Stand: 14.06.2017 von © Gold.de Redaktion AB/GW 3 Kommentare
Wie bitte? Doch, Sie haben richtig gelesen! Der bekannte Burger des US Fastfood-Giganten fungiert tatsächlich als Namensgeber für einen Index. Der “Big Mac Index” ist ein Indikator für die Kaufkraft einer Währung und wird auch in seriösen Wirtschaftskreisen gern als Kennzahl zitiert. Nun wären wir nicht Gold.de, wenn wir uns nicht kreativ des Themas annehmen würden und den Gedanken einen Schritt weiterführen. Also Bühne frei für den Gold-Mac-Index "GMI"!
 Aktueller GMI: 3,29

Indizes sind eine schöne Sache. Bringen sie doch einen komplizierten Wirtschaftszusammenhang auf eine griffige Kennzahl. Aktien in Deutschland? DAX! Die 500 größten börsennotierten US-Firmen? S&P 500! Wohlstandsindikator? HDI! Deutsche Staatsanleihen? REX! Verbraucherpreisindex? VPI! Und so weiter. Eine Zahl, ein Blick, und schon wissen wir: Die Preise sind gestiegen. Die Aktien sind gefallen. Das Wohlstandsniveau hat sich gebessert. Sehr schön, der Mensch mag sowas.

So, oder so ähnlich, mag 1986 auch Pam Woodall gedacht haben, Redakteurin des bekannten britischen Wirtschaftsmagazins “The Economist”, als sie über einen Artikel zum Thema Wechselkurse und Kaufkraft des Geldes brütete. Kompliziertes Thema, wie bitte schön soll man das dem Leser leicht verständlich nahebringen? Ein Index musste her.

Der Big Mac Index

Big-Mac-Index

Woodalls Überlegung: Wenn man etwas vergleichen will, dann braucht es einen Standard. Geht man nun von der Theorie der Kaufkraftparität aus, wonach ein gleiches Produkt überall auch gleich viel kosten muss - warum dann nicht den Big Mac als Referenz? Den McDonalds Burger gibt es schließlich auf der ganzen Welt, mit demselben Gewicht und denselben Zutaten.

Gesagt, getan, die Idee nahm ihren Lauf.

Seither ermittelt das renommierte Magazin “The Economist” regelmäßig die Preise eines Big Mac in den verschiedenen Währungen, rechnet diese in den aktuellen Dollarkurs um und veröffentlicht dann das Resultat als Big Mac Index, um so einen Indikator für die Kaufkraft einzelner Währungen darzustellen. Welche Währung ist im Vergleich zum Dollar überbewertet, welche unterbewertet?

Was hat das mit Gold zu tun?

Uns interessiert nicht die Bewertung der Kaufkraft diverser Währungen. Wir wollen wissen, inwieweit Gold seinem Ruf als universelles und wertstabiles Tauschmittel gerecht wird. Und da uns der Big Mac Index so gefällt, nutzen wir diese Steilvorlage und kreieren hiermit den Gold-Mac-Index "GMI"!

Wir rechnen

Bildbeschreibung --> was es zu sehen gibt


Wieder dient der bekannte Burger des US Fastfood-Herstellers als Referenz. Beginnend mit 2002 wollen wir zunächst in Jahresabständen wissen, was der Big Mac gekostet hat. Dankenswerterweise hat uns das Magazin “The Economist“ diese Arbeit bereits abgenommen, denn die weltweiten Big Mac Durchschnittspreise werden dort seit 1986 jährlich veröffentlicht. Da berufen wir uns also gleich auf das Original.

Im nächsten Schritt brauchen wir für die betreffenden Zeiträume den Preis für ein Gramm Gold. Wir bleiben dabei in der Währung Euro. Da der Goldpreis im Gegensatz zum Big Mac Preis täglich schwankt, haben wir unsere umfangreiche Datenbank abgefragt und für die betreffenden Monate jeweils das mathematische Mittel errechnet. Für eine grobe Orientierung sollte das reichen.

Derart gerüstet können wir in nun Erfahrung bringen, wie viele Big Mac man zum jeweiligen Zeitpunkt umgerechnet mit einem Gramm Gold hätte kaufen können.

