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Stand: 02.10.2023 von Hannes Zipfel
Der Goldpreis befindet sich an einer kritischen Marke. Umso wichtiger werden in dieser Woche Konjunkturdaten, speziell aus den USA. Hier steht als Highlight am Freitag der "große" Arbeitsmarktbericht im Fokus der Edelmetallanleger.
Extrem spannende Woche für Gold

Weitere wichtige Datentermine in der KW 40, die für die Edelmetalle kursrelevant werden können:

  • Sonntag: Chinesischer Einkaufsmanager-Index Verarbeitendes Gewerbe September (akt.: 50,6 | e: 51,2 | Aug.: 51,0); Dienstleistungsgewerbe (akt.: 50,2 | e: 52,0 | Aug.: 51,8)
  • Montag: Chinesische Feiertagswoche bis Freitag („Goldene Woche“), deutscher Einkaufsmanager-Index Verarbeitendes Gewerbe für September (akt.: 39,6 | e: 39,8 | Aug.: 39,1), US-Einkaufsmanager-Index Verarbeitendes Gewerbe für September (16:00 Uhr MESZ | e: 47,7 | Aug.: 47,6), Rede des US-Notenbankchefs J. Powell zur Geldpolitik und Wirtschaftslage (17:00 Uhr MESZ)
  • Dienstag: Feiertag in Deutschland (Tag der Deutschen Einheit), offene Stellenangebote in den USA (JOLTs) für Sept. (16:00 Uhr | e: 8,83 Mio. | Aug.: 8,827 Mio.)
  • Mittwoch: Deutscher Einkaufsmanager-Index Dienstleistungen für September (e: 49,8 | Aug.: 47,3), Neue Stellen im US-Privatsektor (ADP) für September (14:15 Uhr MESZ | e: 160k | Aug.: 177k), US-Einkaufsmanager-Index Dienstleistungen für September (16:00 Uhr MESZ | e: 53,6 | Aug.: 54,5), EZB-Präsidentin CH. Lagarde äußert sich zu Inflation, Wirtschaft und Geldpolitik (18:00 Uhr).
  • Donnerstag: US-Arbeitsplatzabbau (Challenger Report) für September auf Jahresbasis (13:30 Uhr MESZ |e: k. A. | Aug.: +266 % | brutto -75,15 Mio.), US-Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe KW 39 (14:30 Uhr MESZ | e: 210k | KW 38: 204k)
  • Freitag: US-Arbeitsmarktbericht für neue Stellen außerhalb der Landwirtschaft (NFP) im September (14:30 Uhr MESZ | e: 163k | Aug.: 187k), Stundenlöhne im September auf Jahresbasis (e: 4,3 % | Aug.: 4,3 %), Terminmarktdaten der US-Aufsichtsbehörde CFTC für Gold und Silber; COT-Report | 22:30 Uhr MESZ)
  • Sonntag: Landtagswahlen in Hessen und Bayern

Weitere Daten-Termine, Details zu den Prognosen sowie historische Zeitreihen finden Sie hier.

Goldpreis – diese Marke sollte halten

Im Zuge weiter steigender Renditen am Kapitalmarkt und eines deutlich stärkeren US-Dollars gab der Goldpreis in der vergangenen Woche nach und rutschte in Euro unter den seit 5 Jahren gültigen Aufwärtstrend bei aktuell ca. 1.800 Euro pro Feinunze (rote Linie):

Goldpreis in Euro pro Feinunze Linienchart auf Tagesbasis I Spot-Markt-Preise

An der nächsten wichtigen Chartmarke ist der Goldpreis bereits fast angelangt: bei ca. 1.740 Euro pro Unze (31,1 g). Hier verläuft eine horizontale Unterstützungslinie, die aber nicht sehr viel Halt bietet. Aktuell notiert das gelbe Edelmetall bei 1.745 Euro pro Unze (Stand: 15:00 Uhr).

Obwohl sich die Saisonalität und die Terminmarktstruktur bei Gold und Silber konstruktiv darstellen und die wirtschaftlichen Aussichten in den USA und Europa sich mehr und mehr eintrüben, preist der Markt momentan noch länger als erwartet höhere Zinsen und einen konsequenten Entzug von Liquidität durch die US-Notenbank (Fed) und die Europäischen Zentralbank (EZB) in die Edelmetallpreise ein.

Doch die Wirtschaftsdaten werden sich mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit in den nächsten Wochen diesseits und jenseits des Atlantiks stark verschlechtern und könnten bei den Geldpolitikern, wie so oft, sehr schnell zu einem Umdenken führen.

Ein erstes Indiz dafür sind die Zahlen zum Arbeitsplatzabbau, die in Form des sogenannten „Challenger Reports“ am Donnerstag um 13:30 Uhr MESZ in den USA veröffentlicht werden. Zuletzt waren die Entlassungen im August gegenüber dem Vorjahresmonat um 266 Prozent angestiegen.

