Stand: 29.07.2013  0 Kommentare

Ein freier Goldpreis? Was heute selbstverständlich ist, war nach dem zweiten Weltkrieg politisch undenkbar. In der Nachkriegszeit sollte eine stabile Wirtschaftsordnung geschaffen werden - und mit ihr ein fester Preis für Gold. Doch schnell stellte sich heraus: Nach den Kriegswillen wollte kaum jemand auf einen sicheren Hafen wie Gold verzichten. So wurde das System von Bretton Woods ein historisches Experiment mit schmerzhaftem Ausgang - und es zeigt, warum feste Wechselkurse auf Dauer nicht tragfähig sind.

Die Geschichte des Goldpreises gleicht einer Achterbahnfahrt - über Jahrhunderte schwankte die Kaufkraft des Goldes, nach der Erschließung neuer Rohstoffvorkommen ging die Notierung in den Keller, in Krisenzeiten schoss sie steil nach oben. In den siebziger Jahren brach Gold innerhalb von 20 Monaten um 44 Prozent ein, um danach von 100 Dollar pro Unze auf satte 800 Dollar zu explodieren - in nur drei Jahren. In jüngster Zeit waren Goldbesitzer dagegen erfolgsverwöhnt, 14 Jahre in Folge stieg Gold von einem Hoch zum nächsten - bis im April 2013 ein kleiner Crash kam. Diese kleine Rückschau zeigt: Stabile Preise für Gold gab es in der Geschichte selten.

35 Dollar für eine Unze: Gold zum Festpreis

Auffällig ist bei historischen Goldpreistabellen allerdings ein besonderer Zeitraum - von 1934 bis 1971 verharrte der Goldpreis auf einem Wert: Genau 35,00 US-Dollar kostete damals eine Feinunze. Was aus heutiger Sicht nach einem Schnäppchen und goldenen Zeiten für Edelmetallanleger aussieht, war allerdings eine wenig ruhmreiche Episode in der ansonsten glänzenden Geschichte von Gold als Anlageklasse. Denn über viele Jahrzehnte fand eine Preisgestaltung aufgrund von Angebot und Nachfrage für Gold überhaupt nicht statt - das System von Bretton Woods sollte nicht nur eine neue internationale Währungsordnung nach dem Zweiten Weltkrieg etablieren, sondern auch die Spekulation mit Gold unterbinden.

Eine neue Wirtschaftsordnung für die Welt nach dem Krieg

Das System von Bretton Woods bekam seinen Namen von dem Ort im US-Bundesstaat New Hampshire, in dem sich die Finanzminister und Notenbank-Präsidenten von insgesamt 44 Staaten, darunter die späteren Siegermächte des Zweiten Weltkriegs, vom 1. bis zum 22. Juli 1944 trafen. Beteiligt waren auch Länder wie Griechenland, Norwegen sowie Australien, federführend waren die Volkswirke John Maynard Keynes aus Großbritannien sowie Harry Dexter White aus den USA - letzter konnte sich schließlich auch mit seinem Plan durchsetzen. Das Hauptziel der Konferenz: Die Wiederherstellung des Wirtschaftsraumes Europa als wichtigstem Handelspartner der USA. Um den Handel zwischen Europa und den USA nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufleben zu lassen und in der Folgezeit zu festigen, sollten auch die Wechselkurse zwischen den Währungen stabilisiert werden. Auf diesem Weg sollte der Welthandel reibungsloser verlaufen und ohne starke Kursschwankungen auskommen - die Schwierigkeiten bei grenzüberschreitenden Zahlungen sollten minimiert, der Handel mit den Partnern in der Ferne dadurch attraktiver gestaltet werden.

Feste Wechselkurse als Garanten für Stabilität und Wirtschaftswachstum

Die künftige Architektur des Welthandels sah auf den ersten Blick plausibel und unkompliziert aus: Im Kern stand der Dollar als US-Währung, daneben die übrigen Währungen mit festen Wechselkursen. Und daneben: Gold mit einem festen Tauschverhältnis zum US-Dollar. Die Federal Reserve Bank of New York (FED) wurde verpflichtet, den Wechselkurs zwischen dem US-Dollar und einer Feinunze von 35 Dollar pro Unze abzusichern und die Dollarreserven jedes Mitgliedslandes zum vereinbarten Kurs in Gold zu tauschen. Als Überwachungsinstanz wurde der Internationale Währungsfonds (IWF) eingerichtet.

Goldpreisverbot in den USA kam bereits zwölf Jahre vor Kriegsende

Das Ende der freien Goldpreisermittlung auf Grund von Angebot und Nachfrage kam allerdings schon einige Jahre zuvor. Seit dem 1. Mai 1933 war der private Goldbesitz in den Vereinigten Staaten von Amerika verboten. Der so genannte "Gold Reserve Act " vom 31. Januar 1934 sah die Einrichtung eines staatlichen Börsenstabilisierungsfonds (Exchange Stabilization Fund) sowie die Festsetzung des Goldpreises auf 35,00 US-Dollar vor. Zuvor mussten alle Bürger ihren gesamten Goldbesitz bei staatlichen Annahmestellen abliefern. Die Frist: 14 Tage. Der Preis: 20,67 US-Dollar pro Feinunze. Lediglich Goldmünzen und -zertifikate im Wert von bis zu 100 US-Dollar durften behalten werden. Wurde nach der Abgabefrist bei einer Durchsuchung nicht deklariertes Gold entdeckt, wurde es entschädigungslos enteignet, außerdem wurden Geldstrafen fällig.

