Stand: 08.10.2020
Kommt die Bargeld Abschaffung? Wenn ja, wann und wie? Was sind die Folgen, wer sind die treibenden Kräfte? Und was heißt überhaupt "Bargeldverbot"? GOLD.DE beleuchtet die Diskussion und die Hintergründe.
Bargeldabschaffung: Das Wichtigste in Kürze
  • Bargeld in Deutschland sehr beliebt
  • Banken, Wirtschaft, Finanz- und Werbeindustrie wollen es in weiten Teilen
  • Hauptargument der Befürworter: Kampf gegen Geldwäsche
  • Für den Bürger gäbe es viele Nachteile
  • Bargeldabschaffung in Deutschland auf kurze Sicht unwahrscheinlich
  • Bargeldloser Zahlungsverkehrs in vielen anderen Ländern populärer
Bargeldabschaffung

Wer will überhaupt die Bargeldabschaffung?

Unabhängig davon, ob wir als Bürger bargeldlosen Zahlungsverkehr wollen oder nutzen, lohnt ein Blick auf die Interessensgruppen, denen ein grundsätzliches Interesse an einer Abschaffung des Bargelds unterstellt werden kann:

Zentral-Banken
Aufgrund der Schuldenkrise haben Zentralbanken ein Interesse an niedrigen Zinsen oder gar negativen Zinsen. Ohne Bargeld wäre dies einfacher durchsetzbar, sozusagen auf Knopfdruck.
Der Staat
Auch wenn er politisch unabhängig sein soll, so gibt es doch Verflechtungen mit Zentralbanken und systemrelevanten Geschäftsbanken, und somit ähnliche Interessenslagen. Eine wie auch immer geartete "Transaktionssteuer" oder "Bargeldsteuer" wäre einfacher durchzusetzen.
Geschäftsbanken
Gibt es kein Bargeld mehr, muss auch kein Bank-Run (=Bank-Ansturm) befürchtet werden. Wenn alles Geld nur noch in digitaler Form auf Konten liegt, wären zudem auch Gebühren einfacher durchzusetzen.
FinTechs
Unternehmen, deren Geschäftsfeld der digitale Zahlungsverkehr im weitesten Sinne ist (FinTech = Finanztechnologie): Kreditkarten-Anbieter, Anbieter elektronischer Zahlungssysteme wie e-Wallets, Bezahl-Apps oder Mobile Payment. Auch diverse Computer- und Internetgiganten zählen dazu wie etwa Apple Pay, Google Pay oder Facebooks "Libra".
Wirtschaft &
Werbeindustrie
Jede Finanztransaktion wird gespeichert und ist somit grundsätzlich verfügbar. Der gläserne Mensch könnte Realität werden. Zudem kann über Geldentwertung indirekt Konsumzwang ausgeübt werden.
Überwachungs- &
Kontrollbehörden
Durch einfaches "Abdrehen des Geldhahns" böten sich neue (Sanktions-) Möglichkeiten. Den Finanz- und Strafverfolgungsbehörden hilft es im Kampf gegen Geldwäsche und organisierte Kriminalität

Kommt die Bargeldabschaffung? Wenn ja, wann?

Dass Bargeld auf kurze Sicht abgeschafft wird, ist unwahrscheinlich. Der Widerstand gegen eine Bargeld-Abschaffung ist aktuell hierzulande noch erheblich. Selbst Top Banker erwarten dies kurzfristig nicht:

Die Abschaffung des Bargelds ist kein sinnvolles Instrument, um die Geldpolitik zu beflügeln... Und es würde auch das Vertrauen der Bürger in die Geldpolitik zerstören.

Bundesbank Präsident Jens Weidmann, in: DER SPIEGEL, 2016

Die Anzeichen mehren sich aber, dass die Abschaffung des Bargeldes auf lange Sicht wahrscheinlich ist. Zu mächtig sind die Interessengruppen, die Bargeld abschaffen wollen, zu einschneidend sind die technologischen Entwicklungen, die nicht mehr aufzuhalten sind, Stichwort online Shopping, vernetzte Welt, oder Kryptowährungen. Schon jetzt ist zu sehen, dass Obergrenzen für Bargeld Bezahlung immer enger geschnürt werden.

