Stand: 15.04.2021
Das Abkommen von Bretton Woods: Was ist das, warum wurde es eingeführt, was hat es mit dem Goldstandard auf sich, wem hat es genutzt und warum musste es letztlich scheitern?
Das Bretton-Woods-System
Das Wichtigste in Kürze
  • Internationale Währungsordnung 1944 - 1973
  • Benannt nach dem Ort der Konferenz: Bretton Woods
  • Dollar ist Leitwährung und an Gold gebunden
  • Gold-Dollar-Parität: 35 USD = 1 Feinunze Gold
  • Feste Dollar-Wechselkurse für alle anderen Währungen

Bretton-Woods-Abkommen einfach erklärt

  • System fester Wechselkurse mit Dollar als Leitwährung
  • Die Zentralbanken der anderen Mitgliedsländer verpflichteten sich, bei Wechselkurs-Schwankungen zu intervenieren und die Kurse ihrer Währungen in Grenzen zu halten
  • Der Dollar selbst ist an Gold gebunden. Es gibt also einen Goldstandard
  • Gold-Dollar Parität betrug 35 USD für 1 Unze Gold. Die FED verpflichtete sich, Gold zu diesem Preis unbegrenzt zu kaufen oder zu verkaufen. Der Goldpreis in US-Dollar wurde so für Jahrzehnte festgelegt
  • Der Internationaler Währungsfonds (IWF, englisch: IMF) wurde gegründet mit der Aufgabe, bei Zahlungsbilanzproblemen Kredit zu gewähren
  • Die Weltbank wurde gegründet mit der Funktion, Entwicklungsländer finanzieren
Bretton-Woods: Gold-Dollar-Bindung

Geschichte

Juli 1944: Während der 2. Weltkrieg noch tobt, treffen sich in einem verschlafenen Urlaubsort im Nordwesten der USA Finanzexperten aus aller Herren Länder, um über nichts weniger als die wirtschaftliche Neuordnung der Welt zu diskutieren. Der Name des Ortes: Bretton Woods.

Kurz darauf sollte der Flecken weltbekannt werden als Namensbestandteil eines Abkommens, welches für die nächsten 29 Jahre die Zementierung des Dollars als Weltleitwährung begründete, inklusive dessen Bindung an Gold. Das Bretton-Woods-System war aus der Taufe gehoben.

Bretton-Woods-Konferenz Tagungsort Tagungsort der Konferenz: Ein Hotel in Bretton Woods (Historische Postkartenansicht, via Wikimedia Commons)

Kaum 30 Jahre später war das Bretton-Woods-Abkommen am Ende. Zunächst erklärte 1971 Präsident Nixon, dass die Bindung des US-Dollars an Gold nicht mehr zu gewährleisten sei. Dann folgte 1973 der endgültige Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems.

Rahmenbedingungen

1944 waren die USA die unumschränkte Nummer 1 auf der Welt. Sie waren nicht nur militärisch und wirtschaftlich das mächtigste Land. Die USA waren auch zum weltweit größten Gläubiger aufgestiegen.

Andere Länder hatten entweder Schulden bei den USA (England), waren besetzt oder ausgeplündert (Frankreich, Polen, Niederlande, Griechenland), waren schwer angeschlagene Kriegsgegner (Deutschland, Japan), waren erst Kriegsgegner dann Verbündete (Italien) oder hatten einfach nur eine politisch unerwünschte Ausrichtung (Sowjetunion).

Insofern war das Bretton-Woods-System vor allem eins: Kein Treffen auf Augenhöhe. Es gab einen eindeutigen Chef im Ring, und der hieß USA.

Dieser Chef wollte natürlich seine Interessen wahren. Man hatte vom 1. Weltkrieg gelernt. Man schlachtet nicht die Kuh, die man melkt. Wer was haben will, muss es dem Schuldner (oder Kriegs-Verlierer) ermöglichen, etwas zu verkaufen. Umgekehrt muss dieser in der Lage sein, auch wieder etwas zu importieren.

