Stand: 18.08.2017 von Markus Köhren 2 Kommentare

Die Geschichte der letzten stabilen Währung Deutschlands
Nachdem die Reichsverfassung am 1.Januar 1871 formell in Kraft getreten war, wurde am 18.Januar 1871 König Wilhelm von Preußen zum Deutschen Kaiser proklamiert.

Zum Reich gehörten die u.g. 25 Bundestaaten sowie das Reichsland Elsaß-Lothringen.

Historische Einordnung

  • Königreich Preußen
  • Königreich Bayern
  • Königreich Sachsen
  • Königreich Württemberg

  • Großherzogtum Baden
  • Großherzogtum Hessen
  • Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin
  • Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach
  • Großherzogtum Mechklenburg-Strelitz
  • Großherzogtum Oldenburg

  • Herzogtum Braunschweig
  • Herzogtum Sachsen-Meiningen
  • Herzogtum Sachsen-Altenburg
  • Herzogtum Sachsen-Coburg-Gotha
  • Herzogtum Anhalt

  • Fürstentum Schwarzburg-Sondershausen
  • Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt
  • Fürstentum Waldeck-Pyrmont
  • Fürstentum Reuß ältere Linie
  • Fürstentum Reuß jüngere Linie
  • Fürstentum Schaumburg-Lippe
  • Fürstentum Lippe

  • Freie und Hansestadt Lübeck
  • Freie Hansestadt Bremen
  • Freie und Hansestadt Hamburg

  • Reichsland Elsaß-Lothringen

Bei korrekter Betrachtung waren es eigentlich sechs Herzogtümer, denn Sachsen-Coburg und Sachsen-Gotha waren zwei staatsrechtlich getrennte Herzogtümer, die lediglich durch eine Personalunion (gemeinsamer Herzog) miteinander verbunden waren.

Ähnlich bei den Fürstentümern. Es waren eigentlich acht, denn Waldeck und Pyrmont waren ebenfalls zwei staatsrechtlich getrennt Fürstentümer die durch einen gemeinsamen Fürsten miteinander verbunden waren.

Münzen wurden in den folgenden Prägestätten hergestellt:

Prägebuchstabe Prägestätte Zeitraum
A Berlin
B Hannover 1872-1878
C Frankfurt am Main 1872-1879
D München
E Dresden 1872-1887
E Muldenhütten 1887-1953
F Stuttgart
G Karlsruhe
H Darmstadt 1872-1882
J Hamburg ab 1875
T Tabora in Deutsch-Ostafrika 1916

Technische Parameter der Münzen

Es wurden Goldmünzen zu 5, 10, und 20 Mark ausgeprägt. Eine 100 Mark Goldmünze war geplant, die Ausführung wurde jedoch nicht umgesetzt.

Die Hauptgoldmünze war das 10-Mark Goldstück welches offiziell als Krone bezeichnet wurde. Diese Bezeichnung hat sich in der Bevölkerung jedoch nie wirklich durchgesetzt.

5 Mark

Feinheit 90 % Gold + 10 % Kupfer
Rauhgewicht 1,991 g + -4 %
Feingewicht 1,792 g
Durchmesser 17 mm
Rand glatt, keine Randschrift
außer Kurs ab 01.10.1900

10 Mark

Feinheit 90 % Gold + 10 % Kupfer
Rauhgewicht 3,982 g + -2,5 %
Feingewicht 3,584 g
Durchmesser 19,5 mm
Rand Arabesken und Sterne
außer Kurs ab 16.08.1938

20 Mark

Feinheit 90 % Gold + 10 % Kupfer
(es gibt auch 20 Markstücke
1905 Wilhelm II mit Silberanteil)
Rauhgewicht 7,965 g + -2,5 %
Feingewicht 7,168 g
Durchmesser 19,5 mm
Rand GOTT MIT UNS
außer Kurs ab 16.08.1938

Fragen und Antworten Rund um das Thema Reichsgoldmünzen


Kann man diese Münzen auch als Anfänger sammeln?

Die Goldmünzen des Deutschen Kaiserreiches bieten sowohl für den fortgeschrittenen Numismatiker wie auch für den „normalen“ Goldanleger eine Vielzahl von interessanten Möglichkeiten.

