Stand: 19.04.2018  2 Kommentare

Vor kurzem hat die deutsche Bundesbank ihr Buch "Das Gold der Deutschen” vorgestellt. Die Veröffentlichung des im Hirmer Verlag erschienenen Buches wurde zwar landesweit mit großem medialen Interesse begleitet; gleichwohl beschränkte sich die Rezeption meist nur auf die Meldung der Veröffentlichung als solche. Eine tiefer gehende Einschätzung des Buches ist aber nötig. "Das Gold der Deutschen”: Die Buchbesprechung von Gold.de!

Das Gold der Deutschen: Worum geht es?

Das von Vorstandsmitglied Carl-Ludwig Thiele und der deutschen Bundesbank herausgegebene Goldbuch gibt ausführlich Rechenschaft über die deutschen Goldreserven: Wie kamen die Goldbestände in den Besitz der Bundesbank, warum lager(t)en sie im Ausland, wie hoch sind die Gesamtreserven, wo lagert wieviel Gold aktuell, wie verlief die bisherige Rückführung im Detail? Dazu gibt es interessante Kapitel über Gold als historisches Zahlungsmittel, sowie Gold als Währungsreserve. Abgerundet werden die Ausführungen mit einem faktischen Teil “Gold als Metall”.

Buch das Gold der Deuschten
Deutsche Bundesbank / Carl-Ludwig Thiele (Hg): "Das Gold der Deutschen"
Hirmer Verlag, Bildrechte: © Nils Thies / Bundesbank
Buchrezension: Das Gold der Deutschen
Weitere Buch-Ansichten. Links das Buch ohne Schutzumschlag

Erwähnenswert der folgende Satz von Jens Weidmann, Präsident der deutschen Bundesbank, im Vorwort des Buches:

Für die deutsche Bundebank sind ihre Goldreserven vor allem ein sehr bedeutender Teil ihrer Währungsreserven (...) Sie sind ein bedeutender Anker für die Werthaltigkeit der Bundesbankbilanz.

Wir halten dieses Statement des Bundesbank-Chefs deshalb für bemerkenswert, weil es zeigt, wie wichtig auch Top Währungshüter Gold als Wertspeicher erachten. Weidmann sitzt übrigens auch im EZB-Rat.

Warum ist das Buch so interesssant?

Das Gold der Deutschen
Das Gold der Deutschen: Blick in den Tresorraum der deutschen Bundesbank
Bildrechte: © Nils Thies / Bundesbank

Es ist weniger das Faktische, was das Goldbuch der Bundesbank auszeichnet. Die präsentierten Fakten über Gold als Metall wie auch die Prüfungsmethoden dürften vielen Gold.de Lesern bereits bekannt sein. Auch der geschichtliche Teil, der die Funktion von Gold als Zahlungsmittel von der Antike bis heute darstellt, ist zwar interessant zu lesen, für gut informierte Goldbugs aber nichts Neues.

Der Verdienst des Buches besteht vor allem darin, dass die Bundesbank ihre “Gold-Politik” ausführlich darstellt, von den Anfängen ihrer Gründung bis heute. Es werden nachvollziehbare Antworten gegeben auf all die Fragen, die in den letzten Jahren in der Öffentlichkeit zum Verbleib der deutschen Goldreserven laut wurden.

Berechtigtes Interesse der Öffentlichkeit nach Transparenz

Goldbarren - Das Gold der Deutschen
Goldbarren der Bundesbank mit Inventarnummer
Bildrechte: © Nils Thies / Bundesbank

Die Frage, die viele Bürger jahrelang umtrieb, war ja berechtigt: Warum lagert eigentlich deutsches Gold im Ausland? 

Dies ging hin bis zu wilden Spekulationen und Verschwörungstheorien, wie etwa, dass das Gold gar nicht existierte, die Barren gefälscht seien, oder dass ausländische Mächte wie die USA sich sogar dagegen sperren würden, dass das Gold nach Deutschland zurückkommt.

