Stand: 25.01.2018 von © Gold.de Redaktion / AB 14 Kommentare

Was hat die Politik der EZB mit Gold zu tun? Nun, die Antwort kennen Sie spätestens jetzt, weil Sie anfangen, diesen Text lesen. Die Überschrift hat Sie angesprochen, nicht wahr? Kein Wunder, denn fast täglich wird über die EZB in den Medien berichtet, und zwar kontrovers. Auf der einen Seite stehen die Kritiker der aktuellen EZB-Politik. Darunter manche, die regelrechte Untergangsszenarien an die Wand malen. Und wer Zukunftssorgen hat, der interessiert sich bekanntlich für Gold. Auf der anderen Seite die Befürworter. Wem soll man nun glauben? Wir verschaffen den Überblick: Geldpolitik der EZB - die PROs, die CONTRAs.

Eurokrise, Staatsschuldenkrise, Finanzkrise? Oder alles nur Krisengerede? QE, Leitzins, Inflationsziel? Und was bitte ist Target2? Viele EZB Maßnahmen sind schon lange in der Diskussion. Und der Dschungel an Meinungen, Standpunkten wie Stammtischparolen scheint jeden Tag noch dichter zu werden. Wer nicht gerade ein VWL-Diplom hat, fühlt sich da schnell überfordert.

Wir haben daher die wichtigsten Argumente für und gegen die aktuelle EZB Geldpolitik derart aufbereitet, dass jeder einen einfachen Einstieg in das Thema findet. Nämlich in Gestalt einer übersichtlichen PRO und CONTRA Liste.

Die Antwort vorab: Wer Recht hat, wissen auch wir von Gold.de nicht. Aber für uns ist das auch gar nicht der Punkt. Wer Gold hat, der ist immer auf der richtigen Seite. Nicht in Bezug auf Rendite, aber in Bezug auf Vermögensabsicherung. Führt die EZB Geldpolitik zum Kollaps des Finanzsystems (das wollen weder Sie noch wir), ist man gewappnet. Verschafft uns die EZB Politik bessere Zeiten - umso besser. Dann freuen wir uns über ein sonniges Leben und den schönen Goldbarren in unserem Besitz, den wir irgendwann unseren Kindern und Kindeskindern vermachen können. Denn unabhängig davon, was passiert oder auch nicht: Gold hat schon immer seinen Wert im Wesentlichen behalten.

Wer Gold hat, braucht also weder Ökonomie-Experten, und schon gar keine Untergangspropheten. Der Satz "Die EZB Politik endet im Crash" hat genauso viel oder wenig Aussagekraft wie der Satz "Ihre nächste Autofahrt endet im Crash." Richtig ist: Es gibt Risikofaktoren. Im letzteren Fall wäre es der Straßenverkehr allgemein. Genauso richtig ist aber: An Vorhersagen kann man glauben oder nicht. Und wer Gold hat, braucht noch nicht mal diese.

Bleiben Sie also gelassen. Und wenn unser Artikel dazu beiträgt, dass Sie nicht jedes Argument vorbehaltslos übernehmen, dann haben wir schon erreicht, was wir wollen.

Von Argumenten und Gegenargumenten

Naturwissenschaften sind eine feine Sache. Denn hier gibt es Eindeutigkeiten. Lässt man einen Stein los, fällt er zu Boden. Punkt, ist so. Im All schwebt er, aber auch dafür gibt es eine eindeutige Erklärung.

Bei Wirtschaftswissenschaften ist das anders. Volkswirtschaften wie Währungen sind dynamische und offene Systeme. Welche Stellschrauben wie zu justieren sind, ist abhängig von politischen Zielen und ökonomischen Denkschulen, denen sich die jeweiligen Ökonomen verpflichtet fühlen. Letztlich also von menschlichen Wertevorstellungen. Und nicht selten auch von handfesten finanziellen Interessen. Es gibt hier keine Wahrheiten. Es gibt Meinungen. Und gerade unter Ökonomen besonders viele. Deshalb wird die EZB Politik so kontrovers diskutiert. Deshalb heißt es auch Geldpolitik, und nicht Geldwahrheit.

