Stand: 16.02.2018 0 Kommentare

Das Schreckgespenst: Hyperinflation! Insbesondere den Deutschen hat sich dieser Begriff tief ins kollektive Bewusstsein eingegraben. Aber „Hyperinflationen“ gab und gibt es auch andernorts. Sie ist Ausdruck einer gallopierenden, außer Kontrolle geratenen allgemeinen Preissteigerung.

Der Begriff Hyperinflation ist nicht wirklich definiert. Wenn es, sozusagen, ganz schlimm kommt, dann nennt man es eben Hyperinflation. Eine oft gebrauchte, aber dennoch nicht „offizielle“, Definition spricht von mindestens 50 % Inflationsrate pro Monat. Die Umlaufgeschwindigkeit nimmt dabei groteske Formen an, weil jeder das zirkulierende Bargeld so schnell wie möglich los werden will. Das ganze System gerät in Schieflage und implodiert schließlich.

HyperinflationHyperinflation: Billionen Mark Scheine in Deutschland; Geldscheine geringeren Nennwertes wurden sogar als Tapete verwendet

Vielfach wird angenommen, dass zu Zeiten der Metalldeckung von Währungen Inflation gänzlich unmöglich gewesen wäre. Aber das stimmt so kategorisch natürlich nicht. Einer Hyperinflationierung im modernen Sinn ist (In gewissem Maß!) zwar ein Riegel vorgeschoben, aber schmerzhafte Erhöhungen des allgemeinen Preisniveaus gab es früher schon. Und auch sie trafen den „kleinen Mann“, die Bezieher von Lohn und Gehalt, und die Sparer besonders. Denn im gleichen Maß wie die Gehälter, hinken ebenso die Guthabenzinsen der Entwertung hinterher.

Hier eine kleine, bei weitem nicht vollständige Auflistung vergangener Inflationen mit weiträumigen und gesamtwirtschaftlich schweren Konsequenzen:

  • Weströmisches Reich (276 bis 334)
  • Kaiserreich China (um 1166)
  • Mitteleuropa (1620 bis 1623)
  • Frankreich (1719 bis 1720)
  • USA, vor allem Südstaaten (1861 bis 1865)

Irving Fisher hat eine mathematische Formel (Quantitätsgleichung) erstellt, anhand derer man die Zusammenhänge gut erkennen kann:

Preisniveau = Geldmenge x Umlaufgeschwindigkeit / Transaktionszahl

Das Preisniveau kann also nicht nur bei Erhöhung der (aktiven, umlaufenden) Geldmenge steigen. Auch eine Metallwährung kann also „Opfer“ einer Inflation sein. Die können durchaus, insbesondere wenn sich zusätzlich auch noch die Geldmenge erhöht, schmerzhafte Ausmaße annehmen. Dennoch bietet eine Metalldeckung (so lange ihre Regeln eingehalten werden!) Schutz vor zu heftigen, völlig desaströsen Inflationen. Irgendwann gebietet einfach der Mangel an Material der Entwicklung Einhalt. Die Endeffekte einer „richtigen“ Hyperinflation sind dann immer die gleichen. Neben der entstandenen Notwendigkeit „technische Dinge“, wie etwa die Neuordnung des Geldwesens, zu regeln, werden Geldvermögen aller Art in ihrem Wert, in ihrer Kaufkraft, erheblich geschmälert bis wertlos geworden sein.

In der schlimmsten Phase der Weimarer Hyperinflation war die Marktkapitalisierung von Mercedes gerade mal der Gegenwert von 300 Autos! Kein Einzelbeispiel, wenn auch ein extremes. Die Abermilliarden Reichsmark an für den Krieg ausgegebenen Staatsanleihen waren nach der Währungsreform noch ca. 15 Pfennige wert. Die Vernichtung von Volksvermögen war gigantisch.

Ein Schreckgespenst ist eine Hyperinflation für die Bevölkerung also wirklich. Sie entzieht dem Zahlungsmittel alle seine Funktionen. Und wer auf seine Wert erhaltende Fähigkeit gesetzt hatte, kann sogar einen „Totalverlust“ erleiden, wie bei einem Risikopapier an der Börse.

