Stand: 22.07.2020
Der Einkauf im Supermarkt, das neue Auto, die monatliche Miete - bezahlt mit Gold? Immer wieder ist zu hören, Gold sei gesetzliches Zahlungsmittel. Stimmt das? Oder muss man eine ganz andere Frage stellen?
Gold als gesetzliches Zahlungsmittel
Das Wichtigste in Kürze
  • Was offizielles Zahlungsmittel ist, bestimmt das Gesetz
  • Goldmünzen sind gesetzliches Zahlungsmittel in Höhe des Nennwertes
  • Für die Praxis aber ungeeignet, da Materialwert viel höher als Nennwert
  • Alte historische Goldmünzen sind kein gesetzliches Zahlungsmittel
  • Goldbarren sind kein gesetzliches Zahlungsmittel

Was heißt eigentlich „Zahlungsmittel“?

Offizielles Zahlungsmittel ist das, was das Gesetz definiert:
Gesetz über die Deutsche Bundesbank - § 14 "Notenausgabe"

Salopp formuliert: Gesetzliches Zahlungsmittel ist, das was Geschäfte, Gewerbetreibende oder allgemein Vertragspartner verpflichtend annehmen müssen als Bezahlung, wenn etwas verkauft wird. Umgangssprachlich wird darunter das Geld verstanden.

Dahinter steht die Auffassung, dass jeder Kauf ein Vertragsverhältnis darstellt. Es gibt einen Gläubiger in Gestalt des Verkäufers, und es gibt einen Schuldner in Gestalt des Käufers. Hat der Käufer eine Ware oder Dienstleistung angenommen, dann ist er zur Begleichung seiner Schuld verpflichtet. Die Schuldentilgung erfolgt durch eben dieses Zahlungsmittel.

Als standardisierte Einheit dient dabei das Nominal oder der Nennwert. Das ist die Zahl, die auf dem Geld zu sehen ist. Sie repräsentiert den Wert. Bei Geldscheinen ist die Zahl aufgedruckt, bei Geldmünzen aufgeprägt.

Was ist hierzulande gesetzliches Zahlungsmittel?

Offizielles Zahlungsmittel ist der Euro. Der unbegrenzte Annahmezwang gilt aber nur für Banknoten. Bei Münzen gibt es eine administrative Obergrenze. Niemand ist verpflichtet, mehr als 50 Münzen anzunehmen.

Ist etwas nicht als gesetzliches Zahlungsmittel festgelegt, dann muss der Verkäufer dies zur Schuldentilgung auch nicht akzeptieren. Alternative Zahlungsmöglichkeiten, wie etwa Fremdwährungen oder Kryptos, gelten also nur auf freiwilliger Basis.

Ist Gold gesetzliches Zahlungsmittel?

Die Antwort lautet: Jein. Denn es muss unterschieden werden.

Goldbarren sowie alte historische Goldmünzen sind kein gesetzliches Zahlungsmittel. Der Gläubiger kann also die Annahme dieser Zahlart ablehnen. (Ob er es tut, ist eine andere Frage).

Goldmünzen sind dagegen offizielles Zahlungsmittel. Allerdings nur in Höhe des gültigen Nennwertes, und nur in den Ländern, wo die Münzen ausgegeben wurden. So gilt etwa die Wiener Philharmoniker 1 oz Goldmünze nur in Österreich als offizielles Zahlungsmittel.

Dazu gibt es Besonderheiten. So kann man das Schweizer Goldvreneli durchaus als historische Goldmünze bezeichnen, da sie schon lange nicht mehr geprägt wird. Sie gilt aber immer noch als offizielles Zahlungsmittel in der Schweiz.

Der in Deutschland hergestellte Goldeuro ist nur in Deutschland gesetzliches Zahlungsmittel, auch wenn der Wortbestandteil "Euro" im Namen steht.

Beim Gold Krügerrand gilt die Besonderheit, dass kein Nennwert aufgeprägt ist, er aber trotzdem als offizielles Zahlungsmittel in Südafrika gilt. Als Nennwert gilt der jeweils marktaktuelle Goldpreis. Der Krügerrand zählt damit zu den sogenannten "Kurantmünzen". Darunter versteht man Münzen, deren Nominalwert vollständig gedeckt ist durch den Materialwert.

