Stand: 31.03.2021 von Egmond Haidt
Neben den kräftig steigenden US-Zinsen hat noch eine Reihe anderer Faktoren die Talfahrt des Goldpreises beschleunigt. Hingegen explodieren die hiesigen Staatsschulden auf immer neue Rekordhochs.
Deutschlands Schulden explodieren

Die Schere zwischen Gold und Bitcoin öffnet sich immer weiter. Offenbar spiegelt die Kryptowährung die gewaltige Schuldensause und das enorme Gelddrucken in den USA immer stärker wider und ist mit Kursen von knapp 60.000 Dollar in die Nähe des Rekordhochs gestiegen.

Damit hat sich der Preis seit Jahresanfang mehr als verdoppelt.

Hingegen ist der Goldpreis mit Kursen von unter 1.700 Dollar je Unze auf Elf-Monats-Tiefs eingebrochen. Wegen der Schieflage des US-Hedgefonds Archegos Capital haben Investoren offensichtlich US-Staatsanleihen liquidiert, woraufhin die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen bis auf 1,77 Prozent nach oben geschossen waren, ehe sie leicht gesunken sind.

Das war ein 14-Monats-Hoch, was im Gegenzug den Goldpreis belastet.

Zudem ziehen die steigenden US-Zinsen den Dollar deutlich mit nach oben, woraufhin beispielsweise der Euro mit 1,17 Dollar je Euro auf Fünf-Monats-Tiefs gegenüber dem Dollar gesunken ist. Das sorgt für zusätzlichen Verkaufsdruck beim Goldpreis, während gleichzeitig der S&P500 auf Rekordkurs ist.

Damit hatte die Notierung des Edelmetalls von einer dritten Seite Gegenwind.

Wer braucht angesichts des Höhenflugs des Aktienmarktes in den USA, und im Rest der Welt, wie beim DAX, schon Gold? Das könnten sich viele Investoren gefragt haben.

Biden lässt Billionen schweres Infrastrukturprogramm erarbeiten

Bleibt die Frage wie lange die Talfahrt des Goldpreises nach weitergeht, schließlich schießen die Schulden in den USA rasant nach oben, wodurch der Dollar immer weiter entwertet wird, was den Goldpreis eigentlich beflügeln müsste. So arbeitet die Regierung von US-Präsident Joe Biden an einem Billionenschweren Infrastrukturprogramm, wodurch die Inflation immer weiter angeheizt wird.

Dabei eilen die Schulden der Regierung in Washington von einem Rekord zum nächsten und lagen zuletzt bei horrenden 28 Billionen Dollar. Das sind herbe 130 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung.

Die Schulden dürften schon bald die Marke von 30 Billionen in Angriff nehmen und anschließend schnell in Richtung 35 Billionen steigen.

Deutschlands Schulden schießen nach oben

Unglücklicherweise steigen auch die hiesigen Schulden kräftig, wenngleich bei Weitem nicht so stark wie in den USA. Laut der Bundesbank sind die Schulden von Bund, Ländern, Gemeinden und der Sozialversicherung im Jahr 2020 um 275 Mrd. Euro auf 2,33 Billionen Euro nach oben geschossen.

Damit ist die Staatsverschuldung im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung um 10,3 Prozentpunkte auf 70 Prozent geklettert.

Damit ist die Quote allerdings nur rund halb so hoch wie in den USA (130 Prozent) und liegt meilenweit unter jener vieler hochverschuldeter Länder der Euro-Zone, wie:

  • Italien (154,2 Prozent per Ende September 2020)
  • Spanien (114,1 Prozent)
  • Frankreich (116,5 Prozent)

Die Zahlen zum Jahresende werden am 23. April 2021 veröffentlicht.

„Dies ist der stärkste Anstieg der Schuldenquote (Deutschlands) innerhalb eines Jahres seit der Wiedervereinigung. Ein Jahr zuvor hatte Deutschland mit 59,7 Prozent erstmals seit 2002 wieder den Referenzwert des Maastricht-Vertrages von 60 Prozent unterschritten.

