"Der Goldstandard" - dieser Begriff steht häufig als Synonym für eine Zeit stabiler Währungen, gebremsten Geldmengenwachstums und sicheren Werterhalts. Aber was ist das eigentlich wirklich gewesen? Wie kam es dazu? Und welche Auswirkungen hatte der internationale Goldstandard auf Währungen, Zahlungsmittel und das Geldwesen allgemein?

Unterschied zwischen Goldstandard und Golddeckung

Ein verbreiteter Irrtum ist es, "Goldstandard" mit vollständiger "Golddeckung" gleichzusetzen, also die Annahme, dass das Zahlungsmittel "standardmäßig" aus Gold oder mit Gold gedeckt sei. "Goldstandard" bezeichnet hingegen ein internationales Währungssystem, innerhalb dessen die einzelnen nationalen Währungen auf der Basis von Gold "standardisiert" sind, wobei jedoch die Art und Ausgestaltung der dabei jeweils angewendeten Deckungsvorschriften (z. B. wie hoch der quantitative Anteil der Deckung ist) stets Sache der teilnehmenden Länder und höchst unterschiedlich war. Das konnte vom "reinen" Goldstandard, bei dem ausschließlich Goldmünzen bzw. Banknoten im Wert der Goldreserve der Notenbank umliefen, über Teildeckungssysteme, Devisendeckungen, bis zu keinerlei gesetzlichen Deckungsvorschriften reichen.

Der Begriff "Goldstandard" sagt nichts über die Deckungsmechanismen und -quoten der beteiligten Währungen aus.

Goldfuß und Einlösegarantie

Der Kern des Goldstandards ist der sogenannte Goldfuß der Währungen. Dieser bedeutet die Entsprechung einer Währungseinheit zu einer bestimmten Menge Gold. Im Deutschen Kaiserreich (ab 1871) lag dieses Verhältnis zum Beispiel bei 0,358423g pro Mark.

Es ist naheliegend, dass sich durch diese klare Zuordnung für die Währungen im internationalen Handel praktische Nutzeffekte ergaben: Egal in welcher Währung eine Ware angeboten wurde, ließ sich ihr Preis über die "Goldfüße" direkt in die Heimatwährung des Käufers umrechnen, ohne dass dieser drastische Kursänderungen befürchten musste. Auch war es recht problemlos möglich mit ausländischem Geld zu bezahlen oder auch in ausländischer Währung gezogene Wechsel o.ä. zu nutzen. Die positiven Effekte auf Im- und Exporte liegen auf der Hand. Es gab praktisch eine übergeordnete Weltwährung.

Weil die Notenbanken jederzeit den Umtausch von Banknoten in Gold(münzen) garantierten (Einlösegarantie), ergab sich eine zumindest theoretische Werthaltigkeit der Währungen im Goldstandard. "Theoretisch" weil es in der Realität zumeist nur Teildeckungssysteme gab, also nicht alle Banknoten - und schon gar nicht umlaufende Wechsel, Schuldscheine usw. - tatsächlich gedeckt waren. Alan Greenspan, der legendäre langjährige Chef der amerikanischen Zentralbank, erklärt das 1966 in einem Informationsschreiben so:

Ein freies, auf Gold gegründetes Banksystem ist in der Lage, Kredit zu gewähren und so Banknoten (Währung) und Guthaben zu schöpfen, entsprechend der Produktionserfordernisse der Wirtschaft. Individuelle Goldbesitzer werden durch Zinszahlungen dazu gebracht, ihr Gold in einer Bank einzulegen, worauf sie Schecks ziehen können. Und da in den seltensten Fällen alle Einleger ihr Gold zur gleichen Zeit abziehen wollen, muss der Bankier nur einen Teil der gesamten Einlage in Gold als Reserve vorhalten.

Durch Goldfuß und Einlösegarantie soll Vertrauen geschaffen werden. Mehr nicht, denn es gibt ja stets eine große Menge "ungedeckten" Geldes. Individueller Goldbesitz ist in diesem System flächendeckend eher nicht gewünscht.

Der Goldstandard ist in erster Linie eine Vertrauen bildende Maßnahme für das umlaufende Zahlungsmittel.

