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Stand: 15.08.2022 von Hannes Zipfel
Die jüngsten Kursgewinne bei Gold und Silber basierten auch auf der Annahme, dass die US-Notenbank ihre Geldpolitik demnächst wieder lockert. Erste Hinweise darauf könnten aus dem Protokoll der letzten Zinssitzung hervorgehen, das am Mittwoch veröffentlicht wird.
China-Daten, ZEW-Konjunkturindex und FED-Protokoll

Die Chinesische Zentralbank hatte zum Wochenauftakt bereits wichtige Leitzinsen zum fünften Mal in Folge gesenkt.

Weitere relevante Termine für Edelmetallanleger in dieser Börsenwoche:

  • Montag: Großhandelspreise Deutschland ggü. Vorjahresmonat (Jul.: 19,5 % | Jun.: 21,2 %)
  • Dienstag: US-NAHB Immobilienindex für August (e: 55,0 | Juli: 55,0 | Juni: 67,0)
  • Mittwoch: Protokoll der letzten US-Notenbanksitzung vom 26. / 27. Juli (20:00 Uhr MEZ), Einzelhandelsumsätze USA für Juli in der Kernrate ggü. Vormonat (e: -0,1 % | Jun.: 1,0 %)
  • Donnerstag: US-Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung für die KW 32 (e: 265k | KW 31: 262k)
  • Freitag: Erzeugerpreisindex Deutschland für Juli ggü. Vorjahresmonat (e: 32,0 % | Jun.: 32,7 %), Terminmarktdaten (COT-Report) für Gold, Silber, Platin und Palladium (21:30 Uhr MESZ)

Chinesische Zentralbank senkt Leitzinsen nach enttäuschenden Konjunkturdaten

Während die Zentral- und Notenbanken in Europa und den USA trotz heraufziehender Rezession ihre Leitzinsen noch anheben, reagiert die Chinesische Zentralbank (PBoC) bereits mit der fünften Zinssenkung in Folge und der zweiten Zinssenkung in diesem Jahr auf den konjunkturellen Abschwung.

Der Referenzzins für einjährige Darlehen an Finanzinstitute (MLF) wurde zur Stimulierung der Kreditvergabe von 2,85 Prozent auf 2,75 Prozent und der Schlüsselsatz für Reverse-Repo-Geschäfte von 2,1 Prozent auf 2,0 Prozent reduziert.

Die Inflationsrate im Sinne der Verbraucherpreise (CPI) liegt aktuell bei offiziellen 2,7 Prozent pro Jahr auf dem höchsten Stand seit Juli 2020 (3,3 Prozent p. a.).

Chinesische Zentralbank (PBoC) bereits mit der fünften Zinssenkung in Folge

Zuvor wurde aus dem Reich der Mitte am Montagmorgen eine ganze Serie enttäuschender Konjunkturdaten vermeldet:

  • Immobilienpreise landesweit im Juli ggü. Vorjahresmonat: -0,9 % nach -0,5 % im Juni
  • Einzelhandelsumsätze im Juli seit Jahresbeginn: -0,21 % nach -0,69 % im Juni
  • Industrieproduktion im Juli ggü. Vorjahresmonat: 3,8 % nach 3,9 % im Juni (e: 4,6 %)

Großhandelspreise in Deutschland etwas weniger stark gestiegen

Die Verkaufspreise im Großhandel in Deutschland sind ein guter zeitlicher Vorlaufindikator für die Verbraucherinflation. Im Juli 2022 stiegen die Preise für die von den Großhändlern weiterverkauften Waren um 19,5 gegenüber Juli 2021 an.

Wie das Statistische Bundesamt (DeStatis) in Wiesbaden mitteilt, hat sich der Anstieg der Großhandelspreise im Vorjahresvergleich damit leicht abgeschwächt. Im Juni 2022 hatte die Veränderungsrate noch +21,2 Prozent betragen und im Mai sogar +22,9 Prozent.

Gegenüber Juni 2022 stiegen im Juli insbesondere die Preise im Großhandel mit festen Brennstoffen (+10,2 %) sowie für Milch, Milcherzeugnisse, Eier, Speiseölen und Nahrungsfette (+2,6 %).

Dagegen waren Getreide, Rohtabak, Saatgut und Futtermittel saisonal bedingt billiger (-8,4 %). Erze, Metalle und Metallhalbzeug waren 4,9 % preiswerter, ebenso Altmaterial und Reststoffe (-2,7 %).

Hier sanken die Preise für Eisen und Stahlschrott zum dritten Mal in Folge (-11,8 % gegenüber Juni 2022). Preisrückgänge waren außerdem im Großhandel mit Mineralölerzeugnissen zu beobachten (-1,1 %).

