Stand: 30.09.2020 von Hannes Zipfel
Immer öfter stellen Anleger die Frage nach der Nachhaltigkeit von Goldinvestments. Dabei geht es nicht nur um den langfristigen Werterhalt und den Krisenschutz, sondern zunehmend auch um Umweltfragen und soziale Aspekte. Die Edelmetallbranche reagiert auf diese neuen Anforderungen mit erweiterten Maßnahmen, die das Image von Gold aufpolieren sollen.
Gold und Nachhaltigkeit

Die ehrgeizigen Ziele der Goldbergbauindustrie

Der Wunsch, sein Geld nachhaltig anzulegen, gewinnt unter Goldanlegern an Bedeutung. Dabei stehen in zunehmendem Maße auch die Umweltbelastung bei der Goldgewinnung und Verarbeitung sowie der Klimawandel im Fokus. Doch auch Arbeitssicherheit und Sozialstandards in den Minen sowie die Konfliktfinanzierung durch „Blutgold“ bieten Angriffsfläche für das an Popularität gewinnende Edelmetall.

Um dieser Kritik zu begegnen, hat die weltweite Lobbyorganisation der Goldproduzenten, das World Gold Council in London (WGC), in Zusammenarbeit mit seinen Mitgliedern und den Vereinten Nationen (UN) konkrete Maßnahmen formuliert, die weitere Fortschritte im Sinne der Nachhaltigkeit zum Ziel haben.

Bis zum Jahr 2030 wollen die Mitgliedsunternehmen des WGC im Rahmen von globalen Partnerschaften konkrete Ziele verbindlich umsetzen, die an die Millenniums-Entwicklungsziele der UN anknüpfen.

Durch die Partnerschaften zwischen den Bergbauunternehmen und den Abbaugebieten (Communities) sollen die bereits erreichten Verbesserungen in den folgenden drei Schwerpunktkategorien ausgebaut werden:

  • Soziale Inklusion

  • Wirtschaftliche Entwicklung in den Abbauregionen

  • Verantwortungsbewusstes Minenmanagement, saubere Energie und Umweltschutz

Bereits im Jahr 2019 veröffentlichte das WGC ehrgeizige Prinzipien zum nachhaltigen Goldbergbau (Responsible Gold Mining Principles), die klar definieren, was aus Sicht von Verbrauchern, Investoren, Regierungen und Kommunen nachhaltige Goldgewinnung ausmacht.

Ergänzend zu den drei o. g. Schwerpunktthemen umfassen diese Produktionsprinzipien auc.

  • Menschenrechte

  • ethische Grundsätze

  • Arbeitnehmerrechte

  • Arbeitsschutz

  • Schutz indigener Kulturen

  • und das Verhalten in Konfliktregionen.

Die Risiken des Goldbergbaus

Trotz seit Jahrzehnten permanent verschärfter Umweltauflagen und verbesserter Sozialstandards ist der Bergbau für die in den Minen tätigen Arbeiter und für die Umwelt nach wie vor mit hohen Risiken verbunden, die in anderen Bereichen der Wirtschaft so nicht mehr toleriert werden.

Bei der Gewinnung von Gold kommen auch umwelt- und gesundheitsschädliche Chemikalien wie hochgiftige Zyanide (Blausäuresalze) und in kleineren Minen nach wie vor auch Quecksilber zum Einsatz, um das Gold durch Zersetzung des geförderten metallhaltigen Gesteins zu gewinnen. Der Energie- und Wasserverbrauch ist dabei besonders hoch.

Der enorme Wasserbedarf kann in trockenen Gebieten zur Austrocknung lebensnotwendiger Quellen in der Umgebung von Minen führen und gefährdet zudem den Grundwasserspiegel. Größere Minen benötigen ca. 50.000 bis 150.000 Liter Wasser pro Tag.

Der benötigte Strom für den Bergbau sowie der Treibstoff für die Abbau- und Transportmaschinen stammt nach wie vor überwiegend aus fossilen Energieträgern oder Atomenergie.

Besondere Gefahr geht für Umwelt, Mitarbeiter und Anwohner von den hochgiftigen Schlämmen aus, die bei der Goldaufbereitung entstehen und in großen Becken gesammelt werden. Diese Schlämme sind stark mit Kaliumzyanid belastet (Zyankali).

Erst vor Jahresfrist sind bei dem Dammbruch einer Goldmine in Sibirien 28 Mitarbeiter ums Leben gekommen, 14 wurden zum Teil schwer verletzt. Im Januar 2019 sorgte der Minenkonzern Vale für Schlagzeilen, als sich bei einem Dammbruch im brasilianischen Brumadinho eine 11,7 Millionen Kubikmeter umfassende Schlammlawine aus einem Absetzbecken in die Umgebung ergoss. Dabei kamen 259 Menschen ums Leben und das Ökosystem des Flusses Paraopeba wurde vollständig zerstört.