Vorgeschichte des Goldstandards

Seit dem 16. Jahrhundert hatten die Volkswirtschaften Europas und vor allem der Kolonialmächte vermehrt mit Phänomenen zu tun, die zu erheblichen Verwerfungen geführt haben und vielfach krisenhafte Folgen zeigten. Kolonialisierung und sich immer mehr verstärkender internationaler Handel führten zu immer größeren Bewegungen von Gold und Silber. Sowohl als "Ware" wie auch als "Geld" flossen Tonnen von Edelmetallen von "hier" nach "dort" und wieder zurück. Das führte bisweilen zu grotesken Situationen. So beklagte John Locke 1695, dass es möglich sei, mit einer Silbermünze die 3 Unzen wog aufgrund ihres Nominals (also ihres Geldwertes) ungeprägtes Silber mit einem Gewicht von 5 Unzen kaufen zu können.

Lockes Antwort auf den Report der "Treasury" vom 19. Juli 1695:
"? Aber wie kann es sein, dass man mit 3 Unzen einer "geklippten" [d.h. gewichtsmäßig verkleinerten Münze bei gleichbleibendem Nominal] nahezu 5 Unzen ungemünzten Metalls kaufen kann? ?"

Umgekehrt war es zu manchen Zeiten wiederum sinnvoll Münzen einzuschmelzen, weil das so gewonnene Material einen höheren (Geld-)Wert hatte als die Münze.

Man kann sich leicht ausmalen, dass dies von umtriebigen Geschäftsleuten mit dem entsprechenden Insiderwissen zum eigenen Vorteil ausgenutzt werden konnte. Und auch im großen Stil und zum Schaden der beteiligten Volkswirtschaften ausgenutzt wurde! Immer wieder versuchte man diesen Praktiken mit restriktiven Maßnahmen beizukommen: Ausfuhrverbote, Handelsbeschränkungen, Zölle gehörten zur Tagesordnung.

Das Problem hatte offensichtlich erhebliche praktische Auswirkungen. So beklagte ein Bericht des britischen Board of Trade vom 22. September 1698 die Möglichkeit von spekulativen Kapitalgewinnen nur durch geschickte Transaktionen:

"? es ist daher unbestreitbar, dass Gold in Holland, von wo der größte Teil dessen was jüngst hierzulande gemünzt wurde stammt, ungefähr sechs Prozent billiger ist als hier; man könnte sagen, die gleiche Menge Gold, die hier in der [königlichen] Münze eine Summe einbringt, die dem Äquivalent von einhundert Unzen Silber entspricht, dort für weniger als 94 Unzen desselben Silbers gekauft wird; und daraus folgt offenkundig, dass, wer auch immer Gold importiert, dadurch sechs Prozent mehr gewinnt als durch den Import von Silber das gemünzt wird, und [diese Differenz] wird ausgeführt, entweder in Form unseres Silbers oder, nicht zuletzt, als Güter im Gegenwert dieser sechs Prozent: beides ist gleichermaßen schädlich für dieses Königreich ?"

Die Lösung schien in einer "Standardisierung" der Währungen zueinander zu liegen; am besten auf der Basis von Gold, das seit jeher Zahlungsmittel darstellte. Diese Bestrebungen gingen vor allem von England aus. In London entwickelte sich im 18. Jahrhundert der wohl erste "moderne" Finanzmarkt. Und dort wurde schließlich auch der Goldstandard etabliert. Es sollte aber noch Jahrzehnte dauern, bis das Goldstandardsystem das erste mehr oder weniger globale Geldsystem werden würde. Viele Länder hielten noch lange an Silberwährungen oder am sogenannten Bimetallstandard (auf der Basis von Gold und Silber) fest. Die Entscheidung des neuen preußisch-deutschen Reiches, das 1871 gegründet wurde, eine Goldstandard-Währung einzuführen, hatte Signalwirkung und so etablierte sich der Goldstandard schließlich weltweit.

Der historische Goldstandard war der Versuch die unvermeidlichen Schwankungen der Marktpreise des "Stoffes aus dem Geld gemacht war" auszugleichen und unkontrollierte (und daher für die Wirtschaft schädliche) Ab- und Zuflüsse von Geld in den Volkswirtschaften einzudämmen.

