Stand: 04.07.2019  87 Kommentare

Für heftiges Stirnrunzeln bei manchen Edelmetall- und Münzhändlern sorgt derzeit ein aktueller Gesetzentwurf zur Umsetzung geltender EU-Geldwäsche Richtlinien. Aber auch für Privatkäufer könnte sich einiges zum Nachteil ändern.

Der Referenten-Entwurf soll zum 10. Januar 2020 in Kraft treten. Augenfälligste Neuerung:

Bei Barzahlungen für Gold und Silber sollen Edelmetallhändler nicht mehr wie bisher erst ab 10.000 Euro, sondern schon ab 2.000 Euro eine Pflicht zur Kontrolle und Risikoanalyse haben.

Ein rabiater Schnitt, der für Händler wie Privatanleger deutliche Nachteile haben würde. Im Klartext: Schon ab 2.000 Euro Identitätsnachweis, dazu die Pflicht zur Ermittlung und Berücksichtigung von Risikofaktoren ob es Hinweise gibt auf einen kriminellen Hintergrund. Die Sorgfaltspflicht kann etwa umfassen die Abklärung, wer "wirtschaftlich Berechtigter" ist, die Anwendung interner Sicherheitsmaßnahmen, oder die verstärkte Überwachung der Geschäftsbeziehung bei Personen oder Unternehmen aus “Hochrisikoländern” sowie bei “politisch exponierten Personen”.

Bei Verdacht müssen Meldungen an die Behörden gemacht werden. Bei fahrlässigem Verstoß gegen diese Pflichten sollen erweiterte Bußgeldvorschriften gelten. Die Befugnisse der Zentralstelle für Finanztransaktionsuntersuchungen (FUI) sollen gestärkt werden, das Transparenzregister soll künftig für die Öffentlichkeit zugänglich sein.

Der Hintergrund

Terroranschläge, Geldwäsche, Panama-Papers, Vormarsch der Kryptos: Um nicht machtlos im Kampf gegen alte und neue Kriminalitäts-Szenarien zu sein, ist man auf EU-Ebene schon lange aktiv. Resultat ist ein ganzer Richtlinienkatalog, salopp auch bekannt als Geldwäschegesetz (GWG) oder Geldwäsche-Richtlinie. Die aktuellste Fassung trat im Sommer 2018 in Kraft als Richtlinie (EU) 2018/843. Hierin aufgeführt diverse Maßnahmen zur Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus.

Verbunden mit dieser neuen EU-Richtlinie ist die Pflicht an die EU-Mitgliedsstaaten, diese Vorgaben auf nationaler Ebene bis 10. Januar 2020 in Gesetze umzusetzen. Also war man beim Bundesministerium für Finanzen fleißig und hat diesen Referentenentwurf erstellt. Der Gesetzentwurf wurde im Mai 2019 der deutschen Öffentlichkeit und Verbänden präsentiert, bevor er dem Parlament vorgelegt wird zur endgültigen Abstimmung.

Gold anonym kaufen: Bald nur noch bis 2.000 €?

Die Absicht ist ja edel. Doch was sich bei genauerer Betrachtung hinter diesem seitenlangem Bürokratendeutsch verbirgt, hat es in sich. Edelmetallhändler werden deutlich stärker in die Pflicht genommen bei der Umsetzung des Know-Your-Customer-Prinzips (= KYC, kenne deinen Kunden).

Zwar richtet sich der Referentenentwurf nicht nur an die Edelmetallbranche, sondern grundsätzlich an alle Branchen, die als besonders anfällig gelten für Geldwäsche, wie die Immobilien-, Glücksspiel-, Kunst-, Auktions- oder die Krypto-Branche.

Pikantes Detail für Edelmetallhändler ist allerdings die Senkung der Bargeldobergrenze für anonyme Tafelgeschäfte von bisher 10.000 Euro auf nur noch 2.000 Euro.

Stirbt das anonyme Tafelgeschäft?

