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Stand: 13.12.2021 von Hannes Zipfel
Ganze 22 Zentral- und Notenbanken halten in dieser Woche ihr letztes Meeting im Jahr 2021 ab. Dazu gehören neben der EZB u. a. auch die US-Fed, die Bank of Japan, die Schweizerische Nationalbank, die Bank of England und die Türkische Zentralbank. Für Spannung an den Märkten ist also gesorgt.
Das große Finale der Notenbanken

Zusätzlich werden in der KW 50 einige wichtige Konjunkturdaten große Beachtung finden:

  • Montag: Großhandelspreise Deutschland im November (veröffentlicht: +16,6 Prozent p. a. | höchster Wert seit Beginn der Datenermittlung im Jahr 1962)

  • Dienstag: US-Erzeugerpreisindex November (e9,2 % p. a. | Okt.: 8,6 % p. a.)

  • Mittwoch: Chinesische Industrieproduktion und Einzelhandelsumsätze

  • Donnerstag: Einkaufsmanagerindizes für das Verarbeitende Gewerbe und den Dienstleistungssektor für Deutschland, die Eurozone und die USA

  • Freitag: ifo-Geschäftsklima Deutschland für Dezember (e95,4 | November: 96,5)

Turbulente Zeiten für Zentral- und Notenbanker

Die bedeutendsten Notenbanken der Welt entscheiden in dieser Woche über die Neuausrichtung ihrer Geldpolitik. Besonders im Fokus stehen dabei die US-Notenbank Fed und die Europäische Zentralbank (EZB).

Lange trugen die Zentral- und Notenbanker dieser beiden Institutionen das Mantra eines nur vorübergehenden Inflationsanstiegs vor sich her. Mittlerweile droht sich die Preisspirale zu verselbstständigen und mit dem Anspringen der Lohn-Preis-Spirale in einen Teufelskreis zu geraten.

Daher konnte man in den letzten Wochen bereits ein für Notenbanker und ihre Reputation problematisches Verhalten beobachten: abrupte Sinneswandel.

Diese fanden zuerst bei der US-Notenbank und mit ein paar Wochen Zeitverzögerung auch bei der Europäischen Zentralbank statt.

Wie drastisch die Kehrtwende bei der Europäischen Zentralbank ausfiel, zeigen Aussagen der deutschen Vertreterin im EZB-Rat, Isabel Schnabel: Anfang Dezember gab sie sich in einem Interview mit der Bild-Zeitung noch überzeugt, dass die Inflationsrate

„eher zu niedrig“ sei.

Ende letzter Woche betonte Sie dann plötzlich die Risiken anhaltend überschießender Teuerungsraten und sprach sich für eine Neuausrichtung der EZB-Politik in Richtung zügiger Reduzierung des Gelddruckvolumens aus. Da muss man als Beobachter der Geldpolitik mittlerweile schwindelfrei sein.

Der Druck kommt von oben – Zentralbankunabhängigkeit ade

Sowohl in den USA als auch in Europa üben die Fiskalpolitiker zunehmend Druck auf die Geldpolitiker aus, ihre ultralaxe Geldpolitik zu beenden und die Inflation zu bekämpfen. Dieser Forderung vonseiten der Politik ist auch der plötzliche Sinneswandel des US-Fed-Chefs Jerome Powell zu verdanken, der vor Kurzem noch in Karikaturen als psychisch auffälliger Patient verhöhnt wurde, der fest von der Illusion einer vorübergehenden Inflation besessen sei.

Erst als US-Präsident Joe Biden ihm mit dem Auslaufen seines Vertrages zum Jahresbeginn 2022 drohte, wechselte Powell in das Lager der Inflationsbekämpfer.

Damit geriet auch die EZB unter Druck, die weiterhin standhaft behauptete, dass die Inflation kein nachhaltiges Problem sei und wieder von alleine verschwinden würde. Nachdem nun bei den größten Notenbanken Aussage gegen Aussage stand, entschieden die Anleger, den Amerikanern zu glauben.