Der Goldstandard vor dem 1. Weltkrieg

Die große Zeit des klassischen, internationalen Goldstandards war also das letzte Drittel des 19. und die ersten Jahre des 20. Jahrhunderts bis zum ersten Weltkrieg (1914-1918). Praktisch alle Währungen zumindest der wichtigen Industriestaaten und Kolonialmächte waren über einen Goldfuß der Währungseinheit standardisiert und das beflügelte, vor allem wegen der dadurch fixierten Wechselkurse, den ersten, frühen Schritt der Globalisierung und internationalen Arbeitsteilung in jener Zeit.

Die Möglichkeiten der Notenbanken über den tatsächlich vorhandenen Goldbestand hinaus die (Banknoten-)Geldmenge auszuweiten und Kredite zu vergeben (auch über das immer wichtigere werdende "Giralgeld", das nur auf Konten existiert, "Wechsel", "Schuldverschreibungen" usw.) versorgte die Volkswirtschaften in der rasanten Expansion der Industrialisierung mit dem benötigten Kapital. Gleichzeitig wurde durch den, zur Aufrechterhaltung der Einlösegarantie notwendigen, Goldkern der Geldmenge die reale Inflation gebremst: Die nachfragewirksame, umlaufende Geldmenge war ja - anders als heutzutage - "technisch" begrenzt.

Dabei sollte allerdings nicht übersehen werden, dass die Abhängigkeit der zentralen volkswirtschaftlichen Größe "Geldmenge" von der vorhandenen Menge eines Gutes (Gold) auch zu heftigen Ausschlägen der wirtschaftlichen Entwicklung führte. Boomphasen wechselten sich mit Krisen ab, die den Einzelnen - und insbesondere die ärmeren Bevölkerungsschichten - existenziell bedrohen konnten. In der Rückschau werden diese schmerzhaften "Ausschläge" häufig wegen der, insgesamt und statistisch gesehen, Stabilität und dem allgemeinen Boom der rasanten industriellen Entwicklung übersehen. Tatsächlich betrug die durchschnittliche (!) Preissteigerung zwischen 1871 und 1913 in Deutschland gerade einmal ca. 0,5%. Auch das addiert sich natürlich auf insgesamt 25%, aber im Vergleich zur modernen Lage erscheint dies ausgesprochen moderat. In gleicher Weise ist das Wirtschaftswachstum insgesamt sehr stabil. Es darf aber nicht unbeachtet bleiben, dass diese positive Grundtendenz gleichermaßen von Goldstandard-Befürwortern als Beleg für dessen positive Wirkung angeführt, wie auch im Zusammenhang mit dem enormen Umfang der kolonialen Ausbeutung gesehen wird (von der man als Europäer selbstredend auch ohne "Kolonien" profitierte). Letzteres verdeutlicht sich schon daran, dass im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts sich die pro Kopf in der Welt verfügbare Goldmenge kaum verändert hat. Mit anderen Worten: Der Geldbedarf der rasant wachsenden europäischen (plus USA) Volkswirtschaften benötigte stetige Zuflüsse des "Geldmaterials", also Gold, welches dann logischerweise woanders "fehlte".

Es darf also nicht verwundern, dass genau in dieser Zeitspanne im "geldpolitischen Schattenreich" der privaten Wirtschaft vermehrt Finanzinstrumente geschaffen wurden, die ganz erheblichen Umfang hatten. Allein in Deutschland beliefen sich Mitte der 1870er Jahre die "Geldvermögen", also die von keiner Deckungsvorschrift erfassten "verbrieften" Ansprüche auf Geld, bereits auf etwa die Hälfte der gesamten Geldmenge! Das war "Buchgeld" ohne physische Grundlage! Kai-Peter Ott schreibt in seinem Buch Geld und Geldwerttheorien im Privatrecht der Industrialisierung:

Während die Münz- und Papiergeldmenge zwischen 1873 und 1913 verdoppelt wurde, verzehnfachte sich im gleichen Zeitraum der Buchgeldbestand.

