Stand: 18.07.2017 von Jörg Bernhard 3 Kommentare

In den vergangenen drei Jahren entwickelte sich Silber deutlich schlechter als Gold. Für diesen Zeitraum beläuft sich die Underperformance auf fast 17 Prozentpunkte, was nun zu einem relativ hohen Gold/Silber-Verhältnis geführt hat.

Silber: Gute Chancen auf einen Rebound

Diese Kennzahl zeigt an, wie viel Feinunzen Silber den Gegenwert von einer Feinunze Gold repräsentieren. In den vergangenen 20 Jahren schwankte das Gold/Silber-Ratio zwischen den Extremwerten 32 und 84. Mit aktuell 77 bewegen wir uns unweit der oberen Begrenzung. Besonders interessant: Auf Höchstwerte in den Jahren 1997, 2003, 2008 und 2016 folgten mitunter kräftige Erholungsphasen, wobei sich das jüngste diesbezügliche Kaufsignal allerdings als „Strohfeuer“ erwiesen hat (siehe Chart).

Vergleich Silberpreis in Dollar (USD) mit Gold/Silber-Ratio 10 Jahre
Vergleich Silberpreis in Dollar (USD) mit Gold/Silber-Ratio 10 Jahre


Konstruktionsbedingt zeigt dieser technische Indikator lediglich die Preiswürdigkeit der beiden Edelmetalle Gold und Silber an. In Abwärtstrends kann man das Signal aufgrund des insgesamt negativen Anlageergebnisses als unbefriedigend bezeichnen. Sollte jedoch der Silberpreis in solchen  Phasen weniger stark zurückfallen als Gold, hätte man durch das Vermeiden größerer Kursverluste dennoch einen Vorteil erzielt. Wichtig: Ein Vergleich mit den Anlageklassen Anleihen, Immobilien, Aktien oder Rohstoffen ist über das Gold/Silber-Ratio natürlich nicht möglich.

Privatanleger sollten diesen Timingindikator vor allem dahingehend interpretieren, dass in der aktuellen Marktphase das häufig als „kleiner Bruder von Gold“ bezeichnete Edelmetall aussichtsreicher erscheint als das gelbe Edelmetall. Sollte dieser Signalgeber allerdings in Richtung 80 oder darüber ansteigen, würde die Qualität des Investments erst einmal darunter leiden. Dass noch höhere Gold/Silber-Ratios kein Ding der Unmöglichkeit sein müssen, haben die Jahre 1991, 1992 und 1993 eindrucksvoll aufgezeigt. Damals kletterten diese nämlich zeitweise auf über 90 und in der Spitze sogar auf rund 100.

Weitere Überlegungen zu Silber

Silbermärkte gelten als wilder und weniger liquide als ihre Pendants auf Gold. Starke Kursschwankungen – auch bekannt als Volatilität – mag man in Aufwärtsphasen möglicherweise vorteilhaft empfinden, bei einer Talfahrt kann dieser Risikofaktor aber sehr schnell zum Problem werden. Vergleicht man zum Beispiel die von der Terminbörse Chicago Board Options Exchange entwickelten Gold-Volatilitätsindizes auf Gold (aktuell: 11,1 Prozent) und Silber (20,2 Prozent) fällt auf, dass ein Silberinvestment unter diesem Aspekt um den Faktor 1,8 riskanter anzusehen ist. Dies ist sicherlich auch auf die geringere Liquidität bei Silber-Futures zurückzuführen.

Während nämlich die Anzahl offener Kontrakte (Open Interest) bei Gold-Futures aktuell – zumindest auf dem Papier – ein Marktvolumen von 48,5 Millionen Feinunzen im Gegenwert von 60,6 Milliarden Dollar repräsentiert, kommen Silber-Futures auf 1,03 Milliarden Feinunzen bzw. lediglich 16,5 Milliarden Dollar. Auf Dollarbasis übertrifft der Terminmarkt für Gold den Silbermarkt damit um den Faktor 3,7. Dies hat Silber extrem anfällig für Manipulationen gemacht. Zuletzt am 7. Juli, als im asiatischen Handel bei extrem geringem Handelsaufkommen riesige Futuresumsätze zu einem Kurssturz um in der Spitze mehr als zehn Prozent geführt hatte. In den Medien wurde zwar ein sogenannter Fat-Finger-Fehler (Fehleingabe) als Grund für den Preiseinbruch genannt, es ist aber nicht auszuschließen, dass eine extrem kapitalkräftige Adresse – aus welchen Gründen auch immer – den Silberpreis bewusst nach unten treiben wollte.

Investments in Silbermünzen bzw. –barren sind allerdings mit einem erheblichen steuerlichen Nachteil verbunden. Während der Kauf von physischem Kapitalanlagegold (kein Schmuck bzw. keine Sammlermünzen) von der Mehrwertsteuer gänzlich befreit sind, hält Vater Staat bei Silber die Hand „gnadenlos“auf. Dies hat zur Folge, dass ein Anleger unmittelbar nach dem Silberkauf diesen Steuernachteil durch eine positive Performance erst einmal aufholen muss, um in die Gewinnzone zu gelangen. Umgehen lässt sich dieses Problem über physisch hinterlegte Silber ETFs wie zum Beispiel den iShares Silver Trust (WKN: A0JMD6) oder den ZKB Silver ETF (WKN: A1JXTG). Letzterer überzeugt durch seinen Lagerort Schweiz sowie die Möglichkeit zur Auslieferung des Edelmetalls, was dann allerdings zu einem Abzug der fälligen Mehrwertsteuer führen würde.

Silberpreis: Aussichtsreich dank hohem Gold/Silber-Ratio
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt.
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Kommentare [3]
  • von Bernd | 25.07.2017, 11:24 Antworten

    Insgesamt guter Artikel, jedoch für Anfänger in Teilen schwer bis gar nicht verständlich ausgedrückt.

  • von Daniel | 25.07.2017, 11:13 Antworten

    Wie genau funktioniert das mit den physisch hinterlegte Silber ETFs ?
    Dazu braucht mein ein Aktie Depot bei der Bank wo man die EFTs kauf oder?

  • von David Silberfinger | 19.07.2017, 18:01 Antworten

    Immer extrem professionelle Informationen der Gold.de Redaktion. Sehr sauber!

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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"