Goldpreismanipulation: Für die einen ist sie eine ausgemachte Tatsache, für die anderen nur eine Verschwörungstheorie, die keine weitere Diskussion verdient. Sind die Sorgen um staatliche Eingriffe in die Goldpreisentwicklung begründet?

Hintergrund: Die monetäre Rolle von Gold

Gold gehörte gemeinsam mit Silber über Jahrtausende zu den wichtigsten Zahlungsmitteln und war über weite Strecken der Geschichte der Gradmesser für Wert schlechthin. Auch der US-Dollar verdankte seine Legitimität als globale Weltleitwährung im Bretton-Woods-System der Nachkriegszeit noch bis in die 1970er Jahre der Wertbindung an eine Feinunze Gold.

Erst Richard Nixon kündigte im sogenannten Nixon-Schock von 1971 einseitig die Konvertierbarkeit von Dollar in Gold. Der US-Präsident leitete damit das heutige System des physisch ungedeckten Fiatgeldes ein, das nach Belieben vermehrt werden kann (und auch vermehrt wird). Da buchstäblich aus dem Nichts geschöpftes Fiatgeld keinen physischen Anker in Form von Gold mehr hat, verbleiben zwei Möglichkeiten, um den Wert des Dollars einzuschätzen:

Der Außenwert kann in Wechselkursen zu anderen Währungen und die Veränderungen des Werts innerhalb der USA durch die Inflationsrate ausgedrückt werden. Beide Gradmesser sind nach Ansicht vieler Kritikern aber heute untauglich, um echte Geldwertveränderungen zu messen (mehr dazu weiter unten).

"Laute Stimme" des Goldes befürchtet

Gold kann die monetäre Funktion nach wie vor übernehmen. Das Edelmetall spielt im Zahlungsverkehr zwar keine Rolle und dient formal auch nicht mehr der Währungsdeckung. Seinen geldhaften Charakter hat das Edelmetall jedoch bis heute behalten: Zentralbanken besitzen neben Devisen wie Dollar, Euro und Yen auch Gold als offiziellen Teil der Fremdwährungsreserven und zwar in teils erheblichem Umfang.

Der Goldanteil an den Reserven liegt in den USA, Deutschland, Frankreich und Italien heute zwischen 60 und 75 Prozent. Statt zu sagen: "Eine Feinunze Gold ist 1.000 Dollar wert", ist es ebenso möglich und richtig, den Bewertungsmaßstab umzudrehen: "1.000 Dollar (oder 1.000 Euro, Yen, etc.) sind eine Feinunze Gold wert." Genau diese wertmessende Eigenschaft, gewissermaßen die "laute Stimme des Goldes", stellt nach Befürwortern der Theorie der Goldpreismanipulation eine schlüssige Motivation für Eingriffe in die Goldpreisentwicklung durch Zentralbanken dar.

Diesem Argument ist wenig entgegenzusetzen. Eine steigende Verschuldung und aufgeblähte Bilanzen der Staaten beziehungsweise ihrer Notenbanken machen ein Interesse an der Geldentwertung offensichtlich. Dass diese Geldentwertung tatsächlich stattfindet, ist nicht zuletzt an den stark steigenden Geldmengen abzulesen.

Staatsverschuldung, Bilanz der Zentralbank und Geldmenge am Beispiel der USA

Hier ein Überblick über die Entwicklung der US-amerikanischen Staatsverschuldung, der Bilanz der Federal Reserve und der Geldmenge M2 in den USA seit Beginn der Finanzkrise ab 2007. Die weiter gefasste Geldmenge M3, die zusätzlich zur Geldmenge M2 Guthaben von mehr als 100.000 Dollar auf US-Konten, sowie Eurodollars (Bankeinlagen mit einer Laufzeit bis zu sechs Monaten außerhalb der USA) enthalten, wird seit 2006 von der Fed nicht mehr veröffentlicht.

Jahr Staatsverschuldung (Anteil am BIP in %) Bilanz der Fed* Geldmenge M2*
2007 64,8 890,7 7.446,5
2008 76,0 2.136,9 8.196.3
2009 87,1 2.234,1 8.454,1
2010 95,2 2.420,6 8.796.0
2011 99,4 2.926,1 9.623,0
2012 100,83 2.907,3 10.484,5
2013 101,17 4.032,5 10.992,6
2014 102,98 4.497,6 11.657,1
2015 104,17 4.482,3 12.322,4
*in Milliarden Dollar

Währungswettlauf zum Boden

Wären eine zunehmende Staatsverschuldung, eine aufgeblähte Bilanz der Zentralbank und eine steigende Geldmenge ein rein US-amerikanisches Phänomen, würden Währungen wie der Euro, der Yen und das Britische Pfund, gegenüber dem Dollar kontinuierlich zulegen. Dies ist aber nicht der Fall, da auch Großbritannien, Japan und die Eurozone eine ebenso aggressive und teils noch aggressivere Politik der Geldentwertung mittels Anleihekäufen, niedrigsten Zinsen und seit 2016 teilweise sogar negativen Zinsen betreiben.