Deshalb musste die zerbombte und vom Krieg gebeutelte Welt wirtschaftlich möglichst schnell wieder auf die Beine kommen. Es galt, zerstörte internationale Handelsbeziehungen wieder in Gang zu bringen, währungspolitische Risiken zu vermeiden. Stabile Wechselkurse mit einem goldgedeckten Dollar als Leitwährung schienen das Mittel der Wahl.

Sinnbildlich für die Dominanz der USA war auch der Ausgang des Konzept-Wettstreits, vertreten durch die beiden federführenden Köpfe der Tagung. Auf der einen Seite der Volkswirt John Maynard Keynes aus Großbritannien, auf der anderen Seite der Verhandlungsführer der USA, Harry Dexter White. Es war der Amerikaner, der sich durchsetzte.

Entwicklung im Detail

Aufgrund der festgelegten Wechselkurse und der Gold-Dollar Parität war das Bretton-Woods-System ein Quasi-Goldstandard für alle teilnehmenden Währungen. Die Zentralbanken hatten eine Einlösegarantie bei den USA, konnten theoretisch stets die von ihnen gehaltenen Dollar in Gold eintauschen. So wurde Vertrauen in Geld erzeugt, obwohl der Privatmann nicht in Gold tauschen konnte.

Weiter verpflichteten sich die Teilnehmer des Abkommens zur Intervention, falls ihre Währung zu sehr vom festgelegten Kurs abwich. Hierfür gab es einen Wechselkurskorridor. Durch verschiedene Kapitalmarktmaßnahmen mussten die Zentralbanken ihre Währung stützen oder schwächen, etwa durch Kauf oder Verkauf von Devisen.

Das deutsche Wirtschaftswunder

Die anfangs unterbewertete D-Mark profitierten seit dem Beitritt 1952 von den Regelungen. Durch die „zu billige Mark“ (man setzte den historischen Wert von 4,20 DM = 1 US-Dollar) wurde das Exportwunder der jungen BRD kräftig angeheizt. Immer mehr Devisen flossen ins Land, die innerhalb des Systems unter anderem mit der Übertragung von Goldreserven an die Bundesbank ausgeglichen wurden. Auf diese Weise entstanden mehr als die Hälfte des Goldbesitzes der Bundesbank. Die Währungsreserven stiegen von Null bis auf etwa 30 Milliarden D-Mark, der Goldanteil betrug Ende 1960 mehr als 12,5 Milliarden D-Mark. Zum allergrößten Teil entwickelte sich dieses Vermögen durch Übertragungen von Defizitländern der Europäischen Zahlungsunion (EZU).

Der "goldene Dollar"

Alle teilnehmenden Währungen befanden sich also im Orbit des "goldenen Dollars“. Inspiriert war man vom sogenannten Goldmechanismus des internationalen Goldstandards, dessen Blütezeit von 1870 bis in die frühen 1900er Jahre währte. Fiel eine durch Wechselkursschwankungen goldgedeckte Währung in ihrem Wert, dann bedeutet dies, dass auch das Gold dort billig ist. Es fließt ab, wird sozusagen weggekauft, wodurch der Preis steigt. Und umgekehrt.

Im Bretton-Woods Abkommen wurde aber eine weitere Instanz zwischengeschoben, nämlich der Dollar. Der Dollar war sozusagen Gold wert.

Zusammenbruch und Ende

1971 hob Präsident Nixon die versprochene Gold-Umtausch-Garantie auf. Was war geschehen? Das System hatte einen Fehler. Die Regeln von Bretton Woods erlaubten der USA praktisch unbegrenzt Inflation zu exportieren. Die Menge an Dollar spielte aufgrund der festgelegten Dollar-Gold-Parität keine Rolle. Man konnte mit diesen Dollar auf der ganzen Welt hemmungslos einkaufen, weil er ja „wie Gold“ war. Theoretisch.

So sank die tatsächliche Golddeckung von 75% der Geldmenge zu Anfang 1945 auf 18% im Jahr 1971. Gleichzeitig stiegen die Dollarreserven der Teilnehmer ins Unermessliche. Solche Reserven werden meist in Form von Staatsanleihen gehalten.

