Gold: 1.540,51 € +0,41 %
Silber: 20,93 € +0,66 %
Stand: 08.07.2021 von © Gold.de Redaktion AB/SH
Die große GOLD.DE Reihe "Sachwerte im direkten Vergleich": Wir lassen jeweils einen bestimmten Sparringspartner gegen Gold antreten, dann wird das Duell Runde für Runde nach vorgegebenen Kategorien analysiert. Wer punktet wo? Diesmal im Ring: Die Aktie.
Gold vs. Aktie: Der Vergleich
Das Wichtigste in Kürze
  • Aktie ist nur bedingt eine Sachwertanlage
  • Punktet mit regelmäßigen Erträgen & Renditechancen
  • Gold punktet mit Wertbeständigkeit & Sicherheit
  • Negative Korrelation aus Anlegersicht interessant

Die Aktie als Geldanlage

Dass Aktien zu den Sachwerten zählen ist unter den meisten Ökonomen unbestritten. Schließlich sind Aktien mit realen Substanzwerten hinterlegt wie Produktionsanlagen, Immobilien oder Warenlager.

Dennoch sollte man genau hinschauen. Nicht selten manifestieren sich in einem Aktienkurs mehr Zukunftsfantasien denn reale Werte. Wenn ein Unternehmen nur geringes Eigenkapital hat oder gar hoch verschuldet ist, dann kann es mit den substanziellen Werten auch schnell vorbei sein. Im Extremfall ist sogar Totalverlust möglich. Man denke nur an das Platzen der Dotcom-Blase Anfang der 2000er Jahre. Aktien sind schließlich Anteile an einem Unternehmen. Als Anteilseigner ist man somit fest mit dem Unternehmens verbunden. Das gilt in guten wie in schlechten Zeiten.

Läuft die Firma gut, winken dem Aktionär Renditen. Diese können als Dividende ausbezahlt werden oder in Form von Kursgewinnen realisiert werden.

Man kann Aktien eines einzelnen Unternehmens besitzen, was größere Chancen bietet, aber auch größere Risiken. Oder man ist indirekt über Aktienfonds oder ETFs (=Exchange Traded Funds) an mehreren Unternehmen gleichzeitig beteiligt. Hier ist das Risiko gestreut, dafür sind die Renditechancen geringer.

Der Vergleich

Runde 1: Inneres Wachstum

Ein Unternehmen kann aus sich heraus wachsen, Gold nicht.

Unser Fazit: Punkt für die Aktie

Runde 2: Regelmäßige Erträge

Aktien können Dividenden abwerfen. Allerdings ist dies nur eine “Kann” - Regelung.

Da Gold aber überhaupt keine regelmäßigen Erträge abwirft, geht diese Runde an die Aktie.

Unser Fazit: Punkt für die Aktie

Runde 3: Anlagekosten

Unter dem Begriff "Anlagekosten" wollen wir Faktoren berücksichtigen, die nötig sind, um in eine Anlageform zu investieren, sie zu erhalten, zu lagern und zu verkaufen. Für Aktien sind dies die Gebühren für Kauf und Verkauf. Für Gold gibt es einen kleinen Handelsaufschlag.

Da aber Aktiendepots meist kostenlos sind, geht diese Runde an die Aktie. Denn für Gold wird man sich meist ein Schließfach mieten oder einen Safe kaufen.

Unser Fazit: Punkt für die Aktie

Runde 4: Sicherheit

Hier muss man unterscheiden: Dass ein einzelnes Unternehmen Konkurs macht ist nicht unwahrscheinlich. Insofern besteht das Risiko eines Totalverlustes.

Bei Aktienfonds oder ETF gilt das aber nur in der Theorie. Für einen Totalverlust müssten schon alle Unternehmen auf einmal pleitegehen oder es müsste gar die gesamte Weltwirtschaft aufhören zu existieren. Selbst mit viel Fantasie kaum vorstellbar.

Da Gold aber noch nie in der Geschichte der Menschheit einen Totalverlust erlitten hat, geht die Runde trotzdem an Gold.

Unser Fazit: Punkt für Gold

Runde 5: Inflationsschutz

Gold kann grundsätzlich eine gute Absicherung gegen Geldentwertung bieten.

Bei der Aktie sehen wir dies auch, allerdings unter der Voraussetzung, dass man breit investiert ist und es sich um solide, große Unternehmen mit Preissetzungsmacht handelt. Dann können steigende Preise an die Endkunden weitergegeben werden. Und da der Goldpreis oft negativ korreliert mit dem Aktienmarkt, können in langen Phasen wo Gold an Wert verliert, umgekehrt Aktien die Aufgabe des Werterhaltes übernehmen. Dies war etwa der Fall zwischen 1985 - 2005.