In der Folge wurde der Euro verkauft und der perspektivisch weniger stark aus der Druckerpresse sprudelnde und sogar höher verzinste US-Dollar gekauft. Wäre die EZB ihrem eingetretenen Pfad treu geblieben, hätte es zu einem regelrechten Euro-Crash kommen können.

Genau diese Erfahrung macht gerade die Türkische Zentralbank (TCMB) mit der Türkischen Lira. Die TCMB wird trotz Währungskollaps (heute Morgen neues Allzeittief der Lira gegenüber dem US-Dollar) bei ihrer Sitzung am kommenden Donnerstag erneut die Zinsen um 100 Basispunkte auf dann 14,0 Prozent p. a. senken. Und das, obwohl die Jahresinflationsrate in der Türkei zuletzt auf über 20 Prozent angestiegen ist – in der Großstadt Istanbul sogar auf über 25 Prozent.

Entweder Präsident Recep Tayyip Erdoğan beendet seine unsägliche Einflussnahme auf die Türkische Zentralbank und unterlässt seine ständigen Forderungen nach Zinssenkungen oder es droht der ökonomische und gesellschaftliche Kollaps in der Türkei – lange vor den Präsidentschaftswahlen im Jahr 2023.

Erwartungen an die Zentral- und Notenbanksitzungen

Um den Inflationsängsten in der Bevölkerung und dem daraus resultierenden Unmut der Politiker einerseits und den Vermögenspreisblasen andererseits gerecht zu werden, versuchen die großen Notenbanken möglichst sanft aus der ultralaxen Krisengeldpolitik auszusteigen.

Doch die Entwöhnung von Überschussliquidität und Nullzinsen birgt hohe Risiken.

Die Weltwirtschaft leidet nach wie vor unter den coronabedingten Einschränkungen und Verwerfungen. Die Vermögenspreise haben sich dennoch mitten in der Krise auf Rekordbewertungsniveaus aufgebläht. Das Wirtschaftswachstum während der Pandemie ist ausschließlich auf Rettungs- und Stützungsprogramme zurückzuführen, die von den Zentralbanken mit frisch erzeugtem Geld finanziert wurden.

Ein zu schnelles Zurückfahren dieser wichtigsten Geldquelle birgt enorme Risiken, v. a. dann, wenn die Pandemie nicht zügig verschwindet und auch weiterhin einige Branchen auf hohe Staatshilfen angewiesen sind.

Wenn die Notenbanken auf äußeren Druck hin zu stark bremsen, kommt es zum Crash an den liquiditätssüchtigen Finanzmärkten mit negativen Folgewirkungen für die Realwirtschaft. Dieser Balance-Akt zwischen Inflationseindämmung und Finanzcrash wird eine echte Herausforderung für die Geldpolitiker.

Die US-FED hat bereits im November begonnen, ihr monatliches Ankaufvolumen für Staats- und Hypothekenanleihen von 120 Mrd. US-Dollar auf 105 Mrd. US-Dollar zu reduzieren. Auf der Offenmarktausschusssitzung am Mittwoch soll eine zusätzliche Mengenreduzierung um 15 Mrd. US-Dollar monatlich beschlossen werden.

Ab Mai nächsten Jahres könnte nach dem kompletten Auslaufen der Anleihekaufprogramme bereits eine erste Zinserhöhung um 25 Basispunkte stattfinden, gefolgt von zwei weiteren Zinsanpassungen in gleicher Höhe bis zum Jahresende 2022.

Von der EZB wird erwartet, dass sie zumindest ihr Notfall-Gelddruck-Programm (PEPP) zum Ultimo März 2022 auslaufen lässt. Damit würden pro Monat 80 Mrd. Euro weniger Geld durch die EZB in den Wertpapiermarkt gepumpt. Übrig bliebe dann noch das ältere und parallel laufende APP (Asset Purchase Programme) mit monatlichen Wertpapierkäufen in Höhe von 20 Mrd. Euro.

