Gold: 2.240,69 € 0,86 %
Silber: 29,67 € 2,45 %
Stand: 22.04.2024 von Hannes Zipfel
Der rasante Schuldenanstieg weltweit, vor allem in den USA, rückt Gold als Reservewährung und Vermögenswert, der nicht bankrottgehen kann, zunehmend in den Fokus.
Schuldenexplosion & Gold

Die Neuverschuldung erreicht wegen Konjunktur- und Rüstungsprogrammen sowie exorbitanten Zinsausgaben neue Rekorde. In den USA werden allein in dieser Woche 183 Mrd. US-Dollar neue Schulden aufgenommen.

Ausgesuchte kursrelevante Termine für Gold, Silber & Co. in der 17. Börsenwoche 2024:

  • Montag: Rede der Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde, zur Inflation, Konjunktur und Geldpolitik in der Euro-Zone (17:30 Uhr).
  • Dienstag: Vorl. deutscher Einkaufsmanager-Gesamtindex für April (9:30 Uhr | e: 48,6 | März: 47,7); Euro-Zone (10:00 Uhr | e: 50,8 | März: 50,3), US-Verkäufe neuer Häuser im März (16:00 Uhr MESZ | e: 668k | Feb.: 662k | März’21: 1.021k).
  • Mittwoch: Rede des Präsidenten der Bundesbank (BuBa), Joachim Nagel, zur Inflation, Konjunktur und Geldpolitik in Deutschland (9:00 Uhr). Ifo-Geschäftsklima-Index Deutschland im April (10:00 Uhr | e: 88,9 | März: 87,8), Atlanta-Fed US-BIP-Prognose für Q1’24 (18:30 Uhr MESZ | e: +2,9 % | aktuell +2,9%).
  • Donnerstag: GfK-Konsumklima in Deutschland für Mai (8:00 Uhr | e: -25,9 | Apr.: -27,4), vorl. Bruttoinlandsprodukt (BIP) der USA im Q1’24 (14:30 Uhr MESZ | e: +2,5 % | Q4’23: +3,4 %), %), US-Erstanträge auf Arbeitslosenanträge KW 16 (14:30 Uhr MESZ | e: 215k | KW 15: 212k), reale US-Konsumausgaben im Q1’24 (14:30 Uhr MESZ | e: 2,8 % | Q4’23: 3,3 %).
  • Freitag: US-Inflationsdaten (PCE-Kernrate) für März im Jahresvergleich (14:30 Uhr MESZ | e: 2,6 % | Feb.: 2,8 %), Uni-Michigan nationales US-Verbrauchervertrauen im April (16:30 Uhr MESZ | e: 77,8 | März: 79,4), Terminmarktdaten der US-Aufsichtsbehörde CFTC (COT-Report) für Gold und Silber (21:30 Uhr MESZ).

Details zu den Daten, Prognosen sowie historische Zeitreihen finden Sie hier.

Der nächste Schuldenschub

Im Zuge der Corona-Pandemie und der damit einhergehenden Shutdowns und Sonderausgaben der Staaten war die weltweite Verschuldung im Trend nochmals steiler angestiegen. Nach einer kurzen Pause führt nun vor allem die Neuordnung der globalen Machtstrukturen bzw. die Verwerfung bestehender Machtstrukturen zu stark erhöhten und schuldenfinanzierten Militärbudgets.

Sei es nun das 100 Mrd. Euro "Sondervermögen" der Bundesregierung für die Modernisierung der Bundeswehr oder die kürzlich vom US-Kongress verabschiedete Militärhilfe für die Ukraine, Israel und Taiwan in etwa gleicher Höhe.

Die kurze Phase der Konsolidierung der Schulden nach der Pandemie, wie sie in der folgenden Grafik sichtbar ist, wurde durch höhere Zinsen, Konjunkturstützungspakete und steigende Militärbudgets beendet (Daten bis Utimo 2022).

Allein in dieser Woche werden die USA, der nominal größte Schuldner der Welt, 183 Mrd. US-Dollar neue Schulden aufnehmen: Am Dienstag 2-jährige T-Notes und am Mittwoch 5-jährige T-Notes in Rekordvolumen. Am Donnerstag kommen dann noch 7-jährige T-Notes dazu (T-Notes = Treasury Notes = Schatzanleihen der US-Bundesregierung).

Globale öffentliche und private Schulden

Doch finanziert werden mit den frischen Schulden nicht nur die explodierenden Militärbudgets, sondern auch alte Schulden. Allein in diesem Jahr 2024 müssen die USA als Staat ca. 1,8 Billionen US-Dollar Zinsen bezahlen, bei einem Bruttoinlandsprodukt in Höhe von geschätzten 28,9 Billionen US-Dollar.

Zählt man die privaten Schulden dazu, fallen Zinsen in Höhen von ca. 5,2 Billionen US-Dollar an.

Das folgende Diagramm zeigt die öffentliche Verschuldung der USA (34 Bio. US-Dollar) und die Entwicklung der jährlichen Zinszahlungen bis zum Ende des letzten Jahres (1,025 Bio. US-Dollar).

