Stand: 06.04.2017 0 Kommentare

Der primäre Goldmarkt umfasst die Handelsaktivitäten der wichtigsten staatlichen und nicht staatlichen Goldkäufer und Verkäufer. Dazu gehören Geschäfts- und Zentralbanken, Goldminenbetreiber und Raffinierer, Juweliere sowie Goldfonds, Hedgefonds und andere große Anleger oder Spekulanten.

Der Handel findet entweder an einer Börse oder OTC (over the counter = außerbörslich) statt. Der nach Handelsvolumen wichtigste außerbörsliche Handelsplatz ist der Londoner Goldmarkt. Der wichtigste börsliche Handelsplatz ist die NYMEX in New York. Daneben entwickelt sich die Shanghai Gold Exchange (SGE) als bedeutendes Goldhandelszentrum und ist beim physischen Handel bereits heute weltweit führend.

Der Londoner Goldmarkt

Der globale Goldmarkt ist überwiegend ein OTC-Markt, an dem Handelspartnern ohne Vermittlung einer Börse Gold größtenteils auf Spot-Basis, also mit einer Abwicklungsfrist von zwei Tagen, kaufen und verkaufen. Der mit Abstand wichtigste OTC-Markt und zugleich der nach Volumen größte Goldmarkt überhaupt ist der Londoner Goldmarkt. Dieser bildet gemeinsam mit dem Londoner Silbermarkt den London Bullion Market, der durch die Clearing, sind einige wenige Großbanken verantwortlich, die sich in der London Precious Metals Clearing Limited (LPMCL) zusammengeschlossen haben. Mit Stand vom Januar 2016 gehörten folgende Banken zur LPMCL:

  • Barclays Bank
  • HSBC Bank
  • JP Morgan
  • Bank of Nova Scotia
  • UBS AG

Die fünf Banken wickeln Goldgeschäfte über die elektronische Handelsplattform AURUM ab. Dies geschieht sowohl auf eigenen Rechnung, als auch im Auftrag von Kunden, bei denen es sich häufig wiederum um Banken mit einem eigenen Kundenstamm handelt.

Das Handelsvolumen am Londoner Goldmarkt

Das Goldhandelsvolumen der Clearing-Banken wird monatlich und auf Basis des durchschnittlichen Tagesvolumens in den LBMA Clearing Statistics ausgewiesen. 95 Prozent des Handels findet in US-Dollar statt. Im Jahr 2015 lag das durchschnittliche Tagesvolumen pro Monat zwischen 15,6 Millionen Feinunzen (485,2 Tonnen) und 20,3 Millionen Feinunzen (631,4 Tonnen).

Der durchschnittliche tägliche Handelswert belief sich auf 17,5 Milliarden US-Dollar bis 25,4 Milliarden US-Dollar. Hinsichtlich der Goldmenge ist das Handelsvolumen am Londoner Goldmarkt langfristig rückläufig. In den späten 90er Jahren wechselten noch häufig mehr als 40 Millionen Feinunzen (1.244,1 Tonnen) Gold am Tag den Besitzer, während in den letzten Jahren Handelsvolumen von mehr als 20 Millionen Feinunzen pro Tag eher die Ausnahme als die Regel darstellen.

Physisches Gold und "Papiergold"

Der weit überwiegende Teil des weltweiten Goldhandels im Allgemeinen und des Londoner Goldhandels im Speziellen findet ohne physische Auslieferung statt. Den oben genannten Volumen liegen also meist keine buchstäblichen Bewegungen des physischen Edelmetalls zugrunde. Die Guthaben und Schulden auf den Goldkonten der Marktteilnehmer werden zwar in Feinunzen geführt, beziehen sich aber nicht auf konkrete Barren.

Dies lässt sich in etwa mit gewöhnlichen Bankguthaben oder Bankschulden vergleichen, die sich auf eine abstrakte Währung wie den Euro, nicht aber auf konkrete Euro-Geldscheine beziehen. Da den Konten keine bestimmten Barren zugeordnet sind, bezeichnet man sie als Unallocated Accounts, also als nicht zugeordnete Konten und das gehandelte Gold umgangssprachlich auch als "Papiergold". Derselbe Begriff wird allerdings auch für Gold-Futures (siehe unten) verwendet.