Abhängig von dem Verlauf der Pandemie und der Konjunktur will sich die EZB aber die Flexibilität bewahren, das APP-Programm kurzfristig massiv aufstocken zu können.

Anders als die US-Notenbank Federal Reserve oder die Bank of England will die EZB die Zinsen auf absehbare Zeit nicht anheben. Damit dürfte der Euro tendenziell weiter schwach bleiben gegenüber dem US-Dollar. Das ist grundsätzlich positiv für die Goldnotierungen in Euro, sofern der Goldpreis in US-Dollar stabil bleibt.

Überblick zu den wichtigsten Terminen in der KW 50

In der folgenden Übersicht finden Sie weitere wichtige Termine, die in der aktuellen Handelswoche kursrelevant werden können.

Wochentag Zeit (MESZ) Datenart Prognose Vorherig
Montag 8:00 Uhr TRY: Industrieproduktion Türkei (Jahr / Okt.) 8,5 % (aktuell) 9,0 %
Montag TRY: Einzelhandelsumsätze Türkei (Nov. / Jahr) 15,2 % (aktuell) 17,2 %
Montag TRY: Einzelhandelsumsätze (No. / Monat) 0,9 %

(aktuell)

1,8 %
Dienstag 14:30 Uhr US: Erzeugerpreisindex USA (Nov. / Jahr) 9,2 % 8,6 %
Mittwoch 3:00 Uhr CNY: Anlageinvestitionen China (Nov. / Jahr) 5,3 % 6,1 %
Mittwoch CNY: Industrieproduktion China (Nov. / Jahr) 3,8 % 3,5 %
Mittwoch CNY: Einzelhandelsumsätze China (Nov. / Jahr) 4,9 % 4,9 %
Mittwoch 9:00 Uhr TRY: Haushaltssaldo in Mrd. TRY (Nov.) - -17,41
Mittwoch 14:30 Uhr USA: Einzelhandelsumsätze (Nov. / Mon.) 0,8 % 1,7 %
Mittwoch 16:30 Uhr USA: Rohöllagerbestände in Mio. Barrel - -0,24
Mittwoch 20:00 Uhr USA: Zinsentscheidung und Statement der Fed (20:30 Uhr PK mit Jerome Powell) - -
Donnerstag 9:30 Uhr DE: Einkaufsmanagerindex Verarbeitendes Gewerbe (Dez.) 56,9 57,4
Donnerstag DE: Einkaufsmanagerindex Dienstleistungen (Dez.) 51,0 52,7
Donnerstag 10:00 Uhr EU: Einkaufsmanagerindex Gesamt (Dez.) 55,0 55,4
Donnerstag 13:45 Uhr EU: Zinsentscheidung der EZB und Statement (14:30 Uhr PK mit Christine Lagarde) - -
Donnerstag 14:30 Uhr USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe (Woche) 195k 184k
Donnerstag 15:15 Uhr USA: Industrieproduktion (Nov. / Monat) 0,7 % 1,6 %
Donnerstag 15:45 Uhr USA: Einkaufsmanagerindex Verarbeitendes Gewerbe (Dez.) 58,5 58,3
Donnerstag USA: Einkaufsmanagerindex Dienstleistungen (Dez.) 58,5 58,0
Freitag 3:30 Uhr JP: Zinsentscheidung der Bank of Japan mit direkt anschließender PK - -
Freitag 8:00 Uhr DE: Autozulassungen (Nov. / Jahr) -37,2 % -34,9 %
Freitag 10:00 Uhr DE: ifo-Geschäftsklimaindex (Dez.) 95,3 96,5
Datenquelle: Thomson Reuters, Investing.com
Autor: Hannes Zipfel
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