Zwar handelte es sich um eine Eisenerzmine, aber der Konzern Vale fördert neben Eisen auch Bunt- und Edelmetalle. Für die zu Recht empörte Öffentlichkeit stand daher die Branche als Ganzes in der Kritik.

Neben Vale machte auch Glencore Negativschlagzeilen wegen der Umweltverschmutzung seines Tochterunternehmens Volcan in der peruanischen Stadt Cerro de Pasco, die 70.000 Einwohner zählt. Der Konzern gehört zu den weltweit größten Produzenten von Zink, Blei und Silber. Ihm wird vorgeworfen, durch die Minenaktivitäten die Luft und das Wasser in der Region mit Schwermetallen vergiftet zu haben.

Für die dort lebenden Kinder haben vor allem die Bleivergiftungen dramatische Folgen: Blutarmut, Behinderungen und sogar Lähmungen.

Erst im Sommer dieses Jahres geriet ein weiter Großkonzern der Branche in die Schlagzeilen. Bereits im Mai hatten Mitarbeiter von Rio Tinto die seit etwa 46.000 Jahren bewohnten Felsnischen der Aborigines gesprengt, um Eisenerz abbauen zu können.

Dies löste heftige Kritik und Proteste aus. Der Vorstandsvorsitzende und zwei weitere Top-Manager wurden daraufhin entlassen. Das Risiko, für derartiges Fehlverhalten in die Haftung genommen zu werden, steigt. Der zunehmende Druck vonseiten der Öffentlichkeit, der Konsumenten und der Investoren, auch im Bergbau nachhaltig zu wirtschaften, führt zu einem Umdenken in den Führungsetagen der Minenbetreiber.

Dennoch haben Unfälle durch Verschüttung, Vergiftung, Dammbruch oder sonstige Verletzungen durch schwere Maschinen oder Explosionen in der Bergbauindustrie eine traurig lange Tradition, die unseren heutigen Vorstellungen von moralisch einwandfreiem und nachhaltigem Wirtschaften nicht mehr entspricht.

Umso wichtiger ist die Implementierung schärferer Regeln, um auch den primären Sektor unserer Marktwirtschaft nachhaltig zu gestalten.

Konkrete Maßnahmen der Bergbauindustrie

Gleichwohl zeitigen die Bemühungen der Bergbauindustrie in den letzten drei Jahrzehnten deutliche Verbesserungen. Trotz einiger größerer Katastrophen geht die Zahl der Unfälle und Todesopfer seit den neunziger Jahren stetig zurück. Schärfere Umweltauflagen, mehr Renaturierung, umweltfreundlichere Verarbeitungsmethoden, Recycling, Wiederaufbereitung von Abwässern, Abraum und Schlämmen sowie der verbesserte Arbeitsschutz machen sich positiv bemerkbar.

Auch der vermehrte Einsatz von intelligenten Maschinen bis hin zu Robotertechnik reduziert den Einsatz menschlicher Arbeitskraft in Gefahrenbereichen und dementsprechend das Unfallrisiko. Die Überwachung der Minen durch Satelliten und Drohnen macht die Aktivitäten der Betreiber transparenter.

Der Einsatz regenerativer Energien hilft bereits jetzt, den Ausstoß an CO2 zu reduzieren. Dabei spielt zunehmend der Einsatz von Solar-, Wind- und Wasserkraftenergie vor Ort eine wichtige Rolle. Diese Energien ermöglichen es den Minenbetreibern auch, unabhängiger von der oft instabilen Energieinfrastruktur in den Entwicklungsländern zu werden und Stromausfälle zu überbrücken.

Dabei wird auf zuvor mittels Solarkraft geladene Stromspeicher zurückgegriffen. Auch die Entwicklung und der Einsatz von elektrisch betriebenen Fahrzeugen und Maschinen eröffnet mittelfristig zusätzliches Umweltschutzpotenzial.

Über den Arbeits- und Umweltschutz hinaus gibt es noch weitere Verbesserungsmöglichkeiten. Dies gilt vor allem für Abbaugebiete in ärmeren Ländern, Konfliktregionen oder industriellen Schwellenländern mit geringen Sozialstandards. Hier gilt es, so das WGC, durch Initiative der privaten Bergbauunternehmen und mittels Partnerschaften mit den Kommunen und Regionalregierungen Fortschritte herbeizuführen.

Dies ist auch im Interesse der Edelmetallindustrie, deren größte Absatzmärkte neben Indien und China v. a. Westeuropa und Nordamerika sind. Bei den Kunden und Anlegern in den Industriestaaten spielt die Nachhaltigkeit eine immer größere Rolle. Der Werterhalt, die Ästhetik und der finanzielle Krisenschutz des Goldes allein reichen nicht mehr aus. Genauso wie bei Blutdiamanten möchte sich kein Brautpaar mit Ringen aus Gold schmücken, das zur Finanzierung von Kriegen dient („Blutgold“).

