Gold: 2.203,09 € 0,00 %
Silber: 26,21 € 0,00 %
Stand: 12.12.2023 von Hannes Zipfel
Es gibt im Moment wenig Hoffnung auf einen Jahresendspurt beim Gold, nachdem der Preis sofort im Anschluss an das Erreichen neuer Rekordstände schnell unter wichtige Kursmarken gedrückt wurde. Die Anleger sind über diesen Kursverlauf sehr enttäuscht.
Goldpreis ohne Jahresendspurt, EZB & Fed mit letzter Zinssitzung in 2023

Grundsätzlich hat sich an den Rahmenbedingungen inklusive Saisonalität pro Gold nichts geändert. Neue Rekorde sind vor den Weihnachtsfeiertagen nach dem jüngsten Tiefschlag jedoch nicht zu erwarten. Ebenso wenig wie weitere Zinserhöhungen durch die Europäische Zentralbank oder US-Notenbank Fed.

Die wichtigsten Datentermine für Edelmetallanleger im Überblick:

  • Montag: US-Beschäftigungsindex (CB) für November (16:00 Uhr MEZ | akt.: 113,05 |113,09).
  • Dienstag: ZEW-Konjunkturerwartungen für Dezember (11:00 Uhr | e: 8,8 | Nov.: 9,8), US-Verbraucherpreisindex (VPI) für November auf Jahresbasis (14:30 Uhr | 3,1 % | 3,2 %).
  • Mittwoch: Zinsentscheidung der US-Fed (20:00 Uhr MEZ | e: unv. | akt.: 5,25 – 5,5 %), Pressekonferenz mit Fed-Chef Jerome Powell (20:30 Uhr MEZ).
  • Donnerstag: Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank (14:15 Uhr | e: unv. | akt.: 4,0 %), Pressekonferenz mit Fed-Chef Jerome Powell (14:45 Uhr), US-Einzelhandelsumsätze für November (14:30 Uhr MESZ |e: 3,10 % | Oktober 2,48 %).
  • Freitag: Vorl. Einkaufsmanager-Gesamtindex Deutschland für Dezember (e: 48,3 | Nov.: 47,8, Terminmarktdaten der US-Aufsichtsbehörde CFTC für Gold und Silber („COT-Report“ | 22:30 Uhr MESZ).

Details zu den Prognosen sowie historische Zeitreihen finden Sie hier.

Goldpreis bereits stark „überverkauft“

Bereits bis Anfang August 2020 reicht die im Chart unten rot gestrichelt eingezeichnete obere Begrenzungslinie eines „aufsteigenden Dreiecks“ zurück und verband drei Höchststände des Goldpreises jeweils um die 2.070 US-Dollar-Marke.

Der untere Schenkel des ungleichmäßigen Dreiecks reichte sogar bis zum August 2018 zurück.

Lehrbuchmäßig verließen die Notierungen die trendbestätigende Chartformation nach oben. Schon seit einiger Zeit hatte der Markt enorme Stärke gezeigt und stieg nach jedem Rücksetzer sofort wieder an die obere Begrenzungslinie heran.

Am 4. Dezember erfolgte dann der dynamische Ausbruch, der den Goldpreis auf neue Allzeithöchststände von 2.138,77 US-Dollar pro Feinunze (31,1g) bzw. 1.965,62 Euro pro Feinunze verteuerte:

Goldpreis in US-Dollar pro Feinunze

Noch am selben Tag, an dem das neue Allzeithoch (Intraday) erreicht wurde, begann eine massive Verlustserie. Zwei positive Aspekte sollten dennoch nicht unerwähnt bleiben:

Zum einen ist der Markt nun stark „überverkauft“ (siehe Oszillatoren „Stochastik“ und „RSI = Relative Stärke) und zum anderen konnte die über einen kürzeren Durchschnittsintervall berechnete 50-Tage gleitende Durchschnittslinie (SMA 50) die längere 200-Tage-Durchschnittslinie nach oben durchschneiden, was ebenfalls positiv zu werten ist.

Davon abgesehen befindet sich der Goldpreis nun bis Mitte April in seiner saisonal besten Phase innerhalb von 12 Monaten.

Ungewöhnliche Entwicklung

Dass es nach einem Ausbruch aus einer Chart-Formation nochmals zu einem Rücksetzer auf die Widerstands- oder Unterstützungslinie kommt, ist eher die Regel als die Ausnahme. Danach setzt sich die Preisbewegung i. d. R. jedoch in Trendrichtung fort.

Der oben gezeigte Gold-Chart ist unter mehreren Aspekten ungewöhnlich:

  1. Normalerweise gibt es nach einem derart schwungvollen Ausbruch einer zeitlich lang gezogenen Widerstandslinie Anschlusskäufer, die genau auf diesen Ausbruch als Trendbestätigung gewartet haben.
  2. Dennoch schloss der Preis am selben Tag sogar im Minus.
  3. Darüber hinaus ging der Abverkauf nach einer kurzen Seitwärtsbewegung ungebremst weiter und führte die Kurse des gelben Edelmetalls sogar unter den unteren Schenkel des aufsteigenden Dreiecks.

An den wesentlichen Gründen für den Anstieg auf neue Höchststände hat sich nichts geändert. Im Gegenteil kamen in jüngster Zeit sowohl geopolitisch als auch ökonomisch und von der Saisonalität unterstützende Impulse hinzu (Auslöser für den Durchbruch nach oben).