Der Mechanismus einer Hyperinflation

Wenn man die Dinge naiv betrachtet, fragt man sich doch warum nicht einfach weniger Geld „geschöpft“ wird, wenn eine galoppierende Inflation droht? Das „Herstellen“ von Geld ist doch im bestehenden System mehr oder weniger nur ein Buchungsvorgang. Es müsste doch einfach sein, die Geldschöpfung zu bremsen, oder?

Das ist im Prinzip sicher richtig. Aber so einfach ist es nicht. Kreditgeld entsteht durch Verschuldung. Für Verschuldung muss es eine Kreditnachfrage geben. Für Kredite werden (vereinfacht) dingliche Sicherheiten aufgeboten. Für unsere Zwecke ausreichend so: mit dem „Ankauf“ von Wertpapieren durch die Zentralbank entsteht ein „Guthaben“ auf einem Zentralbankkonto, das der „Verkäufer“ (z. B. eine Geschäftsbank) nutzen kann.

Gerät nun „zu viel Geld“ in die Volkswirtschaft, etwa indem die Geschäftsbanken ihrerseits wahllos Kredite vergeben und die Zentralbank das unterstützt, gerät das System in Schieflage. Wenn nun die Zentralbank, die privilegierte Notenbank, mehr oder weniger gezwungen werden kann immer weiter und immer mehr Staatsanleihen anzunehmen, führt das bei ausufernder Staatsverschuldung zu exzessiver Inflation. Nicht unabhängige Zentralbanken unter autoritären Regimen sind daher besonders „anfällig“ von der Regierung ausgenutzt zu werden. Für den Staat besteht der Reiz natürlich zudem darin, vorher ausgegebene Anleihen wertlos zu machen.

Auch der Außenwert einer Währung verliert in solchen Szenarien generell massiv. Die steigenden Importpreise schüren das allgemeine Preisniveau weiter an; daher erhöht sich die Umlaufgeschwindigkeit noch mehr (schnell kaufen, bevor die Preise steigen!) und die Geldmenge dramatisch. Setzt man diese Aussagen im Sinne der o. a. Quantitätsgleichung in Beziehung zueinander, erkennt man die „tödliche Spirale“.

In der Realität gibt es weder „den“ Grund, noch „den“ Auslöser und auch nicht „diese“ Handlungsweise. Allein schon die unterschiedlichen gesetzlichen Grundlagen für die Zentralbanken bedingen eine Menge Unterschiede. Es gibt daher verschiedene Rahmenbedingungen, aber die Notenbank muss in jedem Fall irgendwie „mitmachen“.

In Deutschland erreichte die Inflationsrate im Oktober 1923 sagenhafte 29.500 %. Noch viel höher war die Inflationsrate in Zimbabwe. Bei knapp 80 Milliarden % lag sie im November in der Spitze (so weit das rekonstruierbar ist). Einsamer „Spitzenreiter“ ist Ungarn. Im Juli 1946 lag die Inflationsrate wohl bei annähernd 42 Billiarden %. Im Vergleich dazu nimmt sich die letzte, die 57. Hyperinflation der Geschichte (Venezuela) geradezu unbedeutend aus. 221 % in der Spitze, sagen Steve Hanke und Charles Bushnell.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass die moderate Inflation, die für das bestehende Weltwirtschaftssystem überlebensnotwendig ist, durch eingrenzbare Faktoren „zu galoppieren“ beginnen kann. Geldmenge, Umlaufgeschwindigkeit, Transaktionszahl und Preisniveau hängen in bestimmbarer Weise zusammen. Die letztendliche Ausprägung kann von Land zu Land, von Situation zu Situation differieren. Das wichtigste Steuerungselement der Notenbank ist die Geldmenge, die direkt (z.B. Staatsanleihenkauf) oder indirekt (über das Zinsniveau) beeinflusst wird. Gleichzeitig ist die „Elastizität“ der Geldmenge der gefährlichste Sprengstoff.