Daher hat die London Bullion Market Association (LBMA) begonnen, ihr weltweit anerkanntes Gütesiegel, die LBMA-Zertifizierung, auch an die einwandfreie Herkunft des Goldes zu knüpfen und macht die Bezugsquellen der eigenen Goldbestände nun transparent.

Natürlich ist dies gerade bei recyceltem Gold nicht lückenlos möglich. Aber bei neu gefördertem Gold aus Minen oder Großbarren von Notenbanken ist eine Rückverfolgung bis zu einem bestimmten Grad möglich.

Auch von politischer Seite steigt der Druck auf die Goldproduzenten, nachhaltig zu arbeiten. In den Abbaugebieten sind Minen ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und gelten in einigen Ländern sogar als systemrelevant. Gleichzeitig ist es kaum noch möglich, auf regionaler Ebene politische Verantwortung übertragen zu bekommen, ohne auch die Interessen der Minenarbeiter und Anwohner zu berücksichtigen.

Im Westen steht Gold unter besonderer Beobachtung, da es zunehmend an Beliebtheit gewinnt und seine Bedeutung als Konkurrent zu den staatlich kontrollierten Fiat-Währungen permanent steigt.

Fazit und Ausblick

Es ist daher im ureigensten Interesse der Edelmetallindustrie, aber auch der Anleger, dass Gold so wenig wie möglich angreifbar ist und seinen Ruf in Sachen Nachhaltigkeit deutlich verbessert. Andernfalls könnten unter dem Vorwand der Sozial- und Umweltschädlichkeit Ressentiments in der Bevölkerung gegenüber Gold geschürt werden.

Dagegen hilft nur die Schaffung klarer Fakten, die diesen Vorwurf zumindest stark relativieren.

Ein Problem bleibt nach wie vor der Herkunftsnachweis. Illegale Produktionsstätten außerhalb der Kontrolle der Behörden, der UN und des WGC machen diesen Nachweis besonders schwierig.

Dennoch kann dies kein Vorwand dafür sein, in Sachen Transparenz weitere Anstrengungen zu unterlassen.

Ein Grund für Optimismus ist, dass die Bergbauindustrie im Bereich der Edelmetalle wirtschaftlich sehr gut dasteht. Damit eröffnen sich auch finanzielle Spielräume für die Erreichung höherer Sozial- und Umweltstandards. Die Bereitschaft dazu haben zumindest die durch das WGC vertretenen Konzerne deutlich gemacht und ihre diesbezüglichen Maßnahmen in den letzten Jahren signifikant ausgeweitet.

Autor: Hannes Zipfel
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von yoshi | 01.10.2020, 19:48 Antworten

@ich
Doch, doch! Potentielle Goldanleger interessieren sich für die Umweltsünden der Minengesellschaften. Wer sich ein grünes Gewissen erkaufen kann, der kann sich auch teureres Gold leisten. Oder viel teurere E-Autos fahren, deren Schadstoffe einfach woanders entstehen (Kraftwerk, Lithiumabbau, Siliziumabbau, ...). Naja, möchtegern Umweltbewusste eben, Grüne halt.

von HerrVonBödefeld | 01.10.2020, 13:08 Antworten

Neben Schariah - Konformität halten nun auch ethische und grüne Standards schleichend Einzug. Bald ist Gold nicht mehr Gold sondern, sauberes Gold, halal-Gold, haram-Gold, öko-Gold...
Man darf gespannt sein, in welche Richtung die mediale Bearbeitung der Causa Gold In Zukunft läuft.
Die Dämonisierung schreitet voran.

von Commander C | 30.09.2020, 22:03 Antworten

...darum hat sie auch das ä erfunden...

von Commander C | 30.09.2020, 22:01 Antworten

Leider fließt das große Geld auch gerne in Dinge, die eben gerade nicht zertifiziert und nachhaltig sind. Und die Natur selbst liebt es verschwänderisch. Nachhaltigkeit ist eben auch eine Frage dessen was man in 100 Jahren noch für richtig hält. Vorsicht vor Schildbürgertum. In Puncto Arbeitssicherheit und Menschlichkeit Daumen hoch und drücken.

von ich | 30.09.2020, 19:23 Antworten

Nachhaltigkeit ist sicherlich löblich, aber das immer mehr Anleger, die sich für Gold interessieren, auch nur im Ansatz für die Umweltbedingungen interessieren, glaube ich in 100 Jahren nicht! Die ersten zwei Sätze dieses Artikels implizieren, dass einige Anleger nicht in Gold gehen, sollte die Natur nicht geschützt werden! Ob das die Realität ist, bezweifle ich doch stark! Diejenigen die in diese Richtung Druck machen, sind wohl eher die Kritiker von Goldinvestments, bzw. die, die sich für EM nicht interessieren, aber für die Umwelt.

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