Ein Großteil der Münzen des Königreiches Preußen gibt es noch nahe am Goldpreis obwohl es echte historische Zeitzeugen sind. Aber auch für den Numismatiker oder den Anleger, der in teure Sammlerobjekte unabhängig vom Goldpreis investieren möchte, ergeben sich durch die Vielzahl von hochpreisigen Stücken und die vielen interessanten historischen Geschichten rund um die Münzen ein tolles Betätigungsfeld.


Wie viele Reichsgoldmünzen von der ursprünglichen Auflage existieren noch?

Zu dieser Frage kann man keine genaue Angaben machen. Der Jäger-Katalog spricht von ca.40-50% existierenden Münzen bei den 10 und 20 Markstücken und ca.10 % bei den 5 Markstücken.

Durch den Goldpreisanstieg Anfang der 80er und das Goldpreishoch in € im Jahr 2012 denke ich das mittlerweile viel mehr Reichsgoldmünzen eingeschmolzen wurden und man nur noch von einem Bestand von ca. 30 % der ursprünglichen Auflage ausgehen kann.


Greift bei diesen Münzen ein mögliches Goldverbot?

Ob ein Goldverbot kommt oder nicht ist umstritten. Ich persönlich denke eher das der Staat versuchen wird den Erwerb von Gold unattraktiver zu machen. Es gibt sicherlich eine Vielzahl von Möglichkeiten diese Ziel zu erreichen.

So z.B. ein Verbot des anonymen Kaufs oder der Aufhebung der MwSt. Befreiung. Selbst bei dem restriktiven Goldverbot der USA in den 30er Jahren wurden seltene numismatische Münzen ausgenommen, so dass zumindest die seltenen, hochpreisigen Reichsgoldmünzen eine gute Chance hätten nicht unter das Goldverbot zu fallen.


Gibt es eigentlich keine goldenen Gedenkmünzen?

Es durften eigentlich keine goldenen Gedenkmünzen im Deutschen Kaiserreich geprägt werden. Trotzdem haben einige Länder die normalen Reichsgoldmünzen an gewissen Daten herausgegeben.

So z.B. das Herzogtum Anhalt 20 Mark 1904 zum Regierungsantritt des Herzogs  ( Jäger 182 ) oder das Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin 20 Mark 1901 zum Regierungsantritt des Großherzogs nach erreichter Volljährigkeit ( Jäger 234 ).


Warum gibt es so unterschiedliche hohe Auflagezahlen und warum so hohe Preisunterschiede?

Jedes Mitgliedsland des Deutschen Kaiserreiches durfte Goldmünzen prägen und hat dies auch, mit Ausnahme des Fürstentum Lippe, getan.

Die kleineren Länder mit einer geringen Auflagezahl die größeren mit einer hohen Auflagezahl. Durch die niedrigen Auflagezahlen der Kleinstaaten ergeben sich die hohen Preisunterschiede zur „Massenware“ der großen Länder wie z.B. Preußen.


Gibt es viele Fälschungen?

Leider gibt es von diesem Sammelgebiet recht häufig Fälschungen und dazu auch noch recht Gute. TROTZDEM sollte dies einen auf gar keinen Fall abschrecken.

Die meisten Fälschungen bestehen aus der original Goldlegierung von 900 Teilen Gold. D.h. selbst bei dem Erwerb einer Fälschung bekommt man immer noch den Goldpreis und man erleidet so gut wie keinen finanziellen Verlust.

Hochwertige Stücke sollte man aber auf jedem Fall von einem seriösen Münzhändler erwerben. Hier rät es sich auch eine Expertise von einem vereidigten Münzsachverständigen einer Industrie und Handelskammer erstellen zu lassen.

Es gibt verschiedene Quellenangaben die mir bekannt sind und 24 Fälscherwerkstätten aufzählen die Reichsgoldmünzen nachgeprägt haben.

Die bekanntesten und besten Fälschungen sind die sogenannten Schmidt-Hausmann Fälschungen.

