Stand: 02.09.2020
Schreckgespenst Hyperinflation: Sind Ängste berechtigt, wenn ja, wie kann man sich schützen? Was heißt überhaupt Hyperinflation, was sind die Ursachen? Was genau geschah 1923? Gibt es auch Profiteure? Alle Antworten hier!
Hyperinflation
Das Wichtigste in Kürze
  • Definition Hyperinflation: Mehr als 50 % Preisanstieg pro Monat
  • Besitzer von Geldvermögen erleiden praktisch Totalverlust
  • Schuldner profitieren
  • Insbesondere Gold bietet guten Schutz vor Geldentwertung
  • Aktuell keine Anzeichen für Hyperinflation
Hyperinflation

Was ist eine Hyperinflation?

Erhöht sich das allgemeine Preisniveau, also der durchschnittliche Preis für alle Güter und Dienstleistungen, extrem schnell, dann spricht man von Hyperinflation. Eine verbreitete Faustregel definiert diese Preiserhöhung mit 50 % Preisanstieg pro Monat. Die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes nimmt ebenfalls extreme Formen an, da jeder so schnell wie möglich aus Angst vor Geldentwertung sein Geld loswerden möchte.

Beispiel: 50 % monatliche Verteuerung bedeuten, dass ein Brot, das am 1. Januar 2 Euro kostet, am Monatsende 3 Euro kostet. Am Jahresende wären dies aber rund 260 Euro.

Wie absurd hoch Preise sein können, zeigt die Hyperinflation in Deutschland zur Zeit der Weimarer Republik. Zum Höhepunkt im Jahre 1923 kostete ein Ei 320 Milliarden Reichsmark. Die Menschen holten ihren Lohn in Rucksäcken ab, zum Einkaufen transportierten sie ihr Geld im Schubkarren.

Ist der Preisanstieg etwas geringer, gleichwohl noch immer gefährlich hoch, dann spricht man von einer galoppierenden Inflation.

Die Folge einer Hyperinflation ist in der Regel eine Währungsreform oder Währungsumstellung.

Wer profitiert, wer verliert?

Was bei jeder Inflation gilt, das gilt für Hyperinflation in besonderem Maße:

Stark vereinfacht: Sparer und Gläubiger verlieren; Schuldner gewinnen.

Wenn Preise schneller steigen als Zinsen kommt dies einer Geldentwertung gleich. Die Kaufkraft von Geldvermögen, wie etwa Sparguthaben, verringert sich rasant. Noch schneller entwertet sich Bargeld, da dies überhaupt nicht verzinst wird. Hyperinflation gilt deshalb als besonders gefährlich, da die Geschwindigkeit, mit der Geldvermögen vernichtet wird, extrem hoch ist und weite Teile der Bevölkerung massiv betroffen sind.

Dasselbe gilt aber unter umgekehrten Vorzeichen auch für Schulden oder Kredite. Diese entwerten sich nämlich ebenfalls im selben Tempo. Zu den Profiteuren gehören somit Schuldner allgemein. So konnte sich das deutsche Reich, was durch den 1. Weltkrieg hoch verschuldete war, dank Hyperinflation bequem entschulden. Die Schulden waren hinterher umgerechnet ein paar Pfennig wert. Entsprechend entstanden ganze Firmen-Imperien zur Zeit der Weimarer Hyperinflation. Einer dieser Inflationsgewinner war Hugo Stinnes. Er machte Schulden und kaufte dafür Sachwerte in Form von Firmen. Die Verbindlichkeiten schmolzen dahin, die Sachwerte blieben. Alles ganz legal.

Wie kann ich mich schützen?

Sachwerte bieten guten Schutz vor Geldentwertung. Während Geld nur einen Nominalwert darstellt, hat ein Sachwert stets einen tatsächlichen Gegenwert. Als Sachwerte gelten insbesondere Immobilien oder Edelmetalle. Auch Aktien zählen zu den Sachwerten, allerdings können in Krisenzeiten Firmen verstärkt pleitegehen.

Vor allem Gold bietet sehr guten Inflationsschutz. Ein Totalverlust von Geldvermögen im Gefolge einer Hyperinflation ist bei Gold nicht möglich.