Die „Mutter aller Hyperinflationen“

Die Eröffnungsphase

Zitat: "Die kleinen Banknoten sollen, das ist ihr Hauptzweck, den Umlauf der Goldmünzen verringern ... [es] sollen 50- und 20-Mark Noten zu Zahlungen verwendet werden und den Kassenbestand des Publikums bilden. Dadurch vergrößert sich der Goldbestand der Reichsbank …"

Reichsbankpräsident Koch, 1905

Man muss bedenken, dass wir uns in der Zeit des historischen Goldstandard befinden. Maßnahmen wie das gerade erwähnte Horten des umlaufenden Goldes bei der Notenbank, dienten einzig dazu, „Umlaufgeld“ aus dem Goldstandardsystem herauszuquetschen. Denn jede Mark, die als Gold in den Kellern der Reichsbank landet, kann drei Mark in Banknoten generieren. Ein Mechanismus zur Ausweitung der Geldmenge. Letzten Endes und konsequent durchgeführt, würde der zirkulierende Bargeldbestand aus Gold gegen die dreifache (Geld-)Menge an Banknoten komplett ausgetauscht.

Aufruf zur Goldablieferung, 5. März 1915
Gold gehört in die Reichsbank!
Zur siegreichen Beendigung des Krieges soll und kann jeder Deutsche beitragen.
Er kann es, wenn er mit hilft, die Finanzkraft des Reiches zu stärken.
Das kann nicht wirksamer als durch die Abführung des Goldes an die Reichsbank geschehen, das in erheblichen Beträgen noch überflüssiger Weise im Verkehr ist oder gar unnütz im Kasten ruht. Für 20 Mark Gold kann die Reichsbank 60 Mark in Banknoten ausgeben.
Darum: Zur Reichsbank mit allem Golde das noch im Privatbesitz ist!
Goldgeld wird von allen öffentlichen Kassen, Sparkassen angenommen und an die Reichsbank abgeführt.
Königsberg, den 5. März 1915
Der Magistrat Dr. Körte

1910 wurden die Reichsbanknoten dann folgerichtig gesetzliche Zahlungsmittel. Gedeckt werden konnte die „Noten-Geldmenge“ nun auch auf der Basis von Obligationen verschiedener Art. Am interessantesten ist sicher die Variante mit den Darlehenskassenscheinen, die über die Darlehenskasse faktisch von der Reichsbank selbst ausgegeben, „Geld gleich“ als Deckung dienen konnten. Bereit zu solchen Tricksereien, war für die Zukunft nichts Gutes zu erwarten.

Zumal sich die außenpolitische Lage mehr und mehr zuspitzte. Mit ungeheurer Naivität und in völliger Blindheit den technologischen Veränderungen gegenüber (Flugzeuge, U-Boote, Panzer, Gas ...), wollten die Mächte Europas so eine Art „Kabinettskrieg des 18. Jahrhunderts“ ausfechten: ein bisschen taktisches Truppen verschieben; da ein wenig Terraingewinn oder -verlust; dort eine Schlacht – und irgendwann hat einer genug und zahlt die ganze Zeche. Der Sieger hatte überdies seine Ziele „durchgesetzt“ und das verspricht in aller Regel weiteren Benefit.

Doch dieser Krieg sollte ganz anders werden. Er würde die Welt verändern und auch das globale Geldwesen. Denn er war nicht mehr bezahlbar. Nicht im Sinne von „verdammt schwer die Kosten zu schultern“. Nein, er war mit den bestehenden Mitteln innerhalb des 1/3 Goldstandards in Deutschland – und das gilt selbstredend für alle Deckungsvarianten der beteiligten Länder – schlicht und wortwörtlich nicht bezahlbar.

Am Ende waren Sieger und Besiegte ruiniert und bis über beide Ohren – hauptsächlich bei den USA – verschuldet. Der Versuch alles aus Deutschland heraus zu pressen, sollte sich letzten Endes als lächerlich, aber schmerzhaft, erweisen.

Es ist eine Anmerkung am Rande wert, dass die Reichsbank am Ende des Krieges keineswegs verschuldet war. Das Reich war bei der Reichsbank verschuldet. Die war eine Firma mit vielen privaten Eigentümern.

Das Mittelspiel

Zitat: "Das Instrument der Geldversorgung war eine unkontrollierte Diskontierung von Staatspapieren und allen möglichen Formen von Schuldtiteln zu Zinsen, die weit unterhalb der Inflationsrate lagen."