Nun mag es der Mensch bekanntlich eindeutig und einfach. Das macht einfache Argumentationen zwar populär, aber nicht unbedingt richtig. Beispiel: "Nullzinsen enteignen Sparer”. Es ist richtig, dass Mickerzinsen, so sie denn niedriger sind als die Inflationsrate, den Sparer schleichend enteignen. Otto Normalsparer wird, so betrachtet, tatsächlich ärmer. Sein Geld verliert ja an Wert, an Kaufkraft.

Genauso richtig ist aber umgekehrt, dass in Niedrigzinsphasen Kredite billiger werden. Konsumentenkredite sind günstiger, Schuldner können sich billiger entschulden. Anfang der 90er kostete eine Hausfinanzierung bis zu 10 %. Heute, Stand Januar 2018, gibt es Baugeld für unter 2%. So betrachtet, haben viele Privathaushalte also indirekt wieder mehr Geld in der Tasche.

Nun könnte man darauf entgegnen: Was nützen günstige Immobilienkredite, wenn die Immobilienpreise durch die Decke schießen? Worauf man wiederum sagen könnte: Wenn durch niedrige Zinsen die Wirtschaft wieder angekurbelt wird, dann sinkt die Arbeitslosigkeit, was letztlich allen zugute kommt. Undsoweiter.

Allein dieses Beispiel zeigt, dass Volkswirtschaften komplexe Systeme sind, wo sich unendlich viele Faktoren gegenseitig beeinflussen. Das isolierte Propagieren eines einzigen Arguments ("Nullzinsen enteignen Sparer”, "Inflation entwertet Geld”) mag zwar plakativ sein, ist aber so zu kurz. Und immer wenn kurz gedachte Meinungen als Fakt präsentiert werden, dann ist die Grenze zum Populismus, gleich welcher Couleur, nicht weit. Da lohnt schonmal ein Blick auf mögliche Interessen, die dahinter stehen.

Was lernen wir daraus? Es kommt, wie so oft, darauf an, was Sie persönlich daraus machen.

Aufgaben und Instrumente der EZB

Die europäische Zentralbank ist keine normale Geschäftsbank. Als Währungshüterin des Euro besteht ihre Aufgabe darin, die Geldpolitik zu steuern. Da der Euro-Raum viele Staaten umfasst, gilt die europäische Zentralbank als supranationale Organisation. Im EZB-Zentralrat sitzen die Präsidenten der jeweiligen nationalen Zentralbanken. So auch Jens Weidmann, derzeitiger Präsident der Deutschen Bundesbank.

Zu den Aufgaben der EZB zählt die Sicherung von Preisstabilität sowie die Sicherung einer ausgeglichenen konjunkturellen Entwicklung im Euro Raum. Ein weiteres explizit formuliertes Wunschziel der EZB ist eine Inflationsrate von knapp 2 %. Um diese Ziele zu erreichen, hat die EZB diverse geldpolitische Instrumente.

Geldpolitik der EZB: Das sind die Kontroversen

Die hohen Schulden vieler Staaten im Euro-Raum sowie eine drohende Deflation waren der Auslöser für das Maßnahmenpaket der EZB, welches heute so kontrovers diskutiert wird. Im Wesentlichen sind es fünf Themenkomplexe:

  • niedriger Leitzins / Nullzinspolitik
  • Sicherung des Euro
  • Die QE-Politik ("Quantitative Easing”)
  • Das erklärte Inflationsziel der EZB
  • Target2-Salden

Streitpunkt “niedriger Leitzins / Nullzinspolitik”

Der Leitzins wird von der EZB festlegt. Da der EZB Leitzins der Preis ist, zu dem Geschäftsbanken Geld bei der Zentralbank aufnehmen oder anlegen, ist er das wichtigste Instrument der Geldpolitik. Denn Geschäftsbanken werden diese Konditionen entsprechend an ihre Kunden weitergeben. Aktuell (Stand Januar 2018) steht der Hauptrefinanzierungssatz bei 0% (Nullzins), der Einlagensatz sogar bei -0,4 % (Negativzins)