Experten raten, 10 -15 % des persönlichen Vermögens in Gold anzulegen. Als Goldinvestment empfehlen sich Barren und Bullionmünzen. Auch Sammlermünzen bieten guten Inflationsschutz, setzen aber Fachkenntnisse voraus:

Übersicht Goldmünzen

Übersicht Goldbarren

Droht eine Hyperinflation?

Immer wieder gibt es Stimmen, die eine Hyperinflation prophezeien. Diese sind aber rein spekulativ. Betrachtet man die Fakten, dann sind keine Ansätze einer drohenden Hyperinflation erkennbar. Warum? Auf Deutschland bezogen muss die Frage gestellt werden, inwieweit sich die Verhältnisse von 1923 mit denen von heute vergleichen lassen.

Die einzige Parallele zu 1923 ist die massive Ausweitung der Menge an ungedecktem Geld. Darüberhinaus gibt es aber keine Gemeinsamkeiten.

Die Unterschiede sind dafür umso größer. Die Ausweitung der Geldmenge erfolgte damals, um einen Krieg zu finanzieren. Was folgte, war eine gigantische Vernichtung von Menschen und Ressourcen, verbunden mit Kriegs-Planwirtschaft. 1923 war sozusagen die Spätfolge dessen, was mit dem 1. Weltkrieg 1914 begann.

Die Ausweitung der Geldmenge durch die EZB heute erfolgt, um Produktivkräfte und Wirtschaft angesichts krisenhafter Entwicklungen zu stützen (Corona, Finanzkrise 2007/8). Abgesehen davon, sind sich Ökonomen uneins, ob eine Ausweitung der Geldmenge allein zwingend eine Inflation verursacht. Hier der Vergleich:

Deutschland 1923 Deutschland 2020
Vorausgegangen war ein verlorener Krieg Kein Krieg
Kriegs-Spätfolgen Güterengpässe, schrumpfende Wirtschaft Wirtschaftswachstum (bis Corona Ausbruch)
Kriegs-Spätfolgen Planwirtschaft, vorrangig wurden Kriegsgüter produziert freier Markt mit Angebot und Nachfrage
Kriegs-Spätfolgen fehlende freie Preisbildung: Für viele Waren gab es verordnete Preise (Bezugsscheine) freie Preisbildung
Kriegs-Spätfolgen Handelsblockade, wenig Waren kamen ins Reich Offener Welthandel
Reparationszahlungen durch die Siegermächte - entfällt -
Anfang 1923 Besetzung Ruhrgebiet durch Frankreich, Massenstreik - entfällt -
stark wachsende Inflation im Vorfeld keine übermäßig wachsende Inflation
Schwarzmarkt im Vorfeld kein Schwarzmarkt. Der Euro "kauft"
Bis 1918: Monarchie Demokratie, unabhängige Zentralbank
Ab 1918: Schwache Demokratie, politischer Extremismus nimmt überhand Starke Demokratie

Hyperinflation in vergangen Zeiten

Gleichwohl kann man eine Hyperinflation nicht völlig ausschließen. Neben der Inflation 1923 in der Weimarer Republik gab es in jüngeren Geschichte noch weitere Hyperinflationen:

  • Sowjetrussland (1919)
  • Österreich, Ungarn, Polen (frühe 20er Jahre)
  • Griechenland (1944)
  • Ungarn (1946)
  • Volksrepublik China (1943-49)
  • Bolivien, Nicaragua, Jugoslawien, Polen, Brasilien, Argentinien, Zaire, Russland, Angola (alle 1980er und 90er Jahre)
  • Simbabwe, Weißrussland, Venezuela (21. Jahrhundert)

Hilft ein Goldstandard?

Zwar bietet eine Metalldeckung theoretisch Schutz vor uneingeschränktem Gelddrucken, insbesondere die Deckung mit dem nur begrenzt vorhandenen Gold. Dennoch kann auch eine Metallwährung Opfer einer Inflation sein, wie die nachfolgende Auflistung zeigt:

  • Weströmisches Reich (276 bis 334)
  • Kaiserreich China (um 1166)
  • Mitteleuropa (1620 bis 1623)
  • Frankreich (1719 bis 1720)
  • USA, vor allem Südstaaten (1861 bis 1865)

Zudem steht dem gegenüber die überwiegende Meinung heutiger Ökonomen, die einen Goldstandard für nicht mehr geeignet halten, um den Erfordernisse moderner Volkswirtschaften zu genügen.