USA: Öffentliche Schulden und jährliche Zinszahlungen der US-Regierung

Stand 18. April 2024 zeigt die Schuldenuhr öffentliche finanzielle Verpflichtungen in Höhe von 34,584 Billionen US-Dollar an.

Das „Total Public Debt to GDP Ratio“, also das Verhältnis von gesamter öffentlicher Verschuldung zum Bruttoinlandsprodukt, liegt in der führenden Volkswirtschaft aktuell bei 135,4 Prozent und damit mehr als doppelt so hoch wie das als nachhaltig geltende 60-Prozent-Niveau, wie es in den Stabilitätsverträgen von Maastricht definiert ist.

Das wahre Ausmaß zeigt sich jedoch bei der Gesamtverschuldung (inkl. privater Haushalte, Banken und Unternehmen). Hier kratzt der Schuldenstand mit aktuell 99,78 Billionen US-Dollar bereits an der 100-Billionen-US-Dollar-Marke. Das ist dreieinhalb Mal so viel wie das komplette US-BIP eines ganzen Jahres. Die daraus resultierenden Zinszahlungen machen aktuell 15,7 Prozent des US-BIP aus.

Ohne neue Schulden können weder die alten bezahlt noch Wirtschaftswachstum generiert werden.

Somit ist die US-Verschuldung nicht mehr nachhaltig und die Schuldentragfähigkeit in Gefahr.

Das böse Erwachen kommt schnell und drastisch

Mit konventionellen Mitteln, wie Wirtschaftswachstum und Tilgung, lässt sich der riesige und schnell wachsende Schuldenberg nicht mehr abtragen.

Für die Halter von US-Dollar und US-Dollar-Anleihen bedeutet dies ein zunehmendes Zahlungsausfallrisiko. Es sei denn, die US-Notenbank entscheidet sich zur Aufrechterhaltung der Schuldentragfähigkeit für das Anwerfen der digitalen Notenpresse, um die Schulden mit neu erzeugtem Geld "wegzuinflationieren".

Das Ergebnis ist in beiden Fällen das Gleiche: Der US-Dollar und die US-Staatsanleihen verlieren einen Großteil ihrer Kaufkraft.

Über den Zeitpunkt, ab dem der US-Dollar zu crashen beginnt, entscheiden die US-Dollar-Halter, vor allem Zentralbanken. Zuletzt haben diese, allen voran die Peoples Bank of China, massiv US-Dollar-Anleihen in Gold als alternative Reservewährung und zum Schutz vor Finanz-Sanktionen umgeschichtet. Die Lawine scheint langsam ins Rutschen zu kommen und das Vorgehen der chinesischen Zentralbank findet immer mehr Nachahmer.

Die Gründe sind nachvollziehbar:

  1. Gold hat kein Gegenparteirisiko (kann nicht bankrottgehen)
  2. Gold braucht kein SWIFT-System (Zahlungssystem kontrolliert von den USA)
  3. Gold kann nicht durch Drittstaaten für wertlos erklärt werden
  4. Gold kann nicht in beliebiger Höhe "hergestellt" werden
  5. Gold ist auf dem Boden des eigenen Staates sicher vor Beschlagnahmung
  6. Gold findet als alternative Handelswährung wieder Anwendung
  7. Die Kaufkraft des Goldes ist seit dem Zweiten Weltkrieg kontinuierlich gestiegen (vice versa US-Dollar)

Während sich global neue Machtachsen bilden und der Westen seine Stellung im globalen Machtgefüge zu halten versucht, geraten die Kosten und damit die Schulden dieser geopolitischen Neuordnung zunehmend in den Fokus.

Gold hat in seiner Geschichte eine Vielzahl dieser Neuordnungen erlebt und vor allem überlebt.

Die Währung des letzten großen Imperiums, das durch die USA abgelöst wurde, das Britische Pfund, ist heute in Kaufkraft gemessen nur noch ein Schatten seiner selbst – auch gegenüber Gold:

Goldpreis in Britischen Pfund pro Feinunze

Ironie der Geschichte: Kurz vor dem Start der nach wie vor laufenden Langzeit-Rallye bei Gold hat der damalige britische Schatzkanzler Gordon Brown von 1999 bis 2002 fast 400 Tonnen Goldreserven der Bank of England verkaufen lassen. Schlechter hätte das Timing nicht sein können. Auf Politiker sollte man sich in Sachen Geldwertsicherung besser nicht verlassen.

Autor: Hannes Zipfel
Ökonom
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von Aureus | 24.04.2024, 21:54 Uhr Antworten

Kurzfristig ist Gold sicherlich überkauft, langfristig ist Gold aber weiterhin aussichtsreich.

von Birger Ohsaki | 23.04.2024, 07:13 Uhr Antworten

Hannes Zipfel - Wie immer Erstklassig!! Als Morgenlektüre eine Wohltat....

von jomei | 22.04.2024, 22:44 Uhr Antworten

Nur Gold ist Geld - alles andere ist nur Kredit.
Gold ist Geld und nichts anderes. J.P.Morgan

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