Vor allem aber wird sich auch die Akzeptanz des bargeldlosen Zahlungsverkehrs weiter durchsetzen. Die Nutzung von EC-Karten, Kreditkarten und Girokonten ist heute selbstverständlich. Und für die Generation der "Digital Natives" stellt sich sich diese Frage sowieso immer weniger. Hier sind bargeldlose Zahlungsmethoden wie PayPal oder Bezahl-Apps auf dem Vormarsch. Ähnlich wie beim Siegeszug des Internets kann man davon ausgehen, dass die Vorbehalte in der breiten Bevölkerung abnehmen werden. Und spätestens, wenn jeder Bäcker bargeldloses Bezahlen im Vorbeigehen per kontaktlosem Mobile Payment anbietet, dann dürften für Münzen und Scheine schwere Zeiten anbrechen.

Wann droht uns die Bargeldabschaffung? Ich denke, nicht morgen. Ich denke auch nicht übermorgen. Aber überübermorgen würde ich nicht ausschließen.
Finanzexperte Robert Halver, 2016
Das nächste Geldsystem wird digital sein. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Spätestens dann braucht es Alternativen wie Gold oder Kryptos.
Bestsellerautor & Finanzexperte Marc Friedrich, 2019

Bargeldverbot: Was genau heißt das?

Ins öffentliche Bewusstsein kam der Begriff vor einigen Jahren, als Initiativen wie "stop-bargeldverbot.de", "Volkspetition Bargeldverbot stoppen", "Verein Pro Bargeld" oder Buchtitel wie "Achtung Bargeldverbot" die Öffentlichkeit zum Thema sensibilisierten.

Unter den Aktivisten auffallend viele rechtskonservative Ökonomen, die sich auf die Theorien der Österreichischen Schule berufen, eine marktradikale Wirtschaftstheorie, welche die Kräfte des freien Marktes und des freien Geldes propagiert und jede Steuerung von Wirtschafts- oder Geldpolitik ablehnt.

Der Begriff Bargeldverbot ist jedoch plakativ. Denn ein Verbot suggeriert, dass etwas mit einer Strafe bewehrt ist. Bargeld an sich steht aber nicht unter Verbot. Weder aktuell, noch ist das kurzfristig zu erwarten, noch wurde irgendwo offiziell verkündet, dass ein Verbot geplant ist.

Wie wird Bargeld abgeschafft?

Wahrscheinlich ist ein langer schleichender Prozess in vielen kleinen Schritten, die in der Summe auf ein großes Ziel hinauslaufen: Bargeld erst unattraktiv und unpraktisch zu machen, um es dann irgendwann ganz abzuschaffen. So wie jetzt schon der 500 Euro Schein. Er ist zwar nicht verboten, wird aber nicht mehr neu ausgegeben und so langsam aus dem Verkehr gezogen.

Hilfreicher als die Frage Wann kommt die Bargeldabschaffung ist daher der Blick auf das mögliche Szenario dieses Prozesses:

  1. sukzessive Abschaffung großer Banknoten
  2. sukzessive Verschärfung von Obergrenzen für Barzahlungen. Siehe hierzu auch: Stirbt der anonyme Goldkauf?
  3. sukzessive Aufhebung der Bargeld-Annahmepflicht bei wichtigen Dienstleistungen. Beispiel: GEZ
  4. sukzessive Verschärfung von Abhebungsbeschränkungen bei Bankkonten
  5. sukzessive Erhebung von extra Steuern und Gebühren auf die Nutzung von Bargeld

Die Argumente der Bargeldgegner auf dem Prüfstand

Politik will verkauft werden. Deshalb werden nicht immer die eigenen Interessen kommuniziert, sondern Vorteile, welche sich für alle ergeben sollen.