Nebenbei: Auch viele Silbermünzen, Platinmünzen und Palladiummünzen gelten als offizielle Zahlungsmittel. Hier gibt es ähnliche Regelungen wie bei Gold.

Vom Münzen zu unterscheiden sind Medaillen. Medaillen haben keinen offiziell gültigen Nennwert. Sie sind daher niemals offizielles Zahlungsmittel, auch wenn sie Gold enthalten und somit durchaus einen Wert haben können. Bei Münzen sorgt der Nennwert für den Status als offizielles Zahlungsmittel.

Ist Gold als Zahlungsmittel sinnvoll?

Viele Goldmünzen sind also tatsächlich offizielles Zahlungsmittel. Man kann damit Produkte oder Dienstleistungen bezahlen. In der Praxis macht das aber keiner. Warum, zeigt folgendes Beispiel.

So ist es theoretisch möglich, den Besuch einer Pizzeria irgendwo in Österreich mit einer Wiener Philharmoniker 1 oz Goldmünze zu bezahlen. Diese Münze hat einen für Österreich gültigen Nennwert von 100 Euro, ist also einem 100 Euro Schein gleichgestellt. Der tatsächliche Materialwert liegt aber um ein Vielfaches darüber. Diese Münze enthält 1 Feinunze reines Gold, das sind gut 31,1 Gramm. Der Marktwert für diese Menge Gold liegt, Stand Anfang Juli 2020, bei über 1.600 Euro.

Auch wenn der Pizzeria-Inhaber verpflichtet wäre, diese Münze zum Nennwert von 100 Euro zu akzeptieren (was er vermutlich auch sehr gern tun würde): Für den Restaurantbesucher wäre es die wahrscheinlich teuerste Pizza aller Zeiten, und deshalb ein schlechter Tausch. Er hätte mit einem Geld bezahlt, dessen Materialwert viel höher ist als der Nennwert. Goldmünzen taugen also nicht im alltäglichen Zahlungsverkehr.

Die Wiener Philharmoniker 1 oz Goldmünze zählt auch zu den sogenannten Bullionmünzen. Darunter versteht man allgemein Münzen, die auch heute noch einen großen Umlauf haben, aber in der Praxis nicht als Zahlungsmittel dienen, sondern als Goldinvestment. Folgerichtig werden sie steuerlich als Anlagegold betrachtet.

Beispiele: Welches Gold ist gesetzliches Zahlungsmittel, welches nicht?

Beispiel Einordnung Nennwert Aktueller Marktwert
Goldmünze Wiener Philharmoniker 1 oz (Bullionmünze) gesetzliches Zahlungsmittel in Österreich 100.- EUR Zum Preisvergleich
Deutscher Goldeuro ½ oz gesetzliches Zahlungsmittel in Deutschland 100.- EUR Zum Preisvergleich
Goldmünze Maple Leaf 1 oz (Bullionmünze) gesetzliches Zahlungsmittel in Kanada 50.- kanadische Dollar Zum Preisvergleich
Goldmünze Krügerrand 1 oz (Bullionmünze) gesetzliches Zahlungsmittel in Südafrika tagesaktueller Goldpreis Zum Preisvergleich
Vreneli Gold 20 Franken (historische Handelsmünze) gesetzliches Zahlungsmittel in der Schweiz 20 SFR Zum Preisvergleich
antike Goldmünze aus der Römerzeit kein gesetzliches Zahlungsmittel entfällt individuell
spanische Goldmünze, 16. Jhd. kein gesetzliches Zahlungsmittel entfällt individuell
Goldmünze dt. Kaiserreich kein gesetzliches Zahlungsmittel entfällt individuell
Goldbarren kein gesetzliches Zahlungsmittel entfällt Nach Gewicht:
Zu den Preisvergleichen
Goldnuggets kein gesetzliches Zahlungsmittel entfällt individuell
Goldschmuck (Altgold) kein gesetzliches Zahlungsmittel entfällt individuell, nach Legierung

Was bedeutet eigentlich „bezahlen“?