Zschäpitz, 2013

Die Pflicht der Reichsbank, ihre Banknoten jederzeit in Gold einzulösen, wurde am 4.8.1914, zu Kriegsbeginn, aufgehoben. Der Goldstandard wurde damit (und nicht nur in Deutschland) wie ein altes, kaputtes Werkzeug einfach weggeworfen. Hartnäckig hielt man an der Überzeugung fest, im Falle des Sieges würde alles bezahlt (das dachten die Gegner auch, wie man erfahren sollte). Aggressiv wurden Kriegsanleihen beworben und fanden noch kurz vor Kriegsende guten Absatz. Natürlich geschah dies bereits unter einer durch Lebensmittelrationierung und andere Maßnahmen „gedämpft“ verlaufenden Inflation.

Aufruf zur Zeichnung von Kriegsanleihen, März 1917
Zeichnet Kriegs-Anleihe für U-Boote gegen England! Soldaten der dritten Armee! Das U-Boot ist als eherne Notwendigkeit gegen den brutalen Aushungerungskrieg unserer Gegner auf den Plan getreten, um Gleiches mit Gleichem zu vergelten. lasst uns dem Staat mit weitem Blick und offenen Händen die Mittel geben, die er zur raschen umfassenden Durchführung seiner als richtig erkannten Maßnahmen benötigt, um diesen Krieg zu einem schnellen und siegreichen Ende zu führen.

Bei Kriegsende 1918 standen deutsche Regierungen dann vor riesigen finanziellen Problemen: Zu den Kriegsschulden im Inland in Form der ausgegebenen Kriegsanleihen, kamen hohe Sozialausgaben – notwendig, um das zerrüttete deutsche Reich im Inneren zu stabilisieren. Von außen forderten die Siegermächte exorbitant hohe Reparationen. Die Regierung nahm daher immer mehr Kredit bei der Reichsbank auf; die Reichsbank gab immer mehr Geld in Umlauf. Die Folge war ein massiv steigendes Preisniveau.

Der Anfang der 1920er Jahre amtierende Reichsbankpräsident Havenstein war ein konservativer, preußischer Beamter, der der Republik misstrauisch gegenüber stand. Gelegentlich wird gemutmaßt, er habe die Entwicklung billigend in Kauf genommen, wenn nicht sogar gefördert. Möglicherweise in der Hoffnung auf eine Restaurierung des Kaiserreiches. Wahrscheinlicher aber sah er es trotz aller Ressentiments wohl als seine preußische Pflicht an, dem Staat durch frisches Geld (frühes Qantitative Easing?) die Liquidität zu sichern und ihm insbesondere beim Schuldendienst unter die Arme zu greifen. Nicht zuletzt war die Reichsbank zudem noch immer in hohem Maß von der Regierung abhängig.

Schachmatt: Galoppierende Inflation wurde zur Hyperinflation

Eine Politik der Kreditverweigerung würde an der bestehenden Situation nichts ändern, vielmehr eine heillose Verwirrung des Geldwesens, Zahlungsunfähigkeit des Reiches, Lahmlegung des gesamten Reichsverwaltung und schließlich eine in ihrer Wirkung nicht absehbare politische Umwälzung im Gefolge haben.

Verwaltungsbericht der Reichsbank von 1922
  • Das Gesetz vom 26.05.1922 über die Autonomie der Reichsbank schloss das Reich von der Leitung der Reichsbank aus und übertrug diese ganz dem Reichsbankdirektorium.
  • Nach dem Tod Havensteins übernimmt Hjalmar Schacht – der für die nächsten zwei Jahrzehnte eine zentrale Figur des deutschen, ja des globalen Geldwesens werden sollte – die Geschäfte.

Zwei Meilensteine. Aber zunächst waren Schacht und der „Regierung der Wirtschaft" unter dem parteilosen Wilhelm Cuno geldpolitisch die Hände gebunden. Als alliierte Truppen im Januar 1923 ins Ruhrgebiet einmarschierten, reagierte die Reichsregierung mit der Proklamation des passiven Widerstandes; die gesamte Bevölkerung an Rhein und Ruhr trat in den Streik. Für die finanzielle Unterstützung der Streikenden druckte die Notenbank noch mehr Geld.