Die bisher geltende Freiheit, Gold oder Silber bis zu einer Höhe von 10.000 Euro anonym und bar bezahlen zu können, soll also stark reduziert werden. Zur Verdeutlichung: Ein Krügerrand in der klassischen Unzen-Größe kostet, Stand Anfang Juli, etwa 1250.- Euro; ein 50 Gramm Goldbarren knapp über 2000.- Euro. Somit wäre die 2.000 Euro Grenze bereits beim Kauf von zwei 1 oz Krügerrand Goldmünzen weit überschritten. Ein 50 Gramm Goldbarren wäre mit anonymer Barzahlung gar nicht mehr zu erwerben.

Das ist nicht nur für Privatanleger eine deutliche Einschränkung. Auch für Händler würde das Tafelgeschäft deutlich unattraktiver werden. Unterm Strich dürfte diese Verschärfung des Geldwäsche-Gesetzes daher auch eine Zunahme des Gold-online Handels bedeuten.

Stirbt anonymer Goldkauf?

Träte diese Verschärfung des GWG so in Kraft, wäre dies die zweite Herabsetzung der Bargeldobergrenze innerhalb kurzer Zeit. Bereits im Jahr 2017 wurde bekanntlich die Bargeld-Obergrenze von 15.000 auf 10.000 Euro gesenkt. Zum Vergleich: Die Schweiz erlaubt aktuell anonyme Tafelgeschäfte bis zu einem Betrag vom 25.000 SFR.

Politik mit Tradition - oder: Cui bono?

Man kann diesen erneuten Angriff auf die Bargeld Obergrenze durchaus in einem größeren Zusammenhang sehen. So gibt es ja schon länger Bestrebungen zur Bargeldabschaffung.

Auch werden seit Jahren in vielen Ländern die gesetzlichen Grenzen für Bargeldzahlung immer enger gezogen. Nur drei aktuelle Beispiele für allgemeine Bargeldobergrenzen aus anderen europäischen Ländern:

  • Frankreich: 1000.- Euro
  • Spanien: 2500.- Euro
  • Italien: 2999.- Euro

Bargeld Grenzen, die wohlgemerkt allgemein gelten, und nicht nur für den Kauf von Edelmetallen. In Deutschland gibt es derzeit noch keine allgemeine Bargeldbeschränkung.

Die Frage nach dem Cui bono (= wem nutzt es) sei also erlaubt. Kritiker bezweifeln ja schon länger, ob es beim Geldwäschegesetz wirklich nur um die Eindämmung von Kriminalität geht, oder ob da nicht mehr Absicht dahinter steckt. Denn bei einem Geldsystem ganz ohne Bargeld hätten (Zentral-) Banken endgültig die volle Kontrolle. Ohne Bargeld lässt sich schließlich jede gewünschte Zins- und Geldpolitik viel einfacher durchsetzen.

Update: Auch Bestseller-Autor und Finanzexperte Marc Friedrich hat das Thema aufgegriffen und bringt es in folgendem Video gut auf den Punkt:

Fazit

Sollte der Gesetzentwurf so in Kraft treten, dann dürfte der zu leistende Mehraufwand für Münz- und Edelmetallhändler erheblich sein. Für kleinere Händler in Einzelfällen womöglich existenzbedrohend. Im Zuge des zu leistenden Risikomanagements würden allgemeine Sorgfaltspflichten schon ab einer deutlich geringeren Bargeldgrenze gelten. Und dies wohl auch in stärkerem Maße als bisher. Manch einer mag sich da schon zum Erfüllungsgehilfen der Ermittlungsbehörden degradiert sehen.

Privatanleger verlieren ein großes Stück Bargeldfreiheit. Sie sollten sich darauf einstellen, dass die Freigrenze von 10.000 Euro für ein anonymes Bargeschäft nicht mehr lange gilt. Wer die aktuelle Freigrenze noch ausschöpfen will, findet in der GOLD.DE Händlerliste renommierte Händler, die alle das Siegel GOLD.DE-zertifiziert führen.

