Gold: 2.158,65 € 0,26 %
Silber: 28,10 € 0,86 %
Stand: 30.08.2023 von Hannes Zipfel
Nach überraschend schlechten Konjunkturdaten aus den USA sind der US-Dollar und die Renditen (Kapitalmarkt-Zinsen) abgestürzt und die Preise für Gold und Silber nach oben geschossen. Das weiße Edelmetall steht nun knapp vor einer wichtigen Hürde.
Silberpreis: Folgt jetzt der nächste Ausbruch nach oben?

Negatives Konjunkturbild verfestigt sich – Silberpreis profitiert

Es war zwar von den Anlegern damit gerechnet worden, dass die am Dienstag veröffentlichten Konjunkturdaten aus den USA rückläufig sein würden. Aber die Dynamik, mit der es sowohl bei den offenen Stellen (JOLTs) als auch mit dem Verbrauchervertrauen abwärtsging, überraschte dann doch.

Vor allem der Arbeitsmarkt steht aktuell im Fokus der US-Geldpolitiker, deren Handeln von entscheidender Bedeutung für die weitere Entwicklung der Gold- und Silberpreise ist.

In der Folge der schwachen US-Konjunkturdaten wertete der US-Dollar deutlich ab und die Kapitalmarkt-Zinsen vielen ebenfalls. Beides ist vorteilhaft für die zinslosen Edelmetalle. Vor allem für Gold und Silber, die von Anlegern als Alternative zur Weltreservewährung US-Dollar und als sicherer Hafen in turbulenten Zeiten angesehen werden.

Der Silberpreis ist nun an einer wichtigen charttechnischen Marke angekommen. Dabei stößt er bei ca. 24,75 US-Dollar pro Feinunze (31,1g) an den seit Anfang Mai laufenden Abwärtstrend. Kann diese Widerstandslinie überwunden werden und bleiben die Wirtschaftsdaten in den USA mau, ist zunächst Luft bis zur 26-US-Dollar-Marke. Aktuell notiert das weiße Edelmetall bei 24,72 (Stand 29. August, 18:00 Uhr).

Silberpreis in US-Dollar pro Feinunze

Böse Überraschung von der Konjunkturdatenfront

Vor allem die Zahl der offenen Stellen in den USA fiel deutlich und wich stark von den Prognosen nach unten ab. Erwartet war ein leichter Rückgang von 9,582 Mio. im Juni auf 9,465 Mio. im Juli. Tatsächlich wurden für den ersten Monat des zweiten Halbjahres nur 8,827 Mio. offene Stellen gemeldet. Wobei auffällig Stellenausschreibungen im mittleren Management wegfielen, was oft ein Zeichen nachhaltiger Skepsis der Unternehmen bezüglich ihrer wirtschaftlichen Perspektiven ist (zunehmende Einstellungsstopps).

Die Zahlen, die vom staatlichen U. S. Bureau of Labor Statistics stammen, sind bereits seit April letzten Jahres rückläufig und signalisieren eine Abkühlung des Arbeitsmarktes:

USA: Zahl der offenen Stellen (JOLTs)

Eine herbe Enttäuschung gab es auch bei dem vom U. S. Conference Board (CB) erhobenen Umfrage zum Verbrauchervertrauen im Monat August. Dazu werden monatlich ca. 5.000 Haushalte in den USA bezüglich Arbeitsplatzsicherheit, wirtschaftlicher Perspektive und Ausgabenplanung befragt.

Auch bei diesen Daten war nur mit einem leichten Rückgang gerechnet worden (von 117 auf 116 Indexpunkte). Tatsächlich wurde für August nur ein Wert von 106,1 ermittelt:

USA: Verbrauchervertrauen (CB)

Die gestiegenen Zinsen und die enorme Verschuldung scheinen nun langsam ihre Spuren zu hinterlassen. Und dass, obwohl die Aktienmärkte, zumindest im Hightech-Sektor, im Befragungszeitraum nahe Allzeithoch standen und normalerweise positiv mit dem Verbrauchervertrauen korrelieren.

Aber die Schuldenlast und das auslaufende Kreditmoratorium für Studiendarlehen scheinen den US-Konsumenten in der eigentlich starken Einzelhandelssaison vor dem Beginn eines neuen Schuljahres zunehmend aufs Gemüt zu drücken.

Auffällige Revisionen

Aber nicht nur die aktuellen Zahlen sind enttäuschend. Es wird immer mehr Kritik an den deutlichen Revisionen der Daten der Vorperioden laut. Die Republikaner wittern im US-Präsidentschaftswahlkampf gar eine Verschwörung, die darauf abziele, die US-Wirtschaft zunächst durch bessere Daten stärker erscheinen zu lassen, als sie ist, um die Zahlen dann im Nachhinein stillschweigend nach unten zu revidieren.

Dies trifft auch für die am Dienstag veröffentlichten Daten zu den offenen Stellen (JOLTs) und für das Verbrauchervertrauen zu: der Juni-Wert für die JOLTs wurde von ursprünglich 9,582 Mio. auf 9,165 Mio. nach unten revidiert. Beim Verbrauchervertrauen gab es für den Juli-Wert eine Revision von 117 Indexpunkten auf 114 Punkte.

Darüber hinaus wurden folgende, von der Biden-Administration erhobenen Daten, in jedem einzelnen der vergangenen Monat nach unten korrigiert:

  • Beschäftigungszahlen außerhalb der Landwirtschaft
  • Zahl der verkauften neu gebauten Häuser
  • Hausbaubeginne
  • Baugenehmigungen
  • Industrieproduktion

Verbrauchervertrauen leidet auch in Deutschland

Das Phänomen des rückläufigen Verbrauchervertrauens, dass die rigide Geldpolitik der Zentral- und Notenbanken angreifbar macht, gibt es auch in Deutschland, wie die heute veröffentlichten Daten zum GfK-Konsumklima zeigten. Erwartet wurde hier ein Wert für September von -24,3 Punkten nach -24,4 Punkten im August, was einer leichten Aufhellung der Verbraucherstimmung hierzulande entsprochen hätte.

Stattdessen wurde der August-Wert auf -24,6 nach unten revidiert und der September-Wert mit -25,5 deutlich schlechter und v. a. wieder rückläufig gemeldet.

Deutschland: GfK-KonsumkIima-Index

Damit verengt sich der geldpolitische Spielraum für die EZB weiter, da der Rückgang des Verbrauchervertrauens ein in der gesamten Euro-Zone verbreitetes Phänomen ist. Dis zeigten auch die am Montag veröffentlichte Daten zu der Aufnahme von Privatkrediten im Euroraum im Juli, die auf den tiefsten Veränderungswert zum Vorjahresmonat seit 2015 gefallen sind:

Euro-Zone: Veränderung der Kreditvergabe an Privathaushalte u. Unternehmen

Die EZB-Chefin Christine Lagarde ist vor Kurzem in das Lager der Befürworter eines Endes des laufenden Zinsanhebungszyklus gewechselt. Auch das unterstützt aktuell den Silberpreis.

Autor: Hannes Zipfel
Ökonom
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von solider Anleger | 06.09.2023, 17:21 Uhr Antworten

Die Frage war bezüglich der letzten Woche echt berechtigt! Silber oder immer die Chance Fiatgeld zu versenken, denn Aufschlag und Mehrwertsteuer wollen zusätzlich zu den bisherigen Wochenverlusten noch erwirtschaftet werden. Gold schlägt Silber.

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