Stand: 02.09.2020
Für die einen ist es eine Idee, die unser Finanzsystem besser machen kann. Für die anderen ein verstaubtes Relikt aus dem letzten Jahrhundert. Der Goldstandard: Was das ist, wer ihn will, und wer nicht. GOLD.DE beleuchtet die Diskussion.
Goldstandard und Golddeckung
Das Wichtigste in Kürze
  • Goldstandard bedeutet allgemein: Wert von Geld ist an Gold gekoppelt
  • Für und Wider kontrovers diskutiert
  • Goldstandard des Bretton-Woods-Systems endete 1971
  • Seither keine Goldbindung mehr von Euro oder Dollar

Goldstandard Definition

Von einem Goldstandard spricht man, wenn eine Währung entweder direkt aus Gold besteht, wie Goldmünzen in früheren Zeiten, oder wenn Geld allgemein einen Anspruch auf Gold repräsentiert. Als Goldstandard gilt auch, wenn Notenbanken feste Umtauschkurse garantieren, zu welchen jederzeit Geld gegen Gold getauscht werden kann.

Unser aktuelles Geldsystem ist nicht goldgedeckt. Bis zum Jahr 1971 war der Dollar mit einem festen Preis von 35 Dollar je Unze an Gold gekoppelt. Andere wichtige Weltwährungen, darunter auch die D-Mark, hatten fixe Wechselkurse zum Dollar. Sie waren sozusagen indirekt an Gold gekoppelt. Diese Epoche mit dem teilweise in Gold hinterlegten Dollar als weltweite Ankerwährung ist auch bekannt als das Bretton-Woods-System.

Unterschied Goldstandard und Golddeckung

Ein verbreiteter Irrtum ist es, Goldstandard mit vollständiger Golddeckung gleichzusetzen. "Goldstandard" bezeichnet ein internationales Währungssystem, innerhalb dessen die einzelnen nationalen Währungen auf der Basis von Gold "standardisiert" sind. Die Art und Ausgestaltung der jeweils angewendeten Deckungsvorschriften kann dabei aber unterschiedlich sein. Es kann reichen vom reinen Goldstandard, bei dem ausschließlich Goldmünzen bzw. Banknoten im Wert der Goldreserve der Notenbank umlaufen, über Teildeckungssysteme oder Devisendeckungen bis hin zu keinerlei gesetzlichen Deckungsvorschriften.

Als Goldfuß bezeichnet man die Entsprechung einer Währungseinheit zu einer bestimmten Menge Gold. Im Deutschen Kaiserreich ab 1871 lag dieses Verhältnis zum Beispiel bei 0,358423 Gramm pro Mark.

Die Vorteile

Gold ist begrenzt und nicht beliebig vermehrbar. Die Befürworter eines Goldstandards argumentieren daher, dass Geld, welches an Gold gekoppelt ist, ebenfalls nicht beliebig vermehrbar ist. Ihrer Meinung nach haben die weltweiten Schulden ihre Ursache genau darin, dass die Geldschöpfung ohne begrenzende Faktoren erfolgt. Die enorme Ausweitung der ungedeckten Geldmenge seit dem Ende des Bretton Woods Systems sei augenfällig.

Diese permanente Schöpfung von Geld "aus dem Nichts" inflationiere Geld. Mit einem Goldstandard würde Geld wertstabil bleiben. Sie sehen den Goldstandard daher als Synonym für eine Zeit stabiler Währungen, gebremsten Geldmengenwachstums und sicheren Werterhalts.

Zudem stünden nationale Währungen durch den "Goldfuß" in einem genau definierten Verhältnis zueinander. Die daraus resultierenden stabilen Wechselkurse würden Handel und Wirtschaft allgemein beflügeln.

Die Nachteile

Die Gegner eines Goldstandards sind der Meinung, dass Geldpolitik dynamisch sein muss. Eine Geldmenge muss atmen können, so wie auch moderne Volkswirtschaften dynamische Systeme sind. Mit der Bindung von Geld an einen begrenzten Wert sei sinnvolle wirtschaftspolitische Steuerung nicht durchführbar.

Zudem sei fraglich, ob die weltweite Menge an Gold überhaupt ausreicht, um wachsende Volkswirtschaften mit mehr Geld zu versorgen. Dies berge die Gefahr einer Deflation. Als Beispiel führen sie an, dass die große Depression von 1933 nur deshalb passieren konnte, weil die Geldmenge nicht erhöht wurde im Gefolge des Börsencrashs von 1929 und der daran anschließenden Weltwirtschaftskrise.

