Stand: 12.04.2021 von Hannes Zipfel
Grundsätzlich ist die Gemengelage für die monetären Edelmetalle Gold und Silber günstig. Doch wie so oft ballen sich Unvorhersehbarkeiten in Form von geopolitischen, ökonomischen und Risiken der Dynamik der dritten Pandemiewelle.
Edelmetalle: Tauziehen im Nebel

Zurück zur Normalität oder der Anfang vom Ende

Die den Edelmetallmarkt belastenden Kapitalmarktrenditen haben sich zwar zuletzt um gut zehn Basispunkte zurückgebildet.

Neues Störfeuer kommt nun von der geopolitischen Seite.

Erstmals am 4. Februar durchquerte der Zerstörer „USS John S. McCain“ die Meerenge zwischen dem chinesischen Festland und der Insel Taiwan im Rahmen einer Routinemission. Die Führung in Peking empfindet das Manöver als Provokation und sendet als Reaktion mehrere Flugzeuge in Richtung Taiwan.

Damit befindet sich bereits wenige Tage nach der Amtseinführung von Joe Biden als Oberster Befehlshaber der US-Streitkräfte ein Flugzeugträger des US-Militärs im südchinesischen Meer.

Die neuesten Nachrichten von der Militärfront lassen ebenfalls aufhorchen: Zwei US-Kriegsschiffe nehmen Kurs auf das Schwarze Meer, um den sich wieder verschärfenden Krim-Krieg zu „beobachten“.

Gleichzeitig plant der Präsident der Republik Türkei seinen eigenen Bosporus unter vollständiger Kontrolle quer durch die Stadt Istanbul zu bauen. Trotz klammer Kassen und einer bereits in der neuen Woche sehr wahrscheinlich bevorstehenden Verschärfung der Lira-Krise sollen 11,5 Mrd. US-Dollar für den Bau des rein türkischen Bosporus ausgegeben werden und so die Verträge für den Durchgangsverkehr durch die natürliche Meerenge zwischen Schwarzem Meer und dem Marmarameer teilweise ausgehebelt werden.

Noch mehr Unsicherheit kommt von der Pandemiefront, die zwar in den US-Medien seit den Impf-Erfolgen kaum noch eine Rolle spielt, aber weltweit schon. 

Mit 786.735 Neuinfektionen wurde gestern der zweithöchste jemals gemessene Wert gemeldet. Selbst die US-Seuchenschutzbehörde CDC warnt vor zu viel Optimismus, da gerade die brasilianische Mutante P.1 sich auch mit dem Immunsystem geimpfter Patienten arrangieren kann.

Und zum Schluss bleibt die Frage, ob all die kreditfinanzierten Hilfsgelder tatsächlich zu einem selbsttragenden wirtschaftlichen Aufschwung führen können, oder ob es nach dem Strohfeuer zu einer tiefen Rezession bzw. der Notwendigkeit neuer gigantischer Rettungsprogramme kommt.

Die Konjunkturdaten dieser Woche werden dazu erste Anhaltspunkte geben:

Montag 12.04.

Wie angespannt die Lage beim europäischen Einzelhandel nach wie vor ist, zeigten Daten von heute Vormittag 11:00 Uhr von Eurostat: Nach einem Rückgang im Januar um -6,4 Prozent schloss sich der Februar auf Jahresbasis mit -2,9 Prozent an. Gleichwohl hatten die Analysten mit einem Minus von -5,4 Prozent gerechnet.

Interessant dürfte heute Abend um 19:00 Uhr MESZ die Versteigerung zehnjähriger US-Staatsanleihen sein.

Zuletzt war die Nachfrage nach den Schuldpapieren der US-Bundesregierung signifikant rückläufig und hatte zu steigenden Renditen geführt. Die Amerikaner müssen immer mehr Schuldpapiere ausgeben, um ihr System am Leben zu erhalten.

Dienstag 13.04.

Am Dienstag um 11:00 Uhr veröffentlicht das Zentrum für Europäisches Wirtschaftsforschung (ZEW) ihre deutschen und europäischen Indizes zur Einschätzung der Aktuellen Lage sowie zu den Konjunkturaussichten.

Es wird mit durchweg besseren Zahlen gerechnet.