Zum Vergleich: Während der Wirtschafts- und Finanzkrise war die Schuldenquote in den Jahren 2009 und 2010 zusammen um 16,8 Prozentpunkte gestiegen und hatte – auch wegen der Übernahme umfangreicher Risikoaktiva des Bankensektors – ihren bisherigen Höchststand von 82,5 Prozent erreicht“, schrieb die Bundesbank.

Im laufenden Jahr steht ein weiterer rasanter Schuldenanstieg bevor. So plant Finanzminister Olaf Scholz mit einer Neuverschuldung von 240,2 Mrd. Euro – sie läge damit in der Nähe des 2020er-Rekords von 214,9 Mrd. Euro.

Allerdings sorgt die EZB mit ihrem gigantischen Gelddrucken dafür, dass die Zinsen für hoch verschuldete Länder, wie Italien, Spanien und Portugal in der Nähe des Rekordtiefs bleiben, was auch die Zinsen für Deutschland auf sehr niedrigem Niveau hält.

So liegen die Zinsen für zehnjährige Bundesanleihen bei knapp minus 0,3 Prozent.

Da die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen wegen der zunehmenden Inflationssorgen, gerade durch Bidens Infrastrukturprogramm, auf absehbare Sicht weiter steigen dürften, könnte sich die Schere zwischen Bitcoin und Gold kurzfristig weiter öffnen.

Allerdings dürften weiter steigende US-Zinsen für zunehmenden Gegenwind beim US-Technologieindex Nasdaq und damit allmählich auch am Gesamtmarkt, gemessen am S&P500, sorgen.

Dann müsste die Fed zügig eingreifen, um sich energisch gegen einen weiteren Zinsanstieg zu stemmen, womit auch der Rückenwind beim Dollar merklich nachlassen würde. Dann wird sich zeigen, wie sich der Goldpreis weiter entwickelt.

Autor: Egmond Haidt
Finanzjournalist
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von Kaputtregiert | 04.04.2021, 16:23 Antworten

Gold wird besteuert, der Benzinrasenmäher verbannt, das Gras (nicht DAS Gras) in Tüten (nicht DIE Tüten) unter der Erde gelagert, Pupsen nur noch durch einen KAT erlaubt werden.
Und der Weihrauch?... Frohe Ostern :)

von Edelkauf | 03.04.2021, 09:05 Antworten

Die Schulden von Deutschland sind viel zu wenig ,da die Merkel Politik schon sehr lange nix mehr merkt.
Es werden Milliarden ins Ausland verschenkt Irak und überall hin und Merkel weiß wohl nicht wem Sie diene .Wenn sie das sinke Schiff verlässt -Amtende-werden wir wie Hitler s Zeiten pleite sein .Die hätte nie an der Macht kommen dürfen auch wegen den vielen Krisen .-Schon vergessen -
Griechenland Kriese Spanien Frankreich Italien . Hautsache die Diäten stimmen in den 16 Jahren ihrer Amtszeit . Doch die Blasen wird explodieren und der Goldwert wird wieder steigen

von Goldfreund | 31.03.2021, 23:46 Antworten

Eigentlich, dürfte. könnte, müsste.......die "alten" Regeln des Marktes scheinen nicht mehr zu gelten und gibt es nicht mehr!?. Es gibt zu viel Geld in den falschen Händen. Bei mir ist es jedenfalls nicht oder kommt nicht an! Alles bei den Spekulanten und die müssen von den Statten bei Laune gehalten werden auf Kosten der Verschuldung. Ich könnte kotzen.

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von Aureus | 02.04.2021, 00:22 Antworten

Wenn die US-Bonds mit einer Laufzeit von 10 Jahren die 3 Prozent Marke überschreiten sollten, wäre dies ein wichtiger Faktor, um der Aktien-Hausse ein Ende zu setzen, weil dieses Niveau deutlich die Durchschnittsdividende im S&P 500 schlägt und somit Aktien unattraktiv erscheinen lässt. Doch die FED wird Himmel und Hölle in Bewegung setzen, um die Zinsen zwecks der probaten Unternehmens- und Staatsrefinanzierung zu deckeln...und hilft damit indirekt auch dem Goldpreis.

Schauen wir mal, in welche Richtung das Pendel ausschlägt und bei welchem Zinssatz die FED intervenieren wird. Mein Sentiment liegt bei 2,5 Prozent.

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