Stand: 14.08.2017 von Markus Bußler 2 Kommentare

Diesen Satz kennt vermutlich jeder Goldanleger: Mit Goldminenaktien kauft man einen Hebel auf den Goldpreis. Und das stimmt auch. Sieht man sich die letzten Jahre an, dann bilden die Goldminenaktien die Entwicklung der Edelmetalle in etwa mit Hebel drei nach - sowohl nach oben als auch nach unten. Doch in den vergangenen Wochen scheint diese Regel außer Kraft gesetzt worden zu sein.

Während der Goldpreis von seinem zyklischen Tief bei 1.205 Dollar in der Spitze ziemlich genau 7,5 Prozent zugelegt hat und Silber rund 10,5 Prozent im Plus liegen (das Flash-Crash-Tief ist dabei noch gar nicht mitgerechnet), hat der GDX ein Plus von rund 10 Prozent zu verzeichnen. Wir sehen aktuell also eine Korrelation von etwa 1:1. Und das ist eine Anomalie. Doch woher rührt diese Anomalie?

Kein frisches Geld im Gold-Sektor

Nun, um es vorweg zu nehmen, es gibt sicher nicht nur einen Grund für die aktuelle Underperformance der Minenaktien. Hier summieren sich sicherlich einige Faktoren. Man sollte, wenn man sich dieses Phänomen ansieht, im Hinterkopf behalten, dass die Umsätze bei den Minenaktien gering sind, viele ETFs Abflüsse zu verzeichnen haben und selbst die Bestände des SPDR Gold Shares, also des GLD, in den vergangenen Wochen rückläufig gewesen sind.

Sprich: Es fließt kein Geld in die Minen, es fließt Geld heraus. Und all das entlädt sich dann in einer schleppenden Bewegung bei den Minenaktien. Ich denke, es sind im Wesentlichen fünf Gründe, die hier zusammen kommen.

  1. Bevor wir uns die aktuelle Situation genauer ansehen, sollten wir noch einmal eine Rückblende in das Jahr 2016 machen. Zu Beginn des Jahres schossen nämlich Gold und Goldminenaktien durch die Decke.
    Der Goldpreis konnte von seinem Tief im Dezember bis zu seinem zyklischen Hoch im Juli rund 31 Prozent zulegen. Dagegen verzeichnete der GDX von seinem Tief im Januar bis zu seinem Hoch einen Anstieg von 156 Prozent.
    Wir haben hier also eine wesentlich deutlichere Outperformance der Minenaktien gesehen als üblich. Die Minen haben den Goldpreis um den Faktor 5 outperformt. Das Ganze hat dann auch zu einer entsprechend deutlichen Korrektur im November/Dezember 2016 geführt.
    Im Prinzip konsolidieren wir noch immer den Anstieg von Anfang 2016.

  2. Der Goldpreis hat noch nichts gewonnen. Sicher: Streng genommen hat Gold den langfristigen Abwärtstrend, der seit 2011 in Takt gewesen ist, im Juli geknackt. Doch Investoren sehen etwas anderes, sie sehen das hässliche Doppeltop im Bereich von 1.300 Dollar.
    Solange es Gold nicht gelingt, diesen Widerstand aus dem Markt zu nehmen, wird das Big Money sicher nicht zurück in den Goldmarkt fließen. Das gilt umso mehr in Verbindung mit Punkt 3.

  3. Die US-Indizes eilen von einem Hoch zum nächsten. Bislang war jeder Rücksetzer bei den US-Indizes eine Kaufchance gewesen. Und damit werden andere Assetklassen, wie zum Beispiel die Edelmetalle, für Investoren uninteressant.
    Oder anders ausgedrückt: Wenn Sie ein Money-Manager wären, würden Sie am Ende des Jahres Ihren Kunden erklären wollen, wieso Sie nicht auf die Standardaktien gesetzt haben, die anscheinend nur einen Weg kennen, nämlich den nach oben, sondern lieber auf Rohstoffaktien, die in einem Dornröschenschlaf liegen?
    Antizyklisch können Sie als Privatanleger agieren, als Fondsmanager eher nicht.