Auch sei generell zu fragen, woher der Mehrbedarf an Gold kommen soll, wenn eine Volkswirtschaft schnell wächst, ohne dass es zu Krieg oder Ausbeutung kommt.

Goldbestand pro Kopf weltweit

Die Grafik zeigt, dass die weltweit pro Kopf verfügbare Goldmenge seit Jahrhunderten ziemlich stabil zwischen 10 und 30 Gramm liegt. Schwankungen sind geschichtlich bedingt. Zu erkennen etwa die pro Kopf Zunahme an Gold durch Schrumpfen der Bevölkerung während des 30-jährigen Krieges. Ab 1700 und vor allem nach den Napoleonischen Kriegen im 19. Jahrhundert wuchs die Bevölkerung rasch, was gleichbedeutend war mit einer Abnahme der pro Kopf Goldmenge. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wuchs die pro-Kopf Menge wieder aufgrund industrieller Fördermethoden von Gold.

Wer will den Goldstandard?

Die Wiedereinführung des Goldstandards ist für viele Ökonomen heute kein Thema. Die Theorien von John Maynard Keynes gelten für jene als das Maß der Dinge. Dieser hatte schon 1923 den Goldstandard als "barbarous relic" abgekanzelt, also als ein für moderne Volkwirtschaften ungeeignetes Instrument.

Sympathien für den Goldstandard finden sich wiederum vor allem unter Anhängern der  Österreichischen Schule, eine akademische Denkrichtung, die in weiten Teilen einen  radikalen Wirtschaftsliberalismus propagiert. Viele der heutigen Vertreter dieser Theorie berufen sich auf die Lehren von Friedrich August von Hayek und Ludwig von Mises, die im letzten Jahrhundert wirkten. Einzig "der Markt" solle alles regeln, wirtschaftspolitische Steuerungsmaßnahmen durch den Staat oder Zentralbanken gelten demzufolge als unzulässige Eingriffe in die Freiheit des Marktgeschehens. Dies geht hin bis zu Theorien eines "Wettbewerbs der freien Gelder". Hier ergibt sich die inhaltliche Brücke zu Gold, denn es gilt im Wert als unbestechlich.

Die Theorien der österreichischen Schule finden vor allem in rechtskonservativen, Euro-skeptischen und marktlibertären Kreisen Anklang. Erwähnenswert der Richtungsstreit in der deutschen Hayek Gesellschaft um den Einfluß der AfD.

Überblick Geschichte des Goldstandards

Seit Menschengedenken ist Gold Zahlungsmittel. Unter Goldstandard im engeren Sinne wird aber vor allem die Zeit ab Mitte des 19. Jahrhundert verstanden, also die Zeit der Industrialisierung. Volkswirtschaften wuchsen sehr schnell, Banknoten und Giralgeld setzten sich immer mehr durch. Die Geldmenge entfernte sich aber bereits Ende des 19. Jahrhunderts mehr und mehr vom reinen Goldstandard in Richtung auf ein Proportionalsystem.

Signalwirkung hatte die Einführung einer Goldstandard-Währung 1871 im neu gegründeten preußisch-deutschen Reich.

Im Gefolge etablierte sich der Goldstandard weltweit, und erreichte eine, wenn man es so nennen will, "Blütezeit", die bis zum Ausbruch des 1. Weltkrieges andauerte.

Goldstandard

Es folgten deutliche Brüche bedingt durch die Weltkriege. 1944 wurde das Abkommen von Bretton Woods verabschiedet, bis im Jahr 1971 die Ära des Goldstandards zu Ende ging.

Vorgeschichte

Ab dem 16. Jahrhundert führten Kolonialisierung und wachsender internationaler Handel bei den Kolonialmächten Europas zu immer größeren Bewegungen von Gold und Silber. Tonnen von Edelmetallen flossen sowohl als Ware wie als Geld hin und her. Es entstanden bisweilen groteske Situationen. So beklagte John Locke 1695, dass man mit einer Silbermünze, die 3 Unzen wog, ungeprägtes Silber mit einem Gewicht von 5 Unzen kaufen konnte allein aufgrund des aufgeprägten Nominals:

Aber wie kann es sein, dass man mit 3 Unzen einer "geklippten" [d.h. gewichtsmäßig verkleinerten Münze bei gleichbleibendem Nominal] nahezu 5 Unzen ungemünzten Metalls kaufen kann?