Ende der 1950er Jahre führten einfachste Marktregeln zu einer nominalen Goldpreissteigerung auf dem Goldmarkt. Der existiert ja trotz des Währungssystems. Und wenn die auf Gold bezogene Geldmenge steigt – sozusagen inflationiert – dann ändert sich eigentlich der nominale Goldpreis. Die Fixierung führte nun zu der grotesken Situation, dass man Gold zum Paritätskurs mit Dollar kaufen und auf dem nicht pekuniären Goldmarkt für mehr Dollar verkaufen könnte.

Diese Entwicklung nahmen die Zentralbanken natürlich zur Kenntnis. 1961 reagierten sie mit der Einrichtung eines gemeinsamen Goldpools zur Preisstabilisierung. Aber das weiter wachsende Leistungsbilanzdefizit der USA und ihre nach wie vor ungebremste expansive Geldpolitik führte zu einem grundlegenden Vertrauensschwund, ob die Dollar-Gold-Eintauschgarantie überhaupt noch gegeben wäre.

Als Mitte der 60er Jahre in Frankreich Bestrebungen aufkamen, die französischen Dollarreserven in Gold umzutauschen und dies nach Frankreich zu holen, löste dies eine politische Krise aus.

1968 wurde jegliche Goldintervention innerhalb des Systems eingestellt. Von nun an gab es de facto offiziell zwei „Goldmärkte“. Den fixierten auf Zentralbankebene und einen privaten Markt, auf dem sich der Preis gemäß der Marktregeln einstellte.

Schließlich musste Präsident Nixon die Goldkonvertibilität des Dollars aufheben. Die Goldreserven der USA waren von 1944 bis 1971 um die Hälfte zusammengeschmolzen.

Warum machten die anderen Staaten so lange mit, obwohl schon um 1960 mehr und mehr klar wurde, dass die Einlösegarantie der USA nicht eingehalten werden könnte? Alle waren Geiseln des Systems geworden: Tausche ich meine Ansprüche an die USA in reales Gold, schwäche ich den Dollar (die exportierte Inflation kehrt zurück). Und ich stärke meine eigene Währung. Mit der Folge, dass meine Exporte sinken und sich das Wirtschaftswachstum abschwächt.

Fazit

Das globale Finanzsystem von Bretton Woods versuchte, Gold als historisch gewachsene Geldbasis mit der (damaligen) neuen Zeit in Einklang zu bringen.

Zunächst funktionierte das ganz gut im Sinne der Erfinder. Die teilnehmenden Länder kamen nach dem Krieg wirtschaftlich wieder auf die Beine, erlebten sogar einen Aufschwung.

Die weltpolitische Dominanz der USA freilich wurde noch mehr zementiert. Denn alle anderen teilnehmenden Länder hatten ihre geldpolitische Souveränität aufgegeben. Nur eben nicht die USA. Umgekehrt hatte die US-Politik aber Auswirkungen auf die anderen Länder, etwa deren Inflationsraten. Die USA verfolgten eine expansive Geldpolitik, bedingt durch Kriege in Korea oder Vietnam. Sie überschwemmten die Welt mit Dollar, waren dabei aber zunehmend weniger bereit, US-Dollar in Gold zu tauschen. Die anderen Länder hatten aber immer weniger Lust, die Inflationsrate der USA zu importieren.

Letztlich war das Bretton-Woods-Abkommen zu unflexibel. Die Goldbindung konnte den Anforderungen einer schnell wachsenden Weltwirtschaft auf Dauer nicht Rechnung tragen. Und feste Wechselkurse hatten angesichts unterschiedlicher wirtschaftlicher Dynamiken mehr Probleme geschafft als gelöst.

Bretton-Woods-Abkommen endete daher nach knapp 30 Jahren. Der Goldpreis ist seitdem offiziell freigegeben.

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von Udo W. | 17.04.2021, 08:59 Antworten

Sehr gut und leicht verständlich geschrieben. Vielen Dank an die Redaktion.

von Günther M. Valua | 17.04.2021, 09:43 Antworten

Sehr interessante Darstellung. Werde dies meinen Schülern vorlegen.

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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"