Die Guthaben auf einem nicht zugeordneten Konto entsprechen einem allgemeinen Besitzanspruch auf eine bestimmte Menge des Edelmetalls im Eigentum der Bank. Soll das Goldguthaben auf einem nicht zugeordneten Konto in Form von Barren ausgeliefert werden, ist dafür ein anderes, zugeordnetes Konto beziehungsweise ein Allocated Account nötig. Das Guthaben auf diesen Konten entspricht dem Besitzanspruch auf eindeutig identifizierte Goldbarren, die auch separat gelagert werden.

Dem Unterschied zwischen zugeordneten und nicht zugeordneten Konten entspricht aus Sicht der Kontoinhaber der Unterschied zwischen einem physisch besicherten und einem physisch nicht besicherten Vermögen. Im Insolvenzfall erhielte der Inhaber eines zugeordneten Kontos alle im Bestand ausgewiesenen Goldbarren, während der Inhaber eines nicht zugeordneten Kontos nur anteilig aus dem Gesamtvermögen der Bank entschädigt würde.

Diese Unterscheidung ist auch für Privatanleger relevant, die Gold online in Form von Gold-ETFs oder andere börsengehandelte Goldprodukte handeln. Die Fonds sind nur dann tatsächlich physisch besichert, wenn die Bestände, wie zum Beispiel bei den SPDR Gold Shares (vgl.: FAQ 22 ) als "allocated" ausgewiesen sind.

Market Maker

Der fortlaufende Goldhandel in London findet zwischen 8.00 Uhr und 17.00 Uhr Ortszeit statt und wird durch sogenannte Market Maker ermöglicht, die sich wechselseitig verbindliche An- und Verkaufskurse stellen. Das Mindestvolumen liegt für Spot Gold bei 5.000 Feinunzen. Die Aufgabe der Market Maker wird von insgesamt 14 Banken wahrgenommen, darunter auch die Banken, die in der LPMCL zusammengeschlossen sind. Weitere Market Maker sind zum Beispiel:

  • Goldman Sachs
  • Merrill Lynch
  • Standard Chartered Bank
  • BNP Paribas.

Die normalen Mitglieder der LBMA, unabhängig davon, ob es sich ebenfalls um Banken, Raffinierer, Barrenhersteller oder Edelmetallhändler handelt, können Gold über die Market Maker kaufen und verkaufen, während für das Clearing, bei dem dann tatsächlich Gold und Geldbeträge auf den Konten gutgeschrieben beziehungsweise abgezogen werden, wiederum nur die fünf Banken der LPMCL verantwortlich sind.

Die LBMA Good Delivery Gold List

Für den Goldhandel in London sind ausschließlich London Good Delivery-Goldbarren zugelassen. Diese Barren wiegen zwischen 350 und 430 Feinunzen oder rund 12,5 kg und müssen eine Feinheit von mindestens 999.5/1000 aufweisen. Aufgrund der weltweiten Bedeutung des Londoner Goldmarkts werden die Good Delivery-Barren auch an vielen anderen Handelsplätzen akzeptiert.Die LBMA akkreditiert nicht die Barren selbst, sondern die Goldraffinierer, die in der LBMA Good Delivery Gold List aufgeführt sind. Dazu gehören zum Beispiel:

aus Deutschland:

  • Allgemeine Gold - und Silberscheideanstalt
  • C. Hafner
  • Heimerle + Meule
  • Heraeus

international:

  • Argor Heraeus (Schweiz)
  • Istanbul Gold Refinery (Türkei)
  • Perth Mint (Australien)
  • Rand Refinery (Südafrika)
  • Umicore (Belgien)
  • Vacambi (Schweiz)

Goldbarren Hersteller

Auswahl von verschiedene Goldbarren Hersteller


Wie viel Gold lagert in London?

Die LBMA weist die physischen Goldbestände in den Londoner Tresoren nicht regelmäßig aus. Eine direkte Gegenüberstellung des aktuellen Handelsvolumens und der zumindest prinzipiell zur Verfügung stehenden Reserven ist daher nur schwer möglich. Unstrittig ist, dass in jedem Monat wesentlich mehr Gold gehandelt wird, als ausgeliefert werden könnte. Die letzten Angaben der LBMA stammen aus einer Veröffentlichung vom 15. Juni 2015. In allen Londoner Tresoren sollen 500.000 Good Delivery-Goldbarren lagern.

Daraus ergibt sich ein Gesamtgewicht von 6.250 Tonnen. In dieser Goldmenge sind allerdings auch die Bestände in den Tresoren der Bank of England enthalten, die Gold nicht nur für die LBMA-Mitgliedsbanken, sondern auch für andere Zentralbanken lagert, darunter die Deutsche Bundesbank. Im Jahr 2015 verwahrte die Bank of England insgesamt über 5.100 Tonnen Gold. Der eigene Lagerbestand der LBMA-Mitgliedsbanken belief sich entsprechend auf vermutlich 1.100 bis 1.200 Tonnen. Der größte Teil dieses Goldes ist ETF-Beständen der Goldfonds eindeutig zuzuordnen.

