Stand: 01.07.2021
Sachwerte haben immer dann Konjunktur, wenn Inflationssorgen wachsen. GOLD.DE informiert: Was Sachwerte sind, was Anleger wissen müssen, warum Edelmetalle hier eine besonders gute Figur abgeben und was es mit dem Inflationsschutz wirklich auf sich hat.
Sachwerte: Das Wichtigste in Kürze
  • Geldanlage in dingliche Objekte mit realem Gebrauchswert
  • Guter Schutz vor Inflation, aber keine Garantie
  • Totaler Wertverlust in der Regel ausgeschlossen
  • Edelmetalle besonders gut geeignet als Sachwert
  • Gehören in jede individuelle Vermögensplanung
Geldanlage in Sachwerte

Sachwerte einfach erklärt

Als Sachwert bezeichnet man im Bereich der Geldanlage ein Investment, das die beiden folgenden Eigenschaften hat:

1. Es ist ein physisches Objekt (man kann es "anfassen")
2. Es hat einen realen Nutzwert

Das Gegenteil von Sachwerten sind Geldwerte. Dazu zählen beispielsweise Bankguthaben, Schuldverschreibungen, Bausparverträge, Anleihen, Bargeld oder das Sparbuch. Man nennt sie auch Nominalwerte.

Sachwert Liste

Beispiele für Sachwerte:

  • Edelmetalle, wie Rohstoffe allgemein
  • Immobilien, Grund und Boden, Wald
  • Aktien
  • Schmuck, Diamanten
  • Kunst, Antiquitäten, Oldtimer, Weine und Spirituosen

Warum Sachwerte kaufen?

Der größte Vorteil besteht darin, dass ein Sachwert als dingliche Sache unabhängig ist von der Entwicklung nominaler Geldwerte. Insofern können Sachwerte einen Schutz vor Geldentwertung bieten.

Ein weiterer Vorteil ist das Eigentum. Ein Sachwert "gehört" einem und ist einfach zu verstehen. Geldwerte dagegen beruhen auf einem Versprechen. So muss man sich als Gläubiger einer Anleihe auf das Versprechen des Schuldners verlassen, dass er sein geliehenes Geld zurückzahlt. Man spricht hier auch vom sogenannten Kontrahentenrisiko. Generell ist ja auch Geld nur ein Versprechen. Nämlich dass es auch in Zukunft "kauft".

Wenn man darüberhinaus nicht nur Eigentümer im rechtlichen Sinne ist, sondern zudem auch noch den Sachwert direkt in seinem physischen Besitz hat, dann ist das ein Extra-Plus, welches sich zu den generellen Vorteilen gesellt, die Sachwerte haben. Der Klassiker: Gold, Silber oder andere Edelmetalle zuhause, entweder versteckt oder im Tresor.

Die Vorteile

  • Einfach zu verstehen
  • Eigentum oder sogar direkter Besitz
  • Unabhängigkeit von Dritten
  • Kein Kontrahentenrisiko
  • Sachwerte können Schutz vor Geldentwertung bieten
  • Totalverlust in der Regel nicht möglich
  • Für Aktien gelten diese Vorteile aber nur eingeschränkt

Edelmetalle als Sachwert

Edelmetalle als Sachwertanlage haben darüberhinaus noch weitere Vorteile, womit sie sich besonders empfehlen:

  • Kompakte Lagerung, insbesondere bei Gold sehr wenig Platzbedarf
  • keine Fachkenntnisse nötig
  • Überschaubare Lagerkosten
  • Haltbarkeit
  • Hohe Mobilität, leicht zu transportieren
  • Praktisch kein Aufwand für Pflege und Unterhalt nötig
  • Kann gut versteckt werden, Anonymität
  • Lange monetäre Tradition bei Gold und Silber
  • Hohe Fungibilität und Akzeptanz auf der ganzen Welt
  • Gewinne nach 1 Jahr Haltefrist steuerfrei