Der Ausbruch aus dem aufsteigenden Dreieck war erwartbar.

Der ungewöhnliche und massive Kurseinbruch im Anschluss nicht.

EZB und Fed agieren janusköpfig

In Sachen Zinserhöhungen tut sich bei den beiden einflussreichsten Notenbanken der Welt, der Europäischen Zentralbank (EZB) und der US-Notenbank (Fed) schon seit dem Sommer nichts mehr.

Verbal hält man sich zwar weitere Zinsanhebungen und die längere Beibehaltung des aktuellen Zinsniveaus offen. Aber die Anleger am Kapitalmarkt rechnen längst mit mehreren Zinssenkungen im kommenden Jahr – einige bereits ab März.

Nach außen geben sich die Geldpolitiker gelassen und sehen keinen akuten Handlungsbedarf.

Tatsächlich aber mussten bereits neue geldpolitische Notfallinstrumente installiert werden, um die Banken und deren Eigenkapital vor existenzgefährdenden Abschreibungen bei Immobilien, aber vor allem in Bezug auf den gigantischen Staatsanleihebestand abzuschirmen.

Eine Banken- und Finanzkrise konnte nur durch buchhalterische Tricks und Regeländerungen vermieden werden.

Gelöst ist das Problem damit aber nicht. Die von den Banken gehaltenen Anleihen hatten, je nach Laufzeit, im Zuge des jüngsten und sehr aggressiven Zinsanhebungszyklus stark an Wert verloren. Die Banken müssen diese Buchverluste jedoch nicht ausweisen und die Fed garantiert den Rückkauf aller US-Staatsanleihen zum Nennwert.

Diese Regelung läuft zwar im März 2024 aus. Da die Verluste bei den betroffenen Vermögenswerten aber immer noch existieren, wird wohl auch diese Ausnahme von der Regel so lange beibehalten werden müssen, bis auch andere Faktoren (Konjunktur, US-Wahlen etc.) die Zentralbanken dazu zwingen, die Zinsen wieder abzusenken und selbst wieder Staatsanleihen zur Kursstützung aufzukaufen.

Bei den Immobilien stellt sich die Sache etwas schwieriger dar: Hier können die Geldpolitiker nicht direkt Vermögenswerte zu beliebigen Preisen akquirieren und auf die eigene Bilanz nehmen oder Preise am Markt garantieren.

Was man aber tun kann, ist, realisierte Verluste, z.B. aus Notverkäufen von Gewerbeimmobilien, als nicht existent zu ignorieren. Ansonsten droht ein Dominoeffekt, bei dem die Banken zur Liquiditätsbeschaffung oder Verlustbegrenzung verkaufen müssen und dabei auf einen Markt treffen, auf dem es kaum Nachfrage gibt und wenn, dann nutzen die Nachfrager die bekannte Notlage der Banken aus.

Ein erstes Alarmsignal war die Insolvenz der in ganz Europa weitverzweigten Signa Holdings mit bekannten Kaufhausketten und dem Hamburger Elb-Tower im Bestand.

Während also davon auszugehen ist, dass die Geldpolitiker in den USA am Mittwoch und in Europa am Donnerstag keinen Handlungsbedarf sehen, läuft hinter den Kulissen die Notfallpolitik bereits wieder auf Hochtouren.

Dies war in Anbetracht der allgemeinen Verschuldung, der diversen Vermögenspreisblase in Kombination mit hoher Inflation und darauffolgender starker Kreditverteuerung (Zinsanhebungen) erwartbar.

Die Frage vor allem für den Goldpreis, ist nun, wann Hinterzimmer-Absprachen nicht mehr ausreichen, um einen großen „Unfall“ im Finanzsystem oder eine tiefe Rezession mangels Kredit-Angebot und Kredit-Nachfrage zu verhindern. Mit jedem Monat steigen die „Zinsschmerzen“ im Finanzsystem und in der Realwirtschaft (v. a. am Bau).

Es ist also nur noch eine Frage der Zeit, bis die US-Fed und die EZB ihre Janusköpfigkeit aufgeben und offen kapitulieren. Ob dann beim nächsten Ansturm des Goldpreises erneut eine solch ungewöhnliche Volte möglich ist, darf bezweifelt werden.

Schon der jüngste Kursanstieg bei Gold, Silber aber auch den Minenaktien war eine Reaktion auf erste Hinweise der Notenbanker auf abwärts gerichtete Risiken bei der Konjunktur und in Zukunft wieder sinkender Zinsen ausgelöst worden.

Autor: Hannes Zipfel
Ökonom
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von Königswasser | 14.12.2023, 15:08 Uhr Antworten

Gerade Wasserrechnung bekommen: 12% "Inflation" beim Rohstoff, 8% beim Grundpreis. Man kann beobachten, dass die Versorger sich der Erziehung zu sparen anpassen, denn auch deren Mäuler wollen gefüttert werden, selbst wenn man nichts verbraucht.
Die letzten Tage waren geprägt von Handelsunterbrechungen der Papiermetalle, bei ebenso markanten Kurswechseln. Die physischen Aufschläge steigen und ein Goldverbot ist bei aktueller Bankendigitalisierung nur der logische SCHLUSS!

1 Antwort an Königswasser anzeigen

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