Die den Großhandelspreisen vorgelagerten Erzeugerpreise lagen in Deutschland im Juni mit +32,6 Prozent gleichwohl nur knapp unter dem Rekordhoch seit Beginn der Datenerhebung im Jahr 1949 in Höhe von +33,6 Prozent im Mai 2022.

ZEW-Konjunkturerwartungen weiter schwach erwartet

Das Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim (ZEW) vermeldet am Dienstag um 11:00 Uhr die Ergebnisse seiner jüngsten Konjunkturumfrage für den Monat August. Dabei wird mit einer nochmaligen Eintrübung der Lageeinschätzung auf -48,0 Punkte von -45,8 Punkten im Juli gerechnet.

Der Index für die Konjunkturerwartungen der kommenden sechs Monate soll auf dem Niveau der Weltfinanz-, Euro- und Corona-Krise bei -53,8 Prozent verharren.

ZEW Konjunkturdaten für Deutschland

Der ZEW-Index gilt neben dem Geschäftsklima-Index des ifo Instituts aus München als einer der wichtigsten Frühindikatoren für die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland.

Beim ZEW-Index werden monatlich mehr als 350 institutionelle deutsche Investoren befragt. Beim ifo-Index hingegen ca. 9.000 Führungskräfte deutscher Unternehmen aus allen wichtigen Sektoren. Der ifo-Geschäftsklimaindex notierte im Juni bei 92,3 Punkten und signalisiert ebenso wie der ZEW-Index eine Rezession im zweiten Halbjahr in Deutschland.

Wochenhighlight - Protokoll der letzten US-Notenbanksitzung

Das Highlight der Woche dürfte für die Edelmetallmärkte das Protokoll zur letzten Notenbanksitzung der US-Fed am 26. und 27. Juli werden. Damals hob die „Fed“ den Leitzins in einem großen Schritt um 0,75 Prozentpunkte auf effektiv 2,33 Prozent p. a. an.

Aus dem Inhalt des redaktionell aktualisierten „Minutes“ genannten Protokolls erwarten sich die Marktteilnehmer Hinweise für weitere Zinsanhebungen auf der nächsten Sitzung nach der Sommerpause am 21. September sowie möglicherweise Andeutungen in Richtung einer Adjustierung der Amplitude der Bilanzreduzierung (Liquiditätsentzug) durch die Geldpolitiker in Washington – speziell im Bereich der hypothekenbesicherten Wertpapiere.

Hier kam es zuletzt im Juli zu einem weiteren deutlichen Einbruch sowohl der Nachfrage als auch des Angebots bei privaten sowie gewerblichen Immobiliendarlehen (Quelle: Mortgage Bankers Association), was den für die Gesamtkonjunktur wichtigen Immobiliensektor in den USA zunehmend belastet.

Momentan erwartet eine knappe Mehrheit der „Fed-Beobachter“ (56,6 % | Stand 15. August) gemäß dem „FedWatch Tool“ der US-Terminmarktbörse CME-Group eine weitere Anhebung der US-Leitzinsen (Fed Fund Rate) am 21. September um 0,5 Prozentpunkte auf eine Leitzinsspanne von dann 2,75 - 3,0 Prozent p. a. Immerhin 43,5 Prozent erwarten sogar einen Zinsschritt um weitere 0,75 Prozentpunkte.

Noch wird wegen der hohen Inflationsrate von 8,5 Prozent im Jahresvergleich von einem der aggressivsten Zinserhöhungszyklen durch die US-Notenbank seit dem Ende der 1980er-Jahre ausgegangen.

aggressivsten Zinserhöhungszyklen durch die US-Notenbank

Ob und wie lange dieser restriktive geldpolitische Kurs der Fed in Anbetracht der bereits zwei Quartale in Folge schrumpfenden Wirtschaftsleistung in den USA und einer Rekordverschuldung in Höhe von knapp 92 Billionen (Gesamtverschuldung) durchhaltbar ist, wird von Monat zu Monat fraglicher. Umso gespannter wird der Inhalt des Fed Protokolls erwartet.

Jeder Hinweis auf eine erneute Lockerung der Geldpolitik in den USA würde den US-Dollar schwächen und die Kurse für Gold und Silber signifikant unterstützen.

Weitere wichtige Daten-Termine inklusive Prognosen und historischen Zeitreihen finden Sie hier.

Autor: Hannes Zipfel
Ökonom
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von Goldschnupperer | 16.08.2022, 16:29 Uhr Antworten

Es ist nicht davon auszugehen das vor dem 8. November 2022 die FED die Zinsen senken werden weil die Demokraten in den USA aufgrund der Inflation nicht auf gesunden Beinen stehen. Also lasst uns nach der Zwischenwahl noch einmal über Zinssenkungen bei der FED reden, alles andere ist nur Spekulation.

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