Stand: 22.11.2019  149 Kommentare

Seit 01.01.2020 ist anonymer Goldkauf nur noch möglich bis 1.999,99 Euro. Dies ist die zweite Herabsetzung der Obergrenze innerhalb weniger Jahre. Somit eine unselige Entwicklung mit Tradition. Die Hintergründe.

Obergrenze drastisch reduziert

Viele Anleger schätzen den Erwerb von Gold gegen Barzahlung, auch anonymes Tafelgeschäft genannt. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Der Kauf von Gold gegen Cash ohne Namensnennung im Ladengeschäft war bis zum 31.12.2019 noch möglich bis zur Maximalgrenze von 9.999,99 Euro. Seit 1. Januar 2020 gelten 1.999,99 Euro als Obergrenze.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Natürlich kann man noch immer Gold in beliebiger Menge kaufen! Wer mehr kaufen will, bei dem ist der Händler aber verpflichtet, die Identität festzustellen, etwa per Ausweis, Kreditkarte oder Bankverbindung. Mehr: Gold anonym kaufen - alle Infos

Dennoch sind die Folgen dieser erneuten drastischen Reduzierung der Obergrenze für den Barkauf gravierend. Und zwar für Privatanleger wie Edelmetall- und Münzhändler gleichermaßen.

Geldwäschegesetz Verschärfung: Chronologie

  • 01. Januar
    2020

    Neue Obergrenze von 1.999,99 Euro tritt in Kraft

    Bei größeren Beträgen sind Händler verpflichtet, die Identität des Käufers festzustellen

  • 29. November
    2019

    Bundesrat stimmt zu, Gesetz und 2.000 Euro Grenze kommt

    Bundesrat stimmt dem vom Bundestag am 14. November 2019 verabschiedeten Gesetz zu. Damit ist das Gesetz und die 2.000 Euro Grenze so beschlossen. Es wird zum 1.1.2020 in Kraft treten.
    Der Bundesrat regt in seinem Beschluss Drucksache 598/19 vom 29.11.2019 unter g) aber erneut an, den Schwellenwert auf 1.000 Euro zu senken und weist auf die angeblich sehr hohe Geldwäscheanfälligkeit des Goldhandels hin, jedenfalls soweit Goldprodukte in bar bezahlt würden. Quelle: www.bundesrat.de

  • 14. November
    2019

    Bundestag beschließt Gesetz

    Dem Gesetzesentwurf zur Absenkung des Schwellenbetrages auf 2.000 Euro wurde mehrheitlich zugestimmt. Das Gesetz soll schon zum 1.1.2020 in Kraft treten. Bundesrat muss noch zustimmen, was allerdings als Formsache gilt. Quellen:
    Beschlussempfehlung zu Gesetzentwurf
    www.bundestag.de

  • 09. Oktober
    2019

    Bundesregierung folgt nicht Bundesratempfehlung

    Die Bundesregierung nimmt die Empfehlung des Bundesrates, nur 1.000 Euro als Obergrenze für anonyme Barzahlung gesetzlich zu verankern, zur Kenntnis, will aber an der 2000 Euro Grenze festhalten: Quellen:
    Pressemeldung Bundestag
    Regierungsentwurf vom 09.10.2019. Dort u.a. Seite 148

  • 20. September
    2019

    Bundesrat empfiehlt 1000 Euro Obergrenze

    In einer Stellungnahme empfiehlt der Bundesrat, nur 1.000 Euro als Obergrenze gesetzlich zu verankern. Quelle:
    www.bundesrat.de / Stellungnahme Dort insbesondere Seite 12

  • 03. September
    2019

    Bundesregierung antwortet auf kleine Anfrage

    Kleine Anfrage, eingereicht von mehreren Abgeordneten sowie der FDP-Fraktion. Frage:
    “Wie hoch werden nach Kenntnis der Bundesregierung die einmaligen Kosten sein, die im Zusammenhang mit den Sorgfalts- und Meldepflichten für die Edelmetallhändler anfallen?”
    Antwort: “Die Bundesregierung geht von einem einmaligen Erfüllungsaufwand….in Höhe von ca. 163.500 Euro aus”
    Quelle: www.bundestag.de / kleine Anfrage. Dort insbesondere Seite 5 (=Frage 9)

    Lesenswert übrigens ebenda auch die Antwort der Regierung auf Frage 6 (=Seiten 3 und 4): Dort wird für 2008 - 2018 eine Zunahme von Verdachtsmeldungen allgemein konstatiert. Betrachtet man aber die Zahl der Verdachtsmeldungen im Edelmetallbereich im speziellen, so sind die Zahlen rückläufig.

