Stand: 09.04.2019 von Jörg Bernhard 4 Kommentare

Wussten Sie eigentlich, dass Gold in einigen Währungen aktuell nahe am Rekordhoch notiert? Und dabei denke ich nicht nur an wenig solide Währungen wie den russischen Rubel, die türkische Lira oder den venezolanischen Bolivar.

Gold notiert in einigen Ländern nahe am Allzeithoch

In Australien, das der OECD angehört, markierte zum Beispiel der Goldpreis in diesem Jahr mit 1.870 AUD ein neues Rekordhoch und notiert aktuell (Stand 08.04.2019) mit 1,821.95 AUD nur unwesentlich darunter. Verfolgt man die Kursentwicklung des Goldpreises in verschiedenen Währungen kann man dabei interessante Erkenntnisse gewinnen.

Vor allem in wirtschaftlich schwachen und wenig entwickelte Länder, die in hohem Maße von ausländischem Kapital abhängig sind, weisen derzeit eine besonders starke Goldpreisverteuerung aus. Häufig geht diese mit einer hohen Inflationsrate einher.

Doch neben der Hyperinflation in Venezuela, haben auch weniger entfernt gelegene Länder ein massives Problem mit der Geldentwertung. Als aktuelles Beispiel eignet sich in diesem Zusammenhang vor allem die Türkei. Im März lag dort die Teuerungsrate bei fast 20 Prozent und die Wirtschaftsleistung musste im vierten Quartal ein Minus in Höhe von drei Prozent hinnehmen.

Dies zeigt, wie schnell sich das Blatt wenden kann. Vor nicht allzu langer Zeit glänzte die türkische Wirtschaft mit hohen Wachstumsraten. Natürlich kann man die Lage der Türkei nicht undifferenziert mit der Lage Deutschlands vergleichen, grundsätzlich sollte sich aber jeder Anleger über folgendes im Klaren sein:

kein Wirtschaftsaufschwung dauert ewig.

Erste Anzeichen einer konjunkturellen Abschwächung sind mittlerweile nicht zu übersehen. Am vergangenen Donnerstag wurde beim Auftragseingang der Industrie (Februar) mit minus 4,2 der stärkste Rückgang seit Januar 2017 gemeldet. Und die zum Wochenauftakt kommunizierten Februarzahlen zur deutschen Handelsbilanz fielen ebenfalls alles andere als erfreulich aus, schließlich gab es bei den Importen und Exporten auf Monatssicht ein Minus von 1,6 bzw. 1,3 Prozent zu vermelden.

Keine Entwarnung gerechtfertigt

An den Finanzmärkten scheinen die Investoren nach dem vom US-Präsidenten Trump verbreiteten Optimismus bereits ein Happy-End im Handelskonflikt zwischen China und den USA einzupreisen.

Dass Donald Trump alles andere als berechenbar gilt, sollte sich aber mittlerweile herumgesprochen haben. Selbst, wenn er mit den Chinesen tatsächlich Frieden schließen sollte, dürfte sich an der Konjunkturfront nicht alles in Wohlgefallen auflösen. Trumps Drohungen gegen Mexiko und Europa sollten daher auf keinen Fall ignoriert werden.

Besonders scheint er es auf die europäischen Autobauer abgesehen zu haben. Diese Branche ist vor allem für die deutsche Wirtschaft extrem wichtig. Sollte er sie mit Strafzöllen belegen, droht hier erhebliches Ungemach.

Zur Erinnerung: In China brach im Februar der Autoabsatz um 13,8 Prozent p.a. ein – am Donnerstag (siehe Tabelle) stehen die aktuellen Märzzahlen auf der Agenda. Sobald das Rezessionsrisiko wieder an den Finanzmärkten intensiv diskutiert wird, dürfte Gold mehr Charme versprühen und deutlich stärker glänzen als heute.

Wichtige Termine in den nächsten Tagen

Wochentag Event
Mittwoch: EZB-Entscheidung (13.45 Uhr)
EZB-Pressekonferenz (14.30 Uhr)
US-Inflationsdaten im März (14.30 Uhr)
Fed-Protokoll (20.00 Uhr)
EU-Gipfeltreffen wegen Brexit
Donnerstag: Chin. Inflation im März (3.30 Uhr)
Chin. Autoverkäufe im März (10.00 Uhr)
Dt. Inflation im März (8.00 Uhr)
Rede von Fed-Chef Powell (22.00 Uhr)
Freitag: Brexit-Deadline
Chin. Handelsbilanz für März (5.00 Uhr)
Quelle: Trading Economics

Ausblick für die laufende Woche

Gegenüber der Never-Ending-Brexit-Story scheint der Goldpreis mittlerweile immun geworden sein. Dies könnte sich ab Mittwoch allerdings wieder ändern. Dann steht nämlich eine regelrechte Datenflut zur aktuellen Entwicklung der britischen Wirtschaft auf der Agenda.