John Locke, 1695

Umgekehrt war es zu manchen Zeiten sinnvoll Münzen einzuschmelzen, weil das so gewonnene Material einen höheren Geldwert hatte als die Münze. Man kann sich leicht ausmalen, zu welchen Problemen dies in der Praxis führte. So beklagte ein Bericht des britischen Board of Trade im Jahr 1698 spekulative Kapitalgewinne, die allein durch geschickte Transaktionen ermöglicht wurden:

Es ist daher unbestreitbar, dass Gold in Holland, von wo der größte Teil dessen was jüngst hierzulande gemünzt wurde stammt, ungefähr sechs Prozent billiger ist als hier; man könnte sagen, die gleiche Menge Gold, die hier in der [königlichen] Münze eine Summe einbringt, die dem Äquivalent von einhundert Unzen Silber entspricht, dort für weniger als 94 Unzen desselben Silbers gekauft wird; und daraus folgt offenkundig, dass, wer auch immer Gold importiert, dadurch sechs Prozent mehr gewinnt als durch den Import von Silber das gemünzt wird, und [diese Differenz] wird ausgeführt, entweder in Form unseres Silbers oder, nicht zuletzt, als Güter im Gegenwert dieser sechs Prozent: beides ist gleichermaßen schädlich für dieses Königreich

Bericht britisches Board of Trade, 1698

Die Bestrebungen, Währungen untereinander auf der Basis von Gold zu standardisieren, gingen also allem von England aus. In London entwickelte sich im 18. Jahrhundert der erste moderne Finanzmarkt. Dort wurde schließlich auch die Idee eines Goldstandards konkretisiert.

Es sollte aber noch lange dauern, bis aus dem historischen Goldstandard das erste mehr oder weniger globale Goldstandardsystem werden würde. Viele Länder hielten noch lange an Silberwährungen oder am sogenannten Bimetallstandard fest.

Zeit vor dem 1. Weltkrieg

Vor dem 1. Weltkrieg waren praktisch alle wichtigen Währungen über einen Goldfuß der Währungseinheit standardisiert. Das beflügelte vor allem wegen der dadurch fixierten Wechselkurse den ersten Schritt hin zur Globalisierung und internationalen Arbeitsteilung.

Die Möglichkeiten der Notenbanken, über den tatsächlich vorhandenen Goldbestand hinaus die (Banknoten-) Geldmenge auszuweiten und Kredite zu vergeben, versorgte die rasch wachsenden Volkswirtschaften mit dem nötigen Kapital. Gleichzeitig wurde durch den zur Aufrechterhaltung der Einlösegarantie notwendigen Goldkern der Geldmenge die reale Inflation gebremst. Die nachfragewirksame, umlaufende Geldmenge war ja technisch begrenzt.

Dabei sollte allerdings nicht übersehen werden, dass die Abhängigkeit der Geldmenge von der vorhandenen Menge an Gold auch zu heftigen Ausschlägen der wirtschaftlichen Entwicklung führte. Boomphasen wechselten sich mit Krisen ab, welche ärmere Bevölkerungsschichten existenziell bedrohen konnten. In der Rückschau wird dies häufig wegen der statistisch gesehenen Stabilität und dem allgemeinen Boom der rasanten industriellen Entwicklung übersehen. Zudem sorgte die drastische Ausbeutung der Kolonien für Zufluss an Reichtum. So war auf lange Sicht die durchschnittliche Preissteigerung sehr moderat. Sie betrug zwischen 1871 und 1913 in Deutschland pro Jahr gerade mal etwa 0,5% im Schnitt.

Weiter benötigte der Geldbedarf der rasant wachsenden Industriegesellschaften stetige Zuflüsse an Gold, welches dann logischerweise woanders "fehlte". So entstanden genau in dieser Zeitspanne im "geldpolitischen Schattenreich" der privaten Wirtschaft vermehrt Finanzinstrumente, die ganz erheblichen Umfang hatten. Allein in Deutschland beliefen sich Mitte der 1870er Jahre die von keiner Deckungsvorschrift erfassten "verbrieften" Ansprüche auf Geld auf bereits die Hälfte der gesamten Geldmenge. Das war also Buchgeld ohne physische Grundlage. Kai-Peter Ott brachte dies 1998 in seiner Analyse wie folgt auf den Punkt:

Während die Münz- und Papiergeldmenge zwischen 1873 und 1913 verdoppelt wurde, verzehnfachte sich im gleichen Zeitraum der Buchgeldbestand.