Die Staatsverschuldung lag 2015 in Großbritannien bei 88,6 Prozent, in der Eurozone bei 93,5 Prozent und in Japan sogar bei 229 Prozent der Wirtschaftsleistung. Die Wechselkurse dieser Länder und Währungsräume lassen sich inzwischen eher als Gradmesser der relativen Schwäche als der relativen Stärke begreifen. Deshalb ist auch oft vom "Wettlauf zum Boden" zwischen allen wichtigen Devisenwährungen die Rede.

Verdeckte Inflation

Die Wertentwicklung einer Währung innerhalb eines Landes oder Währungsraums lässt sich über die Inflationsrate messen. Bei näherer Betrachtung erweist sich die Inflation allerdings als ebenso unvollkommener Bewertungsmaßstab wie die Wechselkurse. Inflation ist als eine allgemeine und anhaltende Erhöhung des Güterpreisniveaus definiert.

Tatsächlich gemessen wird aber die Preisentwicklung von Warenkörben, also ausgewählten Produkte und Dienstleistungen. Durch die Auswahl und Gewichtung eröffnen sich mannigfaltige Möglichkeiten, der Inflationsrate die richtige "Optik" zu verleihen, sprich nach unten "zu korrigieren". Dass Anpassungen in der Berechnung fortlaufend vorgenommen werden, ist unstrittig. Der Effekt wird von verschiedenen Kritikern unterschiedlich beziffert.

Für den US-Dollar geht zum Beispiel shadowstatistics.com davon aus, dass die Inflation auf den Berechnungsgrundlagen von 1990 Anfang 2016 bei rund 5 Prozent lag, während der (seit 1990 fortlaufend angepasste) Consumer Price Index der USA eine Teuerungsrate von 1,4 Prozent nannte. Was bleibt also als akkurater Gradmesser für den Wert einer Währung noch übrig? Die Antwort: Der Goldpreis.

Goldpreismanipulation an der COMEX

Als ein wichtiger Tatort für die angenommene Goldpreis-Manipulation wird die COMEX in New York und in Erweiterung die elektronische Handelsplattform GLOBEX genannt. An beiden Handelsplätzen werden Futures, also Warenterminkontrakte auf Gold gehandelt. Die physische Auslieferung spielt für den Handel keine beziehungsweise nur eine stark zurückgesetzte Rolle.

Das Verhältnis von gehandelten Futures zu vorrätigem Gold (eligible stocks) liegt typischerweise deutlich unter 10 Prozent und das Verhältnis zu tatsächlich für die Auslieferung vorgemerkten Goldes (registered stocks) bei deutlich unter 1 Prozent. Die aktuellen Zahlen sind jeweils über die Webseite des Börsenbetreibers CME Group einsehbar. Die größten Teilnehmer am Futures-Handel mit Gold sind die sogenannten Bullionbanken wie JP Morgan, HSBC und die Bank of Nova Scotia.

Die US-Notenbank Fed, so der Vorwurf, bedient sich dieser Bullionbanken, um mit ungedeckten Leerverkäufen den Preis von Gold zu drücken. Ungedeckte Leerverkäufe sind Verkäufe von Gold, das real nicht existiert. So wird ein künstliches Angebot geschaffen, das mit dem wirklichen Verhältnis von Goldangebot und Goldnachfrage nichts mehr zu tun hat.

Hinweise auf Goldpreismanipulation an der COMEX

Hinweise für Manipulation des Markts mit Gold-Futures gibt es reichlich. Die größte Auffälligkeit besteht in der atypischen Art und Weise, wann und wie große Verkaufsvolumen am Markt platziert werden.

Ein Verkäufer von Futures hat ein natürliches Interesse daran, ein hohes Verkaufsvolumen so gut es geht zu verbergen, um nicht durch Überangebot den Preis negativ zu beeinträchtigen. Dieses Verbergen funktioniert am besten während der aktivsten Handelszeitung und durch die Stückelung des Verkaufs in viele kleine Orders, die zeitlich gestreckt am Markt auftauchen und dadurch leichter absorbiert werden können.