In ähnlichem Umfang weitete sich die Teilnehmerzahl der Girokunden der Reichsbank aus und sie förderte explizit den aufkommenden Giralverkehr. Was wir sehen, ist eine Art Pyramide: Sehr viel mehr Ansprüche auf Geld (Buchgeld) als es Bargeld gibt. Und wiederum sehr viel mehr Banknoten als es Goldreserve gibt.

Der historische Goldstandard dämpfte insgesamt gesehen negative Effekte wie Preissteigerung, Inflation, Wertverfall der Währung. Krisen konnten nicht verhindert, aber zeitlich begrenzt werden.

Eine Goldstandard-Währung verhindert jedoch nicht das Entstehen von "virtuellem Geld", da sich dies außerhalb des kontrollierbaren Bereiches des umlaufenden Zahlungsmittels befindet.

Goldstandard zwischen den Weltkriegen

Es gibt nicht wenige Wirtschaftswissenschaftler, welche die Zeit von 1910 bis 1950 (manche, die den Fokus mehr auf Deutschland legen, sogar bis 1990) als eine Art Ausnahmesituation sehen und erst mit dem Ende des 20. Jahrhunderts eine Wiederaufnahme der Wirtschaftszyklen vor dem ersten Weltkrieg zu erkennen glauben. Ohne hier näher darauf eingehen wollen, ist dies auf jeden Fall eine bedenkenswerte Ansicht, die man durchaus auch beim Blick auf die Entwicklungen in Bezug auf den Goldstandard vor allem zwischen den Weltkriegen "im Hinterkopf" behalten darf.

Die Katastrophe des 1. Weltkrieges - und bereits dessen Vorbereitung! - höhlte das internationale Geldsystem des Goldstandards komplett aus. Die völlig aus dem Ruder gelaufenen Kosten des Konflikts und die daraus resultierenden gigantischen Staatsverschuldungen, denen, in der Hoffnung auf "Beute" im Falle des Sieges, in erster Linie mit "der Notenpresse" begegnet wurde, führten geradewegs in den Zusammenbruch. Und das beileibe nicht nur in Deutschland! Rußland, Österreich - und letzten Endes das britische Empire (als Weltmacht gesehen) wurden ebenfalls in den Grundfesten erschüttert und umgestaltet. Mit Ausnahme der USA war der Krieg für alle beteiligten Mächte ein finanzielles Desaster.

Der schon beinahe hilflose Versuch vor allem Frankreichs und Englands aus dem Verlierer mittels Reparationszahlungen die Kosten herauszuquetschen, war nachgerade lächerlich unrealistisch und führte in Deutschland schließlich zur Hyperinflation und zum Zusammenbruch der Währung.

In den USA erkannte man relativ schnell, dass erheblich größere Gewinne zu realisieren waren, wenn man nicht "aussaugte", sondern am Wiederaufbau partizipierte: Zwischen 1924 und 1930 flossen im Durchschnitt jährlich 3,5 Milliarden Reichsmark an ausländischen (vornehmlich amerikanischen) Krediten privater Banken und Unternehmen nach Deutschland! Nachdem die USA durch die umfangreichen Lieferungen kriegswichtiger Güter schon während des Konflikts die späteren Sieger in wirtschaftliche Abhängigkeit zwangen, folgte nun der Verlierer. Die äußerst erfolgreiche Komplementärwährung "Rentenmark" wurde rasch wieder an den Rand gedrängt und eine Rückkehr des deutschen Geldsystems in das internationale, wieder auf Gold basierende, angestrebt. Dies geschah durchaus mit etwas Druck der Siegermächte, aber nicht wirklich gegen den Willen der deutschen Protagonisten - allen voran Hjalmar Schacht, der noch bis 1939 eine zentrale Rolle in der Geldpolitik des Reiches spielen sollte.