Im Grunde genommen ist jeder Bezahlvorgang ein Tauschvorgang. Man tauscht Ware gegen Geld. Nun ist der Tausch Ware gegen Ware grundsätzlich auch nicht verboten. Man spricht hier vom privatrechtlichen Grundsatz der Vertragsfreiheit zwischen zwei Parteien. Man kann also frei vereinbaren, was man tauschen möchte. Wenn sich beide Seiten einig sind, dass der 1 kg Goldbarren gegen ein Auto getauscht werden soll, dann ist das theoretisch möglich.

In der Praxis hat sich aber der Tausch Ware gegen Geld als effektiv erwiesen, weil die Verrechnungseinheit standardisiert ist. Marktpreise sind schnell ersichtlich, man muss nicht bei jedem Kauf lange verhandeln. Währungshoheit bedeutet, dass ein Staat oder eine Institution per Gesetz bestimmt, was als gesetzliches Zahlungsmittel gilt. Man spricht dann auch von einem Währungsraum.

Gold als historisches Zahlungsmittel

Im Gegensatz zu heute war Gold in früheren Zeiten tatsächlich alltägliches Zahlungsmittel. Erste Erwähnungen stammen aus dem 7. Jahrhundert v. Chr., wo Händler Goldklumpen für ihre Tauschgeschäfte nutzten. Größere Bedeutung erlangte Gold als Zahlungsmittel dann in der römischen Antike, als sich Goldmünzen immer mehr verbreiteten. Diese Bedeutung hatte Gold bis zur Neuzeit. Es gab aber auch viele Perioden, wo Silbermünzen gängiger waren.

Die Bedeutung als offizielles Zahlungsmittel schwand mit Beginn des 20. Jahrhunderts nach und nach. Spätestens mit der Abkehr vom Goldstandard 1973 und dem Aufkommen ungedeckter Papierwährungen verlor Gold seine monetäre Funktion als Verrechnungseinheit.

Monetäre Funktion von Gold heute

In Zeiten von Krisen und Umbrüchen war und ist zu beobachten, dass Gold immer dann verstärkt zum Bezahlen genutzt wird, wenn das Vertrauen in die offizielle Währung schwindet. Gold hat immer einen Wert, unabhängig davon, ob es gesetzliches Zahlungsmittel ist oder nicht. Hier gilt das Sprichwort: "Gold kauft immer". Und man möchte noch anmerken: Wenn nicht offiziell, dann eben inoffiziell.

So gibt es Berichte aus dem Jahr 2018, wonach in dem von US-Wirtschaftssanktionen schwer getroffenen Iran einige Vermieter Gold zur Zahlung der Miete verlangten.(1)

In einigen US-Bundesstaaten gibt es Bemühungen, Gold als offizielles Zahlungsmittel einzuführen. In Wyoming sollen hierzu auch explizit Goldmünzen zählen, die von ausländischen Regierungen offiziell herausgegeben werden.

Ansonsten dient Gold heute vor allem als Wertspeicher, und zwar bei Privatanlegern wie institutionellen Anlegern gleichermaßen.

Auch Zentralbanken halten große Mengen Goldreserven. Im April 2019 wurde bekannt, dass die Zentralbank der Zentralbanken, die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel (BIZ), im Zuge der global verpflichtenden neuen Bankenregeln (Basel III) Gold als Null-Risiko-Asset einstufen will (Tier 1 Asset). Damit können Banken ihre Goldbestände zur harten Kernkapitalquote dazu zählen, als Sicherheit für ausgegebene Kredite nutzen und ihre Kernkapitalanforderungen leichter erfüllen. Sinngemäß wurde formuliert:

„Ein Risikogewicht von 0 Prozent kommt für das von der Bank gehaltene Bargeld und physisch gehaltenes Gold oder für bei anderen Banken gehaltene Goldanlagen, falls diese durch physisches Gold gedeckt sind, zur Anwendung“ (2)

Unternehmen in Deutschland ist es zudem gestattet, Gold als Barreserve auf der Aktivseite der Bilanz auszuweisen. Viele Firmen nutzen diese Besonderheit und halten einen Anteil ihrer Barreserven in Gold vor.

Quellen

  1. Rohollah Faghihi, Iran's currency crisis: Now it's two gold coins to rent an apartment, 29 August 2018, in: www.middleeasteye.net
  2. Andreas Körner: Gold-Ansage der Notenbank macht Anleger heiß – doch sie irren, 23.04.2019, in: www.focus.de
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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"