ArgumentStimmt das?
"Bargeld fördert Kriminalität"Unstrittig ist, dass Bargeld als "Entlohnung" für kriminelle Handlungen wie Erpressung, Drogen- oder Menschenhandel noch immer sehr beliebt ist. Kriminelle Energie speist sich aber auch aus Vorsatz und Macht. Beispiele große Firmen zeigen, dass man Steuern auch legal hinterziehen kann. Ansonsten findet man auch andere Möglichkeiten wie Bitcoin oder das arabische Hawala System. Zudem besteht bei einer Abschaffung des offiziellen Bargeldes die Gefahr, dass unseriöse Parallelwährungen entstehen.
"Bargeldloser Zahlungsverkehr ist sicherer"Fraglich. Denn die Zahl der täglichen Hackerangriffe und Betrugsversuche im online Zahlungsverkehr oder auf online Konten geht ebenfalls in die Millionen, Tendenz zunehmend. Ganz zu schweigen vom Szenario eines totalen Stromausfalls.
"Bargeld fördert Schwarzarbeit"Einnahmen entgehen dem Staat auch anderweitig. Das eigentliche Problem in weiten Teilen der Wirtschaft ist nicht Schwarzarbeit, sondern dass ganz legal Mindestlöhne ausgehebelt werden, etwa durch Subunternehmer-Konstrukte. Diese Unternehmen sitzen oft im Ausland, wo sie keine Abgaben an den deutschen Staat abführen müssen
"Bargeld ist teuer"Fraglich. Zwar sind Kosten für Druck, Transport, Lagerung und Sicherung von Bargeld erheblich, doch ob Entwicklung, Unterhalt oder Sicherungsmaßnahmen für Produkte des bargeldlosen Zahlungsverkehrs tatsächlich billiger sind, darf hinterfragt werden

Diskussion: Schöne neue bargeldlose Gesellschaft?

Ist die Liebe zum Bargeld ein typisch deutsches Phänomen?

Fakt ist:Ob USA, Skandinavien, Asien, in vielen anderen Ländern ist Cashless Payment populärer als hierzulande, Widerstand dagegen überschaubar. In Schweden etwa sollen bereits über 80 % der Bevölkerung überhaupt kein Bargeld mehr nutzen. Selbst die Tasse Espresso oder das Busticket kann man dort vielerorts nicht mehr mit Bargeld bezahlen. In Kenia nutzen 80% aller Mobilfunk-Kunden den mobilen Bezahlservice "M-Pesa", da dies auf dem Land die einzige Chance überhaupt ist zum Geldtransfer. Und mit Corona scheint auch der Aspekt "Hygiene" in den Vordergrund gerückt zu sein. Viele Geschäfte bitten explizit um bargeldlose Zahlung.

Viele empfinden die Diskussion Bargeld - Ja oder Nein auch als abwegig. Denn wie gerecht eine Gesellschaft ist, hängt nicht ab von der Art des Geldes, sondern: Wer wie viel davon hat. Aussagen wie "Bargeld ist gelebte Freiheit" erscheinen da politisch sehr verkürzt. Die Existenz von Bargeld allein hat noch nie eine Diktatur verhindert, so wie umgekehrt bargeldloser Zahlungsverkehr sehr wohl mit Gerechtigkeit und Demokratie vereinbar sind. Letzteres zeigt das Beispiel Schweden. Das Land zählt zu den fortschrittlichsten und freiheitlichsten Gesellschaften überhaupt.

Dass niedrige oder gar negative Zinsen Sparguthaben entwerten können und somit eine indirekte Enteignung des Bürgers darstellen können ist aber eine mögliche Gefahr. Berücksichtigt werden müssen dabei aber die Faktoren Inflation bzw. Deflation sowie die reale Kaufkraftentwicklung.

Weitere kritische Punkte sind der indirekte Konsumzwang, der in einer bargeldlosen Gesellschaft ausgeübt werden könnte, sowie sowie der "gläserne Mensch".

Wie kann ich mich schützen?