Unser Fazit: Punkt für beide

Runde 6: Renditechancen

Hierfür haben wir die Charts von DAX, Dow Jones und Gold verglichen. Ausgehend von 1987 haben wir die Veränderung in % ermittelt. 1987 deshalb, weil erst in diesem Jahr der DAX in seiner heutigen Form eingeführt wurde mit einer Normierung auf 1000 Indexpunkte zum Stichtag 31.12.1987.

Ein direkter Vergleich ist so streng genommen nicht zulässig, da die Charts unterschiedlich berechnet werden. Dax wie Dow Jones sind punktebasiert, beim Gold dient uns der Preis in Euro als Grundlage. Umgerechnet in % reicht es aber für eine allgemeine Aussage: Aktien können im Zeitraum von 1987 - 2018 Gold als Geldanlage klar outperformen.

Geld anlegen: Dax, Dow Jones oder Gold? Chartvergleich Dax, Dow Jones und Gold (indexiert auf das Jahr 1987, Veränderungen in Prozent)

Und so liest sich unser Chart: Angenommen, im Jahre 1987 hätte jemand einen Betrag X in den DAX als solchen investiert, dann stünde im Jahr 2020 ein Gewinn von 1271,9 % % Gewinn zu Buche. Noch mehr Rendite hätte der Dow Jones gebracht: Hier wären es 1478,6 %. Gold kommt im selben Zeitraum auf nur 306,1 % Zuwachs.

Ebenfalls gut zu sehen: Gold steht oft in negativer Korrelation zu Aktien. In Zeiten, wo Aktien fallen oder allgemein das Krisenbewusstsein wächst, steigt Gold. Das war etwa der Fall bei der Finanzkrise 2007/8.

Unser Fazit: Punkt für die Aktie

Runde 7: Volatilität / Kursrisiko

Volatiliät meint die Schwankungen in den Kursbewegungen, wobei dies nach oben wie nach unten gleichermaßen gilt. Wir sehen bei Gold insgesamt das ruhigere Fahrwasser.

Unser Fazit: Punkt für Gold

Runde 8: Mobilität & Verfügbarkeit

Gold ist leicht zu transportieren und man kann es überall auf der Welt leicht verkaufen.

Der Kauf und Verkauf von Aktien geht sogar noch schneller, da hier keine physische Ware transportiert werden muss. Allerdings nur unter der Voraussetzung, dass beim Online-Banking eine funktionierende Internetverbindung besteht bzw. Banken nicht geschlossen sind. Für einen Aktiendeal braucht es eben immer die Hilfe Dritter.

Teilverkäufe sind bei beiden Geldanlageformen problemlos möglich.

Unser Fazit: Punkt für beide

Runde 9: Anonymität

Bis zu einem Betrag von 1.999,99 Euro kann man beim Händler anonym Gold kaufen. Man kann Gold auch anonym verkaufen, dann allerdings nur privat.

Da kann die Aktie nicht mithalten.

Unser Fazit: Punkt für Gold

Runde 10: Diebstahlrisiko

Alles was klein, transportabel, wertvoll, und einfach zu verkaufen ist, zieht Langfinger und Betrüger an. Gold weckt hier eindeutig mehr zweifelhafte Begehrlichkeiten.

Unser Fazit: Punkt für die Aktie

Runde 11: Steuer

Die Besteuerung von Anlagegold ist aus Anlegersicht vorteilhaft und einfach: Gewinne aus dem Verkauf müssen nach einer Mindesthaltedauer von einem Jahr nicht versteuert werden. Vor dieser Jahresfrist gilt eine Freigrenze von 600 Euro.

Die Steuerregelungen bei Aktien sind dagegen komplizierter. Zunächst unterliegen Gewinne aus Aktienverkäufen oder Dividendeneinkünfte grundsätzlich der Kapitalertragssteuer. Sie wird als Abgeltungssteuer in Höhe von pauschal 25 % erhoben. Hinzu kommen Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. In der Summe können das bis zu 28 % sein.

Im Detail kann das positiver gestaltet werden, Stichworte Sparerpauschbetrag, Freistellungsauftrag, Verluste gegenrechnen, Nichtveranlagungsbescheinigung, Günstigerprüfung, vor 2008 gekaufte Aktien, aber dann ist ein Steuerberater fast schon Pflicht. Insbesondere bei den komplizierten Bestimmungen für ausländische Aktien.

Unser Fazit: Punkt für Gold

Runde 12: Einfachheit

Was Gold ist, versteht jedes Kind.

Wer dagegen eine Aktienanlage in Betracht zieht, der sollte Branchenkenntnisse haben und das Geschäftsmodell der Firma verstehen. Auch ist es nicht verkehrt, sich mit den Zahlen des Unternehmens auseinanderzusetzen und Begriffe wie Kurs-Gewinn-Verhältnis oder Eigenkapitalquote wenigstens schon mal gehört zu haben.

Unser Fazit: Punkt für Gold

Runde 13: Währungsrisiko

Da der Goldpreis in Dollar notiert wird, gelegentlich angemerkt, dass ein prinzipielles Währungsrisiko bestünde. Dies ist nur zur Hälfte richtig. Denn je nachdem wie der Euro-Dollar Wechselkurs steht, kann dies auch ein Vorteil für Goldanleger sein.