Spätestens mit der Finanzkrise 2008 wurden die Fragen der Öffentlichkeit immer bohrender. 2011 forderte die Bürgerinitiative "Holt unser Gold heim!" die schnelle Rückführung des gesamten restlichen Goldes. 

2012 stellte der Bundesrechnungshof fest, dass die Bundesbank bei der Goldlagerung und Inventur der Bestände in Frankfurt “strukturiert und nachvollziehbar” agiere, aber die außerhalb Deutschlands lagernden Goldreserven noch nie "körperlich aufgenommen und auf Echtheit und Gewicht" geprüft worden seien.

Dem ist man sich bei der Bundesbank bewusst geworden. 2012 startete man dort die sogenannte "Transparenz-Offensive". In deren Gefolge begann 2013 die teilweise Re-Patriierung, also Rückführung des deutschen Goldes. Größere Bestände aus Paris und den USA wurden nach Frankfurt verbracht. In dieser Tradition darf man auch die Veröffentlichung des Buches sehen. Hierzu Carl-Ludwig Thiele, Mitglied des Vorstandes der deutschen Bundesbank:

Jede Währung braucht Vertrauen. Vertrauen setzt aber auch voraus, dass man mit den anvertrauten Werten stets verantwortungsvoll und angemessen umgeht. Diesen Weg hat die deutsche Bundesbank bezüglich der Goldreserven konsequent beschritten. Für die Bundesbank ist es auch in Zukunft von besonderer Bedeutung, dieses Vertrauensverhältnis zu den Bürgern und der Öffentlichkeit zu pflegen und weiterzuentwickeln. Dies war und ist das Ziel der 2012 eingeleiteten Transparenzoffensive….

Carl-Ludwig Thiele - Das Gold der Deutschen
Herausgeber & Bundesbank-Vorstandsmitglied Carl-Ludwig Thiele und das Gold der Deutschen
Bildrechte: Bundesbank © Manjit Jari / © Nils Thies

Zudem veröffentlicht die Bundesbank seit 2015 eine jährlich aktualisierte Liste über den aktuellen Goldbarrenbestand. Diese "Goldbarrenliste" ist für jeden öffentlich zugänglich auf der Website der Deutschen Bundesbank und enthält die Barren-Nummern, Melt- oder Inventarnummern sowie das Brutto- und Feingewicht sowie die Feinheit des Goldes.

Die Liste zeigt auch, wieviel Gold wo gelagert ist. Demzufolge verteilt sich, Stichtag 31.12.2017, die Gesamtmenge von 3383,6 Tonnen Gold wie folgt:

  • ca. 1715,5 Tonnen in Frankfurt
  • ca. 428,5 Tonnen in England (Bank of England)
  • ca. 1239,6 Tonnen in USA (Federal Reserve Bank of New York )
>> Hier Goldbarrenliste der Bundesbank downloaden (PDF)

Welche Antworten gibt das Goldbuch?

Wir wollen im Folgenden nochmal die wichtigsten Fragen aufgreifen, die in den letzten Jahren in der Öffentlichkeit auftauchten, und die Antworten gegenüberstellen, die das Buch gibt.