Wer schleichende Enteignung oder auch Entwertung von Geldvermögen befürchtet, der sollte über Gold als Anlageform nachdenken. Gold erhält nicht nur zuverlässig die Kaufkraft über Generationen hinweg, es lässt sich auch gut verstecken.

"Die Vertreter des elektronischen Geldes hassen es, wenn sich der kleine Mann mit Goldbesitz gegen ihren Raubzug absichert."

Links zu Initiativen

Ihre Meinung zum Thema?
Sicherheitsfrage: Wie viele Münzen sehen Sie?
Fragen über Fragen
Ich stimme zu, dass mein Kommentar und Name zur Veröffentlichung auf GOLD.DE gespeichert wird. Die Netiquette für Kommentare hab ich gelesen. Sie können Ihre Einwilligung jederzeit per Mail an info@gold.de widerrufen. Unsere Datenschutzerklärung.
von Hartz for Future | 14.10.2020, 14:19 Antworten

Freie Wahlen, Demokratie, Mitbestimmung,... alles DInge für die Geschichtsbücher!
Das gesamte System ist am kippen und keiner wird dies heute mehr aufhalten können,...
Bargeldabschaffung ist dabei aber nicht das Thema, sondern nur ein kleiner Baustein auf dem Weg in die Versklavung. Die Fremdbestimmung haben wir schon heute in den meisten Bereichen, doch was, wenn der Staat auch noch kontrolliert was ich erwirtschafte und wofür ich es ausgebe, und damit faktisch mein gesamtes Leben..?
Die einzige wirkungsvolle Reaktion liegt heute nur noch im Entzug er Mittel des Staates.
Solange sich die Menschen mit einer Job, Verdienst, Bier-Seuche oder Bargeldabschaffung befassen, haben sie nichts verstanden und gehen jeden Tag einen weiteren Schritt in die Hölle.

von Ralph-Lothar Keller | 05.09.2020, 09:08 Antworten

"Aussagen wie "Bargeld ist gelebte Freiheit" erscheinen da politisch sehr verkürzt. " Und dann Schweden als Beispiel, dass auch rein digitale Zahlkultur mit einer freiheitlichen Staatsform verknüpft sein kann. ... Geschenkt. Aber Gegenfrage: was passiert in Schweden, wenn dort eine andere Regierung mit wenig Skrupeln zur Überwachung an die Macht kommt? Dies kann, wie man an Ländern wie z.B. der Türkei sehen kann, sehr schnell gehen.

von Jojo | 19.07.2020, 13:32 Antworten

Bargeld ist und bleibt gedruckte und geprägte Freiheit. Kartenzahlungen und Bezahlapps werden auch niemals kostengünstiger sein. Wer das glaubt, dem empfehle ich die Gebrüder Grimm...Was passiert, bei einem Blackout oder gesperrten Bankkonto? Der Mensch vergisst vor lauter Digitalisierung ab und an noch sein Hirn zu verwenden. Bargeld muss bleiben!

von Thomas | 14.06.2020, 10:43 Antworten

Ich liebe das Bargeld und ec karte kommt nicht in Frage also muss es bleiben

von Ilse Kremp | 04.06.2020, 15:53 Antworten

Das geht gar nicht. Es gibt so viele ältere Menschen die nicht mit der EC Karte umgehen können oder sich die Pin merken. Will der Staat die volle Kontrolle über uns?

Copyright © 2009-2020 by GOLD.DE – Alle Rechte vorbehalten

Konzept, Gestaltung und Struktur sowie insbesondere alle Grafiken, Bilder und Texte dieser Webseite sind urheberrechtlich geschützt. Missbrauch wird ohne Vorwarnung abgemahnt. Alle angezeigten Preise in Euro inklusive MwSt. (mit Ausnahme von Gold), zzgl. Versandkosten, sofern diese anfallen. Verfügbarkeit, Abholpreise, Goldankauf und nähere Informationen über einzelne Artikel sind direkt beim jeweiligen Händler zu erfragen. Alle Angaben ohne Gewähr.

Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"