DIE PROs DIE CONTRAs
Ein niedriger EZB Zinssatz sorgt für geringere Schuldzinsen. Darlehen für Häuslebauer oder Konsumentenkredite werden billiger Ein niedriger EZB Zinssatz schmälert Guthaben Zinsen. Anleger in Zinsprodukte haben nicht nur weniger Rendite, sie werden aktuell sogar indirekt enteignet
Da Geld wenig Zinsen abwirft und Privatkredite günstig sind, konsumieren Privatverbraucher mehr. Dies kurbelt die Wirtschaft an Da Geld wenig Zinserträge abwirft, gefährdet dies die Altersvorsorge. Durch niedrige Zinsen sind Lebensversicherer / Rentensysteme tendenziell gefährdet
Produzierende Unternehmen machen gute Geschäfte. Die Wirtschaft brummt, weniger Arbeitslose, Staat nimmt mehr Steuern ein Kreditgeber machen schlechte Geschäfte. Entlassungen im Bankensektor, Zweigstellen von Banken und Sparkassen schließen, Gebühren für Bankdienstleistungen steigen. Banken haben weniger Eigenkapital, und vergeben weniger Kredite
Unternehmenskredite werden billiger. Firmen machen mehr Investitionen. Dies kurbelt die Wirtschaft an Pensionskassen der Unternehmen haben wegen Nullzinsen Finanzierungsprobleme
Eine Politik des billigen Geldes (=niedriger Leitzins) wertet in der Theorie die eigene Währung ab Entgegen dieser Lehrmeinung legt der Euro z.B. gegenüber dem Dollar und vielen anderen Währungen schon seit längerem zu (Stand Januar 2018)
Ein schwacher Euro ist gut für Export. Firmen werden im Ausland wettbewerbsfähiger Ein schwacher Euro ist schlecht für Import. Rohstoffe auf Dollarbasis (etwa Öl, Kaffee) verteuern sich, Reisen ins Ausland werden teurer
Nachfrage nach alternative Anlageformen wie Aktien oder Immobilien steigt Aktien oder Immobilien begünstigen tendenziell Reiche. Kleinsparer dagegen werden tendenziell benachteiligt. Diese gesamtgesellschaftliche Verschiebung in Vermögensstrukturen ist eine de facto Umverteilung

 
 

Streitpunkt “Sicherung des Euro”

Erklärtes Ziel der EZB ist, den Euro für die aktuellen Mitgliedsstaaten unter allen Umständen zu erhalten. “Whatever it takes to preserve the Euro” war im Jahre 2012 das markante Statement von EZB Präsident Draghi.

DIE PROs DIE CONTRAs
Ein Europa ohne Grenzen ist ein erstrebenswertes politisches Ziel. Der Euro ist dafür unumgänglich und muss beibehalten werden. Nationalismen und kleinstaatliche Währungsräume sind Denkmuster von gestern Die Wirtschaftskraft der einzelner Euro-Staaten ist zu unterschiedlich für eine gemeinsame Währung
Ein Wirtschaftsraum, der nur aus gleichstarken Subjekten besteht, ist utopisch. Ein Gemeinschaftsgedanke ist ja genau dadurch definiert, dass der Starke dem Schwachen hilft. Da es keine nationalen Währungen gibt, sind verschuldete Länder in der Gemeinschaftswährung “Euro” verschuldet. Nationale Schulden werden quasi in die gemeinsame Währung getauscht. Die Zeche für hochverschuldete Länder zahlen die wirtschaftlich starken Länder
In Deutschland käme niemand auf die Idee, für wirtschaftlich schwache Bundesländer den Austritt aus dem Euro zu fordern Hochverschuldete Länder wie Griechenland sollen raus aus dem Euro. Wenn solche Länder auf Dauer alimentiert werden, dann hindert das deren wirtschaftliche Gesundung.
Es ist nicht Aufgabe der EZB, Politik für Deutschland zu machen, sondern Politik für den Euro Wenn Menschen sich benachteiligt fühlen, dann kann dies nationalistische und anti-europäische Tendenzen fördern

 
 

Streitpunkt “QE-Politik”

QE ist die Abkürzung für Quantitative Easing (englisch, quantitative Lockerung). Auch als “Expansive Geldpolitik” oder “expansive Offenmarktpolitik” bezeichnet. Damit gemeint ist eine Ausweitung der Geldmenge dadurch, dass die EZB im großen Stil Anleihen ankauft, vor allem Staatsanleihen.