Analysten rechnen bei den meisten Indikatoren mehrheitlich mit negativen Vorzeichen bzw. deutlich verlangsamten Wachstumsraten. Extrem spannend stellt sich aber vor allem die politische Gemengelage zum Thema „Brexit“ dar. Am Mittwoch treffen sich nämlich die Staats- und Regierungschefs der EU, um darüber zu beraten.


Nur zur Erinnerung: Zuletzt hatten die Europäer den Briten eine Fristverlängerung bis zum 12. April (Freitag) eingeräumt, um die Voraussetzungen für einen geregelten Brexit zu schaffen. Dann dürften wir alle erfahren, ob es zu einem „Ende mit Schrecken“ oder möglicherweise einem „Schrecken ohne Ende“ kommt.


Für ein hohes Maß an Spannung wäre somit gesorgt. Ein ähnliches Problem stellt der seit Monaten schwelende Handelskrieg zwischen China und den USA dar. Noch immer kann bezüglich dieses Problemkomplexes keine Entwarnung gegeben werden.

Wer sich gegen all diese Unsicherheiten absichern möchte, kommt an ein einer angemessenen Goldquote wohl nicht vorbei und sollte diese auch im Falle nachlassender Krisenängste beibehalten.

Denn es gilt das Motto: die nächste Krise kommt bestimmt.
Gold gilt vor allem als Alternative zu Geld
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt.
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Kommentare [4]
  • von Heinrich Hagendorf | 10.04.2019, 08:19 Antworten

    Ja, denn Gold ist viel stabiler als Geld. Und anders als bei Geld ist Gold durch den realen Gegenwert natürlicherweise begrenzt und erschöpflich, sodass die Seltenheit und der Wert auch weiterhin gegeben sind. Bei Geld ist das so, dass ja jemand einfach auf die Idee kommen könnte mehr zu drucken. (Was von einigen Staaten ja auch fleißig praktiziert wird.) Da habe ich doch lieber ne ordentliche Krügerrand oder Maple Leaf Münze zu Hause, als dass ich zusehe, wie mein Geld bei einer möglichen Hyperinflation flöten geht. Kauft euch Gold, Leute, ist wesentlich sicherer.

  • von Dr. der Philosophie | 09.04.2019, 20:23 Antworten

    Vielen Dank für ihre Beiträge, aber diese Überschrift ist irreführend und passt nicht zum Inhalt des Beitrages. Als Wirtschaftsjournalist sollten sie wissen, dass Gold keine Alternative zu Geld ist - GOLD IST GELD! Das was sie als Geld bezeichnen ist Kredit und stellt eine Forderung auf ein Gut dar. Dieser Kredit ist nichts anderes als ein Schuldschein und kein Geld! Was ist daran so schwer zu verstehen, dass Sie lauter ungedeckte Forderungen in Ihrem Portmonnaie haben und kein Geld? Gold verteuert sich auch nicht. Andersherum wird ein Schuh daraus. Die Währungen gehen kaputt. Das die Comex mehr Gold handelt, als physisch geliefert werden kann sollte klar sein. Dieser Markt ist total manipuliert und spiegelt nicht den wahren Preis wieder. Die Geldmenge hat sich die letzten 10 Jahre verdreifacht, während Gold in Schuldscheinen gemessen gefallen ist. Die Goldpreisfindung der Comex ist total korrumpiert. Würde man den Goldpreis frei lassen, wäre morgen Ende mit diesem System und sogar der Dorftrottel würde erkennen, dass der Pöbel die Politiker stellt und die Schuldscheine kaputt sind, die er fleißig auf dem Sparbuch ansammelt.

    • von Realist | 09.04.2019, 22:43 Antworten

      Gold ist nicht knapp.
      Denn sollten die EM Shops ausverkauft sein, hätte das die EM Lobby längst publik gemacht. Das ist nicht der Fall.
      Gold ist das wert, was es derzeit kostet, nicht mehr und nicht weniger.
      Wobei ich davon ausgehe, dass bei der kommenden Deflation, Rezession EM DEUTLICH einbrechen werden, wie 2008.

    • von Fritzthecat | 09.04.2019, 22:41 Antworten

      Mit Verlaub. Sie können Vermutungen anstellen, das wäre korrekt. Sie aber stellen Behauptungen auf, die Sie nicht untermauern oder beweisen können. Somit fallen Ihre Behauptungen unter die Rubrik Verschwörungstheorie.

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