Die straffe Inflation durch den Krieg und seine Folgen (Brot- und Butterpreise hatten sich von 1913 bis 1921 um mehr als das zwanzigfache erhöht), wurde durch die Ruhrbesetzung nochmals entschieden angeheizt. Die galoppierende Inflation wurde zur Hyperinflation. Das Geld verlor gänzlich seine Funktionen. Weder als Wertemaßstab taugte es, noch als Zahlungs- und vor allem nicht mehr als Wertaufbewahrungsmittel. Das Geschehen nahm teilweise groteske Formen an. Jeder kennt die Bilder von Schubkarren voller Geldscheinen. Bei stündlichem Wertverfall ist Werterhalt offensichtlich kein Merkmal eines hyperinflationierenden Zahlungsmittels. Ja, auch als Zahlungsmittel selbst ist es unhandlich bis unbrauchbar geworden. Jeder will es so schnell wie möglich loswerden. Dass so etwas ebenfalls nicht mehr als Maßstab taugt um Preise zu vergleichen, liegt auf der Hand.

Billionen, Milliarden und Millionen Mark ScheineScheine aus der Zeit der Hyperinflation in Deutschland: Billionen, Milliarden, Millionen Mark Scheine zeigen das dramatische Ausmaß der Inflation zur damaligen Zeit

In hektischen Verhandlungen mit den Alliierten und in den Kabinetten des Reiches suchte man nach einer Lösung der verfahrenen Lage. Schließlich wird eine kühne Währungsreform eingeleitet; im November 1923 wurde die Mark von der lediglich theoretisch materiell gedeckten Rentenmark abgelöst. Mit drastischen Maßnahmen (z. B. wurde die Kreditvergabe konsequent absolut auf Null herunter gefahren) und der schließlich erfolgreichen Binnenwährung Rentenmark (die war ausschließlich als Zahlungsmittel innerhalb des Reiches vorgesehen), brachte man das Geldwesen wieder in geregelte Bahnen.

Das Ende sah so aus: Der Kurs zur Papiermark lag am Tag der Umstellung bei 1:1.000.000.000.000; der Kurs zum Dollar war somit bei 4,20 Rentenmark und wieder auf dem Vorkriegsniveau.

Die Inflation hatte praktisch vollständig alle Geldvermögen entwertet und natürlich auch die Geldschulden vernichtet. Es profitierten also tatsächlich (Geld-)Schuldner, allen voran der Staat: Die gesamten deutschen Kriegsschulden durch Anleihen etc. in Höhe von etwa 164 Milliarden Mark beliefen sich am Tag der Einführung der Rentenmark auf gerade noch 16,4 Pfennige.

Eine aktuelle Bedrohung?

Zitat: "Die allererste nachweisbare Hyperinflation überhaupt erlebte das revolutionäre Frankreich – zwischen Mai 1795 und November 1796. Bei gut 300 % lag damals die monatliche Inflationsrate."

Hanke 2013

Hanke und Krus haben nach dem genannten „50 % pro Monat Kriterium“ bis zur aktuellen Entwicklung in Venezuela 56 historisch nachweisbare Hyperinflationen gezählt. Klingt nach nicht allzu viel. Bedenkt man aber, dass sie die erste belegbare Hyperinflation auf 1795/96 – also vor ziemlich genau 220 Jahren – datieren … bedeutet das seitdem rechnerisch circa alle 4 Jahre irgendwo in der Welt eine Hyperinflation. Reinhard und Rogoff machen geringfügig weniger aus, fügen dem aber die Phasen „nur“ schmerzhaft hoher Inflation hinzu, wodurch ein keineswegs weniger bedrohlicheres Bild entsteht.

Totalitäre politische Systeme üben in aller Regel auch die Kontrolle über die Zentralbank des Landes aus. Tatsächlich sind Hyperinflationen daher in Diktaturen vermehrt zu beobachten – aber eine Voraussetzung ist die innere Verfassung eines Landes nicht.