  4. Viele Anleger beklagen, dass der Goldpreis angesichts der Rallye beim Euro gegen den US-Dollar eigentlich deutlich höher stehen müsste.
    Schließlich gilt Gold als Anti-Dollar und müsste bei einer Rallye des Euro doch steigen. Doch leider stimmt das so nicht ganz.
    Zunächst einmal: Es gab genügend Phasen in der Geschichte, in denen Gold und der Dollar gemeinsam gestiegen ist. Wenn man aber schon eine Korrelation bemühen will, dann sollte man nicht die des Euro gegen den Dollar sondern vielmehr die des japanischen Yen gegen den US-Dollar bemühen.
    Hier zeigt sich nämlich aktuell eine deutlich höhere Übereinstimmung. Und der Yen war zuletzt eine der wenigen Währungen, die nicht von der Dollar-Schwäche profitieren konnte. Und das erklärt auch die nicht ganz so rasante Entwicklung des Goldpreises.
    Aber, und das ist für die Entwicklung der Minenaktien weitaus wichtiger: Der Goldpreis ist zwar in US-Dollar gestiegen. Durch die Aufwertung des Kanadischen Dollars und des Australischen Dollars hat dazu geführt, dass der Goldpreis in diesen Währungen nur marginal gestiegen oder sogar gefallen ist. In Kanada oder Australien tätige Goldgesellschaften verdienen deshalb nicht mehr - sondern teilweise sogar weniger Geld.

  5. Einer der wohl am meisten übersehen Gründe für die schwache Entwicklung der Goldminenaktien dürfte ausgerechnet in einem ETF zu suchen sein - und zwar in dem GDXJ. Als die Fondsgesellschaft van Eck im Spätwinter bekannt gegeben hat, den GDXJ umbauen zu wollen, trocknete der Markt für Minenaktien aus. Plötzlich wollte kein Investor mehr Minenaktien kaufen.
    Kein Wunder, war doch klar, dass Mitte Juni plötzlich Millionen Aktien auf den Markt gespült werden. Und so nebenbei lockte die Ankündigung auch noch so ziemlich jeden Shortseller des Planeten an.
    Mittlerweile ist die Neustrukturierung zwar abgeschlossen. Aber zum einen dürfte bei dem einen oder anderen Investor, der am Schluss Pakete abgenommen hat, ein Überhang entstanden sein. Zum anderen sind viele Investoren darüber verärgert, wie eine einzelne Fondsgesellschaft den Markt beeinflussen kann und meiden die Minenaktien seitdem.

Sind die Goldminen in einem immer währenden Teufelskreis gefangen? Nein, keineswegs. Die Vergangenheit zeigt: Die Börse vergisst vergleichsweise schnell. In den vergangenen zwei Wochen konnte der Goldpreis in kanadischen und australischen Dollar wieder anziehen.

Viel wird darauf ankommen, ob dem Goldpreis in den kommenden Tagen und Wochen nach einem wahrscheinlichen Rücksetzer der Ausbruch über die 1.300 Dollar gelingt. Aus charttechnischer Sicht dürfte der S&P500 gerade die dritte Welle beendet haben.

Das heißt zwar, dass ihm eine weitere fünfte aufwärtsgerichtete Welle noch bevorsteht. Doch im Zuge einer vierten Welle sollte in den kommenden Wochen und Monaten zunächst eine Konsolidierung anstehen. Und auch das könnte die Goldminenaktien wieder vermehrt in das Interesse der Investoren rücken.

Kurzum: Auch wenn bei den Minenaktien noch etwas Geduld gefragt ist, dürfte diese sich spätestens im Herbst auszahlen.

5 Gründe wieso Goldminen (noch) nicht steigen
Markus Bußler - Markus Bußler betreut das Rohstoff-Ressort bei dem Anlegermagazin „Der Aktionär“. Er ist außerdem Chefredakteur von „Goldfolio“, dem Börsendienst für Rohstoffaktien der Börsenmedien AG. Er ist Co-Autor des Buches „Crashkurs Rohstoffe“ und Autor des im Herbst 2016 erschienen Buches „Gold - Player, Märkte, Chancen“. Auf zahlreichen Besuchen von Gold- und Silberminen hat er sein Wissen erweitert. Er ist Referent und Key-Note-Speaker auf Börsentagen in Deutschland und Anlegermessen in Nordamerika.
Webseite des Autors:
www.goldfolio.de
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Kommentare [2]
  • von Chris | 15.08.2017, 11:49 Antworten

    Punkt 1 = Punkt 5


    [ Anmerkung der Redaktion: Vielen Dank für Ihren Hinweis, wir haben den Punkt nun aktualisiert. ]

  • von H. Fischer | 14.08.2017, 23:04 Antworten

    Bis auf den 2 Punkt kann ich die Ausführungen soweit gut nachvollziehen. Ob die Korrektur schon beendet ist, würde ich noch anzweifeln! Würde noch ergänzend anmerken, dass die Aktien, Immobilien und zuletzt auch die Kryptowährungen Gold etwas die Schau gestohlen haben..umso heftiger kann ich mir aber das Comeback vorstellen!

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