USA: Arbeitsplatzabbau in Prozent zum Vorjahr

Infobox Challenger Report

Der Bericht gilt als Frühindikator für den Arbeitsmarkt und wird von dem führenden US-Unternehmen für „Entlassungsdienstleistungen“, der Grey & Christmas Inc., landesweit erhoben und beschreibt die Entwicklung bei den Personalfreisetzungen in den USA. In der Vergangenheit hat der Report zuverlässig Wendepunkte am US-Arbeitsmarkt antizipiert.

Arbeitsmarktdaten im Fokus

Im Laufe der Woche folgen noch weitere wichtige Daten zum US-Arbeitsmarkt, der neben der Inflationsentwicklung im Rahmen des dualen Mandats der US-Notenbank (Fed) von besonderer Bedeutung für ihre Geldpolitik ist. Und damit auch für die zins- und liquiditätssensiblen Edelmetalle, v. a. Gold und Silber.

Am Mittwoch um 14:15 Uhr MESZ werden von dem Lohnabwickler ADP die neuen Stellen im Privatsektor veröffentlicht. Erwartet wird ein Anstieg von moderaten 160k Arbeitsplätzen nach 177k im August:

USA: Neue Stellen im Privatsektor (ADP)

Der Abwärtstrend ist auch hier eindeutig erkennbar, wird aber bislang noch weitgehend ignoriert, sowohl von den Notenbanken als auch von den Finanzmärkten. Die Frage ist, wie lange noch?

Schlussendlich folgen am Freitag um 14:30 Uhr MESZ die vom staatlichen U. S. Bureau of Labor Statistics erhobenen Daten zu den neuen Stellen außerhalb der Landwirtschaft in den USA.

Neben der Tatsache, dass in diesem Jahr in jedem einzelnen Monat die Daten des Vormonats zum Teil signifikant herunter revidiert wurden, zeigt sich auch hier ein kaum noch zu ignorierender Abwärtstrend:

USA: Neue Stellen außerhalb der Landwirtschaft (NFP)

Anzumerken ist noch, dass die jüngste moderate Erholung im August (Datenstand in der Grafik: 1. September für die August-Daten) auf die sogenannte „Back to School Season“ zurückzuführen ist, im Zuge derer massenhaft Lehrkräfte, Hausmeister, Schulbusfahrer und Kantinenpersonal etc. eingestellt wurden. Für den September wird mit einem erneuten Rückgang der neu geschaffenen Stellen von 187k auf 163k gerechnet. Ökonomen gehen davon aus, dass sich der Arbeitsmarkt nur nachhaltig positiv entwickeln kann, wenn unter Berücksichtigung der Demografie und der Zuwanderung mindestens 200k neue Stellen pro Monat entstehen.

Löhne und Inflation

Bislang ist die von den Zentral- und Notenbanken viel beschworene Lohn-Preis-Spirale, die zunächst in Wahrheit eine Preis-Lohn-Spirale ist, nicht erkennbar. Die Gewerkschaften haben in den USA, aber auch in Deutschland in den letzten Jahrzehnten stark an Einfluss verloren.

Erst seit Kurzem und auch nur in den USA gibt es wieder eine leicht positive Entwicklung bei den Reallöhnen (Nominallohnanstiege minus Inflationsrate). Aktuell steigen die Löhne in den USA im Durchschnitt um 4,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Hier wird für den September die gleiche Rate erwartet. Die offizielle Inflationsrate (PCE) liegt mit 3,9 Prozent nur knapp darunter.

Die parallele Abschwächung von Inflation und Konjunktur ist empirisch belegt ein positives Umfeld für die monetären Edelmetalle als „Sicherer Hafen“ ohne Gegenparteirisiko.

Wie dramatisch die Lage in der Breite bei den US-Unternehmen bereits ist, zeigt dien Tatsache, dass bereits 90 Prozent der im S&P 500 gelisteten Unternehmen ihre Aktienrückkäufe wegen wegbrechender Erträge eingestellt oder stark reduziert haben.

„A Nightmare for the Country“

Hinzu kommt, dass ab 1. Oktober 44 Mio. Amerikaner ihre Studentendarlehen wieder bedienen müssen. Es handelt sich um eine Dimension von 1,8 Billionen US-Dollar, für die nach einem dreijährigen Schuldenmoratorium im Zuge der Pandemie nun wieder Zins- und Tilgungszahlungen geleistet werden müssen. Die National Bankers Association rechnet damit, dass 45 Prozent der Betroffenen dadurch in die Privatinsolvenz geraten, und bezeichnet die anstehende Entwicklung als „Albtraum für das ganze Land“.

Wie in diesem Umfeld die Notenbanken die Geldpolitik weiter durch hohe Zinsen und fortgesetzten Liquiditätsentzug, unter dem die Edelmetallpreise aktuell leiden, fortgesetzt werden kann, bleibt fraglich.

Daher werden die Konjunkturdaten in dieser und den folgenden Wochen hoch spannend (Effekt der Studentendarlehen wird mit etwas Verzögerung auf die Konsumdaten etc. wirken).

Autor: Hannes Zipfel
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