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Stand: 23.11.2022 von Hannes Zipfel
Das weltweite Gesamtangebot an Silber soll in diesem Jahr so weit unter der Gesamtnachfrage liegen, wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Doch reicht das aus, um dem Silberpreis neuen Schwung zu verleihen oder sind andere Faktoren kurzfristig wichtiger?
Silber: Größtes Defizit seit Jahrzehnten – Auswirkungen auf den Preis

Größtes Defizit seit Jahrzehnten und wie es zustande kommt

Der Silbermarkt steuert auf das größte Angebots-Defizit seit Jahrzehnten zu, was für einen Rohstoffpreis durch die damit einhergehende Knappheit grundsätzlich positiv ist. Doch es gibt auch andere wichtige Faktoren zu berücksichtigen, bevor man als Silber-Anleger in Euphorie verfällt.

Zumal es bereits in der Vergangenheit große jährliche Defizite ohne entsprechende Preisexplosionen gab.

Gemäß den jüngsten Prognosen des "The Silver Institute" mit Sitz in Washington, D. C. vom 17. November wird die weltweite Silbernachfrage in diesem Jahr voraussichtlich um 16 Prozent auf 1,21 Mrd. Unzen ansteigen. Im vergangenen Jahr waren es lediglich 997 Millionen Unzen nach 953 Mio. Unzen im Jahr 2020.

Das weltweite Gesamtangebot soll von 998 Mio. Unzen auf 1,017 Mrd. Unzen ansteigen.

Daraus ergibt sich ein Angebotsdefizit von 193 Millionen Unzen. Im Jahr 2021 lag dieses noch bei 48 Mio. Unzen.

Nachfrage steigt nach der Pandemie schneller als das Angebot

Die Pandemie und unterbrochene Lieferketten hatten auch in der Bergbaubranche ihren Tribut gefordert.

Nun soll sich die Produktion und auch die Verarbeitung wieder erholen – Letztere jedoch deutlich schneller.

Der Branchenverband „The Silver Institut“ stützt sich dabei auf Prognosen des Londoner Analystenhauses Metals Focus.

Nach der Pandemie wird laut Metals Focus die Verwendung von Silber in der Industrie, für Schmuck und Silberwaren sowie für Barren und Münzen für Privatanleger in diesem Jahr voraussichtlich neue absolute Rekordniveaus erreichen.

Automobilhersteller verwenden mehr Silber, da der Anteil an Elektronik in den Fahrzeugen rasant zunimmt, aber der Sektor macht aktuell nur etwa 5 Prozent der Gesamtnachfrage aus. Solarmodule machen etwa 10 Prozent der Silbernachfrage aus – auch hier steigt die Nachfrage.

Insgesamt teilte sich die Silbernachfrage im Jahr 2021 folgendermaßen auf:

Silbernachfrage-Bild

Lagerbestand spielt wichtige Rolle

Wie stark sich die aufgestaute Nachfrage bereits wieder in Käufen entlädt, sieht man beispielsweise in Indien: Hier hat sich im Jahr 2022 der Bedarf an Silber fast verdoppelt, da die Anleger und Verarbeiter die niedrigen Preise nutzten, um die in den Jahren 2020 und 2021 abgebauten Lagerbestände wieder aufzufüllen.

Die Lagerbestände der börsengehandelten Silber-Fonds (Silber ETPs bzw. ETFs), die das Edelmetall für Anleger verwahren, schrumpften jedoch und trugen zum Silber-Angebot am Markt bei. Dies ist ein typisches zyklisches Muster, bei dem ETP-Bestände abfließen, wenn der Preis nachhaltig fällt und vice versa.

Der folgende Chart zeigt zwar nicht den letzten Stand, aber die grundsätzliche Korrelation zwischen Preisentwicklung und den Silber-ETF-Bestände (Quellen: DailyFX, IG):

Silberpreis ETF-Bestände

In der Folge des Defizits ist die Menge an Silber, die in Tresoren in London und New York gelagert wird, die von der COMEX-Börse (CME) und der London Bullion Market Association (LBMA) überwacht werden, von 331,1 Mio. Unzen im Jahr 2021 auf 64,9 Mio Unzen eingebrochen.

Das Silver Institute zählt die Barren-Käufe der ETPs (Exchange Traded Prdoducts) bzw. der ETFs (Exchange Traded Funds) jedoch nicht als physische Nachfrage, da dieses Silber nur im Großhandel lagert und nicht weiterverarbeitet wird. Defacto wird das Material dem Markt aber dennoch entzogen und landet in Tresoren.

Das Silberdefizit ist in Wahrheit also etwas höher, wenn man diese ETP-Nachfrage mitberücksichtigt.

Breiter Nachfrageanstieg und mehr Angebot

Die Nachfrage nach Silber soll in diesem Jahr in nahezu allen Bereichen zum Teil signifikant ansteigen (Quelle: The Silver Institute):

Nachfrageanstieg und mehr Angebot

Die einzelnen Angebots- und Nachfragesegmente bei Silber sollen sich in 2022 folgendermaßen entwickeln (Quelle: The Silver Institute, Metals Focus | Grafik: GOLD.DE):

Angebots- und Nachfragesegmente bei Silber

Defizit ist keine Preisanstiegsgarantie

In den letzten elf Jahren gab es fünf Jahre mit Angebotsdefiziten. Unter anderem in 2012 (-24,4 Mio. Unzen), in 2013 (-36,2 Mio. Unzen) oder in 2019 (-63,4 Mio. Unzen).

Im Jahr 2013 verlor der Preis des weißglänzenden Edelmetalls dennoch ein Drittel seines Wertes.

Es kommt bei der Wertentwicklung also auf mehr an als nur auf das Angebotsdefizit an. Im Jahr 2013 Jahr war vor allem die Nachfrage nach Schmuck, der Bedarf im Bereich Fotografie und die Silberinvestments (ETPs) stark rückläufig. Bei den Silber ETPs sanken die Zuflüsse von 53,6 Mio. Unzen im Jahr 2012 (Höhepunkt der Euro-Krise) auf 4,7 Mio. Unzen bzw. um 91 Prozent im Jahr 2013.

Da die ETP-Bestände in die offizielle Statistik nicht mit einfließen, aber mit ihrer Größe zur Preisgestaltung sehr wohl beitragen, sind sie von nicht zu unterschätzender Bedeutung.

Da sich die Nachfrage bei den Silber-ETPs prozyklisch gestaltet, könnte dies der Faktor sein, der im Falle steigender Silberpreise zusätzliche Nachfrage generiert und letztendlich die Preisrichtung bei Silber massiv verstärkt.

Autor: Hannes Zipfel
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von Paul | 24.11.2022, 10:30 Antworten

Es gibt mindesten fünf mal soviel Papiersilber wie physisches Silber und deshalb muß man hier von einer Preismanipulation ausgehen! Beim Gold wird es genau so sein!

1 Antwort an Paul anzeigen
von pretzl | 24.11.2022, 15:20 Antworten

Fast die Hälfte davon wird nicht verbraucht und kann so auf dem Zweitmarkt wieder (statistisch nachfragedämpfend) auftauchen, besonders das Viertel aus der Investmentnachfrage

von Herbert | 24.11.2022, 14:57 Antworten

Wer vor 10 Gold gekauft hat, hat eindeutig die bessere Performance. Bei durchschnittlich 8 % pro Jahr sollte man nicht meckern oder gierig werden .

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