Sachwerte im Vergleich: Die GOLD.DE Matrix

  Vorteile Nachteile
Edelmetalle kompakt, mobil, haltbar, geringe Kosten für Lagerung und Unterhalt, anonymer Kauf möglich, hoch fungibel, variables Investment, Gewinne nach 1 Jahr Haltefrist steuerfrei hohe Volatilität (Ausnahme: Gold), persönlicher Gebrauchswert bei Barren gering
Schmuck & Diamanten kompakt, mobil, haltbar, kaum Kosten für Lagerung, Unterhalt & Pflege, anonymer Kauf möglich, hoher persönlicher Gebrauchswert, Gewinne nach 1 Jahr Haltefrist steuerfrei eingeschränkte Fungibilität, hohe Volatilität beim Materialpreis (nicht bei Gold), wechselnde Trends bei Schmuck
Immobilien, Land Laufende Erträge (Miete, Pacht), hoher persönlicher Gebrauchswert (bei Wohnungen), geringe Volatilität Hohe Kapitalbindung (Klumpenrisiko), hoher Aufwand für Unterhalt und Pflege, nicht mobil, Gewinne erst nach 10 Jahren Haltefrist steuerfrei
Aktien regelmäßige Erträge (Dividenden), keine Kosten für Lagerung und Unterhalt, hoch fungibel, Kauf und Verkauf sehr schnell, variables Investment hohe Volatiliät, kein persönlicher Gebrauchswert, Abgeltungssteuer (Kapitalertragssteuer)
Kunst & Antiquitäten Hoher persönlicher Gebrauchswert, mobil, Gewinne nach 1 Jahr Haltefrist steuerfrei Branchenkenntnisse empfehlenswert, Trends nicht vorhersehbar, nur bedingte Fungibilität, gewisser Aufwand für Unterhalt & Pflege
Oldtimer hoher persönlicher Gebrauchswert, mobil, Gewinne nach 1 Jahr Haltefrist steuerfrei Fachkenntnisse nötig, hoher Aufwand für Unterhalt & Pflege, nur bedingte Fungibilität, Platzbedarf
Spirituosen geringe Kosten für Lagerung, Unterhalt & Pflege, mobil, anonymer Kauf möglich, hoher persönlicher Gebrauchswert, Gewinne nach 1 Jahr Haltefrist steuerfrei nur bedingte Fungibilität

Fünf Sachwert-Mythen im Faktencheck

Leider sind zu Sachwerten immer mal wieder unzulässig verkürzte Aussagen zu finden, die in ihrer Pauschalität bei Anlegern zu falschen Erwartungen führen können. Anleger sind daher gut beraten, solche allzu plakativen Werbeversprechen kritisch zu hinterfragen. Diese fünf Mythen sind:

Mythos 1: Sachwerte schützen vor Geldentwertung

Fakt ist: Sachwerte können zwar ganz gut vor Geldentwertung schützen, eine Garantie gibt es aber nicht. Natürlich können auch Sachwerte an Wert verlieren.

Rohstoffpreise oder Aktienkurse können fallen, Kunst kann aus der Mode kommen, der Unterhalt von Immobilien oder Oldtimern kann hohe Kosten verursachen. Fällt der Kurs, Preis oder Wert eines Sachwertes stärker als die aktuelle Inflationsrate Geld entwertet, dann kann von Inflationsschutz keine Rede sein.

Zudem kann ein Wertverlust unabhängig davon eintreten, ob die Inflationsrate gerade hoch ist oder niedrig. Ist ganz allgemein der Verkaufspreis niedriger als der Kaufpreis plus etwaige Kosten für Erwerb und Unterhalt, dann hat man auch bei Sachwerten eine negative Rendite.

Ihre Stärke haben Sachwerte vor allem in Phasen der Hyperinflation. Die gab es aber in Deutschland nur als direkte Folge eines verlorenen Krieges.

Mythos 2: Sachwerte bieten Sicherheit

Fakt ist: Viele Sachwerte haben eine hohe Volatilität. Volatilitäten von 30 oder 40 Prozent innerhalb eines Jahrzehntes sind bei Rohstoffen, Aktien und manchen Edelmetallen keine Seltenheit.

Auch hier muss man also differenzieren. Sachwerte erleiden zwar in der Regel keinen Totalverlust, da sie zumindest als dingliche Sache mit Gebrauchswert immer bestehen bleiben. Insofern bieten Sachwerte schon Sicherheit. Aber man darf Schutz vor Totalverlust nicht verwechseln mit allgemeinen Verlusten. Letztere sind immer möglich.

