Gold: 1.751,02 € 0,00 %
Silber: 19,94 € +0,02 %
Stand: 13.06.2022 von Hannes Zipfel
Diese Handelswoche wird an Spannung kaum noch zu überbieten sein. Ein Hauch von Weltuntergangsstimmung weht über das virtuelle Börsenparkett. Aber Gold steht wie der Fels in der Brandung. Im Gegensatz zu Aktien, Anleihen, Kryptowährungen und unserer Gemeinschaftswährung notiert das gelbe Edelmetall in Euro seit Jahresbeginn nach wie vor im Plus.
Eurokrise reloaded, US-Notenbanksitzung und Crash-Gefahr

Weitere sehr wichtige Datentermine in der Börsenwoche 24:

  • Montag: Einzelhandelsumsatz April Türkei (Jahr) nominell akt.: 17,7 Prozent, real: -59,2 Prozent (Inflationsrate im Mai: +73,5 Prozent)
  • Dienstag: ZEW-Konjunktur-Index Deutschland Mai (11:00 Uhr), Erzeugerpreise USA Mai (14:30 Uhr MESZ)
  • Mittwoch: Einzelhandelsumsätze US im Mai (14:30 Uhr MESZ), Zinsentscheidung der US-Notenbank (20:00 Uhr MESZ), PK mit Notenbank-Präsident Jerome Powell (20:30 Uhr MESZ)
  • Donnerstag: Baubeginne und Baugenehmigungen USA im Mai (14:30 Uhr MESZ)
  • Freitag: Industrieproduktion USA im Mai (Jahr | 15:15 Uhr MESZ)

Renditen für europäische Staatsanleihen sind ein Alarmsignal

Obwohl die Europäische Zentralbank (EZB) seit elf Jahren keine Zinserhöhung mehr vorgenommen hat und sogar im Gegenteil der für die Banken sehr wichtige Einlagezinssatz unverändert bei -0,5 Prozent p. a. liegt, explodieren die Refinanzierungskosten der hoch verschuldeten Euro-Staaten - allen voran die Italiens. Das weckt Erinnerungen an das Jahr 2012, als erst die verbale „Bazooka“ des ehemaligen EZB-Präsidenten Mario Draghi aus Italien nach dem Motto: „Wir retten den Euro, koste es was es wolle…“ die Märkte wieder beruhigen konnte.

Doch ob das dieses Mal wieder gelingen wird, ist fraglich, denn damals lag die Inflationsrate zum Zeitpunkt der Aussage von Draghi bei 2,5 Prozent p. a. Im Mai 2022 waren es 8,1 Prozent und der Spielraum der EZB, Geld (digital) zu drucken und die Märkte damit zu beruhigen, tendiert momentan gegen null.

Renditen für europäische Staatsanleihen explodieren

Die Schulden der Staaten im Euroraum sind seit 2012 weiter gestiegen, was die Zinssensitivität der Schuldner erhöht hat und die Verkraftbarkeit höherer Zinsen in Bezug auf den Schuldendienst deutlich verringerte. Das gilt auch für die Fähigkeit, neue Papiere am Markt zu platzieren, um die Staatsausgaben zu finanzieren. Eine wahrlich toxische Mischung! Und so wundert es nicht, dass laut eines Artikels im Handelsblatt die Angst vor der Rückkehr der Euro-Schuldenkrise an den Märkten wächst (Artikel leider nicht mehr auffindbar bzw. wurde umbetitelt).

Handelsblatt: Dax rutscht unter 14000

Ist es da ein Wunder, dass die Anleger im Euroraum wieder beherzt bei Gold zugreifen und stattdessen die Gemeinschaftswährung abstoßen? Das Ergebnis sieht dann im Euro-Gold-Chart so aus (Spot-Preis pro Unze): Ein Anstieg in den letzten 15 Jahren um 260 Prozent (seit dem Beginn der Dauerschuldenkrisen in den USA und Europa). Im selben Zeitraum sind die Verbraucherpreise gemäß des statistischen Warenkorbes in Deutschland um 34,5 Prozent angestiegen.

Während die deutschen Verbraucherpreise anhand des Verbraucherpreisindex (VPI) seit der Euro-Buchgeld-Einführung im Jahr 1999 um 52 Prozent verteuerten, konnte der Goldpreis in Euro (Spot-Preis) im gleichen Zeitraum um 489 Prozent an Wert gewinnen. Damit konnte Gold auch in den letzten beiden Dekaden seiner Funktion als Inflationsschutz gerecht werden, wie bereits in den 1970-ger und zu Beginn der 1980-er Jahre.

Weniger gute Nachrichten aus den USA

Die am Freitag veröffentlichten US-Inflationsdaten für den Monat Mai in den USA gossen zusätzlich Öl ins Feuer der Verunsicherung an den Aktien-, Devisen- und Anleihemärkten, da sie mit 8,6 Prozent Jahresteuerung deutlich höher ausfielen als mit 8,3 Prozent erwartet (also unverändert gegenüber April). Zudem wurde mit den jüngsten Daten der höchste Inflationswert seit mehr als 41 Jahren markiert (seit Dezember 1981).