Die 1924 neu geschaffene Reichsmark unterwarf sich also dem Nachkriegs-Goldstandard, der nun schon etwas "aufgeweicht" daher kommt (vereinfacht gesagt waren nun auch Devisen, die ihrerseits nur teilweise Gold gedeckt waren, als Reserve und Basis für eigene Geldschöpfung erlaubt). Die Wirtschaftskrise in den USA Ende der 1920er zerstörte das anfällige System nachhaltig. Zunächst zogen die Amerikaner ihre Kredite aus Europa (und, siehe oben, damit auch aus dem im Grunde florierenden Deutschland) ab. Das bedeutete im herrschenden Devisen/Gold-Standard, dass die Reserven der Notenbanken zusammenschmolzen. Unter Einhaltung der Deckungskriterien verminderte sich daher die nachfragewirksame Geldmenge: Es kam zu einem Deflationsschock und schließlich zum Ende des internationalen Goldstandards. Die Bank of England setzte 1931 die Goldkonvertibilität des Britische Pfundes aus, die USA versuchten mit protektionistischen Maßnahmen und schließlich mit einem teilweisen Goldbesitzverbot einzugreifen, aber das Vertrauen war weltweit erschüttert. Reihenweise verließen Staaten den Goldstandard. In Deutschland, wo sich Extremisten des Staatswesens bemächtigt hatten, dachte man zunächst sogar völlig auf Gold verzichten zu können.

Das alles führte vielleicht nicht zwangsläufig in die Katastrophe des 2. Weltkrieges, stellt aber mit Sicherheit einen wichtigen Baustein für die kommenden Entwicklungen dar. Die Idee, den historischen Goldstandard als Basis des wirtschaftlichen Miteinander wieder herzustellen, war jedenfalls gescheitert.

Ende der Zwanzigerjahre erwies sich der Goldstandard als geldpolitische Zwangsjacke.(L.Ahamed; Autor und Investmentmentmanager)

Der Versuch, die Vorkriegsverhältnisse des internationalen Währungssystems zu rekonstituieren und einen neuen Goldstandard zu etablieren, scheiterte in den 1920er und 1930er Jahren an den fragilen wirtschaftlichen und politischen Verhältnissen. Und vielleicht auch an dem allzu sturen Vorgehen der Handelnden. Der Goldstandard hatte, als globales Währungssystem mit festen Wechselkursen und Handlungssicherheit für Industrie und Handel, ausgedient.

Bretton-Woods und das Ende jeglicher Goldbindung

Noch vor dem Ende des 2. Weltkriegs drängten die USA (im Bewusstsein ihrer absehbaren globalen Machtstellung) auf ein neues internationales Währungssystem, das zumindest die "westliche Welt" umfassen sollte. 1944 setzte man auf der Konferenz von Bretton-Woods einen Mechanismus durch, der Grundzüge des klassischen Goldstandards aufweisen sollte und gleichzeitig die US-amerikanische Position erheblich stärkte. Die Grundzüge des Abkommens sahen relativ feste Wechselkurse vor (eine der Hauptstärken des Goldstandards), sowie eine Verpflichtung der Teilnehmer zu großen Wechselkursschwankungen durch Devisenkäufe- oder -verkäufe entgegen zu wirken. Gleichzeitig wurde den teilnehmenden Staaten (bzw. deren Zentralbanken) eine Einlösegarantie für Dollarreserven gegeben, wobei der Goldpreis in Dollar festgelegt war.

In einfachen Worten gesagt, gab es nun also nur noch eine durch Gold gedeckte Währung (den Dollar), die als Reserve bei anderen Zentralbanken "wie Gold" angesehen werden konnte und daher eine zentrale Stellung im internationalen Zahlungsverkehr einnehmen würde. Gleichzeitig konnte die USA (Unter praktischen Gesichtspunkten! Rein formal wurde das so nicht ausgedrückt.) aufgrund der Interventionspflicht bei Wertverfall ihre Inflation sozusagen exportieren! Die überschüssigen Dollar wanderten als "Gold werte" Devise in die Reserven der übrigen Zentralbanken. Das funktionierte so:

Wenn es "zu viele" Dollar gab, sank - gemäß den Gesetzmäßigkeiten von Angebot und Nachfrage auf dem Markt - der Kurs des Dollar. Beim Erreichen des sogenannten "unteren Interventionspunktes" mussten andere Zentralbanken daher US-Dollar kaufen (überdies zum festgelegten Kurs, nicht zum aktuellen Preis), damit die "Nachfrage" und darüber den Kurs wieder erhöhen.