Wechselkurse haben aber auch Einfluss auf Unternehmen, insbesondere wenn diese international tätig sind. Je nach Dollarkurs verschlechtern oder verbessern sich Exportchancen, zudem notieren auch viele andere Rohstoffe in Dollar. So beeinflusst etwa der Ölpreis ebenfalls die Geschäfte vieler Unternehmen.

Unser Fazit: Keine Wertung

Fazit

Geldanlage Vergleich: Aktien oder Gold?

Auch wenn unser Vergleich im Ergebnis ein Unentschieden zeigt: Eine Empfehlung ála ”die beste Geldanlage ist...” gibt es sowieso nicht. Aktien wie Gold gehören in jedes Vermögensportfolio.

Gold hat dabei eher die Funktion als Sicherheitsanker, während Aktien eher für Renditechancen sorgen. Regelmäßige Erträge in Form von Dividenzahlungen werden ebenfalls gern mitgenommen.

Ein aus Anlegersicht weiterer wichtiger Aspekt ist die oft zu beobachtende negative Korrelation der beiden Vermögensklassen.

Wie hoch die Gewichtung der beiden Assets ist muss daher individuell entschieden werden. Ein Goldanteil zwischen 5 - 15 % gilt allgemein als empfehlenswert.

Weitere Sachwert-Vergleiche

Hier die anderen Battles aus der GOLD.DE-Reihe:

Ihre Meinung zum Thema?
Sicherheitsfrage: Wie viele Münzen sehen Sie?
Fragen über Fragen
Ich stimme zu, dass mein Kommentar und Name zur Veröffentlichung auf GOLD.DE gespeichert wird. Die Netiquette für Kommentare hab ich gelesen. Sie können Ihre Einwilligung jederzeit per Mail an info@gold.de widerrufen. Unsere Datenschutzerklärung.
von von Klaus S. | 05.08.2019, 18:57 Antworten

Alle Notenbanken dieser Welt haben Gold in ihren Tresoren. Man kann wohl davon ausgehen daß es kein Fehler sein kann sein Kapital ebenfalls in Gold anzulegen. Zur Zeit sieht es ja so aus daß keine Aktie und auch kein Fond da mithalten kann. Die Sicherheit sollte auf jeden Fall im Vordergrund stehen, z. B. für die Altersabsicherung. Alle Argumente gegen Gold ist Dummschwätzerei.

von Tony B. | 16.07.2018, 11:41 Antworten

Guter Artikel, man sollte wohl nicht alle Eier in einen Korb legen, daher nutze ich alle
Anlageformen. Man muss heutzutage schon genau beobachten und gegebenenfalls
einfach umschichten.

von Dr. Schmidt | 18.07.2017, 20:01 Antworten

Also den Punkt "Anlagekosten" kann ich nicht ganz nachvollziehen. Ein Bankschliessfach kostet doch nicht die Welt!!! Jedenfalls kein relevanter Betrag.

3 Antworten an Dr. Schmidt anzeigen
von Stefan | 18.07.2017, 09:33 Antworten

Ein guter Artikel der einen abseits der Berichtserstattung in Richtung Aktie oder Gold auch mal von einer anderen Flughöhe über die Anlageformen nachdenken lässt. Irgendwie bekommt man in den letzten Jahren eh immer die Alternativlosigkeit von Anlagen in Bezug auf Zinsen eingetrichtert. Im neusten Deutsche Bank Werbespot laufen sogar zwei Menschen wortlos am Strand entlang und denken sich nur ihren Teil, weil es scheinbar nicht lohnt über Zinsgebundenen Anlagen zu sprechen (das klassische Bankgeschäft neben Krediten). Das nennt sich dann Zinsdialog. Meiner Meinung lässt das schon tief blicken...

Am besten ist und war noch immer sich selbst ein Bild zu machen und sich selbst über meine Anlageziele und Zwecke im klaren zu sein. Wenn ich das Know How nicht habe um den Anlagehorizont zu überblicken brauche ich einen Profi der es mir möglichst ohne Hintergedanken erklärt oder ich lasse die Finger davon und behalte meine Barposition.

Gerne mehr von solchen Artikeln.

Copyright © 2009-2021 by GOLD.DE – Alle Rechte vorbehalten

Konzept, Gestaltung und Struktur sowie insbesondere alle Grafiken, Bilder und Texte dieser Webseite sind urheberrechtlich geschützt. Missbrauch wird ohne Vorwarnung abgemahnt. Alle angezeigten Preise in Euro inklusive MwSt. (mit Ausnahme von Gold), zzgl. Versandkosten, sofern diese anfallen. Verfügbarkeit, Abholpreise, Goldankauf und nähere Informationen über einzelne Artikel sind direkt beim jeweiligen Händler zu erfragen. Alle Angaben ohne Gewähr.

Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"