Für das Verständnis der QE-Politik ist daher wichtig zu wissen, was eine Staatsanleihe ist. Wenn ein Staat Geld braucht, dann kann er eine Anleihe ausgeben. Das bedeutet, jemand leiht dem Staat Geld. Dafür bekommt er Zinsen. Diese sind umso höher, je schlechter die Kreditwürdigkeit des Staates eingeschätzt wird. Da die EZB selbst keine Staatsanleihen direkt von Staaten ankaufen darf (das wäre monetäre Staatsfinanzierung, und somit verboten), kauft sie die Staatsanleihen bei Geschäftsbanken. Die Folge: Geld wird in das Finanzsystem gepumpt. Von Kritikern werden die EZB Anleihenkäufe auch salopp als “Geld drucken” formuliert. Zudem sinken die Zinsen für Anleihen.

Bis Ende 2017 wurden Anleihen in einem Umfang von 60 Milliarden EUR pro Monat gekauft. Seit Januar 2018 sind es immer noch 30 Milliarden EUR pro Monat. Dadurch wächst die Bilanzsumme der EZB gewaltig.

In der Diskussion stehen vor allem Anleihen hochverschuldeter Staaten. Viele Ökonomen halten die QE-Politik für riskant. Andere Ökonomen halten QE-Maßnahmen für ein probates Mittel um Deflation abzuwenden, wenn herkömmliche Steuerungsmaßnahmen wie Leitzinssenkungen nicht eingesetzt werden können, weil die Zinsen bereits auf 0 sind.

DIE PROs DIE CONTRAs
Staatsbankrotte von Staaten des Euro-Raums können vermieden werden Auch Anleihenkäufe der EZB im Rahmen des QE-Programms sind rechtlich umstritten. Vorwurf: Unerlaubte Staatsfinanzierung
Zinsen am Anleihenmarkt sinken. Das begünstigt verschuldete Staaten, weil sie frisches Geld bekommen durch die Ausgabe neuer Anleihen zu geringen Zinsen Lebensversicherer und andere institutionelle Anleger, die viel in Staatsanleihen investiert sind, haben Probleme, Rendite zu erwirtschaften
Indem die EZB von Geschäftsbanken Staatsanleihen verschuldeter Länder ankauft bzw. als Sicherheit für Kredite akzeptiert, wird die EZB der wichtigen Aufgabe einer jeden Zentralbank gerecht: In der Krise den Markt flüssig halten. Geschäftsbanken werden liquider und können somit ihrerseits leichter Kredite vergeben. Finanzmärkte werden mit Geld regelrecht geflutet. Anleihenkauf ist nichts anderes als Gelddrucken per Knopfdruck. Wenn die EZB eine Anleihe von einer Geschäftsbank kauft, wird dies “per Knopfdruck” in die eigene Bilanz verbucht. Entsprechend erscheint bei der verkaufenden Geschäftsbank dieses Geld auf deren Konten. Durch weitere Kreditvergabe wird noch mehr weiteres Geld geschaffen (=”Giralgeld”).
Kredite sind das Schmiermittel der Wirtschaft. Geschäftsbanken vergeben nicht automatisch Kredite, wenn Wirtschaftsaussichten in den verschuldeten Ländern schlecht sind, Zinsen niedrig sind, oder allgemein die Ertragslage der Banken schlecht ist
Die Maßnahmen greifen langsam, die Wirtschaft im gesamten Euroraum gewinnt an Schwung, man nähert sich der gewünschten Inflationsrate. Im Januar 2018 haben einige Agenturen das Rating für Griechenland und Spanien, also deren Kreditwürdigkeit, wieder angehoben. Auch wurde von der EZB angekündigt, dass das QE Programm langsam zurückgefahren werden soll. Der Ankauf von Staatsanleihen hoch verschuldeter Länder ist nichts anderes als Konkursverschleppung und endet im finalen Crash. Was ist, wenn so ein Land aus der Währungsunion aussteigt? Das Risiko einer Staatsinsolvenz wird übertragen auf die EZB und ihre Nationalbanken. Besser wären geordnete Staatsinsolvenzen der betreffenden Länder
Die Kaufkraft des Euro ist stark Der Euro verliert an Wert. Übermäßiges Gelddrucken bedeutet Geldentwertung.
Die QE Politik ist vor allem in Deutschland stark umstritten. In anderen Ländern sieht man das viel gelassener und ist gängige Praxis. Viele Ökonomen verweisen auf erfolgreiche QE-Politiken in anderen Ländern (z.B. USA) Als wirtschaftliches starkes Land zahlt Deutschland die Zeche. Genauer: die Bundesbank, und somit letztlich der Steuerzahler
Frisches Geld beugt Deflation vor Geldschwemme erzeugt verzerrte Märkte, Gefahr von Überhitzung oder Spekulationsblasen durch billiges Geld
Die Strategie, Staatsanleihen verschuldeter Länder zu kaufen, ist psychologisch ein starkes Signal der EZB an die Finanzmärkte, dass man an Staatsbankrotte im Euroraum nicht glaubt. Das aktuelle QE-Programm der EZB wird zwangsläufig im Crash enden