Ursachen einer Hyperinflation

Inflation allgemein bedeutet ja erstmal nur allgemeiner Preisanstieg. Aber warum steigen Preise? Weil Produkte teurer geworden sind? Oder weil Geld an Wert verloren hat?

Was auf den ersten Blick erscheint wie eine begriffliche Haarspalterei, ist tatsächlich relevant und begründet unterschiedliche akademische Inflationstheorien. Das gilt erst recht für die Ursachenforschung von Hyperinflation. Je nach Denkschule sehen Ökonomen hier unterschiedliche Gründe. Mehr: Inflationstheorien

Unbestritten ist nur: Hyperinflation stellt sozusagen ein Spezialfall von Inflation dar, denn eine leichte Inflation von 2 % ist explizit formuliertes Ziel der EZB. Etwas Inflation ist also erwünschter Sollzustand. Ursachen für die Entstehung von einer Hyperinflation müssen daher individuell analysiert werden. Verallgemeinerungen sind nicht möglich.

Im Folgenden soll daher ein detaillierter geschichtlicher Abriss der Inflation in Deutschland 1923 gegeben werden.

Hyperinflation Deutschland 1923

Die Eröffnungsphase

Zitat: "Die kleinen Banknoten sollen, das ist ihr Hauptzweck, den Umlauf der Goldmünzen verringern ... [es] sollen 50- und 20-Mark Noten zu Zahlungen verwendet werden und den Kassenbestand des Publikums bilden. Dadurch vergrößert sich der Goldbestand der Reichsbank …"

Reichsbankpräsident Koch, 1905

Deutschland vor dem 1. Weltkrieg. Wir befinden uns in der Zeit des historischen Goldstandards. Das Horten des umlaufenden Goldes bei der Notenbank soll dazu einzig dienen, Umlaufgeld aus dem Goldstandardsystem herauszuquetschen. Denn jede Mark, die als Gold in den Kellern der Reichsbank landet, kann drei Mark in Banknoten generieren. Ein bequemer Mechanismus zur Ausweitung der Geldmenge. Konsequent durchgeführt, würde der zirkulierende Bargeldbestand aus Gold gegen die dreifache (Geld-)Menge an Banknoten komplett ausgetauscht.

1910 wurden die Reichsbanknoten dann folgerichtig gesetzliche Zahlungsmittel. Gedeckt werden konnte die „Noten-Geldmenge“ nun auch auf der Basis von Obligationen verschiedener Art. Am interessantesten ist sicher die Variante mit den Darlehenskassenscheinen, die über die Darlehenskasse faktisch von der Reichsbank selbst ausgegeben, „Geld gleich“ als Deckung dienen konnten. Bereit zu solchen Tricksereien, war für die Zukunft nichts Gutes zu erwarten.

Zumal sich die außenpolitische Lage mehr und mehr zuspitzte. Die Nationen waren in schlechtester kolonialer Manier auf Expansionskurs, bereit bis zum Äußersten zu gehen. Der Sieger hat in dieser Logik seine Ziele durchgesetzt, das verspricht weiteren Benefit. Die Zeche zahlt der Verlierer. Es kommt was kommen muss: Der Krieg.

Aufruf zur Goldablieferung, 5. März 1915
Gold gehört in die Reichsbank!
Zur siegreichen Beendigung des Krieges soll und kann jeder Deutsche beitragen.
Er kann es, wenn er mit hilft, die Finanzkraft des Reiches zu stärken.
Das kann nicht wirksamer als durch die Abführung des Goldes an die Reichsbank geschehen, das in erheblichen Beträgen noch überflüssiger Weise im Verkehr ist oder gar unnütz im Kasten ruht. Für 20 Mark Gold kann die Reichsbank 60 Mark in Banknoten ausgeben.
Darum: Zur Reichsbank mit allem Golde das noch im Privatbesitz ist!
Goldgeld wird von allen öffentlichen Kassen, Sparkassen angenommen und an die Reichsbank abgeführt.
Königsberg, den 5. März 1915
Der Magistrat Dr. Körte

Doch dieser Krieg sollte ganz anders werden. Er würde die Welt verändern und auch das globale Geldwesen. Denn er war nicht mehr bezahlbar. Nicht im Sinne von „verdammt schwer die Kosten zu schultern“. Nein, er war mit den bestehenden Mitteln innerhalb des 1/3 Goldstandards in Deutschland – und das gilt selbstredend für alle Deckungsvarianten der beteiligten Länder – schlicht und wortwörtlich nicht bezahlbar.