  • 20. Mai
    2019

    Erste Gesetzentwürfe

    Beim Bundesfinanzministerium erarbeitet man einen ersten Gesetzentwurf ("Referenten-Entwurf" ). Augenfälligste Neuerung: Reduzierung der Bargeld-Obergrenze auf 2.000 Euro, dazu deutliche Verschärfung der Kontroll- und Sorgfaltspflichten für Händler. Quelle:
    www.bundesfinanzministerium.de: Referentenentwurf / GWG. Dort insbesondere Seite 10.
    Die Vorlage des BMF wird im Juli als "Regierungsentwurf" im Wesentlichen übernommen: www.bundesfinanzministerium.de: Regierungsentwurf / GWG. Dort insbesondere Seiten 56, 82 & 87

  • Sommer
    2018

    EU verabschiedet "Richtlinie 2018/843"

    Es ist ein Maßnahmenbündel zur Bekämpfung von Terrorismus und Geldwäsche. Damit verbunden die Pflicht der Mitgliedsstaaten, diese Richtlinie bis 10. Januar 2020 in nationale Gesetze umzusetzen.
    Quelle: www.eur-lex.europa.eu: Richtlinie (EU) 2018/843 zur Änderung der Richtlinie (EU) 2015/849 zur Verhinderung der Nutzung des Finanzsystems zum Zwecke der Geldwäsche und der Terrorismusfinanzierung

  • Juni
    2017

    Reduzierung der Obergrenze von 14.999,99 auf 9.999,99 Euro


Was bedeutet das für Privatanaleger?

Eine deutliche Beschneidung des anonymen Tafelgeschäftes. Bei einer Obergrenze von nur noch 2.000 Euro ist bereits der anonyme Kauf von zwei 1 oz Krügerrand Goldmünzen nicht mehr möglich (Goldpreis Stand Januar 2020).

Trotzdem werden immer noch viele Anleger Gold anonym kaufen wollen. Tipp: Die GOLD.DE Händlerliste mit renommierten Händlern! Alle dort aufgeführten Edelmetallhändler tragen das Siegel GOLD.DE-zertifiziert: Zur GOLD.DE Händlerliste


Was bedeutet das für Edelmetallhändler?

Erheblicher Mehraufwand. Für viele kleinere Händler möglicherweise existenzbedrohend. Denn Händler werden deutlich stärker in die Pflicht genommen bei der Umsetzung des Know-Your-Customer-Prinzips (= KYC, kenne deinen Kunden). Im Zuge des zu leistenden Risikomanagements gelten jetzt allgemeine Sorgfaltspflichten schon ab einer deutlich geringeren Bargeldgrenze, und auch in stärkerem Maße als bisher.

Denn beim Überschreiten der Bargeld-Obergrenze ist es mit einer Ausweisprüfung allein nicht getan. So besteht etwa die Pflicht abzuklären, ob es Hinweise gibt auf einen kriminellen Hintergrund, wer "wirtschaftlich Berechtigter" ist, die Anwendung interner Sicherheitsmaßnahmen oder die verstärkte Überwachung der Geschäftsbeziehung bei Personen oder Unternehmen aus “Hochrisikoländern” sowie bei “politisch exponierten Personen”.

Bei Verdacht müssen Meldungen an die Behörden gemacht werden. Bei fahrlässigem Verstoß gegen diese Pflichten gelten erweiterte Bußgeldvorschriften. Die Befugnisse der Zentralstelle für Finanztransaktionsuntersuchungen (FUI) wurden gestärkt, das Transparenzregister ist nun für die Öffentlichkeit zugänglich.