 
 

Streitpunkt “Inflation”

Erklärtes Ziel der EZB ist eine Inflation von knapp unter 2 %. Bei diesem Wert sieht die EZB ihr Mandat zur Sicherung von Preisstabilität als erfüllt.

DIE PROs DIE CONTRAs
Inflation begünstigt tendenziell den Schuldner Inflation schadet tendenziell dem Gläubiger
Die meisten Ökonomen halten heute eine moderate Inflation für erstrebenswert Inflation entwertet Geld
Moderate Inflation kurbelt tendenziell die Wirtschaft an, da Geld schneller ausgegeben wird. Verbraucherpreise steigen, das Leben wird “teurer”
Entscheidend ist nicht die Inflation, sondern die reale Kaufkraft, also dass Löhne und Gehälter im selben Maß steigen wie das allgemeine Preisniveau Der Anstieg von Löhnen und Gehältern hinkt meist dem allgemeinen Preisanstieg hinterher, genauso wie Zinsanpassungen. Sind Zinsen auf Erspartes niedriger als die Inflation, verlieren Sparer real Geld.

 
 

Streitpunkt “Target2-Salden”

Zahlungen in oder aus Euro-Staaten gehen nur über die jeweiligen Notenbanken der beteiligten Länder. Die EZB fungiert dabei als zentrale Verrechnungsstelle. Um diesen Zahlungsverkehr zu koordinieren, wurde Target eingeführt. Es ist die Abkürzung für “Trans-European Automated Real-time Gross Settlement Express Transfer System” und ist salopp formuliert eine Art Verrechnungskonto zwischen einzelnen Euro Staaten. Die “2” bedeutet, dass es sich um ein Update des ursprünglichen Target-Systems handelt.

Wenn etwa ein griechischer Unternehmer deutsche Autos kauft, dann räumt die deutsche Bundesbank der Geschäftsbank des deutschen Autoherstellers ein Guthaben ein. Dieses Guthaben landet letztlich auf dem Konto des Autoherstellers. Umgekehrt belastet die griechische Zentralbank das Konto der Geschäftsbank des griechischen Autoimporteurs. Dieser Betrag wird letztlich vom Konto des Autoimporteurs abgebucht.

Da die deutsche Bundesbank natürlich kein Geld an die Geschäftsbank des deutschen Autoherstellers zu verschenken hat, sondern im Auftrag der griechischen Notenbank tätig ist, verbucht sie gleichzeitig eine Target-Forderung gegenüber der griechischen Nationalbank. Umgekehrt entsteht bei der griechischen Nationalbank eine Target-Verbindlichkeit gegenüber der deutschen Bundesbank. Jetzt kommt die EZB ins Spiel: Da sie als Vermittler fungiert, bestehen Forderungen und Verbindlichkeiten der jeweiligen Nationalbanken letztlich gegenüber dem EZB-System.