Am Ende waren Sieger und Besiegte ruiniert und bis über beide Ohren – hauptsächlich bei den USA – verschuldet. Der Versuch alles aus Deutschland heraus zu pressen, sollte sich letzten Endes als lächerlich, aber schmerzhaft, erweisen.

Es ist eine Anmerkung am Rande wert, dass die Reichsbank am Ende des Krieges keineswegs verschuldet war. Das Reich war bei der Reichsbank verschuldet. Die war eine Firma mit vielen privaten Eigentümern.

Das Mittelspiel

Zitat: "Das Instrument der Geldversorgung war eine unkontrollierte Diskontierung von Staatspapieren und allen möglichen Formen von Schuldtiteln zu Zinsen, die weit unterhalb der Inflationsrate lagen."

Zschäpitz, 2013

Die Pflicht der Reichsbank, ihre Banknoten jederzeit in Gold einzulösen, wurde am 4.8.1914, zu Kriegsbeginn, aufgehoben. Der Goldstandard wurde damit (und nicht nur in Deutschland) wie ein altes, kaputtes Werkzeug einfach weggeworfen. Hartnäckig hielt man an der Überzeugung fest, im Falle des Sieges würde alles bezahlt (das dachten die Gegner auch, wie man erfahren sollte). Aggressiv wurden Kriegsanleihen beworben und fanden noch kurz vor Kriegsende guten Absatz. Natürlich geschah dies bereits unter einer durch Lebensmittelrationierung und andere Maßnahmen „gedämpft“ verlaufenden Inflation.

Aufruf zur Zeichnung von Kriegsanleihen, März 1917
Zeichnet Kriegs-Anleihe für U-Boote gegen England! Soldaten der dritten Armee! Das U-Boot ist als eherne Notwendigkeit gegen den brutalen Aushungerungskrieg unserer Gegner auf den Plan getreten, um Gleiches mit Gleichem zu vergelten. Lasst uns dem Staat mit weitem Blick und offenen Händen die Mittel geben, die er zur raschen umfassenden Durchführung seiner als richtig erkannten Maßnahmen benötigt, um diesen Krieg zu einem schnellen und siegreichen Ende zu führen.

Bei Kriegsende 1918 standen deutsche Regierungen dann vor riesigen finanziellen Problemen: Zu den Kriegsschulden im Inland in Form der ausgegebenen Kriegsanleihen, kamen hohe Sozialausgaben – notwendig, um das zerrüttete deutsche Reich im Inneren zu stabilisieren. Von außen forderten die Siegermächte exorbitant hohe Reparationen. Die Regierung nahm daher immer mehr Kredit bei der Reichsbank auf; die Reichsbank gab immer mehr Geld in Umlauf. Die Folge war ein massiv steigendes Preisniveau.

Der Anfang der 1920er Jahre amtierende Reichsbankpräsident Havenstein war ein konservativer, preußischer Beamter, der der Republik misstrauisch gegenüber stand. Gelegentlich wird gemutmaßt, er habe die Entwicklung billigend in Kauf genommen, wenn nicht sogar gefördert. Möglicherweise in der Hoffnung auf eine Restaurierung des Kaiserreiches. Wahrscheinlicher aber sah er es trotz aller Ressentiments wohl als seine preußische Pflicht an, dem Staat durch frisches Geld (frühes Qantitative Easing?) die Liquidität zu sichern und ihm insbesondere beim Schuldendienst unter die Arme zu greifen. Nicht zuletzt war die Reichsbank zudem noch immer in hohem Maß von der Regierung abhängig.

Schachmatt: Galoppierende Inflation wurde zur Hyperinflation

Eine Politik der Kreditverweigerung würde an der bestehenden Situation nichts ändern, vielmehr eine heillose Verwirrung des Geldwesens, Zahlungsunfähigkeit des Reiches, Lahmlegung des gesamten Reichsverwaltung und schließlich eine in ihrer Wirkung nicht absehbare politische Umwälzung im Gefolge haben.

