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Stand: 18.07.2022 von Hannes Zipfel
Die Europäische Zentralbank (EZB) stellt Details zu ihrem neuen geldpolitischen Instrument vor, um dem Crash südeuropäischer Staatsanleihen entgegenzuwirken. Das dürfte Folgen für den ohnehin schwachen Außenwert der Gemeinschaftswährung und den Goldpreis in Euro haben.
EZB konkretisiert neues Gelddruckprogramm

EZB mit Beamten-Sprech statt Klartext

Im Beamten-Englisch trägt das neue Programm zum Ankauf von Staatsanleihen hoch verschuldeter Mitgliedsländer der Euro-Zone den Titel:

„Transmission Protection Mechanism“.

Was dieser Arbeitstitel mit dem Problem der Überschuldung der Südländer einschließlich Frankreichs zu tun hat, erschließt sich dem geneigten EZB-Beobachter zwar nicht sofort, das klare Ziel ist aber, und hier kommt erneut Beamten-Sprech ins Spiel, die „DE-Fragmentierung“ des Anleihemarktes im Euroraum.

Klartext: Es darf laut EZB keine „ungerechtfertigten“ Zinsunterschiede zwischen den Euro-Ländern geben. Welche Höhe bei den Zinsunterschieden „gerechtfertigt“ sind oder nicht, das entscheidet die Europäische Zentralbank intern nach einem nach außen nicht transparenten Entscheidungsprozess.

Das nun konkretisierte Programm mit dem sperrigen englischen Namen soll dauerhaft die Risikoprämien zwischen den Schuldpapieren Nord- und Südeuropas einengen. Was einem weiteren Schritt in Richtung der Vergemeinschaftung der Schulden aller Euro-Mitgliedsstaaten wider dem Vertrag von Maastricht gleichkommt.

Zur Umsetzung des Programms wird erneut auch die digitale Notenpresse eingesetzt, um nicht allein auf die Erlöse aus Bundesanleihen durch Verkauf, Tilgung oder Zinszahlungen angewiesen zu sein. Zumal auch die deutschen Zinsen nicht signifikant steigen dürfen, andernfalls bekäme die teutonische Immobilienblase Risse und die ohnehin angeschlagene deutsche Konjunktur einen zusätzlichen Dämpfer (Darlehen in Deutschland würden teurer).

Genau das würde aber passieren, wenn das Ankauf-Programm für Anleihen schlechterer Bonität vollständig aus der Veräußerung von Bundesanleihen finanziert werden würde, deren Kurse entsprechend sinken und vice versa die Renditen deutscher Schuldpapiere nach oben getrieben würden. Also muss die digitale Notenpresse wieder angeworfen werden, um die Renditen aller europäischen Staatsanleihen durch die künstliche Nachfrage aus dem Euro-Tower abzusenken.

Wie funktioniert das Programm zur Kontrolle der Risikoaufschläge für Südländer-Anleihen?

Staatsanleihen, z. B. von Italien, Portugal, Griechenland oder Frankreich werden immer dann von der EZB am Sekundärmarkt angekauft, wenn die Geldpolitiker davon ausgehen, dass die Renditen dieser Papiere stärker ansteigen, als dies durch wirtschaftliche (fundamentale) Entwicklungen gerechtfertigt ist.

Bestimmt wird die Dimension eines „gerechtfertigten“ Zinsanstiegs in der EZB-Zentrale im Frankfurter Ostend – nicht mehr vom Kapitalmarkt.

Zeitlicher Ablauf und Umfang des Anleihekaufprogramms

Zur zeitlichen Umsetzung wird der EZB-Rat bereits auf seiner nächsten turnusmäßigen Sitzung am kommenden Mittwoch und Donnerstag, also am 20. und 21. Juli, konkrete Vorschläge ausarbeiten und abschließend der Öffentlichkeit präsentieren.

Zum Gesamtvolumen des neuen Anleihekaufprogramms bleibt die EZB recht vage und will das neue Instrument nach Bedarf einsetzen, um im Falle erneut auseinanderdriftender Renditen zwischen Nord- und Südstaaten-Anleihen einen

„Backstop mit maximaler Wirkung“

zu erzielen. Faktisch ist das monetäre Volumen dieses Instruments ebenso unlimitiert wie der vorgesehene Zeitrahmen der operativen Umsetzung am sogenannten „Offenmarkt“.

Offenbarungseid für die Euro-Zone

Der chronische Charakter der Eurokrise wird daran sichtbar, dass bereits kurze Zeit nach dem Einstellen der Wertpapiermarktprogramme „PEPP“ und des Billigrefinanzierungs-Programms für Banken des Euroraums „TLTRO“ sowie dem Zurückfahren des APP („Asset Purchase Programme“) die Schuldenkrise in Form von explodierenden Staatsanleiherenditen erneut aufflammt.

Erst am 15. Juli musste die EZB zu einer außerordentlichen Notfall-Sitzung zusammenkommen, um den drohenden Kollaps des italienischen Anleihemarktes abzuwenden – und dass nur eine Woche nach ihrer turnusmäßigen Ratssitzung ohne Zinsanhebung (der Leitzins der EZB liegt nach wie vor bei 0,0 Prozent p. a.).