Ausblick

Erste Rückmeldungen aus Händlerkreisen, welche die GOLD.DE Redaktion in den letzten Tagen erreichten, waren kritisch. Der Ball liegt also bei den Fachverbänden aus der Edelmetall- und Münzbranche, sich weiterhin in die Diskussion einzubringen und entsprechend darauf einzuwirken, was letztlich von diesem Referenten-Entwurf umgesetzt wird.

Weitere Informationen:

Bundesfinanzministerium (BMF) - Gesetze und Gesetzesvorgaben:


EUR-Lex (www.eur-lex.europa.eu)

Verbände

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Kommentare [87]
  • von Viennatom | 22.07.2019, 20:28 Antworten

    Mich wundert es, daß hier offenbar keiner die Parallellen erkennt.
    Zuerst nimmt der sozialistische Staat die Freiheiten, bürgerlichen Rechte , Eigentumsrechte usw.
    Natürlich scheibchenweise, damit es nicht so auffällt.
    Dann haben nur noch Systemopportunisten, Stasispitzel und Bürokraten was zu melden.
    Fleissige Sparer und Investoren - Pech gehabt!
    Dann wird eine Mauer errichtet und auf Leute geschossen, die aus dem Arbeiter- und Bauernparadies flüchten wollen.
    Das Ganze nennt man Sozialismus und das Dumme daran ist, daß es immer noch genug Idioten gibt, die dieses System gut finden!

  • von Bernd der Beamter | 15.07.2019, 00:08 Antworten

    Münzen mit Nominalwert sind für den Extremfall (z.B. Staatsbankrott) ungeeignet: Scheidemünzengesetz!

    • von Mr.Silver | 19.07.2019, 12:22 Antworten

      Ich glaube wenn der große Knall kommt, ist Silber ein besseres Zahlungsmittel für die kleinen Dinge im Leben. Da will niemand für eine Weile mehr das Papiergeld sehen. Gold ist ein Schutz des Vermögens, weil es klein und praktisch ist. Und wenn der Short Run auf den Euro beginnt und er stark fällt, und die Regierung Ihnen verbietet den Euro in andere Währungen zu wechseln, so wie es in der Türkei ist, dann schrumpft Ihr Vermögen von Tag zu Tag. Und ist der Staat erst pleite, werden unsere Politiker verschwinden, weil Sie ja genug Geld an die Seite geschafft haben, und Ihr Vermögen nicht in Euro mehr haben. Das Dumme Volk kann dann den Mist ausbaden. Dann gibt es keine Rente mehr und die Chinesen werden Europa aufkaufen, und wer nicht arbeiten kann bekommt kein Geld. Die klugen reichen Leute wandern aus, doch die armen Leute haben Pech gehabt.

  • von Phoenix | 09.07.2019, 20:38 Antworten

    ...ein "Staat" der Dir die Freiheiten nimmt um dich "zu schützen", ist so gut wie ein Bodyguard, den Du bezahlst damit er Dich täglich verprügelt...

    • von JohnLeeHooker | 18.07.2019, 22:52 Antworten

      Die Frage ist deshalb, wer hat diesen Bodyguard denn eigentlich angestellt bzw. "installiert"? ;)

      • von Phoenix | 19.07.2019, 09:41 Antworten

        ...das war und ist immer noch eine konzentrierte Ansammmlung von Kapital in Händen ganz weniger.
        Oder glauben Sie etwa Sie befänden sich in einer Demokratie in der der Wille des Volkes etwas ausrichtet ?
        Und damit wäre ich wieder beim Souverän, der nicht kapiert das er als solcher auftreten kann. Dazu fällt mir ein interessantes Buch ein, mit dem Titel "Dumm, Dümmer, Deutsch" von Christian Wolf.

        Hey, JohnLeeHooker, deine Mucke ist wesentlich besser als dein Kommentar ! ;-)

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