Verwaltungsbericht der Reichsbank von 1922
  • Das Gesetz vom 26.05.1922 über die Autonomie der Reichsbank schloss das Reich von der Leitung der Reichsbank aus und übertrug diese ganz dem Reichsbankdirektorium.
  • Nach dem Tod Havensteins übernimmt Hjalmar Schacht – der für die nächsten zwei Jahrzehnte eine zentrale Figur des deutschen, ja des globalen Geldwesens werden sollte – die Geschäfte.

Zwei Meilensteine. Aber zunächst waren Schacht und der „Regierung der Wirtschaft" unter dem parteilosen Wilhelm Cuno geldpolitisch die Hände gebunden. Als alliierte Truppen im Januar 1923 ins Ruhrgebiet einmarschierten, reagierte die Reichsregierung mit der Proklamation des passiven Widerstandes; die gesamte Bevölkerung an Rhein und Ruhr trat in den Streik. Für die finanzielle Unterstützung der Streikenden druckte die Notenbank noch mehr Geld.

Die straffe Inflation durch den Krieg und seine Folgen (Brot- und Butterpreise hatten sich von 1913 bis 1921 um mehr als das zwanzigfache erhöht), wurde durch die Ruhrbesetzung nochmals entschieden angeheizt. Die galoppierende Inflation wurde zur Hyperinflation. Das Geld verlor gänzlich seine Funktionen. Weder als Wertemaßstab taugte es, noch als Zahlungs- und vor allem nicht mehr als Wertaufbewahrungsmittel. Das Geschehen nahm teilweise groteske Formen an. Jeder kennt die Bilder von Schubkarren voller Geldscheinen. Bei stündlichem Wertverfall ist Werterhalt offensichtlich kein Merkmal eines hyperinflationierenden Zahlungsmittels. Ja, auch als Zahlungsmittel selbst ist es unhandlich bis unbrauchbar geworden. Jeder will es so schnell wie möglich loswerden. Dass so etwas ebenfalls nicht mehr als Maßstab taugt um Preise zu vergleichen, liegt auf der Hand.

Billionen, Milliarden und Millionen Mark ScheineScheine aus der Zeit der Hyperinflation in Deutschland: Billionen, Milliarden, Millionen Mark Scheine zeigen das dramatische Ausmaß der Inflation zur damaligen Zeit

In hektischen Verhandlungen mit den Alliierten und in den Kabinetten des Reiches suchte man nach einer Lösung der verfahrenen Lage. Schließlich wird eine kühne Währungsreform eingeleitet; im November 1923 wurde die Mark von der lediglich theoretisch materiell gedeckten Rentenmark abgelöst. Mit drastischen Maßnahmen (z. B. wurde die Kreditvergabe konsequent absolut auf Null herunter gefahren) und der schließlich erfolgreichen Binnenwährung Rentenmark (die war ausschließlich als Zahlungsmittel innerhalb des Reiches vorgesehen), brachte man das Geldwesen wieder in geregelte Bahnen.

Das Ende sah so aus: Der Kurs zur Papiermark lag am Tag der Umstellung bei 1:1.000.000.000.000; der Kurs zum Dollar war somit bei 4,20 Rentenmark und wieder auf dem Vorkriegsniveau.

Die Inflation hatte praktisch vollständig alle Geldvermögen entwertet und natürlich auch die Geldschulden vernichtet. Es profitierten also tatsächlich (Geld-)Schuldner, allen voran der Staat: Die gesamten deutschen Kriegsschulden durch Anleihen etc. in Höhe von etwa 164 Milliarden Mark beliefen sich am Tag der Einführung der Rentenmark auf gerade noch 16,4 Pfennige.


Quellen (insb.):
  • Bundesbank (Web, Korrespondenz, Publikationen)
  • Obst; Banken und Bankenpolitik
  • Pfleiderer; Die Reichsbank in der Zeit der großen Inflation
  • Reinhard, Rogoff; Dieses Mal ist alles anders
  • Cartarius (Hrsg.); Deutschland im Ersten Weltkrieg
  • Taylor; Inflation
  • Hanke e.a.; Routledge Handbook of Major Events in Economic History
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von Graf von Henneberg | 22.09.2020, 15:30 Antworten

Von dem Inflationsgeld habe ich noch einen Schuhkarton voll. Vielleicht gilt es bald wieder...?

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