Das Ganze sieht in der Übersicht dann so aus:

Datum* Preis Big Mac im Euroraum* Preis für 1 g Gold in Euro** Dafür gab es...
Apr 2002 2,67 € 10,98 € 4,11 Big Mac
Apr 2003 2,71 € 9,72 € 3,59 Big Mac
Mai 2004 2,74 € 10,27 € 3,91 Big Mac
Jun 2005 2,92 € 11,39 € 3,90 Big Mac
Jan 2006 2,91 € 14,58 € 5,01 Big Mac
Jan 2007 2,94 € 15,62 € 5,31 Big Mac
Jun 2008 3,37 € 18,37 € 5,45 Big Mac
Jul 2009 3,31 € 21,33 € 6,44 Big Mac
Jan 2010 3,36 € 25,19 € 7,45 Big Mac
Jan 2011 3,44 € 35,30 € 10,26 Big Mac
Jan 2012 3,49 € 41,13 € 11,79 Big Mac
Jan 2013 3,59 € 40,50 € 11,28 Big Mac
Jan 2014 3,66 € 29,30 € 8,00 Big Mac
Jan 2015 3,68 € 34,40 € 9,35 Big Mac
Jan 2016 4,00 € 32,36 € 8,09 Big Mac
Jan 2017 3,90 € 36,05 € 9,24 Big Mac
*Quelle: http://www.economist.com/content/big-mac-index. Die Veröffentlichung der Big Mac Preise dort erfolgt jährlich, meist im Januar, gelegentlich aber auch in einem anderen Monat.

** eigene Berechnungen, Goldpreis in Euro im Monatsdurchschnitt, gerundet


Die Theorie

Was nun fehlt, ist ein Vergleich mit der Kaufkraft des Euro. Da wir einen einheitlichen Ausgangspunkt brauchen, nehmen wir hierfür 10,98 EUR als Basis. Zur Erinnerung: 10,98 EUR war im April 2002 der Kurs für 1 Gramm Gold, und dafür konnte man genau 4,11 Big Mac kaufen. Also ausgehend von diesen 10,98 EUR: Wie hat sich die Kaufkraft des Euro im Vergleich zu Gold im Lauf der Jahre verändert?

Für 1 g Gold gab es... Für 10,98 EUR* gab es…
Apr 2002 4,11 Big Mac 4,11 Big Mac
Apr 2003 3,59 Big Mac 4,05 Big Mac
Mai 2004 3,91 Big Mac 4,00 Big Mac
Jun 2005 3,90 Big Mac 3,76 Big Mac
Jan 2006 5,01 Big Mac 3,77 Big Mac
Jan 2007 5,31 Big Mac 3,73 Big Mac
Jun 2008 5,45 Big Mac 3,26 Big Mac
Jul 2009 6,44 Big Mac 3,31 Big Mac
Jan 2010 7,45 Big Mac 3,26 Big Mac
Jan 2011 10,26 Big Mac 3,19 Big Mac
Jan 2012 11,79 Big Mac 3,14 Big Mac
Jan 2013 11,28 Big Mac 3,06 Big Mac
Jan 2014 8,00 Big Mac 3,00 Big Mac
Jan 2015 9,35 Big Mac 2,98 Big Mac
Jan 2016 8,09 Big Mac 2,74 Big Mac
Jan 2017 9,24 Big Mac 2,81 Big Mac
* = Durchschnittspreis für 1 g Gold April 2002, hier als Basismonat zur Berechnung

Das Ganze bringen wir nun in einen Chart:

Chart Diagramm Vergleich Kaufkraft Gold Euro

“Burgernomics” by Gold.de. Nicht eingerechnet sind Zinsen für Fiat Geld.

Was sagt uns dieser Vergleich?

Im Gegensatz zum Euro, der im betrachteten Zeitraum seinen Wert um etwa ein Drittel verliert, behält Gold nicht nur seine Kaufkraft, sie steigt sogar um mehr als das Doppelte. Konnte man im April 2002 für ein Gramm Gold umgerechnet 4,11 Big Mac kaufen, so bekam man für dasselbe Gramm Gold im Januar 2017 über das Doppelte, nämlich 9,24 Big Mac.

Umgekehrt der Euro: Ausgehend von den 10,98 EUR, die man im April 2002 für 4,11 Big Mac hinblättern musste, bekam man für dieselben 10,98 EUR im Januar 2017 nur noch 2,81 Big Mac.

Aber wir sind noch nicht fertig. Ein Index braucht eine griffige Kennzahl. Also teilen wir den Big-Mac Preis in Gold durch den Big-Mac Preis in Euro. Das Ergebnis ist dann unser Gold Mac Index, der GMI. Für das Referenzjahr 2002 bekommen wir eine glatte “1”. Logisch, hier ist ja Parität, da es für 1 g Gold genau dieselbe Menge an Big Mac gibt wie für 10,98 Euro. In den folgenden Jahren wird der Wert je nach Kaufkraftentwicklung mal unter 1, mal über 1 liegen. 