Um 14:30 MESZ Uhr veröffentlicht das U.S. Bureau of Labor Statistics das landesweite Verbrauchervertrauen für den Monat März. Trotz des jüngsten Stimulusprogramms wird nur mit einer leichten Verbesserung 0,1 auf 0,2 Prozent gerechnet. Nach den ersten Wirtschaftshilfen im Sommer letzten Jahres sprang der Wert noch auf 0,6 Prozent nach oben (Gewöhnungseffekt?)

Ebenfalls vom U.S. Bureau of Labor Statistics werden um 14:30 MEST Daten zur US-Inflation bekannt gegeben (Konsumententeuerung). Nach 1,3 Prozent Preissteigerung im Februar wird im März mit einer Rate von +1,5 Prozent gerechnet.

Mittwoch 14.04.

Am Mittwoch melden sich diverse Notenbanker bei verschiedenen Anlässen zu Wort, so auch die Präsidentin der Europäischen Zentralbank ECB, Christine Lagarde. Mit Spannung warten die Marktteilnehmer auf Hinweise, wie mit der ultralaxen Geldpolitik zukünftig umgegangen werden soll – ist dies doch der Kitt, der das ganze System vor dem Zerfall bewahrt.

Donnerstag 15.04.

Bereits um 8:00 Uhr wird es mit der Veröffentlichung der Verbraucherpreise in Deutschland für den Monat April spannend. Das Statistische Bundesamt in Wiesbaden wird wohl wie bereits im März eine Jahresteuerungsrate von +1,7 Prozent bekanntgeben, und das bei negativen Realmarktzinsen in Deutschland.

Am Donnerstag plant zudem die Türkische Zentralbank (TCMB) eine weitere Zinssitzung. Der Neue Notenbank-Gouverneuer Naci Ağbal möchte wegen der hohen Inflation (Feb. 15,45 Prozent p. a., Quelle: Anadolu Agency) den Leitzins unverändert bei 19. Prozent p. a. belassen, um die strak schwächelnde Lira zu stabilisieren.

Präsident Erdogan favorisiert hingegen eine drastische Zinssenkung, um die Wirtschaft anzukurbeln. Das wird ein spannender Show-Down mit einer potenziell sich verschärfenden Lira-Krise.

Freitag 16.04.

Welchen Effekt die diversen direkten und indirekten Stimuli für die US-Bürger haben, wird man u. a. an den Daten zu den US-Einzelhandelsumsätzen um 14:30 UHR MESZ erkennen können. Die ersten Schecks waren bereits Mitte März verteilt worden.

Nach dem im Dezember 2020 verabschiedeten 900 Mrd. US-Dollar Stimulusprogramm inkl. Direktzahlungen schoss der Einzelhandelswert im Januar 2021 gegenüber dem Vorjahr um 7,43 Prozent nach oben.

Für den Monat März gibt es keine Schätzung, es ist aber von einer ähnlich spektakulären, wenn auch nicht nachhaltigen Entwicklung auszugehen.

Autor: Hannes Zipfel
Ökonom
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von liberal-konservativer R. | 17.04.2021, 00:45 Antworten

Die Übersicht wichtiger Daten der Woche ist schon ganz interessant. Ich empfehle mal die Daten mit anderen bekannten Daten in Zusammenhang zu bringen.
Da ist z.B. ein jährliches U$ Geldmengen-Wachstum (M1) von 2008-13 von ca. + 14%. Heute liegt das bei über +25%. Genaue Zahlen sind schwer zu bekommen. Aber das Wachstum der ZB-Bilanzen spricht für sich.
Dem steht aber kein entsprechendes Wachstum des produzierenden Gewerbe gegenüber. So „schoss“ z.B. der US Einzelhandelsumsatz im Januar 2021um „7,43 Prozent“ nach oben? (Corona-bedingt?) Vom chronisch anhaltenden Defizit der U$ Handelsbilanz ganz zu schweigen!
Bei solchen Ungleichgewichten vertraue ich meine private Altersvorsorge keinesfalls einem, vom $ abhängigen € an. Nur, dummerweise braucht man für Gold und Silber einen „dickwandigen“ Sparstrumpf… also doch lieber virtuelles Geld?

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