Kriege, Revolutionen, Wirtschaftszusammenbrüche sind ebenso als auslösende Faktoren zu nennen. Und sie beschränken sich nicht auf ein bestimmtes politisches System. In solchen Fällen sind kollabierende Währungen gehäuft zu erwarten. Ebenso kann außenpolitischer Druck zu einem erhöhten Preisniveau führen. Etwa in Form eines Embargos, das zunächst einmal Importwaren verteuert. Die dadurch – und natürlich durch die Verknappung an sich – deutlich sinkende Transaktionszahl, kann (je nach Umfang des Marktes um den es geht) durchaus volkswirtschaftliche Auswirkungen haben, wenn das allgemeine Preis- und Lohnniveau der Entwicklung folgt – was schließlich, verselbständigt, in eine Hyperinflation münden kann.

Die enorm elastische Geldmenge der heute global üblichen „FIAT“ Geldsysteme, ist für inflationäre (wie auch deflationäre) Tendenzen sicher eine in diesem Sinne „günstige“ Rahmenbedingung. Wie man aktuell sieht, kann aggressives Erhöhen der Geldmenge aber auch keine Inflation garantieren.

Abschließend eine (nicht unbedingt den Anspruch der Vollständigkeit erhebende) Liste von Hyperinflationsepisoden des 20. Jahrhunderts:

  • Sowjetrussland (1919)
  • Deutsches Reich (1923)
  • Österreich, Ungarn Polen (1924)
  • Griechenland (1944)
  • Ungarn (1926)
  • Volksrepublik China (1943-49)
  • Bolivien, Nicaragua, Jugoslawien, Polen, Brasilien, Argentinien, Zaire, Russland, Angola (alle 1980er und 90er Jahre)
  • Simbabwe, Weißrussland, Venezuela (21. Jahrhundert)

Es fällt auf, dass es durchweg (das „demontierte“ Reich nach dem 1. WK dazugezählt – wie oben bereits erwähnt, ist die deutsche Inflation 1923 nicht wirklich exemplarisch in ihren Ursachen) keine hoch entwickelten Industriestaaten sind, die in die Hyperinflation schliddern. Aufstrebende Schwellenländer, ärmere Europäer und die gebeutelten Afrikaner.

Ob das ein Trost oder eine Sicherheit sein kann, dass eine Hyperinflation im hoch entwickelten Westen Europas, in „alten“ Volkswirtschaften, nicht (mehr) möglich ist, kann man wohl kaum abschließend sagen. Es wäre jedoch aller Wahrscheinlichkeit nach falsch, die Möglichkeit völlig auszuschließen.


Quellen (insb.):
  • Bundesbank (Web, Korrespondenz, Publikationen)
  • Obst; Banken und Bankenpolitik
  • Pfleiderer; Die Reichsbank in der Zeit der großen Inflation
  • Reinhard, Rogoff; Dieses Mal ist alles anders
  • Cartarius (Hrsg.); Deutschland im Ersten Weltkrieg
  • Taylor; Inflation
  • Hanke e.a.; Routledge Handbook of Major Events in Economic History
Du hast eine Meinung dazu? Her damit!
Sicherheitsfrage: wie viele Münzen siehst du?
Fragen über Fragen
Ich stimme zu, dass mein Kommentar zur Veröffentlichung auf gold.de gespeichert wird. Du kannst deine Einwilligung jederzeit per Mail an info@gold.de widerrufen. Hier findest du unsere Datenschutzerklärung.

    Copyright © 2009-2019 by Gold.de - Alle Rechte vorbehalten

    Konzept, Gestaltung und Struktur, sowie insbesondere alle Grafiken, Bilder und Texte dieser Webseite sind urheberrechtlich geschützt. Missbrauch wird ohne Vorwarnung abgemahnt. Alle angezeigten Preise in Euro inklusive MwSt. (mit Ausnahme von Gold), zzgl. Versandkosten, sofern diese anfallen. Verfügbarkeit, Abholpreise, Goldankauf und nähere Informationen über einzelne Artikel sind direkt beim jeweiligen Händler zu erfragen. Alle Angaben ohne Gewähr. Sie betrachten die Seite: Gold.de - Gold und Silber kaufen im Preisvergleich

    Handcrafted with in Baden-Württemberg, Germany