Massive Kapitalflucht und ein gutes Geschäft für Schmuggler

Dass die staatlichen Repressionen gegen den freien Goldhandel auf keiner stabilen Grundlage standen, zeigte sich bereits kurz nach Einführung des Goldverbotes im Jahr 1933. Schmuggler an den Grenzen zu Kanada und Mexiko witterten das große Geschäft, es folgte eine massive Kapitalflucht ins Ausland. 1961 wurde daher auch US-Bürgern im Ausland verboten, Gold zu besitzen. 1962 wurde ein juristisches Schlupfloch gestopft, mit dem US-Bürger wenigstens Münzen mit einem Prägedatum vor 1933 in die USA einführen durften. Dennoch entwickelte sich in den USA ein massiver Schwarzmarkt für Gold, auf dem ein Vielfaches des offiziellen Preises von 35 US-Dollar gezahlt wurde.

Das wertlose Gold-Versprechen brachte Bretton Woods zu Fall

So bröckelte nicht nur das US-amerikanische Goldverbot, sondern auch das System von Bretton Woods in der Nachkriegszeit. Denn zwar gewann der Welthandel an Geschwindigkeit, allerdings waren dafür auch Dollar-Währungsreserven nötig. Diese konnten andere Länder aber nur erhalten, indem sie selbst einen Überschuss in der Leistungsbilanz erwirtschafteten. Es entwickelte sich ein regelrechter Kapitalexport von US-Dollar ins Ausland, sodass bis zum Ende der fünfziger Jahre massive Dollarmengen in aller Welt verteilt waren. Zwar wurde dieses Geld dringend benötigt, um den Welthandel am Laufen zu halten, doch ein zentrales Versprechen des Bretton-Woods-Systems, die Goldeinlösegarantie, konnte nicht mehr aufrecht erhalten werden. Denn inzwischen waren mehr US-Dollars außerhalb der USA unterwegs als Goldreserven in den amerikanischen Tresors lagerten. So bekam das Vertrauen in den Dollar ernsthafte Risse - 1971 wurde daraufhin die nominale Goldbindung des Dollar aufgehoben.

Die Wirtschaftsmächte flüchten auf den freien Devisenmarkt

Was daraufhin folgte, war eine Bankrotterklärung des gesamten Bretton-Woods-Systems. Denn es wurde offensichtlich, dass die Idee der festen Wechselkurse in einer dynamischen Weltwirtschaft unrealistisch geworden war. So bildeten die festen Wechselkurse schon lange nicht mehr die unterschiedliche Wirtschaftspolitik sowie ökonomische Leistungskraft der einzelnen Staaten ab. Selbst die offiziellen Aufwertungen, die mehrfach vorgenommen worden, kamen der Realität nicht mehr hinterher. Im März 1973 lief das Fass von Bretton Woods dann endgültig über - mehr als zwei Wochen mussten die Devisenbörsen in vielen Ländern Europas geschlossen werden. Es folgte ein Ausstieg mehrerer europäischer Staaten aus dem Wechselkursmechanismus und der Z usammenbruch des Bretton-Woods-Systems. Offiziell wurde das System noch im gleichen Jahr außer Kraft gesetzt und die Wechselkurse sowie der Goldpreis freigegeben.

Feste Wechselkursmechanismen können die Realität nicht abbilden

Heutzutage bietet ein Rückblick auf Bretton Woods vor allem zwei Lehren. Erstens: Ein Goldverbot mag politisch denkbar sein, praktisch ist es jedoch nicht umsetzbar. Zweitens: Feste Wechselkurse verzerren den Handel zwischen ungleich starken Staaten. Dies lässt sich in der Eurozone besonders gut beobachten, wo starke Industrienationen wie Deutschland und Frankreich gemeinsam mit strukturell schwachen Staaten wie Griechenland "unter einen Hut" gesteckt werden. Doch während ein Zusammenbruch à la Bretton Woods im Euroraum seit Jahren möglich ist, dürfte es künftig in Europa und den USA keine weiteren Goldverbote geben - wenn beide Staaten aus der Geschichte gelernt und die Kräfte des freien Edelmetallmarktes erkannt haben. Fest steht allerdings, dass der Zusammenbruch von Bretton Woods deutliche Auswirkungen auf das heutige Weltwährungssystem hat - die Mischung aus einem System mit fixen und mit flexiblen Wechselkursen basiert aus den Lehren, die Volkswirte in der Zeit nach 1973 gezogen haben. An der Tagesordnung stehen allerdings auch starke Wechselkursschwankungen, die mit verschiedenen regionalen Wechselkursregimen stabilisiert werden sollten - ein Beispiel: Die europäische Gemeinschaftswährung.

Staatliche Goldverbote haben keinen dauerhaften Bestand

Zwar sind staatliche Repressionen gegen Goldbesitzer auch heute noch zu beobachten, wie das aktuelle Beispiel "Indien" deutlich macht - die indische Regierung versucht durch die wiederholte Erhöhung der Goldimportsteuer in drei Schritten von 2 auf mittlerweile 8 Prozent, die Menschen vom Goldkauf abzuhalten, da das Leistungsbilanzdefizit durch die Goldimporte die indische Währung auf dem Devisenmarkt unter Druck setzt. Doch auch härtere Schritte wie ein Verkaufsverbot von Anlagegold durch Geldhäuser befeuern den Schwarzmarkt und illegalen Import. Dass ein Goldverbot in Indien nicht durchsetzbar war, musste die indische Regierung zuletzt 1990 erfahren, als nach massiven Protesten der Bevölkerung das 1963 erlassene Goldverbot aufgehoben wurde. In Indien steigen die Menschen aktuell verstärkt auf Silber um, weil das weiße Metall von dem Goldverbot nicht betroffen ist, vor allem die Landbevölkerung aber keinen Zugang zu Banken hat und eine unkomplizierte Form der Wertanlage benötigt.

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