Es sei nicht verhehlt, dass auch die Bundesbank zu den Profiteuren der Mechanismen gehörte! Die neue DM war aufgrund des rasanten wirtschaftlichen Aufschwungs in Deutschland eigentlich krass unterbewertet und unter stetem Aufwertungsdruck (das ging bis zu offiziellen Änderungen des Standardkurses). Anders gesagt: Die DM tangierte häufig den oberen Interventionspunkt, woraufhin die Bundesbank DM "anbieten" konnte, die gegen Devisen und Gold mehr oder weniger abgenommen werden mussten. Auf diesem Mechanismus fußt ein Großteil der Goldreserven der Deutschen Bundesbank!

Es ist leicht ersichtlich, dass wir es mit einer Art internationaler "Teildeckung" zu tun haben, wo über kurz oder lang einfach mehr Geld (US-Dollar) als Deckungsreserve (der Goldschatz von Fort Knox) da sein würde. Spätestens mit dem Vietnamkrieg und seinen, in Dollar bezahlten, immensen Kosten, verloren die Partner der USA das Vertrauen in die Goldparität des Dollar. Frankreich zum Beispiel forderte die Einlösung der Dollarreserven. Und das System kam ins Wanken. Da nutzte es schließlich auch nichts mehr, dass Deutschland (bzw. die Bundesbank; die ist schließlich von der Politik unabhängig, das muss man immer wieder betonen) explizit auf die Einlösung verzichtete - aus purem Eigennutz, denn das System war ja ausgesprochen vorteilhaft für sie. Nixon musste schließlich (1971) das Einlöseversprechen einseitig aufkündigen. 1973 wurde das System von Bretton-Woods endgültig aufgelöst. Gold verschwand als internationale "Überwährung" von der Bildfläche und in den Reserven der Zentralbanken, wo es zwar nach wie vor irgendwie als "Devise" angesehen wurde, jedoch jede Zahlungsmittelfunktion verloren hatte. Ebenso wie im Alltag der Menschen, wo Gold von nun an nur noch wertvolle Ware war.

Nach 100 Jahren war der Goldstandard als Rahmen der internationalen Wirtschaftsbeziehungen gescheitert. Zermürbt durch Kriege, Politik und möglicherweise auch weil die Abhängigkeit vom physischen Vorhandensein einer Ware eine Behäbigkeit der Geldsysteme bedingt, die den Anforderungen der globalisierten Wirtschaft - zumindest aus Sicht der Wirtschaft selbst - nicht genügt.

Vorteile des Goldstandards

Heute (2012) werden immer häufiger Stimmen laut, die sich wieder eine Rolle von Gold im Geldsystem wünschen. Das liegt nahe, denn das zentrale moderne Problem ist zweifelsfrei die ungeheure, ja unfassbare, Ausweitung der vorhandenen Geldmengen. Genau hier entfaltet ein Goldstandard, das ist aufgrund der Bindung der Geldmenge an das vorhandene Gut naheliegend, eine starke positive Wirkung, weil zumindest der Umfang des vorhandenen Bargeldes beschränkt wird und dieses einen realen Gegenwert hat. Das bedeutet Stabilität und Sicherheit vor allem für den "kleinen Mann", den Sparer, dessen vergleichsweise geringe Geldvermögen nicht (oder nur wenig) einem inflationären Wertverlust unterliegen.

Nicht weniger wichtig sind die Auswirkungen auf den Handel, insbesondere den grenzüberschreitenden Warenverkehr: Die nationalen Währungen stehen durch den "Goldfuß" in einem genau definierten Verhältnis zueinander. Die resultierenden stabilen Wechselkurse und die einfache "Umrechnung" von Preisen, letztlich also die freie "Tauschbarkeit" der Währungen, befördern Handel und Wirtschaft insgesamt. Alle nach der Aufgabe des internationalen Goldstandards eingeführten Versuche die Währungsverhältnisse zu stabilisieren (von Bretton-Woods über z.B. EWS bis hin zum Euro), haben sich als ausgesprochen anfällig erwiesen.