Kai-Peter Ott, Geld und Geldwerttheorien im Privatrecht der Industrialisierung, 1998

In ähnlichem Umfang weitete sich die Teilnehmerzahl der Girokunden der Reichsbank aus und förderte explizit den aufkommenden Giralverkehr. Was wir sehen, ist eine Art Pyramide: Es gibt sehr viel mehr Ansprüche auf Geld (Buchgeld) als Bargeld. Und wiederum sehr viel mehr Banknoten als es Goldreserve gibt.

Fazit: Der historische Goldstandard vor dem 1. Weltkrieg dämpfte insgesamt gesehen negative Effekte wie Preissteigerung, Inflation, Wertverfall der Währung. Krisen konnten nicht verhindert, aber zeitlich begrenzt werden. Allerdings entwickelte sich virtuelles Geld außerhalb des kontrollierbaren Bereiches des umlaufenden Zahlungsmittels.

Zwischen den Weltkriegen

Mit Beginn des 1. Weltkrieg 1914 wurde in fast allen Staaten der Goldstandard aufgehoben, um die gewaltigen Kriegskosten zu finanzieren. Stattdessen wurde Papiergeld gedruckt, das durch Gold nicht gedeckt war. Genährt war dies durch die Hoffnung, dass man sich im Falle des Sieges die Kosten vom Verlierer wieder zurückholt. Mit Ausnahme der USA war der Krieg aber für alle beteiligten Mächte ein finanzielles Desaster. Neben Deutschland wurden auch Frankreich, Russland, Österreich und letzten Endes auch die Weltmacht des britischen Empires in den Grundfesten erschüttert.

Der hilflose Versuch vor allem Frankreichs und Englands aus dem Verlierer Deutschland utopische Reparationszahlungen herauszuquetschen war unrealistisch und führte in Deutschland 1923 zur Hyperinflation und zum Zusammenbruch der Währung.

In den USA erkannte man dagegen relativ schnell, dass erheblich größere Gewinne zu realisieren waren, wenn man nicht "aussaugte", sondern am Wiederaufbau partizipierte. Zwischen 1924 und 1930 flossen im Durchschnitt jährlich 3,5 Milliarden Reichsmark an vornehmlich amerikanischen Krediten privater Banken und Unternehmen nach Deutschland.

Nachdem die USA durch die umfangreichen Lieferungen kriegswichtiger Güter schon während des Konflikts die späteren Sieger England und Frankreich in wirtschaftliche Abhängigkeit zwangen, folgte nun der Verlierer Deutschland. Die erfolgreiche Komplementärwährung "Rentenmark" wurde rasch wieder an den Rand gedrängt und eine Rückkehr des deutschen Geldsystems in das internationale wieder auf Gold basierende Geldsystem angestrebt. Dies geschah durchaus mit etwas Druck der Siegermächte, aber auch nicht wirklich gegen den Willen der deutschen Protagonisten, allen voran Hjalmar Schacht.

Die 1924 neu geschaffene Reichsmark unterwarf sich also dem Nachkriegs-Goldstandard, der wieder eingeführt worden war, aber nun etwas "aufgeweicht" daher kam. So waren nun auch Devisen, die ihrerseits nur teilweise Gold gedeckt waren, als Reserve und Basis für eigene Geldschöpfung erlaubt.

Die Wirtschaftskrise in den USA Ende der 1920er zerstörte das anfällige System. Die Amerikaner zogen ihre Kredite aus Europa ab, insbesondere auch aus Deutschland. Dort hatte die Wirtschaft gerade erst wieder begonnen zu florieren. Die Reserven der Notenbanken schmolzen; unter Einhaltung der Deckungskriterien verminderte sich daher die nachfragewirksame Geldmenge. Es kam zu einem Deflationsschock, schließlich zu einem vorläufigen Ende des internationalen Goldstandards.

Die Bank of England setzte 1931 die Goldkonvertibilität des Britische Pfundes aus, die USA lösten sich 1933 vom Goldstandard und erließen zudem das bekannte Goldverbot. Im Gefolge stellte sich weithin eine wirtschaftliche Erholung ein. Für die meisten Ökonomen besteht daher ein klarer Zusammenhang zwischen der weltweiten Abkehr vom Goldstandard und dem Beginn der wirtschaftlichen Erholung.

Fazit: Ende der Zwanzigerjahre erwies sich der Goldstandard als ein zu starres geldpolitisches Korsett. In den frühen 30er Jahren war die Idee, den historischen Goldstandard als Basis des wirtschaftlichen Miteinander wieder herzustellen, gescheitert.