Warum wurde deutsches Gold überhaupt im Ausland gelagert?
Hier räumt das Buch der Bundesbank mit einem möglichen Missverständnis auf. Nämlich dass deutsches Gold irgendwann mal zuvor ins Ausland gebracht worden sei. Deutsches Gold wurde aber nie ins Ausland transportiert. Es hat sich dort nur, salopp formuliert, angehäuft. Dieses Gold kann also genau genommen gar nicht "heim" geholt werden, da es ja noch nie hier in Deutschland war.
Wie kam es dazu?
Die ersten deutschen Goldreserven entstanden zu Zeiten des Bretton-Woods Systems mit Beginn der 50er Jahre. In den folgenden Jahrzehnten wuchs der Goldbestand kontinuierlich aufgrund des Exportüberschusses der deutschen Wirtschaft. Und diese Goldbestände wurden eben dort eingelagert, wo sie der Bundesbank zugeflossen waren. 
Das waren namentlich die “Banque de France” in Paris, die “Bank of England” in London, sowie die “Federal Reserve Bank of New York” in den USA. Gold dort einzulagern war bequem, barg kein Transport-Risiko, sparte Transportkosten, und man hatte das Gold da, wo es bei Bedarf auch schnell gehandelt werden konnte. Zudem spielten Sicherheitsüberlegungen eine wichtige Rolle. 
Es war die Zeit des kalten Krieges, man wollte die Goldreserven in möglichst weiter Entfernung wissen vor der angenommenen Gefahr aus dem Osten.
Warum war die Informationslage zu den deutschen Goldbeständen lange Zeit so dürftig?
Hier waren schlicht und einfach Sicherheitsgründe ausschlaggebend.
Warum ist im Zuge der Repatriierung das komplette Gold aus Frankreich nach Deutschland geschafft worden?
Da Deutschland und Frankreich inzwischen eine gemeinsame Währung haben, machte eine Lagerung von Gold als Währungsreserve dort keinen Sinn mehr.
Warum wurde nicht alles Gold aus den USA zurück geholt?
Aus Sicht der Bundesbank macht es Sinn, dort weiterhin Goldreserven zu lagern, da der US-Dollar noch immer die international bedeutendste Reservewährung ist. Über die Lagerstelle FED in New York ist es möglich, im Krisen- oder Notfall die Goldreserven schnell in Dollar zu monetisieren.
Warum wurde nicht alles Gold aus London zurückgeholt?
Auch hier macht es aus Sicht der Bundesbank Sinn, Goldbestände zu lagern. Der Gold-Handelsplatz London spielt als weltgrößter Markt von Gold eine herausragende Rolle.

Gold.de - Fazit:

Empfehlenswert und lesenswert! Das reich bebilderte Buch zeigt nicht nur, wie wichtig die Funktion von Gold als Sicherheitsanker und Wertspeicher auch von Top-Währungshütern eingeschätzt wird. "Das Buch der Deutschen" beantwortet auch alle Fragen bezüglich der deutschen Goldbestände.

Das Gold der Deutschen - Cover
Eckdaten zum Buch
Herausgeber: Deutsche Bundesbank
Autoren: Diverse
Verlag: Hirmer
ISBN: 978-3-7774-3074-4
Buch: 160 Seiten, 148 Abbildungen
Auflage: 1 (2018)
Preis: 24,90
Buch bestellen: Amazon

Tipp: Sonderausstellung im Geldmuseum

Vom 11. April bis zum 30. September zeigt das Geldmuseum der Bundesbank außerdem die Sonderausstellung "Gold. Schätze der Bundesbank". Zu sehen ist unter anderem eine Auswahl der interessantesten Goldbarren und -münzen aus der Sammlung der Notenbank.

Geldmuseum
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Kommentare [2]
  • von Graf von Henneberg | 25.04.2018, 12:46 Antworten

    Das ist keinesfalls das Gold der Deutschen, sondern ausschließlich das Gold der Deutschen Bundebank. Das ist ein wesentlicher Unterschied. Was meint der deutsche Michel denn, welche Goldmenge er im Krisenfall von der Bundesbank ausbezahlt bekommt? Und dazu liegt noch Gold in den USA - um Himmels willen. Wieso will man das im Ernstfall monetisieren, wenn das Geld nichts mehr Wert sein sollte? In der Krise wird das pure Gold zum Zahlungsmittel, so wie nach 1945, hat das der Deutsche vergessen? Da ging es auch ums Überleben in der Krise und ganze Häuser für um die 8 Unzen Gold verscherbelt.

  • von Dr. Gold | 24.04.2018, 21:55 Antworten

    ist echt interessant gibt´s da noch mehr Infos von Gold.de oder ist das eine Werbeveranstaltung?

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