In der Diskussion stehen vor allem die hohen Targetforderungen der Bundesbank, entstanden dadurch, dass Deutschland als wirtschaftsstarke Exportnation beispielsweise weit mehr Waren nach Griechenland exportiert als umgekehrt. Um bei obigem Beispiel zu bleiben: Manche Experten betrachten dies als eine Art Kredit, den die Bundesbank der griechischen Nationalbank gewährt hat. So gesehen hätte letztlich die Bundesbank den deutschen Autohersteller bezahlt, da die Bundesbank eine Forderung gegenüber dem EZB-System hat, die rechtlich keine Fälligkeit besitzt.

DIE PROs DIE CONTRAs
Solange die EZB und der Euro existieren, gibt es kein Problem. Sollte die EZB einmal nicht mehr existieren, fallen auch die dort geführten Konten mit Schulden und Guthaben weg. Schuldner bräuchten Gläubigern nichts zu bezahlen, da die Forderungen letztlich gegenüber der EZB bestehen. Die Zeche zahlen die Zentralbanken großer Gläubigerländer wie Deutschland, somit der Steuerzahler (Haftungsrisiko)
Solange kein Land aus dem Euro austritt, gibt es kein Problem Wenn ein Land wie Griechenland aus dem Euro austritt, müsste die EZB ihre Forderung gegenüber der griechischen Notenbank abschreiben. Entsprechend ihrem Anteil müsste die deutsche Bundesbank einen großen Teil der Verluste mittragen. Die Zeche zahlen die Zentralbanken großer Gläubigerländer wie Deutschland, somit der Steuerzahler (Haftungsrisiko)
Targetsystem hält das Eurosystem zusammen, da es Ländern mit Leistungsbilanzdefiziten hilft Länder mit einem negativen Target2 Saldo haben faktisch gesehen einen unbegrenzten Dauer-Dispokredit. Diesen de-facto Krediten steht kaum Wirtschaftsleistung gegenüber. Deutschland ist erpressbar, weil es aus diesem System faktisch nicht mehr austreten kann.

 
 

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Kommentare [14]
  • von W.Fischer | 25.01.2018, 12:00 Antworten

    Tendenziell werden so auch die Staaten unterstützt, da progressive Steuertarife zu überproportionalen Steuereinnahmen führen. Die Steuermehreinnahmen werden dann im sozialen Sektor verfrühstückt. Die Zeche zahlen die produktiv Tätigen, der Mittelstand wird systematisch zerstört, da nur die ganz Großen sich durch Steuersparmodelle dem übermächtigen Zugriff des Staates erwehren können. Es findet eine massive Umverteilung von der Mitte nach unten statt.
    Wie lange alles gut geht? Ich warte auf den großen Knall. Spätestens wenn sich Arbeit nicht mehr lohnt, ist hier der Ofen aus.

  • von Heinz Darboven | 25.01.2018, 13:40 Antworten

    Weg mit dem Euro und der EZB

    • von Sir | 29.01.2018, 03:12 Antworten

      Yepp sehe ich auch so ;-)

  • von blo-rakane | 25.01.2018, 14:53 Antworten

    Der „Spaltpils € “ ,der die EU aus meiner Sicht spaltet, ist ein Experiment ,dass zum Scheitern verurteilt ist. Eine Währung über verschiedene Volkswirtschaften mit den unterschiedlichen Dynamiken zu stülpen und zu hoffen, dass alle davon Wachstum und Wohlstand generieren, grenzt aus meiner Sicht an eine Naivität, die kaum zu überbieten ist! Und zu @W.Fischer O-Ton ...„es findet eine massive Umverteilung von der Mitte nach unten statt. „ ist falsch und müsste eher heißen, „ eine massive Umverteilung von fleißig nach reich“. Ich kann nur jedem anraten , die zwei schlimmsten Berufsgruppen (Politiker/Journalisten) und dessen vorsätzlichen „Sermon“ zu ignorieren bzw, zu glauben, sondern selber die wichtigen und die richtigen Weichen zu stellen. Mit Gold liegt ihr immer richtig!