Der LBMA Goldpreis

Der Londoner Goldpreis ist ein Spot-Preis und wird zweimal täglich in einer Auktion ermittelt, die um 10.30 Uhr und 15.00 Uhr Londoner Zeit beginnt. Er dient nicht nur als Referenz für den fortlaufenden Handel in London, sondern wird als Orientierung für Goldmärkte rund um den Globus genutzt. Vom 12. September 1919 bis zum 19. März 2015 wurden diese Auktionen als Gold Fixing bezeichnet und seit 2004 per Telefonkonferenz durchgeführt. Die am Fixing zuletzt beteiligten Banken waren die Bank of Nova Scotia, Barclays, HSBC, die Société Générale und bis 2014 die Deutsche Bank.

Wegen mangelnder Transparenz und Vorwürfen der Preismanipulation finden die Auktionen seit dem 20. März 2015 elektronisch unter Aufsicht der ICE Benchmark Administration (IBA) statt und werden seitdem nicht mehr als Gold Fixing bezeichnet. Der ehemalige Fixing-Preis hießt unter dem neuen System offiziell LBMA Goldpreis. Die an der elektronischen Auktion beteiligten Banken nennt man Direct Participants. Ihre Anzahl ist von Anfang an größer gewesen als der kleine Kreis der Fixing-Banken und hat sich von ursprünglich sechs auf zwölf (Stand Januar 2016) erhöht.

Darüber hinaus bietet die elektronische Auktion den Bankkunden die Möglichkeit der direkten Teilnahme an der Auktion, allerdings ist der Handelspartner dann immer ein Direct Participant. Die Gruppe der Direct Participants und der Market Maker, die Kurse im fortlaufenden Handel stellen, ist zum großen Teil, aber nicht vollständig identisch. Prominente Ausnahmen sind die Direct Participants Bank of China und China Construction Bank.

Gold-Futures an der NYMEX/COMEX

Die von der CME Group betriebene NYMEX oder New York Mercantile Exchange ist der weltweit größte Handelsplatz für Gold-Futures. 2014 entsprach der tägliche Umsatz 500 Tonnen, nicht sehr viel weniger als der Umsatz am London Bullion Market von 569 Tonnen im selben Jahr. Neben dem LBMA-Goldpreis sind die Preise für diese Gold-Futures die wichtigste Referenz für andere Goldmärkte. Der Handel findet zwischen 8.30 und 13.30 Uhr Ortszeit über die zur NYMEX gehörende COMEX oder Commodity Exchange und von 6.00 Uhr bis 5.15, also annähernd rund um die Uhr, über die Handelsplattform GLOBEX statt. Die COMEX verwaltet und kontrolliert außerdem die Lagerhäuser, in denen Gold für die physische Auslieferung aufbewahrt wird.

Der wichtigste Gold-Future ist ein Terminkontrakt über 100 Feinunzen (ca. 3,1 kg) Gold, der innerhalb eines bestimmten Auslieferungsmonats in der Zukunft erfüllt werden muss. Zu jedem Zeitpunkt können eine Vielzahl von Futures mit verschiedenen Auslieferungsmonaten ge- und verkauft werden. Der Future mit Auslieferung im jeweils folgenden Monat wird typischerweise am aktivsten gehandelt. Die Kontrakterfüllung besteht zwar in der Lieferung, allerdings wird der weit überwiegende Teil der Gold-Futures während ihrer Laufzeit wieder verkauft, sodass Auslieferungen selten sind. Der Futures-Handel ist also ganz überwiegend ein nicht physischer Handel.

Die Futures werden vorrangig als Instrumente der Preisabsicherung (Hedging) und in noch stärkerem Maße als Instrumente der Spekulation auf die Goldpreisentwicklung genutzt. Privatanleger, die im Futures-Handel aktiv sind, haben oft noch nicht einmal die prinzipielle Möglichkeit, sich Gold ausliefern zu lassen, weil viele Broker den entsprechenden Service nicht anbieten oder vermitteln und den Verkauf (oder Rückkauf von Leerverkäufen) verlangen, bevor der Kontrakt ausläuft.