Für 1 g Gold gab es... Für 10,98 EUR* gab es… GMI**
Apr 2002 4,11 Big Mac 4,11 Big Mac 1
Apr 2003 3,59 Big Mac 4,05 Big Mac 0,89
Mai 2004 3,91 Big Mac 4,00 Big Mac 0,98
Jun 2005 3,90 Big Mac 3,76 Big Mac 1,04
Jan 2006 5,01 Big Mac 3,77 Big Mac 1,33
Jan 2007 5,31 Big Mac 3,73 Big Mac 1,42
Jun 2008 5,45 Big Mac 3,26 Big Mac 1,62
Jul 2009 6,44 Big Mac 3,31 Big Mac 1,95
Jan 2010 7,45 Big Mac 3,26 Big Mac 2,29
Jan 2011 10,26 Big Mac 3,19 Big Mac 3,21
Jan 2012 11,79 Big Mac 3,14 Big Mac 3,75
Jan 2013 11,28 Big Mac 3,06 Big Mac 3,69
Jan 2014 8,00 Big Mac 3,00 Big Mac 2,67
Jan 2015 9,35 Big Mac 2,98 Big Mac 3,14
Jan 2016 8,09 Big Mac 2,74 Big Mac 2,95
Jan 2017 9,24 Big Mac 2,81 Big Mac 3,29
* = Durchschnittspreis für 1 g Gold April 2002, hier als Basismonat zur Berechnung
** Werte gerundet

Das Ganze bringen wir wieder in einen Chart - und fertig ist der….

Gold-Mac-Index “GMI”

Chart Diagramm GMI


Was sagt uns der Gold-Mac-Index?

Der GMI gibt uns, bezogen auf den Big Mac, einen Kaufkraft Vergleich zwischen dem Sachwert Gold und dem Geldwert Euro. Liegt der Wert über 1 (= gestrichelte grüne Linie), dann hat Gold die bessere Kaufkraft. Liegt der GMI unter 1, dann hat der Euro die bessere Kaufkraft. Oder anders: Je höher der GMI, desto höher die Kaufkraft von Gold im Vergleich zum Euro.

Aktuell (Januar 2017) liegt unser GMI bei 3,29. Dass wir keine monatsweisen GMI Werte zu Verfügung stellen können, liegt allein daran, dass unsere Referenz, die vom Magazin “The Economist” recherchierten Big Mac Preise, nur einmal jährlich veröffentlicht werden, meist im Januar.

Natürlich gibt es auch beim Goldkurs Schwankungen, unser 15-Jahre-Zeitraum ist relativ kurz, und nicht berücksichtigt haben wir Zinsberechnungen für Fiat Geld. An der wesentlichen Tendenz würde das aber nichts ändern. Das Ergebnis beim Vergleich der Kaufkraft ist in unserem Rechenbeispiel eindeutig: Gold macht den besseren Job als Wertspeicher. Wir bleiben dran.

Mahlzeit!


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Kommentare [3]
  • von MW | 14.06.2017, 18:03 Antworten

    Spannend wäre jetzt, zum Vergleich auch noch den US-Dollar, das britische Pfund und ggf. vielleicht noch den japanischen Yen dagegen zu stellen. Dann hätte man nämlich nicht nur die Aussage, dass Gold in den letzten Jahren im Kurs gestiegen ist (und zwar > Inflation), sondern auch noch einen Vergleich zu den anderen großen Währungen. Weltweit wird Gold ja eher in USD gehandelt.
    Wenn ich mir die Entwicklung von USD und GBP in den letzten Jahren so ins Gedächtnis rufe, müsste der Euro eigentlich noch ganz gut dastehen.

  • von Sir John | 14.06.2017, 23:30 Antworten

    Ergo! wer seine Ersparnisse in Geldwerten parkt, die keine oder wenig Zinsen abwerfen wird durch die schleichende Inflation der Preise auch künftig peu a peu an realer Kaufkraft auf sein Kapital verlieren. Wobei sich der Big Mac ja eigentlich wenn man die Preisentwicklung betrachtet sehr moderat entwickelt hat, zumindest im Vergleich zu Mieten, Honorarstunden, Zeitschriften, Gebühren, Restaurantpreise etc. Mit Immobilien, Liegenschaften und anderen Sachwerten hätte man natürlich ähnliche Ergebnisse erzielt. Sehr anschaulich gemacht!

  • von inflationär | 15.06.2017, 10:22 Antworten

    Zum Thema Inflation haben ich neulich eine nette Seite gefunden:

    [Anmerkung Redaktion: *]

    Hier sieht man ganz schön wie die Preis für alltägliche Dinge stark gestiegen sind. Weit über den Anstieg der Löhne hinaus. Schön auch der IKEA-Billy-Index.

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