Der Bonner Augenarzt Dr.Schmidt prägte seit den späten 50er bis in die 70er Jahre Reichsgoldmünzen mit einer Elektro-Erosionsmaschine und benutze bei den späteren Machwerken sogar eine Rändelmaschine um die Randschrift anzubringen. Seine Schwester Ilona Hausmann zog los und verkaufte diese Münzen im großen Stil an Banken und Münzhändler die am Anfang auf diese „Münzen“ hereinfielen.

Ab 1960 gründeten sie dann die Firma Reichs-Gold-Münze und verkauften diese Machwerke offiziell als Nachprägungen von Reichsgoldmünzen. Zu Hilfe kam ihnen eine Gesetzeslücke, da laut damaligem Münzgesetz lediglich die Herstellung von kursgültigen Münzen verboten war.

Schätzungen zufolge existieren weit über 100.000 Fälschungen aus dieser Werkstatt wobei nahezu jeder Reichsgoldtyp gefälscht wurde. Man erkennt diese Fälschungen am leichtesten durch den PP Glanz sowie die nicht wirklich originalgetreue Randschrift.


Sind die Preise nicht schon viel zu hoch?

Die Preise für hochpreisige Reichsgoldmünzen sind in den letzten Jahren enorm gestiegen. Immer mehr Investoren drängen auch in den numismatischen Markt um ihr Geld gut angelegt zu wissen.

Dafür bieten sich gerade Reichsgoldmünzen an. Sie sind auch für Laien leicht zu bestimmen (im Gegensatz zu mittelalterlichen Münzen z.B.) und es gibt ausreichend Literatur mit Preisen.

Hier sind besonders der Jäger-Katalog sowie Der Kleine Deutsche Münzkatalog zu erwähnen.

Wenn man hochpreisige Stücke bei bekannten Auktionshäusern/Münzhandlungen kauft ist man vor Fälschungen weitgehend sicher. Sicherlich sind die Münzen nicht mehr günstig zu haben aber ich rechne auch nicht mit einem massiven Preisverfall. Es lohnt sich also immer noch Reichsgoldmünzen zu kaufen.


Markus Köhren
Dipl. Verwaltungswirt (FH)

Die Reichsgoldmünzen des Deutschen Kaiserreiches 1871-1918
Markus Köhren - Markus Köhren beschäftigt sich seit über 25 Jahren mit den Themen Numismatik, Geldgeschichte und Fragen rund um die physische Goldanlage. Er ist Moderator in Deutschlands größtem Forum für Münzsammler und legt zusammen mit Dr. Schön die Preise für Reichsgoldmünzen und Schweizer Goldmünzen in "Der Kleine Deutsche Münzkatalog" fest, der eine Gesamtauflage von über 1.000.000 Stück hat. Er gibt regelmäßig Interviews zu den o. g. Themen (z. B. Metallwoche von Frank Meyer) und hat auch selber im Münzfachhandel gearbeitet. Er ist Mitglied in der Gesellschaft für internationale Geldgeschichte und der Deutschen Numismatischen Gesellschaft. Seine numismatische Bibliothek umfasst mittlerweile über 2000 Publikationen.
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3,58 g ab 159,36 EUR
7,17 g ab 262,39 EUR
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Kommentare [2]
  • von Dr. Goldflitter | 20.08.2017, 01:26 Antworten

    Ob ein Goldverbot kommt oder nicht ist umstritten? Wer sagt das? Kein Mensch der etwas zu melden hat wollte in den letzten Jahrzehnten ein Goldverbot durchsetzen. Nicht einmal ansatzweise war das überhaupt ein Thema. Nur Sie, der Fragesteller, setzen dieses Gerücht in die Welt und der Gastkommentator nährt dieses auch noch indem er darauf eingeht. Was soll so etwas? Das ist doch total unseriös. Demnächst behauptet hier jemand das wir Besucher aus dem All erwarten und ich lege schon einmal das Landedatum fest oder was? Ich kann hier wirklich nur mit dem Kopf schütteln.

  • von Graf von Henneberg | 22.08.2017, 16:02 Antworten

    Ja als wir noch einen Kaiser und die Goldmark hatten, da war die Welt noch in Ordnung.

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