Die Frage ist also, ob man eine Krise von dem Ausmaß erwartet, die einen Totalverlust von Vermögenswerten bedeuten könnte.

Mythos 3: Sachwerte haben einen intrinsischen Wert

Fakt ist: Der ökonomische Wert einer Sache ist keine Verkörperung einer quasi "innewohnenden ewigen Naturkonstanten", sondern eine gesellschaftliche Größe. Somit von äußeren Faktoren beeinflusst und als solche veränderlich.

Sachwerte unterliegen Marktgesetzen, auf die der einzelne Anleger keinen Einfluss hat. Eine Investition in einen Sachwert ist eine Investition in dessen Marktumfeld.

Mythos 4: Sachwerte sind knapp

Fakt ist: Ob etwas "knapp" ist, hängt nicht nur von der Angebotsseite ab. Auch die Nachfrage muss in Betracht gezogen werden. Spekulationsblasen können platzen, neue Technologien können bestimmte Rohstoffe überflüssig machen, Trends oder gesellschaftliche Entwicklungen können Nachfragen und somit Preise einbrechen lassen.

Mythos 5: Sachwerte haben einen Gebrauchswert

Fakt ist: Das ist richtig, allerdings kann der Gebrauchswert bei manchen Sachwerten auch verschwinden, wenn nichts zur Erhaltung des Wertes unternommen wird, wie etwa bei Immobilien oder Oldtimern.

Sind Aktien wirklich Sachwerte?

Hier gibt es unterschiedliche Auffassungen.

Die Mehrzahl der Ökonomen bejaht diese Frage. Dem Aktionär gehören schließlich anteilsmäßig ganz handfeste Dinge wie Maschinen, Gebäude oder Warenbestände. Deshalb haben auch wir Aktien in dieser Sachwertliste aufgeführt.

Was aber ist mit Unternehmen, die zwar eine Bewertung in Millionenhöhe haben, der reale Gegenwert aber aus kaum mehr besteht als einer spekulativen Geschäftsidee, einer angemieteten Büroetage und vielen Schulden? Man denke nur an die "Dotcom" Blase Anfang der 2000er Jahre.

Auch sind die Geschäftsmodelle von Unternehmen nicht immer transparent oder einfach zu verstehen für Anleger. Zudem kann man als Anteilseigner indirekt durchaus von Dritten abhängig sein und sogar einen Totalverlust mit einer Aktie einfahren.

Die Antwort ist also: Es kommt darauf an.

Die 3-Speichen Regel

Eine besonders hohe Wertschätzung von Sachwerten bietet die sogenannte 3-Speichen Regel. Demzufolge empfiehlt es sich, sein Vermögen zu jeweils einem Drittel anzulegen in:

  1. Immobilien
  2. Edelmetalle
  3. Aktien
3-Speichen-Regel

Dazu kommt noch ein gewisser Betrag an Cashreserven in Form von Bargeld oder schnell verfügbaren Bankguthaben.

Die Ausgestaltung der drei Speichen kann im Detail variieren. So wird etwa der Anteil von Gold, Silber oder weiteren Edelmetallen je nach persönlicher Situation unterschiedlich ausfallen.
Mehr: Edelmetalle kaufen: Was empfiehlt sich für wen?

Fazit

Sachwerte haben einige unbestrittene Vorteile. Und als dingliche Objekte mit Gebrauchswert stehen sie oft in negativer Korrelation zu Geldwerten. Sachwerte dürfen daher aus Gründen der Risikostreuung in keiner Vermögensplanung fehlen. Eine Garantie auf Rendite, Inflationsschutz oder Vermögensabsicherung gibt es freilich nicht.

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von marlieskussatz@gmail.com | 19.08.2021, 01:16 Antworten

Wie sollte man sich bei Lebensversicherungen verhalten deren Laufzeit in ein, zwei bzw drei Jahren endet? Sollte ich sie vorher auflösen und das Geld vielleicht in gute Fonds investieren?

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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"