Neben der NYMEX/COMEX werden Gold-Futures noch an weiteren Börsen gehandelt, wie der Tokyo Commodity Exchange, der Shanghai Futures Exchange und der Borsa Istanbul. Keine dieser Börsen erreicht ein nur annähernd vergleichbares Handelsvolumen.

Futures-Handel "auf Margin"

Das tägliche Handelsvolumen der Futures übersteigt die Goldbestände in den COMEX-Lagerhäusern regelmäßig um ein Vielfaches. Dieses Missverhältnis wird durch den Handel "auf Margin" ermöglicht oder zumindest verstärkt.

Die Margin ist der Mindestbetrag, den der Käufer auf seinem Handelskonto zur Verfügung haben muss, um einen Kauf oder Verkauf durchführen zu können. Sie beträgt nur einen kleinen Bruchteil des Werts, den der Future repräsentiert. Für den Kauf oder Leerverkaufeines Kontrakt über 100 Feinunzen Gold mit einem Wert von über 100.000 Dollar sind nur etwas mehr als 4.000 Dollar nötig (Stand Januar 2016). Der Broker, der den Auftrag an der Börse durchführt, kann von seinen Kunden allerdings eine höhere Margin verlangen.

Der Broker schießt dem Kunden den tatsächlich notwendigen Betrag für den Handel des Futures vor und nutzt die Margin lediglich als Sicherheit. Droht der Future so viel an Wert zu verlieren oder im Fall eines Leerverkaufs zu gewinnen, dass die Margin als Sicherheit nicht mehr ausreicht, muss der Kunde zusätzliche Sicherheitszahlungen leisten. Andernfalls wird der Future automatisch verkauft und bei einem Leerverkauf "gecovert", also zurückgekauft.

Eligible Stocks und Registered Stocks

Anders als die Bestände in den Londoner Tresoren werden die Bestände der COMEX täglich veröffentlicht und sind ebenso wie Auslieferungsbenachrichtigungen auf der Webseite der CME Group einsehbar. Die COMEX unterscheidet zwei Arten von Lagerbeständen: Eligible Stocks und Registered Stocks.

Eligible Stocks: Bei Eligible Stocks handelt es sich um Goldbarren, die grundsätzlich für die Erfüllung der Future-Kontrakte geeignet sind (eligible = geeignet, passend). Das Gold kann das Lagerhaus aber auch wieder verlassen, ohne vorher gehandelt zu werden, zum Beispiel weil der Besitzer es an einer anderen Börse verkaufen möchte.

Registered Stocks: Eligible Stocks die von ihrem Besitzer offiziell für die Erfüllung von Futures-Kontrakten registriert werden, nennt man Registered Stocks. Die Bestände der Registered Stocks können auf unter 10 Tonnen sinken und sind damit selbst gemessen am ohnehin sehr geringen Lagerbestand der COMEX oft verschwindend gering. Dies wird oft als Hinwies auf einen unmittelbar bevorstehenden "Kollaps" der COMEX interpretiert. Tatsächlich zeigen diese Zahlen jedoch nur die fast zu vernachlässigende Bedeutung der Auslieferung für den Futures-Handel.

Die Shanghai Gold Exchange

Die Shanghai Gold Exchange (SGE) ist die größte Warenterminbörse Chinas und der zentrale inländische Umschlagplatz für Gold. Der Zugang für internationale Marktteilnehmer war lange auf einige wenige Großbanken wie die Bank of Nova Scotia, Barclays oder Credit Suisse beschränkt. Im Jahr 2014 wurde der chinesische Goldmarkt durch die Etablierung der Shanghai International Gold Exchange (SGEI) für weitere ausländische Marktteilnehmer geöffnet. Der wesentliche Unterschied zum London Bullion Market und insbesondere zur NYMEX/COMEX ist die große Bedeutung des physischen Goldhandels an der SGE/SGEI.

Seit 2013 belaufen sich die Auslieferungen aus den Tresoren der chinesischen Börse auf mindestens 2.000 Tonnen pro Jahr. Im Jahr 2015 waren es sogar mehr als 2.500 Tonnen. Zum Vergleich: Die Lagerbestände der COMEX (Registered und Eligible Stocks) beliefen sich im Januar 2016 auf gut 199 Tonnen und die Gesamtmenge des 2015 ausgelieferten Goldes auf etwa 44 Tonnen. Selbst die wesentlich größeren Bestände aller LBMA-Mitgliedsbanken von vermutlich 1.100 bis 1.200 Tonnen würden die Auslieferungen der SGE im Jahr 2015 nicht einmal zur Hälfte decken.

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