Die Vorteile eines Goldstandard-Systems lassen sich zusammengefasst so beschreiben: Geldwertstabilität, Stabilität der Wechselkurse und freie Konvertibilität der Währungen.

Nachteile des Goldstandards

Wachsende Volkswirtschaften brauchen "mehr" Gold (bzw. das daraus entstehende Geld), sonst kommt es zu unkontrollierbaren Entwicklungen: Entweder schliddert man in eine Deflation oder die Währungseinheit muss bei zwangsweise aufrecht erhaltener Kaufkraft weniger Gold entsprechen. Beides sind gefährliche Krisenherde. Der Mehrbedarf an Gold muss irgendwo her kommen und sobald das Wachstum insgesamt (global gesehen) die Fördermenge überschreitet, muss es jemandem "weggenommen" werden. Die weltweit pro Kopf verfügbare Goldmenge liegt (je nach Ansatz) seit Jahrhunderten ziemlich stabil zwischen 10 und 30 Gramm.

Goldbestand pro Kopf (Welt)
(Eigene Berechnungen; Datenquellen: WGC, Historical Estimates of World Population (U.S. Census Bureau) u.a.)

Die Grafik zeigt deutlich Ereignisse wie den 30-jährigen Krieg (Pro-Kopf Zunahme durch Schrumpfen der Bevölkerung), die immer raschere Zunahme der Bevölkerung etwa seit 1700 und vor allem nach den Napoleonischen Kriegen im 19. Jahrhundert. Und schlussendlich die industrielle Förderung seit Beginn des 20 Jahrhunderts, welche die Pro-Kopf Menge zunächst auf das Niveau vor der industriellen Revolution anhebt und dann trotz der rasanten Zunahme der Weltbevölkerung bei etwa 20g relativ stabil hält.

Wirtschaftsräume, die für den Goldkern ihrer Währung (plus privatem, nicht geldlichem, Goldbesitz, auch in Form von Schmuck) insgesamt über mehr als diese Quote verfügen und wachsen wollen, können dies nur "auf Kosten" anderer Wirtschaftsräume realisieren! Der historische Goldstandard hatte darauf als Antwort eigentlich nur die koloniale Ausbeutung anzubieten.

Diese, vielleicht moralisch zu nennende, Problematik wird von praktischen Schwierigkeiten flankiert, die real in der Vergangenheit zu beobachten waren: Die unbestreitbaren Vorteile können ihre Wirkung nur dann entfalten, wenn die Voraussetzungen strikt eingehalten werden! Vor allem die Deckungsvorschriften wurden bislang stets - aus welchen Gründen auch immer - in der Praxis irgendwann unterlaufen. Auch die real existierenden (störenden) Bewegungen großer Geldvermögen müssten kanalisiert werden - und das ohne den freien Handel zu beschränken!

Ebenfalls ohne Lösungsvorschlag ist bislang das Problem, dass sich alle Preise nach oben und unten verändern können müssen, um dem Goldautomatismus seine positive Gestaltungskraft zu bewahren. Alle Preise! Das schließt auch Löhne mit ein, die naturgemäß eher schwierig zu senken sind (was zudem Missbrauch durch die Machteliten erlaubt). Ein Modell, das den Spagat zwischen effektiver Kontrolle der Voraussetzungen und gleichzeitig freiem Handel schafft, liegt nicht vor und konnte in der Vergangenheit auch nie verwirklicht werden.

Auch darf man die Kosten des Systems nicht übersehen: ein Teil des Sozialprodukts muss zum Kauf von Goldreserven aufgewendet werden (Dorn; Volkswirtschaftstheorie und -politik) und "verpufft" gleichsam ungenutzt.

Der Mangel des Luxusgutes Gold bedeutet zugleich Vor- und Nachteil in einem Goldstandard. Die regionale Wirtschaftsleistung ist vom Vorhandensein der "Ware Gold" abhängig. Wichtiger noch ist die Unklarheit, wie ohne restriktive Kontrolle die Einhaltung der Deckungskriterien langfristig durchgesetzt werden soll. Die notwendige Einschränkung der "autonomen Geld-, Wirtschafts- und Konjunkturpolitik" (Dorn) bildet ein Paradoxon zum ebenfalls erforderlichen Freihandel.
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