Bretton-Woods und das Ende der Goldbindung

Als das Ende des 2. Weltkriegs abzusehen war, wurde 1944 in einer Konferenz im Ort "Bretton Woods" auf maßgebliches Drängen der USA ein Regelwerk verabschiedet, das Grundzüge des klassischen Goldstandards aufwies und gleichzeitig die US-amerikanische Position erheblich stärkte.

Benannt nach dem Tagungsort hieß das Abkommen fortan Bretton-Woods-System. Es markierte den Beginn einer neuen internationalen Währungsordnung, wo nur noch den Dollar eine durch Gold gedeckte Währung war. Der Goldpreis war mit 35 Dollar pro Unze festgelegt. Gleichzeitig wurde den anderen teilnehmenden Staaten eine Einlösegarantie für Dollarreserven gegeben. Andere Währungen waren also indirekt an Gold gekoppelt. Ferner verpflichteten sich die Teilnehmer, bei zu großen Wechselkursschwankungen durch Devisenkäufe- oder -verkäufe gegen zu steuern. In diesem Zusammenhang wurde 1945 auch begleitend der Internationale Währungsfonds (=IWF) gegründet.

Der Dollar nahm somit eine zentrale Stellung im internationalen Zahlungsverkehr ein. Gleichzeitig konnten die USA aufgrund der Interventionspflicht bei Wertverfall ihre Inflation sozusagen exportieren. Die überschüssigen Dollar wanderten als "Gold werte" Devise in die Reserven der übrigen Zentralbanken. Und das funktionierte so: Wenn es zu viele Dollar gab, sank gemäß den Gesetzmäßigkeiten von Angebot und Nachfrage auf dem Markt der Kurs des Dollar. Beim Erreichen des sogenannten "unteren Interventionspunktes" mussten andere Zentralbanken daher US-Dollar kaufen um die Nachfrage nach Dollar zu erhöhen. Dies allerdings zum festgelegten Kurs, nicht zum aktuellen Preis.

Allerdings gehörte auch die Bundesbank zu den Profiteuren. Die neue DM war aufgrund des rasanten wirtschaftlichen Aufschwungs in Deutschland eigentlich unterbewertet und stand daher unter stetem Aufwertungsdruck. Das ging bis zu offiziellen Änderungen des Standardkurses. Die DM tangierte häufig den oberen Interventionspunkt, woraufhin die Bundesbank DM "anbieten" konnte, die gegen Devisen und Gold mehr oder weniger abgenommen werden mussten. Auf diesem Mechanismus fußt ein Großteil der Goldreserven der Deutschen Bundesbank.

Es ist leicht ersichtlich, dass wir es mit einer Art internationaler "Teildeckung" zu tun haben, wo über kurz oder lang einfach mehr Geld (US-Dollar) als Deckungsreserve da sein würde. Doch mit dem Vietnamkrieg und seinen in Dollar bezahlten immensen Kosten verloren die Partner der USA das Vertrauen in die Goldparität des Dollar. Frankreich zum Beispiel forderte die Einlösung der Dollarreserven. Das System kam ins Wanken.

1971 löste Nixon einseitig das Einlöseversprechen. 1973 war das System von Bretton-Woods endgültig tot. Gold verschwand als internationale Überwährung von der Bildfläche und in den Reserven der Zentralbanken, wo es zwar nach wie vor irgendwie als "Devise" angesehen wurde, jedoch jede Zahlungsmittelfunktion verloren hatte.

Fazit: Der Goldstandard erwies sich in der Nachkriegszeit als zu unflexibel, um einen wachsenden Bedarf an Geld zu decken. 1971 markierte somit das Ende des Goldstandards.

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von Wilfried | 21.01.2018, 19:19 Antworten

Das eine gleichmässige Deflation nachteilig sein soll, vermag ich nicht erkennen. Die Marktteilnehmer können sich genauso darauf einstellen, wie bei einer Inflation. Diese ist halt nur für die "Big player" bequemer. Die Frage ist halt auch hiet: Will man einen Zentralismus oder eine subsidiäre Geselkschaft. Ein harter Goldstandard ohne Gokdvermehrung fördert zweifellos Letzteres. Ich sehe das nicht als Nachteil.

Das wurde im Artikel leider gar nicht, bzw. als Nachteil dargestellt

2 Antworten an Wilfried anzeigen

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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"