Da wird sich mancher Edelmetallhändler überlegen, ob er das anonyme Tafelgeschäft überhaupt noch anbieten will. Ganz abgesehen davon, dass sich mancher hier zum Erfüllungsgehilfen der Ermittlungsbehörden degradiert sehen mag.

Wir werden ab 1. Januar 2020 kein anonymes Tafelgeschäft mehr anbieten

Hartmut Aschhoff, Aschhoff Edelmetalle Frankfurt.

Was bedeutet das für den Edelmetall-Markt allgemein?

Unterm Strich dürfte diese erneute Verschärfung des Geldwäsche-Gesetzes eine Zunahme des online Handels bedeuten.

Der Hintergrund

Terroranschläge, Geldwäsche, Panama-Papers, Vormarsch der Kryptos: Um nicht machtlos im Kampf gegen alte und neue Kriminalitäts-Szenarien zu sein, ist man auf EU-Ebene schon lange aktiv. Resultat ist ein ganzer Richtlinienkatalog, salopp auch bekannt als Geldwäschegesetz (GWG) oder Geldwäsche-Richtlinie. Die aktuellste Fassung trat im Sommer 2018 in Kraft als Richtlinie (EU) 2018/843. Hierin aufgeführt diverse Maßnahmen zur Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus.

Verbunden mit dieser EU-Richtlinie ist die Pflicht an die EU-Mitgliedsstaaten, diese Vorgaben auf nationaler Ebene in Gesetze umzusetzen.

Zwar richtet sich das neue Gesetz mit den erweiterten Sorgfaltspflichten nicht nur an die Edelmetallbranche, sondern grundsätzlich an alle Branchen, die als besonders anfällig gelten für Geldwäsche, wie die Immobilien-, Glücksspiel-, Kunst-, Auktions- oder die Krypto-Branche.

Pikantes Detail für Edelmetallhändler ist allerdings die Senkung der Bargeldobergrenze für anonyme Tafelgeschäfte.

Tod auf Raten - oder: Politik mit Tradition

Nach der ersten Herabsetzung der Obergrenze im Juni 2017 von 14.999,99 Euro auf 9.999,99 Euro ist dies nun die zweite drastische Reduzierung der Obergrenze innerhalb kurzer Zeit. Auch in anderen EU-Ländern sind ähnliche Entwicklungen für das anonyme Tafelgeschäft zu beobachten, oder zu erwarten. Und selbst die aktuelle Grenze von 1.999,99 Euro ist manchen noch nicht genug, wie ein Blick auf unsere Chronologie zeigt.

Stirbt anonymer Goldkauf?

Zum Vergleich: Die Schweiz war schon immer etwas großzügiger, was den anonymen Barkauf von Gold angeht. Dort waren bis 31.12.2019 Beträge bis 25.000 SFR erlaubt. Aber auch hier eine ähnliche Entwicklung: „Zum 1. Januar 2020 ist die neue Grenze von 15.000 CHF in Kraft getreten. Leider geht der Kelch der Bargeldbegrenzung für den Erwerb von Edelmetallen auch nicht an der Schweiz vorüber“, so Christian Brenner, Managing Director der Philoro Schweiz AG.

Cui bono?

Man kann diese erneute Senkung der Bargeld Obergrenze durchaus in einem größeren Zusammenhang sehen. Es stellt sich also die Frage nach dem Cui bono: Wem nutzt es?

Kritiker bezweifeln ja schon länger, ob es beim Geldwäschegesetz wirklich nur um die Eindämmung von Kriminalität geht, oder ob da nicht mehr Absicht dahinter steckt. Denn bei einem Geldsystem ganz ohne Bargeld hätten (Zentral-) Banken endgültig die volle Kontrolle. Ohne Bargeld lässt sich schließlich jede gewünschte Zins- und Geldpolitik viel einfacher durchsetzen.