An der COMEX und GLOBEX war über die Jahre immer wieder das exakt gegenteilige Verhalten zu beobachten. Massive Orders wurden in den ruhigsten Zeiten platziert, was jedes Mal den zu erwartenden Effekt eines sofortigen scharfen Preiseinbruchs zur Folge hatte. Es gibt für dieses ansonsten widersinnige Vorgehen keine andere sinnvolle Erklärung als den Versuch der Preisdrückung.

Beispiele für wahrscheinliche Goldpreismanipulation an der COMEX

Konkrete Beispiele für solche Attacken auf den Goldpreis am Futures-Markt lassen sich viele finden. Einen besonders offensichtlichen Fall vom 6. Januar 2014 beschreibt Paul Craig Roberts, stellvertretender Finanzminister der USA unter Ronald Reagan und sicher kein wilder Verschwörungstheoretiker in seinem Essay: "The Hows and Whys of Gold Price Manipulation".

"Nachdem der Goldpreis im asiatischen und europäischen Markt 15 Dollar angezogen hatte, brach er um 10:14 Uhr plötzlich um 35 Dollar ein: In weniger als 60 Sekunden wurden 12.000 Kontrakte gehandelt, das entspricht 10 Prozent des gesamten Handelsvolumens dieses Tages." (?)

"Es gab keinerlei Nachrichten oder Begebenheiten am Markt, die diesen massiven Anstieg der Verkäufe von COMEX-Futures ausgelöst haben könnte." (?) "Die 12.000 Kontrakte repräsentieren 1,2 Millionen Unzen Gold, eine Menge, die alles in den Lagerhäusern der COMEX für die Auslieferung vorhandenen Gold um den Faktor 3 übertrifft."

Ein weiteres Beispiel für wahrscheinliche Goldpreismanipulation über die Handelsplattform GLOBEX datiert vom 18. Dezember 2013. In mehreren Wellen und innerhalb einer effektiven Handelszeit von 6 Minuten wurden Kontrakte mit einem Gesamtvolumen von 37,6 Tonnen auf den Markt geworfen und drückten den Goldpreis um zeitweise mehr als 50 Dollar.

Goldpreismanipulation durch Goldleihe

Während es sich bei der vermuteten Manipulation des Future-Marktes um reine Papier-Trades ohne Auslieferung handelt, wird bei der Goldleihe tatsächlich physisches Edelmetall bewegt.

Zentralbanken wie die Federal Reserve der USA und die Bank of England, halten bedeutende Goldmengen für die Zentralbanken anderer Länder. Bei der Goldleihe wird nun ein Teil dieses verwahrten Goldes an Bullionbanken "verliehen", die es dann dem physischen Markt in London zur Verfügung stellen. An den Besitzansprüchen der Staaten, die den Service der Einlagerung nutzen, ändert sich dadurch formal nichts. Allerdings ist der Goldanspruch nicht mehr zur Gänze durch echtes Edelmetall gedeckt.

Zugleich entsteht am physischen Markt ein Angebot, das ohne das "geliehene" Gold nicht existieren würde. In ganz ähnlicher Weise "leihen" sich auch die großen Bullionbanken Gold bei Kunden, für die sie das Edelmetall einlagern. Die Goldleihe ist kein neues Phänomen. Sie reicht Jahrhunderte zurück und wurde erstmals von Goldschmieden durchgeführt, die Gold für Kunden verwahrten.

Die Praxis der Goldleihe beruht auf der der Erkenntnis, dass die Wahrscheinlichkeit der Auslieferung größerer Mengen Goldes zum selben Zeitpunkt äußerst unwahrscheinlich ist. So können auch heute noch mehr Ansprüche auf Gold existieren, als tatsächlich Gold vorhanden ist. Allerdings lässt sich dieses Verhältnis von realem Gold zu Ansprüchen auf Gold nicht ins Unendliche ausdehnen.

Der kritische Punkt ist erreicht, wenn physische Lieferungen nicht mehr erfüllt werden können. Zwei wichtige Aspekte sprechen dafür, dass dieser kritische Punkt nahe ist, nämlich einerseits die starke Goldnachfrage in Asien und andererseits die Rückholungsaktionen von Gold aus New York und London durch eine Reihe von Staaten.