    • von Eric | 26.01.2018, 08:52 Antworten

      "Spaltpilz Euro"????? Was für eine Logik. Sollen demnach die ehemaligen Bundesländer Ost dann auch wieder zurück zur "Ost"-Mark? Wenn ich so an die verschiedenen "Wirtschaftsdynamiken" von Bayern und, sagen wir mal Mecklenburg Vorpommern, vergleiche.....

    • von Klaus | 26.01.2018, 11:02 Antworten

      Die Länder haben nun mal unterschiedliche wirtschaftliche und soziale Interessen und eine unterschiedliche wirtschaftliche Leistungskraft. Das ist auch nicht verwerflich.
      Und die gemeinsame Währung, der Euro, ist nicht das Problem an sich. Das Problem ist der ewige Versuch der Gleichmacherei. Die Zinsen für die Staatsverschuldung müssten - wie vor dem Euro auch - nach der wirtschaftlichen Leistung des jeweiligen Landes bemessen werden. Dadurch würde die ausufernde Staatsverschuldung einiger Länder eingebremst und die gemeinsame Währung (Euro) stabilisiert.

      • von Eric | 27.01.2018, 06:53 Antworten

        Sag ich doch. Jeder Wirtschaftsraum hat IMMER Teilnehmer mit unterschiedlich starker Wirtschaftskraft. Egal ob der Vergleich "Deutschland vs. Griechenland", ob "Bayern vs. Mecklenburg-Vorpommern", oder ob meinethalben "Ingolstadt vs. Bayerischer Wald", um mal Regionen mit unterschiedlichen Wirtschaftsstärken aufzuzeigen, die es sogar innerhalb Bayerns gibt. Das Argument, dass nur gleich starke Wirtschaftssubjekte in eine gemeinsame Währung gehören dürfen, ist unsinnig. Außer, man argumentiert nationalistisch ("Deutschland first"). Für Deutschland soll also die Gleichmacherei gelten? Dann könnte ich auch sagen: Wieso soll ich als Bayer mit meiner Wirtschaftskraft die in Meck-Pomm finanzieren......
        Das ist doch Messen mit zweierlei Maß.

  • von Golden Girl | 25.01.2018, 19:16 Antworten

    Gute Übersicht!

  • von bling bling | 26.01.2018, 16:54 Antworten

    die denken wohl ich als deutscher staatsbürger bürge mit meinem besitz und leben für europa - "ich gelobe..." pffffff - die spinnen doch die römer.
    alles geld abheben und zu je ein fünftel bar in euro, chf, gold, yuan und rubel.
    woher kommen die anleihen (aus dem boden gestampft ?), die für so viele milliarden und billionen monatlich / jährlich gekauft werden?

  • von Goldsammler | 27.01.2018, 08:35 Antworten

    Hätten die Notenbanken und Staaten, die Sup-prime-Krise laufen lassen, nicht mit Gewalt durch bail-out, eingegriffen, wären wir heute vermutlich weiter. Der aufgeblähte Bankensektor hätte sich deutlich reduziert, die heutigen Blasen wären uns erspart geblieben.

    • von Bonnie | 27.01.2018, 08:58 Antworten

      an den Goldsammler,
      wer sägt an dem Ast auf dem er sitzt?
      Solange es Fiat Geld gibt und Lobbyismus in den Regierungen wird sich daran nichts ändern.

    • von Moses | 27.01.2018, 11:46 Antworten

      @goldsammler
      Von welchen Blasen sprichst Du?

    • von Sir | 29.01.2018, 03:20 Antworten

      Wer an das Geldsystem glaubt, der glaubt aber weiß halt nicht!
      ... aber solange es läuft wird geblasen was das Zeug hält ;-)

  • von Ed von Schleck | 27.01.2018, 21:04 Antworten

    Toller Artikel, nen Fazit der Redaktion fehlt mir.

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