Vor diesem Hintergrund erscheinen die Bestrebungen zur Bargeldabschaffung in einem anderen Licht. Bekanntlich werden seit Jahren in vielen Ländern die gesetzlichen Grenzen für Bargeldzahlung immer enger gezogen. Nur drei aktuelle Beispiele für allgemeine Bargeldobergrenzen aus anderen europäischen Ländern:

  • Frankreich: 1.000.- Euro
  • Spanien: 2.500.- Euro
  • Italien: 2.999.- Euro

Bargeld Grenzen, die wohlgemerkt allgemein gelten, und nicht nur für den Kauf von Edelmetallen. In Deutschland gibt es derzeit noch keine allgemeine Bargeldbeschränkung.

Auch Bestseller-Autor und Finanzexperte Marc Friedrich hat das Thema aufgegriffen. Das Video ist zwar vom Sommer 2019, bringt es aber gut auf den Punkt und hat somit nicht von seiner Aktualität verloren:

Fazit

Rückmeldungen aus Händlerkreisen wie auch von Privatanlegern, welche die GOLD.DE Redaktion erreichen, sind kritisch. Der Ball liegt also bei den Fachverbänden aus der Edelmetall- und Münzbranche, sich weiterhin in die Diskussion einzubringen.

Weitere Informationen:

Stirbt anonymer Goldkauf?
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Kommentare [149]
  • von Habnix | 12.01.2020, 19:28 Antworten

    Vorsicht die Arbeitnehmer könnte auch wieder ihren Nettolohn in Bar vom Arbeitgeber verlangen, wenn Banken und Regierung all zu giereig sind. Dann haben wir den Salat. Dann bricht das System auf einen Schlag.

  • von Tetzlaff Gerhard | 01.01.2020, 18:47 Antworten

    Ich finde wenn Politiker unbescholtenen Bürgern Geldwäsche unterstellen, dann sollten diese erst einmal im Eigenen Haus kehren. Wenn Politiker Ihre Arbeit nicht machen wollen, damit Sie dem nächsten Arbeitgeber z.B. bei der DB wie Herr Profalla oder Herr Gabriel oder Herr Schröder usw. dann sollte man nicht mit Steinen schmeißen. Wenn in der Industrie momentan nichts frei ist, dann geht man nach Brüssel. Die Stellenmafia lässt Grüßen!!!!!!!!!!!!

  • von Natasha | 07.08.2019, 12:53 Antworten

    Hallo, kann mir jemand sagen, auf welchen Zeitraum der Kauf begrenzt ist? Gelten dann die max. 2000€ pro Tag oder pro Jahr? Denn dann kann ich ja 5x hintereinander oder täglich einmal zum Händler gehen und die Obergrenze zur Registrierung umgehen, wenn ich bei jedem Besuch 1900€ dort lasse.... sehe ich da etwas falsch? Ich bedanke mich für eine zuverlässige Antwort.!

    • von Orlando | 28.12.2019, 12:46 Antworten

      Ab 2000,-€ pro Kauf muss der Edelmetallhändler Ausweis des Käufers verlangen, kopieren oder scannen, ein Formular ausfüllen und das Dokument fünf Jahre aufbewahren. Wenn du nach paar Wochen wieder zu demselben Händler gehst wird er dich vermutlich auch nicht mehr kennen - es ist ja auch auch sein Geschäft. Allederdings heisst es noch: Aufgrund der verschärften Sorgfaltspflicht müssen Händler außerdem prüfen, ob es beim Geschäftspartner Hinweise auf einen kriminellen Hintergrund gibt. Auch bei Personen oder Unternehmen aus „Hochrisikoländern“ und bei „politisch exponierten Personen“ werden die Geschäftsbeziehungen durchleuchtet.
      Schöpft ein Händler Verdacht, muss er seinen potentiellen Kunden an die Behörden melden. Versäumt es ein Händler, diesen Pflichten adäquat nachzukommen, drohen ihm empfindliche Geldstrafen. Ich frag mich wie die Händler das machen sollen.... So ein Clan-Boss der Geld waschen will schickt dann 20 seiner Cousinen und Cousins am Tag hin... also absolter Schwachsinn.

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