Repatriierung von Gold

Das zunehmende, durch die Praxis der Goldleihe entstehende Missverhältnis zwischen physisch vorhandenem Gold und Goldansprüchen bei der Federal Reserve und der Bank of England ist den Regierungen und Notenbanken rund um den Globus nicht verborgen geblieben. Deutschland ist nur eines von zahlreichen Ländern, die Repatriierungen, also Rückholaktionen gestartet oder bereits abgeschlossen haben. Weitere Länder sind Venezuela, Österreich und die Niederlande.

Die Deutsche Bundesbank gab im Januar 2013 bekannt, dass 300 Tonnen Gold aus New York und 374 Tonnen aus Paris nach Frankfurt überführt werden sollen. Der anvisierte Zeitraum der Rückführung von sieben Jahren legt zumindest den Verdacht nahe, dass das deutsche Gold ebenfalls größtenteils "verliehen" wurde, also innerhalb des Zentralbankensystems nur noch auf dem Papier existiert und in einem langandauernden Prozess neu beschafft werden muss. Zum Vergleich: Venezuela benötigte für die Repatriierung von 160 Tonnen Gold fünf Monate (August 2011 bis Januar 2012).

Asiatische Nachfrage leert westliche Goldtresore

Während für westliche Zentralbanken oder Investoren der Goldbesitz in Form teils ungedeckten Ansprüchen bis vor wenigen Jahren als unproblematisch eingestuft wurde, verlangt die physische Nachfrage aus Asien das Edelmetall umgehend. Ein großer Teil des Goldes wird für die Herstellung von Goldschmuck benötigt und auch Goldbarren zu Anlagezwecken werden in physischer Form verlangt.

Das wurde im Jahr 2013 auf eindrucksvoller Weise klar, als Schweizer Scheideanstalten en masse die im Londoner Handel gebräuchlichen 400-oz-Goldbarren in die kleineren, in Asien bevorzugten 1-kg-Goldbarren umschmelzen mussten. Die chinesische Nachfrage allein erreichte 2013 einen bisherigen Rekord von mehr als 1.100 Tonnen und in Indien lag die Nachfrage mit 975 Tonnen kaum geringer.

Stammt das Gold aus den Tresoren der Bank of England? So viel ist zumindest unstrittig: Die Bank of England gab im April 2013 einen Rückgang der Lagerbestände um 1.300 Tonnen bekannt. Es handelte sich wahrscheinlich bei dem Gold nicht um das Eigentum der Zentralbank des Vereinigten Königreichs, sondern um Edelmetall, das für andere Länder verwahrt wurde. Die zweite wichtige Quelle waren die Bestände der Gold-ETFs, die 2013 Abflüsse von insgesamt mehr als 1.000 Tonnen verzeichneten. Zugleich lässt sich ein konzentrierter Angriff auf den Goldpreis für April 2013 zumindest mit einiger Berechtigung unterstellen.

Goldpreissturz im April 2013

Bei einem Goldpreis von über 1.600 Dollar gab die Investmentbank Goldman Sachs ein neues Kursziel von 850 Dollar heraus und riet Investoren dringend sich von ihren physisch besicherten Geldbeständen - sprich: ETF-Anteilen - zu trennen. Zu Handelsbeginn am 12. April wurden an der COMEX Kontrakte mit einem Volumen von 400 Tonnen Gold auf den Markt geworfen und leiteten einen zweitägigen Absturz des Goldpreises von über 15 Prozent ein. Seit 1980 war der Goldpreis in so kurzer Zeit nicht mehr so stark eingebrochen.

Der Absturz führte zu panikartigen Verkäufen von ETFs. Der größte der Goldfonds, der SPDR Gold Trust, hielt am 12. April 2013 über 1.150 Tonnen Gold. Bis Ende April hatten sich die Bestände auf weniger als 800 Tonnen reduziert. Die Theorie, dass der Goldpreis im April 2013 bewusst gedrückt wurde, um anstehende Lieferungen aus Asien erfüllen zu können, wird sich zwar niemals beweisen lassen, ist aber durchaus plausibel.

Der Goldpreis hat sich von diesem Schock jedenfalls bisher nicht wieder vollständig erholt. Drei Jahre später, Im April 2016 kostete das Edelmetall zwischen 1.200 und 1.300 Dollar, nachdem im Dezember 2015 der bisherige Tiefststand von rund 1.050 Dollar markiert worden war.

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Kommentare [1]
  • von B. Rühl | 31.12.2016, 22:53 Antworten

    Eine Riesenschweinerei! Die "kleinen" Leute werden wegen geringfügiger Summen belangt und die Finanzoligarchen im Bunde mit den Politikern begehen die grössten Verbrechen ungestraft und dürfen somit ihren Arsch immer wieder und wieder retten. Ekelhaft!!!

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