Revival der Eurokrise - Rendite italienischer Staatsanleihen explodieren

Zu allem Überfluss bahnt sich in Italien nun eine neue Regierungskrise an, die für die Zukunft des italienischen Ministerpräsidenten und ehemaligen EZB-Chefs Mario Draghi gefährlich werden könnte. Ohne Draghi an der Spitze des Stiefelstaats würde der Kapitalmarkt noch mehr Druck auf die Schuldpapiere des mit 135 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) verschuldeten Landes ausüben. Daher sorgt die EZB mit ihrem „De-Fragmentierung“-Programm schon mal vor.

Auswirkungen auf den Euro

Da die EZB anders als ihr amerikanisches Pendant, die US-Fed, ihren geldpolitischen Kurs nur sehr langsam der davonlaufenden Inflation anpasst und nun sogar schon wieder gezwungen ist, Feuerwehr am Kapitalmarkt mit Liquidität aus der digitalen Notenpresse zu spielen, gerät der Euro weiter unter Druck. Es dürfte daher nur eine Frage der Zeit sein, bis die Gemeinschaftswährung nachhaltig unter die Parität zum US-Dollar fällt.

Euro außenwert zum US-Dollar verfällt - Importinfaltion steigt

Zumal die US-Notenbank Fed bereits am 27. Juli ihre vierte Zinsanhebung in diesem Jahr um weitere 0,75 Prozentpunkte vornehmen will. Insgesamt hätte die Fed seit März 2022 ihren Hauptrefinanzierungssatz dann schon um ganze 2,25 Prozentpunkte erhöht und ihre Bilanzsumme spürbar reduziert.

Mit dem wachsenden Zinsunterschied zwischen den Dollar- und Eurozinsen und der Verknappung der Dollar-Geldmenge steht die nächste Herausforderung für die EZB schon in den Startlöchern: Der sich beschleunigende Verfall des Euro-Außenwertes mit der Folge steigender Inflationsraten durch höhere Importpreise, da die meisten Waren am Weltmarkt nach wie vor in US-Dollar bezahlt werden müssen. Wie die EZB dieser Entwicklung begegnen will, weiß sie wohl selbst noch nicht. Es droht ein offen sichtbarer Kontrollverlust der Geldpolitiker in der Euro-Zone.

Trostpflaster für Euro-Anleger

Für Anleger im Euroraum gibt es jedoch die Chance, sich gegen die desperate Geldpolitik der EZB abzusichern. Zum Beispiel durch die Berücksichtigung physischer Edelmetalle, allen voran Gold, im Gesamtvermögensmix.

Anders als Anlagen in deutschen Aktien (DAX 40 etc.), REITs (Real Estate Investment Trusts) und sogar Bundesanleihen (inkl. Zinskupons), konnte der Goldpreis in Euro den Kaufkraftverlust der letzten 12 Monate in Höhe von 7,6 Prozent in Deutschland und 8,6 Prozent in der Euro-Zone mehr als wettmachen, und das in vielen Fällen bei Privatanlegern nach einem Jahr Haltedauer steuerfrei (nach der First-In-First-Out-Methode):

Goldpreis Renditevergleich 12 Monate

Dass die Bewertung der physischen Goldbestände in Euro Sinn macht, liegt für Anleger aus dem Euroraum auf der Hand: Es würde wohl für kaum jemanden hierzulande, der sein Einkommen in Euro bezieht und der den überwiegenden Teil seiner Rechnungen in Euro bezahlt, Sinn machen, seine Vermögenswerte, wie z. B. DAX-Aktien in US-Dollar in der Vermögensbilanz zu bewerten.

Das Gleiche gilt für US-Aktien, die in Deutschland in Euro bewertet und gehandelt werden – ebenso wie Gold, andere Edelmetalle oder Bitcoin, Diamanten etc.

Autor: Hannes Zipfel
Ökonom
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von Bernd Vetter | 23.07.2022, 03:05 Uhr Antworten

Es fließt ja kein physisches Geld für die Anleihenkäufe der EZB. Diese hat ja auch nicht einen Super-Tresor mit unendlichen Billionen von Euros.
Was geschieht also tatsächlich?
Der "neue" Gläubiger dieser "gekauften" Anleihen ist die EZB und diese bucht diese Schulden mit einem Verteilungsschlüssel der Haftung auf die einzelnen EU-Länder.

Welche Bürger welches Landes sind wohl die größten Hafter in diesem EU-Verbund?

von Klaus goldstein | 20.07.2022, 08:38 Uhr Antworten

Die EZB glaubt an Wunder,rette sich wer kann aus dem euro

von Obelix | 20.07.2022, 02:23 Uhr Antworten

Das Einzige was die EZB damit öffentlich zeigt ist, dass sie eigentlich gegen Auflösung des Euros nichts mehr entgegen halten kann, ohne die ganzen Südländer regelrecht absaufen zu lassen. Dies bedeutet der Euro ist Geschichte! Aber auch den SL wird es nicht anders ergehen,trotz Aufkaufprogramm.

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