Damit bleibt die geldpolitische Wende mit dem Entzug von Liquidität und zumindest nominal steigenden Zinsen ein Damoklesschwert über den stark aufgeblasenen Vermögenspreisen von Aktien über Immobilien bis hin zu Kunst, Kryptos aber auch Energie- und Nahrungsmittel-Rohstoffen. Zumindest so lange, bis die Lieferkettenstörungen sich auflösen und die Zentral- und Notenbanken gezwungen sind, ihren Kurs zu ändern, um den westlichen Lebensstil und unser Wirtschaftssystem noch etwas länger am Leben zu erhalten.

Denn so wie jetzt in der führenden Volkswirtschaft der Welt läuft, die ein Spiegelbild des Großteils der globalen Wirtschaft ist, kann es nicht weitergehen: eine sich abflauende Konjunktur, gestützt nur noch durch explodierende Schulden und niedrige Zinsen bei gleichzeitig stark steigender Inflation:

USA Gesamtschulden vs. BIP vs. Inflation vs. Leitzins

Die Halbwertzeit einer solchen ökonomischen Konstellation bemisst sich in Quartalen.

Weitere wichtige Daten in dieser Woche

Der wohl wichtigste Termin im Kalender der Edelmetallanleger und generell der Finanzmarktakteure ist die am Mittwoch, den 15. Juni. Wenn um Punkt 20:00 Uhr MESZ die Zinsentscheidung der Fed bekannt gegeben wird ist mit hoher Volatilität bei allen börsengehandelten Preisen zu rechnen, auch bei Gold, Silber, Platin und Palladium. Sehr wahrscheinlich werden die Leitzinsen um weitere 0,5 Prozentpunkte auf dann effektiv 1,27 Prozent angehoben. Aber es gibt auch Schätzungen, die von einem noch größeren Zinsschritt in Höhe von einem Dreiviertelbasispunkt (+0,75 Prozentpunkte) ausgehen – ein Horrorszenario für Aktien und Anleihehändler.

Aufgrund der dann sehr wahrscheinlichen Dollar-Stärke dürfte der in Euro notierte Goldpreis davon weniger betroffen sein. Zumal die Notierungen des gelben Edelmetalls zuletzt positiv auf Einbrüche bei den Anleihe- und Aktienmärkten reagierten – quasi in Vorwegnahme dadurch einer erzwungenen Vorwegnahme einer Geldpolitischen 180-Grad-Wende.

Noch turbulenter könnte es dann ab 20:30 Uhr MESZ werden, wenn der Fed-Präsident Jerome Powell vor die Fernsehkameras tritt und seine Sicht der Dinge darlegt, auf Reporter-Fragen antwortet und einen Ausblick auf das Wachstum die Inflation und vor allem weitere geldpolitische Maßnahmen in den nächsten Wochen und Monate andeutet. In Anbetracht des nach wie vor mit -7,83 Prozent p. a. negativen effektiven Leitzinses (Fed Funds Rate abzüglich Jahresteuerung) bleibt ihm gar nichts anderes übrig, als der Order des US-Präsidenten Joe Bidens folgend den geldpolitischen Kurs weiter zu straffen. Für die Kapitalmärkte ist damit erhöhte Volatilität (Schwankungen) vorprogrammiert.

Schwächere Kurse bei den Edelmetallen bilden dabei interessante Opportunitäten für Anleger, die Ihre Bestände auf- und ausbauen möchten.

Autor: Hannes Zipfel
Ökonom
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von ......... | 14.06.2022, 14:51 Antworten

Der Skandal an dem Ganzen ist dass uns die FED die Erhöhung der Zinsen (die eigentlich gar nicht stattfindet wenn man genauer hinsieht) als Inflationsbekämpfung verkaufen will. Der mögliche Spielraum bis ca. 2,4% - 3,00% wird aktuell und auch weiterhin propagandistisch maximal ausgeschlachtet, während die Realinflation in den USA an die 15,00% - 20,00% kratzt (Eurozone irgendwas um die 10,00% - 13,00%). Das ist alles insgesamt amoralisch, tugendlos und einfach ein Witz. Wenn sich diese Erkenntnis bei der noch einigermaßen habenden Mittelschicht, die auf der Substanz der letzten 2 Generationen hockt und Realitätsverweigerung betreibt durchsetzt,... dann wird es sagen wir mal sehr interessant; lange wird das nicht mehr dauern, schätzungsweise 12-24 Monate. Man darf schon gespannt sein welches Krisennarrativ dann vom Zaun gebrochen wird um die Shitshow weiter zu verlängern..... mal sehen mal sehen....

2 Antworten an ......... anzeigen
von MeinSchatz | 13.06.2022, 19:52 Antworten

Endlich mal jemand der das Kind beim Namen nennt. Sehr gut und richtig.

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