitischen Sparkurs verordnet. In der Kombination kommt es nun zu einer scharfen Rezession und Massenstreiks im Vereinigten Königreich. Auch für die Bank of England gilt daher:

„Time is running out!“

Wann fällt auch die Fed um?

Die Frage, die sich den Anlegern speziell in den zinssensiblen Edelmetallen stellt, ist, wann auch die Fed, die EZB vor der schrumpfenden Wirtschaftsdynamik, dem zunehmenden Stress im Finanzsystem und dem drohenden Kollaps der Schuldentragfähigkeit kapitulieren müssen.

Sobald dies geschieht, ohne dass die strukturelle Inflation, bedingt durch Demografie, Fachkräftemangel, Deglobalisierung und geopolitische Fragmentierung verschwindet, sollten v. a. die monetären Edelmetalle Gold und Silber glänzenden Zeiten entgegensehen.

Bekanntlich ist die Stagflation (Kombination aus Inflation und wirtschaftlicher Schwäche) ein ideales Umfeld für Edelmetalle.

Besonders achten werden die Anleger auf den Pressekonferenzen nach den Zinsentscheidungen auf die Ausführungen der jeweiligen Zentral- bzw. Notenbankchefs in Bezug auf deren weitere Planungen (oder deren Planlosigkeit: „Wir agieren datenabhängig“ etc.).

In der Vergangenheit wurden die Planungen und Prognosen der Geldpolitiker jedenfalls regelmäßig von der Realität ad absurdum geführt.

Weitere wichtige Daten-Termine, Details und Prognosen und historischen Zeitreihen finden Sie hier.

Autor: Hannes Zipfel
Ökonom
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von solider Anleger | 03.02.2023, 11:41 Uhr Antworten

Sehr geehrter Herr Zipfel, keine Antwort ist scheinbar auch eine Antwort. Der Goldpreis nähert sich nach 3% Verlust seit dem Erscheinen ihres Artikels wirklich langsam dem überverkauften Bereich. Wie war das noch mit dem fallenden Messer? Ich persönlich werde bei Kurs des "Dreikaiserjahres" wieder zugreifen. Den idealen Einstieg erwischt man nie, aber wenn es mit dem tiefliegendsten MACD auch noch klappt :-)

von Fragen an den Autor | 01.02.2023, 13:43 Uhr Antworten

"Kann es sein dass "rsi-wert" falsch angezeigt wurde? Frage 2 Ist es sinnvoll den Chart goldpreis in € über zu interpretieren."

von solider Anleger | 30.01.2023, 22:48 Uhr Antworten

Hallo, aber kann es sein dass "rsi-wert" falsch angezeigt wurde? Beim comdirect liege ich derzeit immer noch über 60 und damit im oberen Bereich, wo man Gold noch nicht zwingend anfassen muss. Sollte sich über die Zeitachse noch abbauen. Frage 2 Ist es sinnvoll den Chart goldpreis in € über zu interpretieren. Die Preise werden $ gemacht und das Währungsrisiko muss jeder selbst entscheiden bzw. absichern. Sonst sehr gut.

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